Frühe Markenbriefe

  • Hallo zusammen,

    am letzten Samstag war ich eigentlich zum ersten Mal in philatelistischem Stress, was ja nicht unbedingt der Sinn der Sache sein sollte: um 12:00 Uhr begann die Vereinsauktion der Philippsburger Briefmarkenfreunde, wo ich einige Lose für meine „Heidelberg“-Sammlung ersteigern wollte. Los Nummer 838 war das letzte angestrichene und positiv besichtigte Los, auf das ich warten wollte, bevor ich möglichst zügig nach Karlsruhe zur Herbsttagung der Baden-Arbeitsgemeinschft aufbrechen wollte, um dort rechtzeitig zum Beginn um 14:30 Uhr anzukommen. Auf keinen Fall wollte ich den von Ralph Bernatz angekündigten Vortrag zu einem ganz besonderen Baden-Brief versäumen!
    Aber da ich aus Erfahrung wusste, dass mein Freund Franz Willhuber, der Auktionator in Philippsburg, jedes Los einzeln aufrufen würde – zumindest beim Baden-Teil am Anfang -, war mir schon klar, dass es knapp werden würde. Zumal er gerne das Ganze humorvoll auflockert und schon einmal die Steigerung eines Loses von 3 Euro auf 4 Euro ausführlich würdigt .....

    O.k., soviel zur Einleitung für eine Neuerwerbung in Philippsburg, wo ich letztlich doch (mit einer Ausnahme) erreicht habe, was ich wollte. Und Ralph kann bestätigen, dass ich mit hängender Zunge unter Einhaltung des akademischen Viertels noch rechtzeitig in Karlsruhe angekommen bin.

    Auf den ersten Blick scheint der Brief von Heidelberg nach Rauenberg – im ersten Entfernungsrayon – nicht sehr erstrebenswert: schwach abgeschlagene Stempel, der Nummernstempel 57 kaum lesbar. Immerhin: die Marke ist vollrandig und mit großer Sicherheit eine Nummer 2a: das Jahr 1851 ist auf dem Lokaldatumstempel klar lesbar; es handelt sich um die erste Auflage.
    Erst die Siegelseite zeigt die Besonderheit: Glücklicherweise wurde der Brief für den kurzen Beförderungsweg nach Rauenberg – etwa 15 Kilometer – bei der Bahnpost aufgeliefert. Und dort wurde deutlich gestempelt – der 7. Mai 1851 war der siebte Tag der badischen Markenzeit - es handelt sich um den ältesten Markenbrief in meiner Sammlung!

    Natürlich hat jeder „anständige“ Bayern-Sammler ältere Briefe in der Sammlung, aber für uns badische „Nachzügler“ sind die so genannten Maibriefe aus dem ersten Monat der Markenzeit etwas sehr Erstrebenswertes. Und wenn auch der adressseitige Ortsstempel dem Postbeamten nicht gut gelungen ist, der siegelseitige Bahnpoststempel ist immerhin „gut zeigbar“ (so würde es bei der Belegbeschreibung einer Auktion wohl formuliert werden).

    Viele Grüße
    Alfred (balf_de)


    PS: Eine Frage: haltet ihr es für sinnvoll, einen Thread „Frühe Markenbriefe“ in einen länderübergreifenden Abschnitt, vielleicht zur „Postgeschichte nach Themen“ zu platzieren, damit wir mehr Beiträge und Belege zu sehen bekommen? Der Vorschlag fällt mir nach dem Studium eines aktuellen Threads hier im Forum ein ...

  • Lieber Alfred,


    ich kann alles, was du geschrieben hast, nur bestätigen. Schön dich in Karlsruhe wieder zu sehen und deine Ausbeute an diesem Tag war ja enorm.


    Die Rückseite macht hier den Brief aus - ist ja nichts schlechtes.


    Ob es Sinn macht mit einem neuen Thread zu diesem Thema? Ganz ehrlich - ich glaube nicht. Wenn es feste und eingehaltene Ersttage gab, dann ist diese ersten Tage das A und O.


    Wenn Marken peu à peu ausgegeben und verwendet worden wären, wäre es toll, solch einen Thread aufzumachen. Aber so halte ich es für weniger zielführend.


    Aber die Meinung des Forums ist natürlich maßgebend, nicht meine. ;)

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo zusammen,


    ich habe den Thread weiter oben um die Anlage neuer Themen verfolgt. Wegen eines neuen Briefes ein neues Thema aufmachen, das finde ich auch nicht passend. Sehr oft engt schon die Überschrift zu sehr ein. Hier allerdings ist die Überschrift sehr allgemein gehalten und es gibt sicherlich etliche Belege, die es wert sind gezeigt zu werden. Da ein vergleichbares Thema noch nicht existiert: [Blockierte Grafik: http://altpostgeschichte.com/wcf/images/smilies/thumbup.png]


    beste Grüße


    Dieter

  • Hallo Ralph

    Ganz ehrlich - ich glaube nicht. Wenn es feste und eingehaltene Ersttage gab, dann ist diese ersten Tage das A und O.

