Österreich - Bayern im Postverein

  • ... ich danke euch - leider war ich nicht der Einzige, die die Rosinenhaftigkeit bemerkt hatte, aber was solls, 2 Wochen bei Wasser und Brot (oder ein nach dem Lüften vergessenes, offenes Fenster) kompensieren das wieder allemal ... :D:D

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Demokratie ist, wenn zwei Wölfe und ein Schaf über die nächste Mahlzeit abstimmen. Rechtsstaat ist, wenn das Schaf überlebt.

  • Hallo Martin,


    ich vermute, daß der Brief von jemandem mitgenommen wurde, der mit der Eisenbahn nach Nürnberg reiste. Bereits Ende 1860 war die Strecke vom Grenzübergang Freilassing nach Nürnberg durchgehend befahrbar.

    Von Österreich habe ich noch keine Karten vom Ausbau der Eisenbahn. Kennt jemand eine Seite?


    beste Grüße

    Dieter

  • Liebe Freunde,


    man kann über den illegalen Transport nur Vermutungen anstellen, wenn in den Briefen nichts geschrieben steht - und es steht sehr selten etwas darüber, wohl auch deshalb, weil es Usus war.


    Ich kenne 2 Briefe nach Bayern, in denen explizit die Absender in die Briefe schrieben, dass sie sie Person X bzw. Person Y mitgeben würden, was dann auch getan wurde. Einmal zur Kutschenzeit (1840 von Hamburg nach Bayern) und einmal zur Eisenbahnzeit (Ende der 1850er Jahre). Es waren beides reine Privatbriefe.


    In der Masse dürften wir aber Firmenbriefe vor uns haben, die Rechnungen, Bestellungen, Wechselgutschriften usw. zum Inhalt hatten und diese Briefe wurden m. M. n. in der Regel in anderen Briefen bzw. Warenpaketen geschmuggelt. In der Primärliteratur gibt es einige Fälle der Aufdeckung mit entsprechenden juristischen Folgen - aber ich gehe davon aus, dass 99% unerkannt durchliefen.

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Demokratie ist, wenn zwei Wölfe und ein Schaf über die nächste Mahlzeit abstimmen. Rechtsstaat ist, wenn das Schaf überlebt.

  • Guten Tag zusammen,


    eine Mischfrankatur aus 3 und 6 Kreuzer wäre mir diesmal natürlich lieber gewesen, aber man kann das ja nicht zwingen. Leider ist der Beleg ohne Inhalt und hat auch sonst keinerlei Vermerke, so dass sich das Jahr der Beförderung schlecht ermitteln lässt. Dafür ist es ein recht schöner Beleg mit dem Firmenstempel der Dingler`schen Maschinenfabrik in Wien, welche schon gegen Ende der 1840er Jahre zahlreiche Dampfmaschinen in Betrieb hatte. Der Inhaber Johann Heinrich Dingler (1800-1871) war Bruder des Adressaten, den in der Pfalz (Zweibrücken) durch die Entwicklung der gleichnamigen Maschinenpresse und durch Eisenbahnwaggonbau bekannt gewordenen Christian Nikolaus Dingler (1802-1858).


    Viele Grüße

    vom Pälzer

  • Hallo Tim,


    Glückwunsch zu einem schönen und nicht häufigen Brief.

    Theoretisch könnte er vom März 1851 bis März 1858 sein - aufgrund der Laufzeit und den (hinten fehlenden) Stempeln datiere ich ihn auf 1857/58, denn 3 Tage von Wien in die Westpfalz war zuvor kaum möglich.

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Demokratie ist, wenn zwei Wölfe und ein Schaf über die nächste Mahlzeit abstimmen. Rechtsstaat ist, wenn das Schaf überlebt.

  • Vielen Dank Ralph,


    mein erster der Art ist von 1858, Deinen Hinweis übernehme ich 1:1. So mit Bahnpoststempeln im Durchgang gibt´s da anscheinend nix, oder ?


    LG

    Tim

    Wer um Postgeschichte einen Bogen macht, läuft am Schluss im Kreis

  • Hallo Tim,


    soviel ich weiß gab es es Bahnpoststempel zu der Zeit noch nicht. Ich lasse mich aber gerne korrigieren.

    Dein Brief konnte im Jahr 1857 von Rosenheim bis Zweibrücken durchgehend mit der Bahn transportiert werden. Den Rhein mußte er allerdings mit dem Boot überqueren, da es noch keine Eisenbahnbrücken gab.


    viele Grüße

    Dieter

  • Hallo Tim,


    an Briefen Österreich - Pfalz et vice versa forsche ich schon 25 Jahre, so einfach ist das Thema nicht. Aus der Pfalz (ich kann ja mal einen kurzen Vortrag beim Arbeitskreis Pfalz machen) sollte wohl via Frankfurt/Main und Sachsen via Bodenbach geleitet werden (ab ca. April 1851). Da gab es übrigens schon Bahnpoststempel.


    Problemhafter sind Briefe wie deiner, noch dazu ohne Datierung (den Wiener Stempel gab es in dieser Art ziemlich lange). Da ab 1.11.1858 die Neukreuzer-Marken eingeführt wurden, kann er nur bis März 1858 datiert werden.

    Üblich von Österreich wäre eine Leitung Wien über Prag (der sog. Kurs III) über Bodenbach über Dresden über Leipzig und dann nach Westen. Ab und zu sieht man diese Briefe, aber das Korrespondenzaufkommen Österreichs zur Pfalz ist äußerst gering, von daher kann ich empirisch wenig Brauchbares liefen mangels Masse und in der Literatur steht gar nichts.

    März 1851 war Bodenbach noch nicht angeschlossen bzw. gebaut. Frühest möglich wäre dann März 1852, aber bis 31.3.1854 gab es noch das alte Kartierungsverhalten mit i. d. R. vielen Bahnpoststempeln - daher denke ich, dass er de facto von 1855-58 sein müsste.

    Den Wiener Stempel kenne ich in diesem Zustand von 1855-58, so dass dies auch koinzidiert. Genauer kann ich es nicht eingrenzen - vlt. ein Österreich-Kenner anhand der Druckmerkmale, dem Papier, der Type oder der Farbe der 9x Marke, aber das kann ich nicht leisten.

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Demokratie ist, wenn zwei Wölfe und ein Schaf über die nächste Mahlzeit abstimmen. Rechtsstaat ist, wenn das Schaf überlebt.

  • Liebe Freunde,


    zur Leitung österreichischer Korrespondenzen über Bodenbach und Sachsen nach Bayern, darf ich von einem lieben Sammlerfreund 3 Briefe zeigen, die teils sehr aufschlußreich sind.


    Fangen wir mit dem einzig datierbaren Brief an aus Wien vom 28.8.1858 8 Uhr Abends an Ferdinand Wertheimer in Augsburg, wo wir siegelseitig als einzigen Stempel den des Augsburger Stadtpostamts vom 31.8.1858 sehen, nur die exakte Uhrzeit vermag ich nicht auszumachen. Eigentlich müsste, weil nur auf Bahnachsen gelaufen, der Stempel des Augsburger Bahnhofs zu sehen sein, auch lustig.

    Wir sehen also eine ca. 2,5 tägige Beförderungsdauer für eine Strecke in direkter Linie von 405 km.

    Der Absender hatte aber oben links "p(er) Leipzig" notiert und wenn auch Leitwegsangaben im Postverein üblicherweise für die Postverwaltungen völlig uninteressant waren, hier dürfte man sich daran gehalten haben, weil es wohl die schnellste Verbindung war: Wien-Prag-Bodenbach-Dresden-Leipzig-Bamberg-Nürnberg-Augsburg. Der so verfolgte Laufweg war bedeutend länger, aber für 1858 kann ich ihn noch nachweisen, auch wenn zu dieser relativ späten Zeit die Bodenbach-Stempel als finalem Beweis oft mangeln.


    Der 2. Brief aus .....bach vom 18.4.185? an Madame Madlon Merz, Adresse Herrn Friedrich Merz, Kammgarnspinnerei in Augsburg lief ausweislich seiner Siegelseite 2 Tage später über Bodenbach und war am Folgetag am Bahnhof Augsburg ausgeladen worden. Hier erfolgte die Stempelung also konform zu den Kartierungsvorschriften. Wenn man jetzt noch den Aufgabeort lesen könnte, ich kann es leider nicht, wäre das natürlich perfekt. Auch hier dürfen wir ca. 2,5 Tage an Transportzeit ansetzen. Einen Leitvermerk erhielt er nicht - und sie war auch nicht notwendig, auch wenn ich Briefe mit Leitvermerken nicht gering schätze, ob sie nun so geleitet wurden, oder nicht.


    Der 3. Brief aus Wien vom 19.6.185? 6 Uhr Abends lief an Ferdinand Wertheimer, Gutsbesitzer aus Augsburg, wohnhaft bei Herrn Hofrath Dr. Welsch in Kissingen p(er) Leipzig Schweinfurt. Siegelseitig sehen wir nur den Kissinger Ankunfsstempel vom 21.6., so dass wir hier wohl nur 2 Tage Laufzeit unterstellen dürfen, aber da der Brief sicherlich über Bodenbach-Leipzig lief und Kissingen wesentlich nördlicher liegt, als Augsburg, ist der halbe Tag Vorsprung erklärlich.

    Auch hier hätte es des Zusatzes "per Leizpig" nicht bedurft, denn Bad Kissingen war ein europaweit bekanntes Heil- und Kurbad, aber man wollte sicher gehen, dass im Transportverlauf keine Kutschen mehr involviert werden sollten, sondern die schnelle Bahn allein den Transport besorgen sollte.

  • Liebe Sammelfreunde


    geschrieben wurde er in Kahlenbergerdorf, gestempelt in Nussdorf am 22.04.1859 und adressiert an "Seiner Wohlgeboren Herrn J. G. Riedl auf dem Städtischen Brauhause zu Neuötting Bayern". Laut Siegelseite ging es über Wien - Linz zum Ziel. Leider fehlt ein Posteingangsstempel.

    Frankiert wurde er mit 15 Neukreuzer, also alles richtig.


    Mit freundlichem Sammlergruss


    Ulf