Aktive und passive Portofreiheiten

  • Liebe Sammlerfreunde,


    hierzu folgender Brief von Schwabach nach München an Carl Philipp von Wrede vom 21. Dezember 1820. Rückseite zusätzlich ein Papiersiegel "Königlich Bayerische POSTVERWALTUNG Schwabach". Evtl. war das Siegel des Absenders etwas brüchig und die Postverwaltung Schwabach siegelte den Brief zusätzlich ?. Im Jahre 1816 wurde die Postexpedition Schwabach in eine Postverwaltung umgewandelt.


    zu Carl Philipp von Wrede folgender Link:


    https://de.wikipedia.org/wiki/Carl_Philipp_von_Wrede



    Beste Grüße von VorphilaBayern

  • Lieber Hermann,


    großer Glückwunsch zu dieser Pretiose - hätte ich auch genommen. Ich mag diese Nachsiegelungen bzw. Poststellenaufkleber. :thumbup::thumbup:

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Liebe Freunde,


    heute darf ich ein ganz besonderes Briefchen zeigen, welches, wenn ich mich nicht völlig irre, von der Kronprinzessin Therese von Bayern in Würzburg am 31.12.1820 geschrieben und gesiegelt wurde.


    Adresse: A Son Altesse Sereissime Monseigneur le Duc Souverain de Daxe - Hildbourghausen à Hildbourghausen.


    Therese von Sachsen - Hildburghausen war im Okt. 1810 mit Ludwig, dem späteren Ludwig I von Bayern, vermählt worden.


    https://de.wikipedia.org/wiki/…on_Sachsen-Hildburghausen


    Das Paar hielt sich oft in Würzburg auf und hier, wie erkennen es schon am Datum, sandte sie ihrem Vater Friedrich von Sachsen - Hildburghausen, sicherlich Neujahrsgrüße zu, wie man das damals zu tun pflegte, jedenfalls dann, wenn man weder Franko noch Porto dafür zahlen musste und als zukünftige Königin Bayerns und amtierende Kronprinzessin war sie natürlich ebenso umfänglich aktiv und passiv portobefreit, wie der Empfänger des Duodezfürstentums.


    Siegelseitig ist das Siegel, auch nach 200 Jahren, sehr gut zu erkennen, und ich habe es mit 600 dpi eingescannt, damit man es besonders gut sehen kann.


    Briefe der Königin Therese, der Gründerin des Oktoberfests auf der nach ihr benannten Theresienwiese, sind selten; einen aus ihrer 5 Jahre währenden Zeit als Kronprinzessin kannte ich bisher noch nicht.

  • Liebe Freunde,


    folgender Brief macht mir hinsichtlich seines Datums und der handelnden Personen noch Probleme. Als miesester Googler westlich des Urals bin ich auch bei den handelnden Personen (derer 2) zu keiner brauchbaren Datierung gekommen.


    Am 7. Dezember 18?? sandte ein gewisser Aarbach einen Brief mit persönlicher Postportofreiheit an "Dem Wohlgeboren Fräulein Hedwig von Schober, königliche Landrichters Tochter in Pegnitz - frey NULL, Aarbach" unter Chargé ab. Daher sehen wir weder eine Marke, noch siegelseitig ein Franko ausgewiesen. Hinten nur der schwache Abschlag von Pegnitz, den es aus den 1840er und 1850er Jahren oft gibt.


    Bei persönlichen Postportofreiheiten kommen Chargébriefe vor, aber sie sind dann nicht im Recomanual aufgeführt, erhielten keine Reconummer und es wurde auch kein Schein für sie gelöst. Im Falle des Verlustes wären keine 25 Gulden bzw. seit 1.7.1850 24,5 Gulden Versicherungsprämie an den Besitzer des Postscheines ausbezahlt worden. Man wollte den Brief nur "wichtig" machen, weil man als Absender ja etwas Besonderes war.


    Sachdienliche Hinweise, die zur internetmäßigen Ergreifung des Absenders, oder der Empfängerin führen, nehme ich gerne entgegen.

  • Mahlzeit Ralph,


    zunächst für den soignierten googler westlich des Urals ein link:


    http://wiki-de.genealogy.net/K…uch_f%C3%BCr_M%C3%BCnchen


    Ich habe stichprobenmäßig mal nachgeschaut, das ist ja bei Aa recht einfach, weil total am Anfang. Aber da ist seit 1830 bis 1860 nichts zu finden. Vielleicht war der gute Mensch nur in München auf der Durchreise und dort gar nicht wohnhaft. Aber so ist das mit diesen Portofreiheiten auch schon eine merkwürdige Sache. Wenn der, der darauf den Anspruch hat nicht von seinem Heimatort, sondern von ganz wo anders einen Brief aufgegeben hat, wo er den dortigen Postleren gar nicht bekannt war, wie konnte man denn dann mit sowas überhaupt umgehen ? Dann müsste jeder Postexpedition im Lande eine Liste der Namen der Begünstigten vorgelegen haben, die sich ja aber ständig änderte.


    LG

    Tim

  • Hallo Tim,


    danke für den Link - muss ich mal sehen, wie ich damit umgehe und ob das klappt.


    Bei der Empfängerin bin ich auch nicht weit gekommen ... :(


    Die Frage ist gut - wäre es ein Münchener gewesen, wüßten das die Postler dort wahrscheinlich.


    Aber wenn er aus Kleinpeppelsdorf war, bin ich mir nicht sicher, dass man das auch in München oder anderswo gewußt hätte. Im Notfall hätte er ein Schreiben der Majestät vorlegen können, in dem ihm die Postportofreiheit zugesichert worden wäre.


    In wieweit es damals Listen der aktiv portobefreiten Menschen in Bayern gab, weiß ich nicht. Vlt. weiß hier einer mehr?

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Liebe Sammlerfreunde,


    hierzu folgender Brief, geschrieben vom kgl. bayer. Postexpeditor Franz Xaver Ott, Gastwirt und Handelsmann (seit 1812 Postexpeditor in Nesselwang) am 8. Januar 1819 an seinen Vetter in Weiler. Siegelseitig "0" durchstrichen (= gebührenfrei). Der Brief lief mit der Post bis Röthenbach. In Weiler wurde die am 20.1.1810 eröffnete Postexpedition am 1.10.1812 aufgelöst und gleichzeitig in Röthenbach eine Postexpedition eröffnet. Dabei wurde in Weiler ein Postbote verpflichtet, der einen Postbotengang von Weiler bis Röthenbach und zurück machte. Bei Dienstbriefen bekam er sicherlich nichts. Bei privaten Briefen kassierte er 2 Kreuzer Botenlohn (mit Rötel vermerkt). Interessant in diesen Zusammenhang ist, daß die Streitigkeiten zwischen Bayern und Österreich hinsichtlich des Amtes Weiler erst am 26. Januar 1819 beigelegt wurden und Österreich die Akten und Urkunden des Amtes Weiler an Bayern übergab. (Quellen: Vorphilahandbuch Bayern, hierzu die Postorte Weiler - Röthenbach und Nesselwang).



    Beste Grüße von VorphilaBayern

  • Liebe Sammlerfreunde,


    die königlich bayerischen Abgeordneten des Landtags in München hatten Gebührenfreiheit. Hier ein Brief (Teilinhalt) von Dillingen an der Donau an Max Deuringer Brauereibesitzer in Dillingen vom 14. Februar 1849. Er war Abgeordneter in der 7. Wahlperiode von 1848 bis 1849 des bayerischen Landtags in München.


    Beste Grüße von VorphilaBayern

  • Liebe Freunde,


    in Nördlingen am 17.12.1837 schrieb ein offenbar religiös fanatisierter Mensch, dessen Stand und Namen ich leider nicht kenne, einen Brief an "Ihro Hochwohlgeboren Fräulein Bertha von Kretzschmann in Nürnberg" und vermerkte noch "frey" dazu. Bezahlt hat er aber nichts, denn die Siegelseite ist bis auf das Siegel und den Ankunftsstempel vom 19.12.1837 aus Nürnberg (damals keine Vorschrift zum Ankunftsstempeln!) blank.


    Im Gegenteil - die Nürnberger Post notierte vorne "V(on) Noerdlingen" und sezte eine NULL - Paraphe neben frey, um zu dokumentieren, dass man in Nürnberg geprüft hatte, ob der Brief tatsächlich portofrei zu befördern gewesen war.


    Die Portofreiheit konnte sich also allein aus dem Siegel ergeben haben. Dies ist ein ganz außergewöhnlicher Brief und wenn man jetzt noch den Absender eruieren könnte, wäre ich sehr glücklich.