    Natürlich gebe ich Dir Recht: kein Mensch sammelt Zweit- oder Dritttagsbriefe :thumbdown: . Aber kann man nicht bei unseren ältesten Briefen eine Ausnahme machen: zu gerne würde ich hier im Forum einmal einen deutschen Markenbrief aus dem Jahr 1849 sehen und womöglich gibt es ja hier noch jemanden, der einen One-Penny-Black-Brief oder ein Basler Täubli oder ein brasilianisches Ochsenauge oder oder … zeigen könnte :rolleyes:
    Übrigens: wenn ich unserem neuen Baden-Handbuch Band 2 glaube, muss ich lange nach einem Heidelberger Ersttagsbrief suchen - es wäre wohl der erste, der nach über 165 Jahren auftaucht …


    Hallo Dieter,

    Hier allerdings ist die Überschrift sehr allgemein gehalten und es gibt sicherlich etliche Belege, die es wert sind gezeigt zu werden. Da ein vergleichbares Thema noch nicht existiert: :thumbup:

    klar, Du hast meine Absicht erkannt, hier keinen "one-article-thread" produzieren zu wollen! Ich habe die Beiträge auch verfolgt, auf die Du Dich beziehst. Ich freue mich, dass Du meiner Meinung bist. Vielleicht ist einer unserer Administratoren so nett, diesen Thread in einen länderübergreifenden Bereich "upzugraden".


    Übrigens, lieber Ralph und liebe Freunde: einen habe ich noch, der nicht wesentlich jünger ist als meine Neuerwerbung aus Philippsburg: da ist das Stempeldatum 16. Mai 1851 klar lesbar, dafür hat er aber einen anderen "Macken" - einem frühen Sammler, bestimmt ohne postgeschichtliches Interesse oder know how, war das Format des Briefs zu groß; links und unten neu gefaltet gefiel er ihm wohl besser … Ich habe mich aber entschlossen, die beiden häßlichen Büge zu tolerieren und die 2 Kreuzer Bestellgeld deutlich zu zeigen.


    Viele Grüße
    Alfred (balf_de)

  • Hallo Dieter,


    Zitat von »Klesammler«
    Hier allerdings ist die Überschrift sehr allgemein gehalten und es gibt sicherlich etliche Belege, die es wert sind gezeigt zu werden. Da ein vergleichbares Thema noch nicht existiert: :thumbup:


    klar, Du hast meine Absicht erkannt, hier keinen "one-article-thread" produzieren zu wollen! Ich habe die Beiträge auch verfolgt, auf die Du Dich beziehst. Ich freue mich, dass Du meiner Meinung bist. Vielleicht ist einer unserer Administratoren so nett, diesen Thread in einen länderübergreifenden Bereich "upzugraden".


    Lieber Alfred,


    erstmal vielen Dank für die tollen Briefe, einfach schön und früh, was will man mehr...? :thumbsup:


    Die Idee mit den frühen Markenbriefen finde ich auch gut, denn so sind Besonderheiten gut darzustellen(Wann bestand welcher PV, wo waren Marken emittiert, wo nicht, etc...) :P:P
    Eventuell könnte man ja den Zeitraum eingrenzen, so z.B. aus dem ersten Jahr, oder ersten halben Jahr der Erstausgabe, etc., denn irgendwo wäre eine "Grenze" dann sinnvoll....
    PS: Wegen mir auch aus dem ersten Monat der Ausgabe!? :thumbup:


    Also: Ich bin dabei 8o:thumbup:

    Beste Grüsse von
    Bayern Social




    "Sammler sind glückliche Menschen"

  • Hallo zusammen,


    eigentlich habe ich etwas ganz anderes gesucht: bei den „Philaseiten“ gibt es zur Zeit einen aktiven Thread „Kleine Briefe: wer kann den kleinsten Brief zeigen?“, wo auch unser Freund Ralph ( bayern klassisch) sich beteiligt. Und wenn er etwas schreibt, ist es eigentlich immer lesenswert!


    Die dort gezeigten Briefchen (und „Postkärtchen“) haben mich animiert, auch in meinem Album nach konkurrenzfähigen Belegen zu suchen.

    Dabei fiel mir ein Briefchen auf, das außer in diesen Kleine-Briefe-Thread auch in einige andere passen würde – bei Stampsx z.B. in den Thread „Baden 4a oder 4b“, hier natürlich auch zur Michelnr. 4a oder zu den Baden-Preußen-Briefen, aber eben auch in diesen fast vergessenen Thread.


    Ganz nebenbei hat er bei genauerem Hinsehen auch einen Hauch von Social Philately, obwohl leider nur noch die Briefhülle vorhanden ist. Immerhin hat der Absender seinen Namen hinterlassen: zusammen mit dem Empfänger, Herrn Professor Dr. Monnard in Bonn, macht es der Absender Kortüm zu einem „kleinen Brief zweier großer Männer!“


    Herzliche Grüße

    Alfred (balf_de)

  • Lieber Alfred,


    danke für die Blumen - es dürfte nicht viele Briefe Badens geben mit dem Postvertragsstempel BADEN (ab 1838 glaube ich, bin mir aber aus dem Kopf nicht sicher), der hier in Koblenz abgeschlagen wurde.


    Der Schnitt der Marke zeigt eindeutig, dass man in Heidelberg auch 18 Tage nach Ausgabe der Briefmarken noch keine weitreichenden Erfahrungen im Umgang mit einer feinen Markenschere hat sammeln können.

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus