Österreich - Bayern im Postverein

  • Liebe Freunde,


    heute zeige ich einen einfachen Brief aus Kronstadt (heute: Brasov in Rumänien, 250.000 Einwohner) vom 3.1.1862 an Wilhelm Weiß nach Straubing. Über Wien gelaufen, waren schon einmal 4 Tage vorbei. Von Wien nach Straubing dann aber innerhalb von 24 Stunden zugestellt.


    Hier ist am besten zu sehen, wie langsam die Postkutschen dieser Zeit waren, wenn man sieht, wie schnell die Eisenbahn war (letzter Teil der Reise).

  • Liebe Freunde,


    ein netter Brief mit Inhalt ging an einen Promi der damligen Zeit - und eine Angeheiratete steht heute der EU vor, was ja auch nicht jeder Brief zeigen kann:


    Graz, 15.2.1861, "An S(eine) Durchlaucht dem Herrn Fürsten von der Leyen in München", mit 15 Neukreuzern korrekt über 20 Meilen unter 1 Loth korrekt frankiert. Ankunft in München 2 Tage später und die Leitung über Wien wurde auch sauberst dokumentiert.


    Verschickt wurde eine "Notta (Rechnung, eigentlich Nota genannt) über 8 Pfund Chocolate Nr. 1 a 2 Gulden 64 Neukreuzer und 8 Pfund Jagdzettl a 2 Gulden 36 Neukreuzer, total 25 Gulden 84 Neukreuzer. "Bei der vorherigen Rechnung mehr erhalten 35 Nkr., daher Summe 25 Gulden 49 Kr. öster. Währung".


    Ihre Duchlaucht hatte also wohl falsch rheinische zu österreichische ( neue ) Kreuzer gerechnet. Fair vom Grazer, dass er das nicht einkassierte, sondern bonifizierte!


    "Am 25/2 mittels Post gegen beigelegten Postschein berichtigt und abgesondert. Leyen."


    Leider war der einst beigelegte Postschein nicht im Brief - zu gerne hätte ich diesen noch hinzugefügt ...

  • Lieber Ralph,


    ein schöner Brief! Für mich neu, dass unsere neue EU-Prominente eine direkte Nachfahrin dieser Familie ist.
    Eine interessante Rechnung über die 8 Pfund Schokolade, aber was habe ich mir unter 8 Pfund Jagdzettl vorzustellen?


    Gruß
    Michael

    Preußen mit Transiten

  • Lieber Michael,


    ach herrje - sie ist ja nur angeheiratet, man möge mir den Fehler im Überschwang meiner Gefühle für die EU verzeihen ... ^^


    Jagdzettel kenne ich auch keine - vlt. habe ich es auch nur falsch gelesen?

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Lieber Ralph,


    dieser Überschwang der Begeisterung ist eine mehr als ausreichende Begründung für diese Zuordnung. :D
    Unabhängig davon interessiert mich schon, welche Fürsten von der Leyen in München saßen. Die angeheiratete Linie unserer Ursula hatten zwar zwischenzeitlich den Beinamen Seidenbarone, dies bezog sich aber auf ihre herausragende Stellung im Textilgewerbe Krefelds, tatsächlich waren es "nur" Freiherren.
    Fürstliche von der Leyens kenne ich aus dem Moselraum, eine Verbindung nach Bayern ist mir unbekannt.


    Davon abgesehen, finde ich den von den dir zitierten Passus mit der Rechnungskorrektur interessant - waren damals halt noch ehrbare Kaufleute, die reell abrechneten.


    Gruß
    Michael

    Preußen mit Transiten

  • Lieber Michael,


    ja, ehrbare Kaufleute war damals ein tautologischer Begriff, auch wenn es genug andere gab.


    Mit den von der Leyens habe ich mich vor Jahren mal etwas beschäftigt, weil ich einen Brief an einen v. d. L. bekommen habe; daher bin ich momentan genealogisch sicher im Hintertreffen, was die einzelnen Zweige dieser alten Familie angeht.

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Liebe Freunde,


    ich vermute, dass es sich nicht um Zettl, sondern um Zeltl handelt. Das sind kleine Kuchen/Brötchen mit Kräutern und ähnlichen Ingredienzen, von denen man sich eine vorbeugende/heilende Wirkung gegen/bei Krankheiten verspricht (häufig von Apothekern und Lebzeltern hergestellt bzw. vertrieben). Kann man sich wie Aachener Printen oder Magenbrot vorstellen.


    Viele Grüße aus Erding!

    Viele Grüße aus Erding!


    Achter Kontich wonen er ook mensen!

  • Lieber Dietmar,


    so wird es sein - klasse! Vielen Dank für die Aufklärung (allerdings kannte ich dieses Wort auch noch nicht). ;)

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Liebe Freunde,


    Lagebeschreibung eines bayerischen Transitpostsammlers: Briefe aus Böhmen nach dem Vorarlberg waren mit dem Bau der Bahnlinie Berlin - Leipzig - Bodenbach - Prag - Wien nicht mehr über österreichisches Gebiet zu leiten, sondern nahmen eine gewaltige Abkürzung über Hof - Nürnberg - Augsburg - Kempten - Lindau. Das ersparte mehrere Hundert Kilometer und mindenstens 2 Tage, war also ein erheblicher Fortschritt.


    Da diese Linie, von mir immer "Bodenbach" genannt, weil dort fleißigst die Transitpost abgestempelt wurde, so dass man den Nachweis der o. g. Leitung leicht erbringen kann, aber erst zum 6.4.1851 freigegeben wurde, stellte sich mir immer die Frage, wie man vor diesem Datum verfahren war.


    Hierbei reden wir von einem Zeitfenster 1.7.1850 (DÖPV) bis 5.4.1851 und nur von Briefen aus Böhmen bzw. dem nördlichen Teil davon in Richtung Vorarlberg. Das mag jetzt nicht so dramatisch klingen, aber in 30 Jahren ist keiner aufgetaucht - bis jetzt dieser wahrlich unansehnliche Brief aus Neudek vom 31.3.1851 mit 9 Kreuzern frankiert an Herrn Mathias Turnher in Dornbirn in Tyrol daher kam, dessen Jahr nicht im Angebot genannt wurde und wo ich mich auf meinen Instinkt verlassen musste.


    Die Siegelseite zeigt folglich folgende Stempelungen: Prag 1.4., Linz 3.4., Innsbruck 5.4. und Dornbirn 6.4..


    Am Tag seiner Ankunft also wäre er bei der Postaufgabe in Neudek ganz anders gelaufen als so noch, denn hier lief er um Bayern weitläufig herum, wobei er jedoch von Salzburg aus Richtung Innsbruck Bayern im geschlossenen Briefepaket transitierte (Berchtesgadener Land), sonst aber nicht.

  • Glückwunsch Ralph,


    jaja der Instinkt...auf den ist halt Verlaß, besonders bei dir. ;)


    Toller Brief und interessante Geschichte, also vorher Böhmen über Salzburg und Innsbruck nach Vorarlberg, dann Bodenbach.


    LG

    Christian

  • Hallo Christian,


    vielen Dank! Ja, hin und wieder trügt mich mein Instinkt nicht, alles eine Sache der Erfahrung.


    Es gibt aber auch Briefe aus Nordböhmen nach dem 6.4.1851 in den Vorarlberg, die einer vergleichbaren Route folgten. Ich denke, dass diese "Ausreißer" fehlkartiert worden sind (Richtung Wien, denn einige davon tragen hinten Wien - Stempel, obwohl das gar nicht auf der Tour lag).


    Ich bin schon sehr glücklich, dass dieser hier ganz nah am 6.4.1851 auf seine Reise ging - mein Traum wäre einer vom 6.4., also dem 1. Tag der neuen Bahnlinie. Aber ich habe ja noch ein paar Tage ...


    P.S. Schön, dich wieder hier zu wissen. Glückauf!

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo Sammlerfreunde,

    ein portorichtiger Fernbrief von Engelhartszell (Oberösterreich) nach Mittenwald (Bayern). Der Brief wurde am 14.4.1862 in Engelhartszell aufgegeben.

    Auf der Siegelseite Weiterleitungstempel PASSAU am 15.4.

    Frankiert wurde der Brief mit einer 2 Kreuzer-Marke der Freimarkenausgabe 1861.

    Briefgebühr ab 1.11.1858 bis 31.12.1865 = 10 Kreuzer Für eine Entfernung bis 20 Meilen und Gewicht bis 1 Loth

    Liebe Grüße

    Franz

  • Hallo Franz,


    darf ich einen Tippfehler verbessern? Frankiert wurde eine 10 Neukreuzermarke, keine 2 Nkr. Marke.


    Siegelseitig der seltene Bahnhof Passau vom österreichischen Amt in Passau - schönes Stück!

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • ... ich kenne ganz wenige Briefe mit ihm als Entwerter bayerischer Quadratmarken (da reden wir besser nicht über den Preis ...) und ca. 20 - 25 Briefe mit ihm als Transitstempel, als Ankunftsstempel wäre er auch sehr selten.

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo Ralph,


    Mir sind lediglich zwei Briefe mit dem österreichischen Passau-Bahnhof als Entwerter bekannt. Einen hat ein niederbayerischer Katzenfreund in seiner Weltklassesammlung. Wir durften ihn schon hier bewundern. Den Brief, nicht den Katzenfreund 😸


    Grüße aus Frankfurt

    Heribert

  • Lieber Heribert,


    ja, 2 gibt es mindestens, aber viel mehr wird es auch nicht geben. Wohl dem, der solch eine Atombombe sein Eigen nennen darf. :love:

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo Sammlerfreunde,

    eine Postkarte zu 2 Kreuzer. Die Karte wurde am 31.12.1897 in Schärding aufgegeben und ist noch am selben Tag in Passau angekommen.

    Ich weiß nicht, ob der Ankunftsstempel " PASSAU 2. Bhf " auch ein Bahnhofsstempel ist .

    Liebe Grüße

    Franz