Muster ohne Wert ?

  • Liebe Freunde,


    hier ein Brief von 1865 von Reval nach Pernau.



    Frankiert mit 10 Kop. (Mi.-Nr. 17y) für einen einfachen Inlandsbrief.
    Interessant der Hinweis links unten Einliegend Probe ohne Werth
    Einen besonderen Tarif für Mustersendungen kenne ich bei Russland nicht. Vielleicht auch nur ein Hinweis auf einen fühlbaren Inhalt, der keinen Wert hat und deshalb nicht als Wertbrief taxiert werden soll?


    Gruß
    Michael

    Mitglied im DASV - Internationale Vereinigung für Postgeschichte

  • Auch wenn deine Frage schon länger her ist: Zunächst einmal ist es keine Nr. 17 - das wäre eine 30-Kopeken-Marke. Hier handelt es sich um eine Nr. 5 (waagerecht = 11 Zähne / Nr. 12 - 17 waagerecht = 13 Zähne)! Um auf die Frage zu kommen: Im Ebnet ist auch kein gesonderter Tarif für Muster ohne Werth aufgeführt. Vielleicht wollte der Absender auch nur vermeiden, das sich da jemand unbefugt bedient.

  • Liebe Freunde,


    bei Auslandsbriefen mit Muster ohne Wert inliegend war dieser Vermerk als Zolldeklaration zu verstehen, also dass dem Brief kein Edelmetall, Geschmeide oder etwas anderes von handelbarem Wert beilag. Zu erfühlen dürften die meisten Muster gewesen sein, selbst bei dünnen Strohmustern kann man das.


    Aber alles von Wert wäre der Fahrpost zugeordnet worden und dadurch zu tarifieren gewesen (postalisch und steuermäßig - und das wäre teuer gekommen und hätte gedauert). Hätte man etwas mit handelbarem Wert verschickt, wäre zu prüfen gewesen, ob man diese Ware überhaupt ausführen durfte (es gab Ausfuhrverbote), ob sie einführbar war (es gab Einfuhrverbote) bzw. ob man sie über andere Länder hätte verschicken dürfen (es gab Durchfuhrverbote).


    Dazu wäre ein Wertbrief, der es dann ja geworden wäre, deutlich teurer und in der Regel langsamer unterwegs gewesen, als ein Briefpostgegenstand. Wer aber die Zollvorschriften nicht beachtete, und das gab es auch als "Defraudation", der wurde hart bestraft (entweder der Absender, oder der Empfänger bei der Aufdeckung, gerne auch beide) und damit meine ich nicht die Kinderstrafen, die heutige Gesetzbücher vorsehen, sondern ganz andere Ebenen des Strafvollzuges ...

    Liebe Grüsse vom Ralph


    „Keine Unterwerfung ist so vollkommen wie die, die den Anschein der Freiheit wahrt. Damit lässt sich selbst der Wille gefangennehmen.“

    Jean-Jacques Rousseau (1712–1778)

  • Liebe Freunde,


    danke für die Infos.
    Die Mi.-Nr. stammt vermutlich vom Vorbesitzer, da ich keinen deutschen Katalog Russland habe. Vielleicht die alte Mi.-Nr. vor der Neunummerierung?
    Im Kupec hatte ich jedenfalls keinen solchen Tarif gefunden. Was ist denn der Ebnet?


    Da es sich hier um einen Inlandsbrief handelt, entfallen die Überlegungen hinsichtlich Zollvorschriften. Für Auslandssendungen sind die Ausführungen sicherlich berechtigt.


    Viele Grüße

    Michael

    Mitglied im DASV - Internationale Vereinigung für Postgeschichte

  • Der "Ebnet" ist ein Spezial-Handbuch über die Marken des Kaiserreiches inklusive Liste der Punkt-Nummernstempel. Den habe ich mir Mitte der 90er geholt.

    Aber auch vor der Neunummerierung muss die Nr. 17 die 30 Kopeken gewesen sein, denn neue Nummern gab es, so weit ich es im Kopf habe, erst später. Wenn wäre die 10-Kopeken-Marke die Nr. 15. Hier wurden aber klar die Ausgaben verwechselt.

  • Hallo Schlacki,


    dann gehe ich mal davon aus, dass das Buch in Russland erschienen ist. Seitdem auch keine Neuauflage? Dann könnte es schwierig werden ...


    Viele Grüße

    Michael

    Mitglied im DASV - Internationale Vereinigung für Postgeschichte

  • Nein, das Buch ist in Deutschland erschienen und ist auch komplett in deutsch. Ich habe es bei W. Ruppel gekauft, von dem herausgegeben 1992 im Selbstverlag. Eine Neuauflage gibt es jedoch nicht. Meiner ist durch den sehr häufigen Gebrauch leider auch schon ein bisschen zerfleddert.