In Berlin unbestellbar

  • Liebe Freunde,


    den auf dem folgenden Beleg zu sehenden Stempel in Berlin unbestellbar konnte ich in der mir vorliegenden Stempel- bzw. Berlin-Literatur nicht finden.
    Kennt jemand eine Fundstelle?



    3 Sgr. T&T-Ganzsache U12 aus Neustadt a/O nach Berlin von 1865. Da der Brief nicht zustellbar war, handschriftlich Nicht zu ermitteln und der besagte Stempel, wurde der Brief nach Neustadt zurück gesandt.


    Kann jemand die Adressenangabe entziffern, wo Herr Lippmann aus Luckenwalde in Berlin erreichbar sein sollte?


    Gruß
    Michael

    Mitglied im DASV - Internationale Vereinigung für Postgeschichte

  • Lieber Michael,


    die Adresse lautet: "Herrn I. Lippmann Tuchmacher und Musterzeichner aus Luckenwalde d(er) Z(eit) in Berlin".

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Lieber Ralph,


    vielen Dank für die schnelle Hilfe.
    Mir ging es um die letzte Zeile, die ich als "a Z" gelesen hatte. Damit konnte ich nichts anfangen. Deine Interpretation macht natürlich Sinn. Wobei es sicherlich auch 1865 sehr optimistisch war, mit einer derartigen Adressierung den guten Mann zu erreichen. Schließlich lebten damals schon > 600.000 Menschen dort.


    Gruß
    Michael

    Mitglied im DASV - Internationale Vereinigung für Postgeschichte

  • Lieber Michael,


    ich weiß nicht, wie es in Preußen war - aber im 19. Jahrhundert musste man sich bei der Berufsausübung bei der Polizei melden, wenn man von auswärts war (daher auch die Stempel bzw. Aufkleber "selbst unter Zuhilfenahme der Polizei nicht zu ermitteln").


    Wäre er gewerbsmäßig unterwegs gewesen (Arbeitssuche im boomenden Berlin?), dann hätte die Polizei ihn dort aufindig machen können. Aber sehr optimistisch war es natürlich schon ...

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • scheinbar war der stempel länger im einsatz...

    Bilder

    „Männer für gefährliche Reise gesucht. Geringer Lohn, bittere Kälte, lange Monate kompletter Dunkelheit, ständige Gefahr, sichere Rückkehr ungewiss. Ehre und Anerkennung im Erfolgsfall.“


    – Ernest Shackleton

  • lieber Michael,
    eine Literaturstelle habe ich auch nicht gefunden, aber ich kann folgende Ganzsache U12a von Oldenburg zeigen. Sie ging am 2.8. wohl an einen Reisenden, der im Hotel Schlösser in der Friedrichstraße in Berlin abgestiegen, aber dann wieder abgereist war. Rückseitig befindet sich der blaue Nebenstempel "in Berlin unbestellbar", sowie der handschriftliche Eintrag: "Adr. ist abgereist, wohin nicht bekannt".
    Am 4.8. wurde die Ganzsache zurückgeschickt, siehe vorderseitig blau: "4/8 ret". Rückseitig sitzt dann der Ankunftstempel von Oldenburg vom 5.8.
    Wer kann etwas zu dem einzeiligen Rechteckstempel 38 PR 4 8 sagen, der in Berlin aufgesetzt wurde? Ist das ein Stempel der Stelle, die die Absenderadresse herausfinden musste? Hinter dem handschriftlichen Hinweis scheint eine Unterschrift zu stehen und dann 38 P. ??. Das weist ja Teile des Stempels auf.
    beste Grüße
    preussen_fan
    Erwin W.

  • Hallo woermi,


    danke fürs Zeigen des späten Beleges.


    Hallo Erwin,


    es scheint sich um eine Art Innendienststempel zu handeln. Im Anschluss an den handschriftl. Vermerk, dass der Adressat nicht auffindbar ist, folgt "zum 38. P.R.."
    Die 38. Post-Expedition kann nicht gemeint sein, da diese erst 1869 eingerichtet wurde.


    Gruß
    Michael

    Mitglied im DASV - Internationale Vereinigung für Postgeschichte

  • Liebe Freunde,


    hier ein weiterer Brief mit dem blauen Ovalstempel.



    Eine portofreie Justizsache mit dem Beamtenstempel Hartung vom 11.4.1866 aus Sprottau an den Arbeitsmann August Kunert zu Berlin.
    2 Zustellversuche am 12.4. mit handschriftlicher Auskunft "Der Kellner Gustav Kunert welcher Prenzlauer Str. 40 b. Krämer dient will nicht Empfänger sein"
    Vorderseitig dann handschriftlich 13/4 ret(our) und am Folgetag in Sprottau zugestellt.


    Gruß
    Michael

    Mitglied im DASV - Internationale Vereinigung für Postgeschichte

  • Lieb Sammlerfreunde,
    mittlerweile habe ich noch zwei Belege mit dem Nebenstempel "In Berlin unbestellbar" auftreiben können. Der erste Brief stammt zwar nicht mehr aus der Preußen-Zeit (1869) ist aber insofern interessant, als der Empfänger notiert hat:
    Durch mich eröffnet, Inhalt betrifft nicht mich
    S Hirschberg
    Louisenstr. 63
    Diese Adresse hatte das Einwohnermeldeamt ermittelt, auf der Rückseite oben E M A Unterschrift


    Auf der zweiten Dienstsache war für das Einwohnermeldeamt
    Die Frau geheime Regierungs Räthin von Snoty Emma geb. v. Frankenberg Hochwohlgeboren


    nicht zu ermitteln
    E.M.A (Einwohner Melde Amt)



    beste Grüße
    Erwin W.
    preussen_fan

  • Lieber Erwin,


    ein beeindruckendes Briefepaar - ich wußte nicht, dass der Terminus Einwohnermeldeamt schon damals existierte. Wieder etwas dazu gelernt ...

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Lieber Erwin,


    auch interessant, dass auf dem ersten Brief vom Absender notiert wurde "aus dem Meldeamt zu erfragen".
    Schöne Briefe!


    Gruß
    Michael

    Mitglied im DASV - Internationale Vereinigung für Postgeschichte

  • liebe Freunde,

    heute zeige ich einen weiteren Brief, der in Berlin den Stempel "In Berlin unbestellbar" erhielt. Es handelt sich um eine portofreie Dienstsache von BUTOW nach BERLIN vom 12.7.1866.

    An

    die Frau Rittergutsbesitzer v. Zeromski

    hochwohlgeboren

    auf

    Jerskevitz

    per ????????

    Vorderseitig:

    oben in Blaustift ret. 13/7,

    gestrichen und in blauer Tinte 16/7

    unten in blauer Tinte nachges. 14/7 Berlin

    Berlin in Blau wieder gestrichen

    rückseitig:

    in schwarzer Tinte Adressat befindet sich in Berlin, Müller Landbriefträger

    links darunter für mich nicht lesbar

    Ausgabestempel vom 13.7., 16.7. 7-9V, 16.7.7-8A, 18.7.

    sowie Ovalstempel in Berlin unbestellbar





    Lauf des Briefes:

    1. Der Brief wurde am 12.7.1866 zwischen 6 und 7 nach Jerskewitz gesandt.

    2. Dort kam er am 13.7. an und der Landbriefträger notierte Berlin als neue Adresse in schwarzer Tinte rückseitig.

    3. vorderseitig (auf dem Postamt?) in Blaustift: ret 13/7

    4. Vorderseitig in blauer Tinte (jetzt wieder in BUTOW?) wurde vermerkt: nachges. 14/7 Berlin

    5. In Berlin am 16.7. zwei Zustellversuche und der unbestellbar-Stempel

    6. Vorderseitig oben in blauer Tinte von Berlin ret 16/7

    7. Ausgabestempel vom 18.7. in BUTOW, Brief wieder dem Absender zugestellt.

    Liebe Freunde, könnt ihr dem so zustimmen?

    Wer kann die rot angegebenen Stellen lesen?

    viele Grüße
    Erwin W.
    preussen_fan

  • lieber Ralph,

    danke. Dambel hatte ich auch, aber beim googlen nur einen italienischen Ort gefunden. Im Hass habe ich jetzt Dambeln gefunden.

    Danke auch, dass du für micht "nicht ermittelt" ermittelt hast. :)

    Könnte darunter K.P.A. stehen? (Königliches Post Amt)

    viele Grüße
    Erwin W.
    preussen_fan