Kap der guten Hoffnung - Baden

  • Hallo zusammen,


    bei anhängendem Teilfrankobrief vom Kap der guten Hoffnung (22.12.1859) nach Freiburg (01.02.1860) ist einem Sammlerfreund die Berechnung des vom Empfänger zu zahlenden Porto in Höhe von 33 xr. unklar. Dieses Schicksal teilt er mit mir. :)


    Klar ist, dass der französische Anteil 30 xr. sind sowie der badische Anteil 3 xr. (siehe Gebührenbaum). Daneben ist mit schwarzer Tinte eine "2" angeschrieben, die französischen Ursprungs sein muss und die ich als 2. Gewichtsstufe interpretiere. Das könnte auch noch Sinn machen, wurde in Frankreich in Schritten zu 7,5 Gramm progressiert, während in Baden das Loth galt. Das würde bedeuten, dass eine Gebühr von 15 xr. je Gewichtsstufe angesetzt wurde (30 xr = 2 x 15 xr. (= 5 déc.)).


    Vor mehr als drei Jahren hatte bayern klassisch einige Portobriefe aus Südamerika nach Baden eingestellt, die alle im Ordner Überseezu finden sind und bei denen der französische Gebührenanteil meistens 24 xr. ist. Bei einem aus Argentinien finden sich aber ebenfalls 33 xr., für die es damals keine Erklärung gab.


    Bei einem weiteren Portobrief vom Kap nach Württemberg aus dem Jahr 1861, den ich an dieses Posting angehangen habe, sind wiederum 24 xr. französischer Anteil taxiert.


    Die Frage ist, in welchen Fällen für Frankreich 24 xr. (= 8 déc.) angesetzt wurden und in welchen Fällen 15 xr. (= 5 déc.)? Wer kann bei der Lösung dieses Gebührenrätsels helfen? ?(


    Viele Grüße von
    nitram

  • Lieber nitram,


    da kann ich leider nicht wirklich helfen - frag doch mal den Rainer Brack (E-Mail hast du ja), der sollte das wissen, weil großer Badenkenner mit dem Ausland.

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo nitram,


    lt.Zangerle galt für Bayern nach Cap der guten Hoffnung ab 01.07.1858 für Briefe bis 7,5g ein Porto von 30x über Frankreich.


    Für Württemberg steht dort über Frankreich ab. 01.01.1857 24x fremdes Porto für 1/2Loth-schwere Briefe.


    Also beide Taxen kommen vor, wieso aber Baden mehr zahlen sollte als Württemberg kann ich mir nicht erklären???


    Viele Grüsse
    Christian

  • Hallo Leitwege,


    es geht ja um den jeweiligen Postvertrag Baden - Frankreich, in den sich Württemberg nur eingeklinkt hat (weil Württemberg nur mit der Schweiz Auslandsverträge hatte, nie mit Frankreich, das war zuvor Thurn und Taxis und dann Baden).


    Von daher müsste man die badischen Verträge kennen mit Frankreich. Das ist mir auf der DASV - Homepage aber nicht gelungen heraus zu finden ...

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo,


    beim ersten Brief sind 6d bezahlt.
    1d "for the Colony"
    4d "Steamer"
    1d "for GB"
    jeweils für die halbe oz..
    Vermutlich hat GB, den schon bezahlten Inlandsanteil für die halbe oz. abgezogen.
    Also ab GB unbezahlt minus Inland für die halbe oz.
    = 6d - 1d oder 12d - 2d.


    Der zweite Brief ist normal nach dem Vertrag von 1843 und folgende an Frankreich verkauft worden.


    Aus meiner Sicht ganz unterschiedliche Briefe.


    Beste Grüße


    kibitz

  • Hallo zusammen,


    ein Brief aus gleicher Korrespondenz aus der Sammlung von Rainer Brack hat das von mir so bezeichnete Gebührenrätsel lösen können. Ich möchte nicht versäumen, mich auch an dieser Stelle zum einen für die Zusendung der beiden Abbildungen sowie zum anderen die sonstigen Hilfestellungen bei Herrn Brack herzlich zu bedanken. :)


    Der Brief sieht eigentlich genauso aus wie der andere Brief und wurde ebenso mit einer Marke zu 6d. für Baden über Frankreich sowie mit 5d. (rot angeschrieben) bis nach England bar frankiert. Weitere 1.d behielt man für sich ( kibitz hatte das weiter oben mit "for the colony" bezeichnet). Insgesamt hat also der Absender bei beiden Briefen 1sh. bezahlt. Aber der Brief von Herrn Brack, und das ist der kleine aber feine Unterschied, wurde mit "PD" gestempelt. Er wurde also als Frankobrief behandelt. Und genau der "PD"-Stempel wurde bei dem anderen Brief vergessen mit dem Ergebnis, dass Frankreich ihn völlig zurecht als Portobrief interpretierte. Und zwar als einen der 2. Gewichtsstufe, was ich ja auch schon aufgrund der Schreibweise der "2" angenommen hatte. Der Brief wurde jetzt nach dem Postvertrag zwischen Frankreich und Baden von 1857 behandelt. Dieser sah für Portobriefe aus dem Vereinigten Königreich nach Baden eine Gebühr von 15 xr. je Gewichtsstufe vor. Dazu kam dann noch der badische Anteil in Höhe von 3 xr. (nur erste Gewichtsstufe):
    2 x 15 xr. + 3 xr. = 33 xr.


    Was wäre das für eine Seite in einer der beiden Sammlungen, wenn beide Briefe vereint werden könnten? Hammer! :P:P:P


    Viele Grüße,
    nitram

  • Lieber Martin,


    deinem letzten Satz ist nichts hinzu zu fügen - was für eine Seite !!! (Lechz, gier)


    Vielen Dank für die Auflösung, auch dem Rainer - so macht Forum Spaß. :P:P

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo Nitram,


    so ganz glaube ich nicht an die 1sh bezahlt.
    Bei einer schnellen Durchsicht von Auktionskatalogen wie Joseph, Bonaventure, Indhusophon und Franschhoek habe ich keine Briefe bezahlt mit Marken und in bar gefunden.
    Viele 6d Briefe nach England haben aber diese 5 in rot (das Geld was GB gutgeschrieben wurde).
    Man findet auch noch 10 und 20d Vermerke auf 1 und 2sh Briefen.


    Bei Bonaventure ist ein weiterer Brief nach Baden vom 2.7.1859.
    Los 199, 6d bezahlt + PD + London Paid Stempel und 5(d) in rot.



    Bei Indhusophon ist ein Brief nach Frankreich, Los 92
    1859, 6d bezahlt, 5(d) in rot vermerkt plus 16 Decimes GB – Frankreich.


    Los Nr. 105, 1859 nach Finland
    frankiert mit 18d, vermerkt 17d in rot.
    Los Nr. 108, 1861 nach Preussen
    frankiert mit 14d, vermerkt 13d in rot.


    Vermutlich sind die zwei Briefe nach Baden im falschen Postsack nach England gelandet.


    Beste Grüße


    kibitz

  • Hallo kibitz,


    kannst Du Abbildungen dieser Briefe, natürlich unter Angabe der Quelle, einstellen? Das würde sicher helfen. Danke im Voraus!


    Viele Grüße,
    nitram

  • Hallo kibitz,


    vielen Dank für das Einstellen der Abbildungen. Die beiden Briefe nach England (Posting #14) zeigen, dass die in rot angeschriebene „5“ bzw. „10“ nicht additiv zu sehen ist, sondern als Teil der verklebten 6d. (bzw. 1sh.). Damit muss natürlich das gesamte Posting #8 noch einmal überdacht werden. So würde ich den auf dem Brief in Posting #8 angebrachten „PD“-Stempel mittlerweile als fehlerhaft abgeschlagen ansehen.


    Ich habe meinem Sammlerfreund geschrieben, dass er sich auch hier im Forum anmelden soll, um die Diskussion selber weiter zu führen. Eigentlich ist dieses Sammelgebiet ja nur am Rande meine Baustelle.


    Viele Grüße,
    nitram

  • Wie versprochen möchte ich mich bessern. Das Ergebnis der Diskusion ist wohl Das das die Briefe mit dem PD-Stempel in England falsch behandelt wurden und das die Franzosen alles richtig gemacht haben. Verlust hat die engl.Post gemacht und der Empfänger konnte sich über einem billigen Brief freuen.
    Zum Beweis das die rote 5 nur ein Verrechnugsvermekt ist noch ein Brief nach Hamburg mit der roten 5 , aber ohne PD. Dann noch die fehlende Abbildung aus der schon erwähnten Auktion Benaventure. Dieser Brief befindet sich heute in der Slg. von Joseph Hackmey, Edition D'Or, Köhler/Wiebaden. Zum Scluß noch ein par Beispiele mit Teil-Bar-Frankaturen auf In- und Auslandsbriefen. Derartige Biefe kenne ich insgesamt nur 4 und ich freue mich über meine 3 Belege. Daran ist gut zu erkennen das die Angaben im Goldblatt ( Standart für Kapsammler) stimmen. Auch wenn dort nicht alles erklärt wird so ist eines sicher, wenn Barfrankatur dann muß der gesamte Portobetrag auf dem Brief zu erkennen sein und nicht nur 11 Pence von einem Porto was 1 Sh. betrug. Soviel für Heute.
    Nochmal Besten Dank in die Runde für alle Beiträge.


    Cabo- Esperanza

  • Hallo cabo-esperanza,


    zum 1. Brief - die Destination war Freiburg im Breisgau in Baden, nicht Freiberg in Sachsen.

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus