Preußen von und nach Fürstentum Reuß

  • Liebe Sammlerfreunde,


    das kleine Fürstentum Reuß jüngere Linie lag mit seinen verschiedenen, miteinander nicht verbundenen, Gebieten teils zwischen Sachsen und Preußen und teils an Sachsen und Bayern grenzend.
    Thurn & Taxis hatte die Lehenspost in dem Gebiet inne.


    Der folgende Brief stammt aus dem Jahr 1853, es galt der DÖPV-Tarif.
    Die Entfernung Elberfeld (preußische Rheinprovinz) - Gera (Hauptstadt des Fürstentums Reuß j.L.) liegt bei ca. 45 Meilen.
    Ein einfacher Brief kostete 3 Sgr. - wurde er unfrankiert aufgegeben, kam 1 Sgr. Zuschlag hinzu: 4 Sgr.
    Anscheinend wußten einige preußische Beamte nicht, das Reuß j.L. im nördlichen Bezirk der T&T-Postregale lag und dass in ihnen die Groschenwährung galt.
    Zunächst wurden 4 Gr. Porto notiert, diese dann gestrichen und in 12 Kr. reduziert und schließlich wurden diese wieder doppelt gestrichen, d.h. als Fehltaxierung gekennzeichnet, und wieder 4 Gr. angeschrieben.


    Kein aufregender Brief, aber er zeigt, dass auch in der fast perfekten preußischen Post manchmal die Verwirrung herrschte.


    Viele Grüße
    Michael

  • Lieber Michael


    ein schöner Brief :P


    Hallo Zusammen


    hierzu habe ich folgenden Brief vom 29.10.1851 nach Greitz gesendet. Frankiert mit einer Nr 4 = 3 Sgr für einen einfachen Brief. Entwertet wurde die Marke mit dem Ringnummerstempel 907 und ein schöner nebengesetzter "Nachtstempel" des Magdeburger Bahnhofes. Erkennbar sind diese, durch die Uhrzeitangabe 8 A(bends) - 7 M(orgens). Dieser Stempel wurde auch nur in der "Winterzeit" eingesetzt, denn für die "Sommerzeit" ab es die Zeitangabe 8 (Abends) - 6 M(orgens).
    Bisher habe ich noch keine genaue "Definition" zwischen "Sommer" - und "Winterzeit" gefunden, möglicherweise galt September bis Mai als Winter und der Rest als Sommer - dies jedoch ohne Garantie.


    Siegelseitig der Kursbogenstempel Magdeburg - Leipzig der 1.Tour vom 30.10 sowie der Ausgabestempel? von Greiz des gleichen Tages.


    Mit freundlichem Sammlergruss


    Ulf

  • Liebe Sammelfreunde


    vor kurzem wurde dieser Brief angeboten:


    Am 25.10.1864 wurde dieser Brief in MD geschrieben und in das 22 Meilen entfernte Greiz gesendet, wo er nicht mal nach einem Tag Laufzeit ankam. Er wurde unfrankiert aufgegeben, jedoch taxierte man ihn erst mit nur 9 xr - jedoch gehörte der Zielort zum Thalergebiet, so dass nun nur 3 Sgr ausgeworfen wurden.
    In der 3. Entfernungsstufe sollte jedoch für ein einfachen Brief 4 Sgr porto anfallen....


    Siegelseitig gibt es zwar noch eine Notierung - 50 und 21x? T - nur paßt dies zu einem Brief nicht so richtig. Die "21?" könnte eine Summe darstellen....


    Mit freundlichem Sammlergruss


    Ulf

  • Lieber Magdeburger,


    die siegelseitigen 21x kann ich so wenig erklären wie die 50. Es kann sein, dass ein weiterer Brief an diesem Tag für den Empfänger ankam, der 12 Kr. kostete, so dass man auf der Post eine Addition vornahm, weil der Empfänger ein Postfach mit Anschreibung der Porti hatte.


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Liebe Freunde,


    die Verwirrung scheint System gehabt zu haben. ;)
    Wie auch bei den vorigen Briefen, war den preußischen Postbeamten in der Oberlausitz anscheinend nicht klar, dass im Fürstentum Reuß j.L. die Groschenwährung galt.



    Ein Brief des Rothenburger Oberpfarrers (?) an das Pfarramt in Leumnitz (heute zu Gera gehörig, ca. 1 Meile hiervon entfernt).
    Da der DÖPV-Tarif galt, wurden für den Portobrief 12 Kreuzer bzw. richtiger 4 Sgr. notiert.
    Der Brief kam nach an einem Tag an, konnte aber erst am darauffolgenden Tag vom Landpostboten zugestellt werden.
    Anscheinend hatte das Pfarramt seine Pforten um 7 Uhr abends schon geschlossen (rs. rechter Ausgabestpl.).
    Interessanterweise lief der Brief - es geht um eine Aufgebotsbestellung - nicht als portofreie Kirchensache. Innerhalb Preußens wäre dies so gewesen.


    Viele Grüße
    Michael

    Mitglied im DASV - Internationale Vereinigung für Postgeschichte

  • Lieber Michael,


    es gab ja eine Franchise: "Sponsalia" - es ging also um eine Eheschließung. Waren die in Preußen portobegünstigt? Das müsste ja noch ein Förderungsrelikt aus der Zeit des Großen Kurfürsten oder des Alten Fritz gewesen sein. ^^


    Schöner Brief - danke fürs zeigen und liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Lieber bayern klassisch,


    in Preußen waren Kirchenangelegenheiten - und diese Anfrage von Pfarrer an Pfarramt wg. eines Aufgebots würde ich eigentlich dazu rechnen - portobefreit, da sie der menschlichen Erbauung und dem gesellschaftlichen Wohlgedeihen (und ein klein wenig auch der Ruhe im Staate) dienten.


    Die Portonotierungen sprechen aber gegen selbige. Waren die Portofreiheiten im Postverein schon eingeschränkt worden?
    Die preußische Post hatte durch die innerhalb Preußens ausufernden Befreiungen enorme Ausfälle zu verzeichnen.


    Viele Grüße
    Michael

    Mitglied im DASV - Internationale Vereinigung für Postgeschichte

  • Lieber Michael,


    danke für deine plausible Erklärung zur preußischen Portofreiheit. :)


    Ob ein Brief in den Postverein vom Porto frei zu lassen war, entschied allein die Aufgabepost. Wie ich mittlerweile gelernt habe, waren bei mehreren AD - Staaten Dienstbriefe dann portofrei, wenn sie im Inland verblieben, sandte man sie jedoch unter den gleichen Voraussetzungen in den Postverein, dann waren sie portopflichtig. Eine echte Struktur kann ich aber (noch) nicht erkennen.


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo preussensammler


    mich würde mal interessieren von wann dieser Beleg ist.


    Wäre er ab Mitte 1852 wäre der Laufweg wahrscheinlich quer durch Sachsen ab Görlitz und damit ergäbe sich die Frage, wieso sollte er nur für Taxis kostenpflichtig gewesen sein?


    Andererseits gab es in Taxis auch ein Bestellgeld und Sendungen an Behörden wären mit Bestellgeld zu frankieren. Wie dies jedoch im DÖPV gereglt wurde, entzieht sich meiner Kenntnis.


    Soweit ich die Postvereinsverträge verstehe, waren nur Dienstbriefe in reinen Staatsangelegenheiten portofrei. Dazu sollte die absendende Behörde auf der Adresse vermerkt sein und auch der Brief entsprechend versiegelt.


    Mit freundlichem Sammlergruss


    Ulf

  • Liebe Sammelfreunde


    diesen Brief lies ich doch nicht liegen: Am 29.10.1856 in den Nachtstunden in Magdeburg bearbeitet ging es an "Herrn G.F. Timmrich & Sohn (in) Schleiz". Da schon über 20 Meilen, waren 3 Sgr. franco erforderlich, was mit einer Marke der 1. Kopfausgabe auch vorgenommen wurde.

    Am Folgetag dort angekommen, wurde 0 / 1/4 Sgr. notiert, also franco vollständig bezahlt und 1/4 Sgr. Bestellgeld.


    Mit freundlichem Sammlergruss


    Ulf

  • Lieber Erwin


    ja, glücklicherweise gibt es diese Angabe, denn ansonsten ist er leer.

    Zum Nachtstempel glaube ich schon fast, dass er nur auf Briefkastenbriefen vorkommt, denn spätestens 20 Uhr waren die Annahme-Expeditionen geschlossen. Das Postamt blieb jedoch rund um die Uhr besetzt und die Nachtwache hatte neben ihren Kontrollgängen auch die noch eingehende Post zu bearbeiten. Desweiteren waren auch noch die Beamten da, welche die Post vom bzw. nach dem Bahnhof zu bringen hatte.


    Mit freundlichem Sammlergruss


    Ulf

  • Der folgende Brief von Ziegenrück nach Tanna bei Schleiz zeigt die ermäßigte Taxe von 1/2 Sgr., die bereits zur Vormarkenzeit bestand und in einer Beilage zum Amtsblatt Nr.29 v. 14. Juni 1851 als weiterbestehend bestätigt worden ist.


    Kennt jemand die vertraglichen Regelungen zwischen Preußen und Taxis, die dieser Ermäßigung zugrundeliegen? Der anschließend gezeigte unterfrankierte sächsische Brief von Eisenberg (Sa.-Altenburg) nach Ziegenrück läßt darauf schließen, daß auch zwischen diesen beiden Postanstalten zur Zeit der taxisschen Lehnspost in Sa.-Altenburg eine entsprechende Taxermäßigung bestand, die irrtümlich weitergeführt worden ist.

  • Ein einfacher Brief kostete 3 Sgr. - wurde er unfrankiert aufgegeben, kam 1 Sgr. Zuschlag hinzu: 4 Sgr.
    Anscheinend wußten einige preußische Beamte nicht, das Reuß j.L. im nördlichen Bezirk der T&T-Postregale lag und dass in ihnen die Groschenwährung galt.
    Zunächst wurden 4 Gr. Porto notiert, diese dann gestrichen und in 12 Kr. reduziert und schließlich wurden diese wieder doppelt gestrichen, d.h. als Fehltaxierung gekennzeichnet, und wieder 4 Gr. angeschrieben.

    Hallo Michael,


    die sächsische Post hatte mit Taxis vereinbart, daß alle Porti in das von der Taxispost bediente Gebiet unabhängig von der Landeswährung sächsischerseits in Gulden und Kreuzern auszuzeichnen seien.

    Eine gleichartige Generalverfügung (Nr. 53) der preußischen Post datiert vom 8. Mai 1858, scheint aber in diesem Punkt nur eine frühere zu wiederholen.


    Beste Grüße


    Altsax

  • Hallo Altsax,


    danke für die Beschreibung der sächsischen Verhältnisse mit T&T. Die zitierte Beschreibung spiegelt meinen Kenntnisstand vor 10 Jahren wieder. :)

    Die Festlegung, dass Preußen gegenüber T&T in Gulden und Kreuzern zu taxieren hatte, findet sich schon im Anschlussvertrag Preußen - T&T von 1850. Die von dir zitierte Verfügung von 1858 ist in dieser Hinsicht eine Wiederholung.


    Gruß

    Michael

    Mitglied im DASV - Internationale Vereinigung für Postgeschichte