Österreich - Bayern im Postverein

  • Liebe Freunde,


    ich möchte heute einen Brief zeigen, der von Salzburg nach Neuötting lief und im 1. Rayon bis 10 Meilen lag. Am 9.2.1860 wurde er daher korrekt mit 5 Neukreuzer frankiert und am Folgetag dort zugestellt.
    Meiner Meinung nach sind Briefe im 1. Rayon zueinander zwischen diesen beiden Postgebieten nicht so häufig, wie man annehmen könnte.


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

  • Liebe Freunde,


    üblich waren zwischen diesen beiden Ländern Briefe über 20 Meilen, so dass wir regelmäßig viele Briefe mit 9 Kr. rh. und CM - Frankaturen finden. Hier ein später Brief aus Ofen vom 24.7.1858 nach Sandharlanden in Bayern, der noch mit einer 9 Marke in alter Währung frankiert wurde. Ab dem 1.11.1858 wurde der Gulden von 60 Kr. CM auf 100 Neukreuzer umgestellt, wodurch ein Brief danach 15 Nkr. kostete.


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

  • Liebe Freunde,


    eine Drucksache mit 2 Nkr. entsprach 1867 nicht ganz dem Wert eines bayerischen Kreuzers, sondern war etwas teurer. Hier klebte man eine solche Marke am 30.6.1867 in Marienbad auf eine DS nach Bayreuth auf. Schön kontrastiert es trotzdem.


    Es ist erstaunlich, dass es nur verhältnismäßig wenige DS von Österreich nach Bayern und umgekehrt gibt.


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

  • Liebe Freunde,


    ein kleines Schmankerl möchte ich zeigen, welches mir die Bucht ermöglicht hat. :)


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    Am 10.4.1863 erinnerte ein Vater seine Erlaucht, den Grafen in Pasing, dass für ein uneheliches Kind noch 185 Gulden CM (!) als Restbetrag von 500 Gulden CM nach Salzburg zu überweisen waren.
    Er frankierte daher treffend mit 10 Nkr. für das 1. Gewicht und die 2. Entfernungsstufe (über 10 - 20 Meilen).


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    Seine Erlaucht geruhte jedoch zwischenzeitlich abgereist zu sein und befand sich standesgemäß in Augsburg bei Herrn Baron Beck in dessen Residenz am Domplatz. Der Brief war aber schon in Pasing ausgeliefert worden, so dass eine neue Postaufgabe unmittelbar erfolgte.


    Wegen der neuen Postaufgabe des zuvor frankierten Kuverts galt der günstige Frankotarif für die Weiterleitung i. H. v. nur 3 Kr. rheinisch, die nun Bayern zustanden, denn die Strecke Pasing - Augsburg betrug weniger als 12 Meilen. Korrekt hätte man auch in Pasing den Halbkreisstempel vorne als Zeichen der neuen Postaufgabe abschlagen müssen, was man aber verschlief.


    Hier wird ein von vielen älteren Sammlern vorgebrachtes Argument zunichte gemacht, welches lautet, dass nur dann nachzutaxieren war, wenn der 2. Zielort (Augsburg) weiter entfernt lag, als es das Franko bei der 1. Versendung zugelassen hätte.


    Auch von Salzburg nach Augsburg kostete es nämlich nur 10 Nkr. bzw. 6 Kr. rheinisch für den 2. Rayon, daher kann diese Annahme nicht stimmen. Hätte der Herr Graf bei der Pasinger Post seine neue Adresse hinterlegt, wäre ihm der Brief somit gratis nachgesandt worden.


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hier wird ein von vielen älteren Sammlern vorgebrachtes Argument zunichte gemacht, welches lautet, dass nur dann nachzutaxieren war, wenn der 2. Zielort (Augsburg) weiter entfernt lag, als es das Franko bei der 1. Versendung zugelassen hätte.

    Hallo bayern klassisch


    Ein sehr interessanter Brief. Danke fürs Zeigen :)


    Dieser Argument habe ich auch mehrmals gehört. Ob richtig oder nicht, weiss ich nicht. Anderseits kann es auch bei dieser Brief ein Fehler gemacht sein, und somit in deiner Contraventionssammlung passen.


    Um diese Frage beantworten zu können brauchen wir noch mehrere Briefe (viele). Meine Frage jetzt ist ob es ein Vereinsfrage ist oder nur bei Bayern.


    Viele Grüsse
    Nils

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis grösser als in der Theorie.

  • Hallo Nils,


    du darfst meinen Ausführungen ruhig glauben. ;)


    Bis Pasing war es ein Vereinsbrief. Bei der 2. Postaufgabe war es ein innerbayerischer Brief. Nur wenn man ihn ohne Auslieferung von Pasing nach Augsburg geleitet hätte, wäre es auch bis Augsburg ein Vereinsbrief geblieben.


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo bayern klassisch


    Ich habe deine Beschreibung etwas Missverstanden.


    Hier gibt es kein Unübereinstimmung ;)
    (Nur ein Ausländer :D)


    Viele Grüsse
    Nils

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis grösser als in der Theorie.

  • Hallo Nils,


    das macht nichts - ist auch für Inländer nicht immer leicht zu begreifen, was sie vor 150 Jahren so alles gemacht haben. :D;):)


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo bayern klassisch


    Es war kein sachliche Missverständnis, sonder eine sprachliche ;)
    Hoffentlich Begreifen die Innländer etwas mehr als ich - sprachlich :D :D


    Viele Grüsse
    Nils

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis grösser als in der Theorie.

  • Hallo Freunde


    Ich möchte Heute ein Neuzugang zeigen.


    Ein Brief der von Hohenems nach Lindau geschickt war. Hohenems war in Verhältnis zu Lindau in 1. Entfernungsstufe. Wenn mit 10 Neukreuzer frankiert lag der Brief dann in der 2. Gewichtsstufe. Dazu bei ein Ganzsache. Rückseitig ist der Brief mit 10 Kreuzer frankiert, welche die Einschreibekosten darstellen. Die Rückseite ist auch mit 5 Siegellack geschlossen geworden.


    Viele Grüsse
    Nils

  • Hallo Nils,


    sehr schöner und seltener Brief. Interessant, dass er trotz 3 involvierter Poststellen keine Chargénummer erhielt - bei Rückfragen wäre das nicht leicht gewesen, ihn amtlich nach zu verfolgen, wenngleich der Laufweg alternativlos war.


    Als Brief der 2. Gewichtsstufe mit farbgleicher Zufrankatur ein kleiner "Eyecatcher", vor allem von hinten. :P


    Danke fürs zeigen und liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo bayern klassisch


    Ja, ab und zu hat man Glück. :)


    Eine fehlende Kartierungsnummer habe ich schon bei einige Briefe aus Österreich gesehen. Leider habe ich nur einige, so das Vergleichsmaterial ist eher gering. Ich kann jetzt noch ein Brief in der zweiten Gewichtsstufe zeigen. Diesmal von Wien nach Neustadt an der Waldnaab. Hier hat der Absender 18 Kreuzer CM bezahlt für den Porto und 6 Kreuzer CM als Einschreibegebühr. Hier hat man auf jeden Fall die Kartierungsnummern erinnert auf die beiden Seiten der Grenze. Und alles ist im Jahr 1856 gemacht.


    Viele Grüsse
    Nils

  • Hallo Freunde


    Ich weiss, es gibt schönere Marken als die auf den letzten Brief die etwas schmutzig sind.


    Zuerst ein Brief von 1850 der von Wien nach Schweinfurt gelaufen war. Wie es rückseitig zu sehen ist, ist der Brief über Würzburg in direkten Kartenschluss gelaufen.


    Der zweite Brief ist auch in 1850 gelaufen, diesmal von Przestitz nach Marktweiler. Rückseitig sehen wir ein nicht häufiger Röthenbach Ankunftsstempel.


    Viele Grüsse
    Nils

  • Hallo Nils,


    bisher hat mich noch niemand dazu überreden können auch incoming-mail zu sammeln. Gesetzt der Fall ich täte das und dös Wiener Brieferl mit der 18 Kr CM - Frankatur + 6 Kr CM Reco-Gebühr rückseitig verklebt (!...boa 8|...!) wäre nicht nach Neustadt a.d.Waldnaab sondern nach Neustadt a.d. Haardt gelaufen, glaube mir - ich hätte nicht lange gefackelt. Vor allem wenn es sich auch noch um ein Paar handeln sollte. Das sieht doch ganz gut beinander aus. Mir jedenfalls gefällt`s - mindestens - wie die anderen beiden Belege auch. Wie bk so schön sagt: das hat ein Gesicht. :thumbup:


    + schönen Sammlergruß


    vom Pälzer

    Einmal editiert, zuletzt von Pälzer ()

  • Hallo Pälzer


    Hast du vor eine Sammlung Österreich-Pfalz zu sammeln, wäre deine Sammlung nicht gross geworden. Aber einige gibt es sicher, nur nicht in meine Sammlung (noch). Wenn du nicht Lust hast Inncomming selbst zu kaufen, kannst du einige Threads hier im Forum geniessen. Gratis :)


    Noch einige 9 Kreuzer CM Briefe habe ich


    Der erste Brief ist in 1853 von Wien in direkten Kartenschluss nach Regensburg gelaufen.
    Der zweite Brief ist in 1855 von Wien nach Vilshofen geschickt, hier in Schärding umspediert.


    Viele Grüsse
    Nils

  • Hallo Nils,


    schöne Briefe werden hier gezeigt und als bekennender Fan der Incoming - Mail für mich ein ganz besonderer Augenschmaus (auch weil ich die österreichische Erstausgabe sehr mag).


    Mit Incoming - Mail der Pfalz von Österreich hast du natürlich Recht - da ist der Weltbestand recht übersichtlich. Wer ein Dutzend Markenbriefe mit der Erstausgabe hat, stellt ein ordentliches Stück davon dar.


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo Freunde


    Jetzt etwas schönes für den Sonntag Abend


    Von Innsbruck in 1863 hat jemand eine Ganzsache nach Riezlern in Kleinwalsertal abgeschickt. Zuerst lief der Brief nach Bregenz wo er weiter durch Bayern nach Walserschanz gelaufen ist. Alle Briefe nach Kleinwalsertal war gezwungen durch Bayern zu gehen. Leider ist es mein einzige Brief nach Kleinwalsertal. Suche aber immer nach noch einige.


    Viele Grüsse
    Nils

  • Hallo Nils,


    solche schönen Briefe ins herrliche Kleinwalsertal (Zollausschlußgebiet übrigens) sollten hier nicht alleine bleiben, sonst fürchten sie sich. :thumbsup:


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    Dieser hier aus Augsburg von 1860 hat folgende Adresse:" An die Hochlöbliche Gemeindeverwaltung Mittelberg im österreichischen Walserthal letzte Post Oberstdorf".


    Man achte auf den mit Bleistift notierten Bestellkreuzer, den man sich von Oberstdorf bis dorthin schwer verdienen musste - das waren ca. 10 km!


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo bayern klassisch


    Ein nicht weniger herrlicher Brief. Hier sieht man auch deutlich die postalische Entwicklung in Kleinwalsertal/Österreich. Bei meinem Brief gibt es kein Botenlohn mehr und es gibt ein österreichischer Eingangsstempel. Bei deinem Brief ist alles immer noch von bayerischer Hand gemacht.


    Danke fürs Zeigen :)


    Viele Grüsse
    Nils

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis grösser als in der Theorie.

  • Liebe Freunde,


    der liebe Schorsch verkaufte mir folgenden Brief, den er natürlich PO-mäßig richtig erkannte und den ich euch nicht vorenthalten möchte.


    [Blockierte Grafik: http://s3.imgimg.de/uploads/IMGa4016c98jpg.jpg]


    Er wurde am 15.5.1862 in der Kreuzhütte in Böhmen geschrieben und über die nahe bayerische Grenze nach Waldmünchen gebracht und mit 3 Kr. frankiert. Was der Bote dafür bekam, ist nicht bekannt. Als innerbayerischer Brief bis 12 Meilen waren die 3 Kr. für die Strecke Waldmünchen - Cham bis 1 Loth ausreichend. Auch bei einer Postaufgabe in Böhmen (wo da?) wäre er als Postvereinsbrief bis 10 Meilen mit 5 Neukreuzer = 3 Kr. rheinisch gleich teuer gewesen, hätte aber sicher wesentlich länger zum Empfänger gebraucht als jetzt, denn er wurde am Folgetag schon in Cham zugestellt.


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus