Österreich über Bayern nach Württemberg

  • Hallo,


    dieser Teilfrankobrief vom 2.5.1840 aus Bezau im Bregenzerwald gibt mir einige Rätsel auf. Er wurde in Bregenz zur Post gegeben, lief über Bayern (Lindau) nach Württemberg (Wangen) und dürfte dann per Boten nach Eglofsthal spediert worden sein. Dieser Brief lag sowohl in Österreich als auch in Bayern und in Württemberg jeweils im Nahbereich.
    In Bregenz wurden 2 Kr. bezahlt (rückseitig angeschrieben). Der bayerische Transit kostete 2 Kr. und das württembergische Porto wurde mit 6 Kr., normal wären 2 Kr. gewesen, angesetzt = Gesamtporto 8 Kr.
    Was bedeutet das links oben angeschriebene reclame 2 Kr.?


    Grüsse von liball

  • Hallo liball,


    wäre es möglich, dass Österreich seine verauslagten 2x Franko bis zur bayer. Grenze von den Württemberger wieder haben wollte? Wenn Württembergs Behörde etwas von der österreichischen wollte und die österreichische so nett war und ihr den Gefallen mit diesem Brief tat, mussten 2x wegen des Grenzfrankozwangs bezahlt werden, die man von Württemberg gerne wieder gehabt hätte.

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo bayern klassisch,


    es könnte schon so gewesen sein. Vielleicht hängt dies mit reclame zusammen.
    Tatsache ist, dass die 2 mit dem gleichen Rötel gestrichen wurde, mit dem die Taxe 6/2 geschrieben wurde. Wer hat diese Taxierung angeschrieben. Ich kann mir nicht vorstellen, dass dies in Bayern passierte. Dort hätte man wahrscheinlich den württembergischen Anteil von 6 Kr. angeschrieben. Also bleibt nur Württemberg. Die 6 Kr. kann ich nur so deuten: 2 Kr. Österreich (reclame ?), 2 Kr. Württemberg und 2 Kr. Botenlohn bis Eglofsthal. Das Gesamtporto von 8 Kr. wurde mit einem anderen Rötelstift geschrieben.
    Ich habe noch den Inhalt angehängt. Vielleicht kannst du als "Schriftgelehrter" etwas zum Porto herauslesen.


    Grüsse von liball

  • Hallo liball,


    Text:


    Auf das Ansuchen vom 16. diesen Monats wird erwiedert, dass Peter Eberle von Ließenbach zur Zahlung der Zinsrückstände ob einem der Katharina Wagner schuldigen Kapital per 270 florin ermachet so wie über die geschehene Kapitals - Aufkündigung geeignet verständigt worden ist.


    Links davon steht: Porto Auslage 8x Rapular foglio 2b


    Am 9. Aug. 1840 Die Klage beim K. K. Landgericht in Bezau erneuert


    Porto Auslage Rapular foglio 2b


    Für mich sieht es so aus, als ob Österreich Württemberg verklagte. Ob daraus ein Rechtsanspruch auf Rückerlangung von 2x fremdem Porto zu erheben war, kann ich nicht sagen.


    Auf jeden Fall bleibt es ein sehr interessanter und schöner Brief. Gerne hätte ich mehr zu seiner Entschlüsselung beigetragen.

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Liebe Freunde,


    ein Brief aus Triest vom 12.4.1861 via Bayern nach Ulm, dort am 15.4. angekommen, hat einen nicht uninteressanten Inhalt. Er kostete über 20 Meilen 12 Kreuzer rheinisch Porto.


    Die Anschrift lautet: Herrn Herrn Friedrich Miller, Juwelier, Herbrücker Str. Nr. 307 in Ulm an der Donau Württemberg


    Inhalt: Triest, den 12. April


    Liebe Eltern,


    den Brief den ich Ihnen von Wien aus, vor meiner Abreise schriebe werden Sie erhalten haben; wir fuhren von Wien bis Baden, und von da nach Neunkirchen und Mürzzuschlag zu Fuß, von M. mit der Bahn nach Gratz, eine hübsche Stadt. in Graz waren wir von Sonntag Abend bis Mittwoch früh.
    Mein Reise Collegue ist in Gratz geblieben, Uhrmacher es hat dort sehr viele Goldschmidte aber nichts zu thun. Von Gratz nach Triest da traf ich auf der Bahn einen Bierbrauer Praktikanten von München, ich logire hier in einem Deutschen Gasthaus, zum Sandwirth, ganz gut, in Triest ist es theuer, die Maas Bier 48 x (= Neukreuzer, ca. 32 Kreuzer rheinisch!) die Maas Wein 40 x, und der Caffee ist billig.
    Gestern war ich bei Sutarius und Held, gestern Abend waren wir im Deutschen Theater, und heute werden wir ins französische gehen, es ist sehr hübsch in Triest, ich habe auch schon bei einigen Geschäften gefragt ob kein Arbeiter gebraucht wird, aber die sagten daß sie keine Arbeiter haben, es war blos so ein kleines Brett da wo der Herr oder ein Junge saß.
    Heute ist das Wetter sehr schön die Bäume haben schon Blätter und Blüthen, auch gibt es schon Blumen im freien.
    Wir werden deßhalb Sonntag oder Montag nach Venedig abreisen, nach Mailand zu gehen wurde mir von mehreren Herrn abgerathen ich werde jetzt sehen was man mir in Venedig sagt.


    In Gratz habe ich auf der Post gesagt daß wenn ein Brief mir nach kämme, daß man ihn Post restante nach Triest schicke.


    Man trinkt in der Osteria hier viel griechischen Wein (süß) er ist billiger wie der Steirische.
    In Venedig werde ich dort logiren wo der Vater logirt hat am Markusplatz; heute Mittag aßen wir Meerfische (Assiota) er schmeckte uns aber nciht besonders.
    Held u(nd) Satorius laßen Sie grüßen, sonst weis ich nichts anders für heute, Leben Sie recht wohl, grüßen Sie Adele
    Ihr Sohn u(nd) Bruder
    Heinrich


    Den Vermerk mit dem poste restante finde ich sehr interessant - also konnten auch gewöhnliche Briefe zu poste restanten Briefen werden, wenn es der Empfänger nur der 1. Post mitgeteilt hatte. Dergleichen Fälle sind m. E. selten und ich kann davon nicht viele in meiner kleinen Spezialsammlung poste restante zeigen (leider keinen aus dieser Korrespondenz - das wäre eine Sensation).

  • Hallo Ralph,


    Wir werden deßhalb Sonntag oder Montag nach Venedig abreisen, nach Mailand zu gehen wurde mir von mehreren Herrn abgerathen ich werde jetzt sehen was man mir in Venedig sagt.

    ...hat das noch was mit dem 59er-Krieg Österreich-Sardinien zu tun?


    Interessanter Inhalt, aber wahrscheinlich auch ein schöner Laufweg komplett mit der Bahn über Graz, Wien, Salzburg, München, Augsburg, Ulm. :thumbsup:


    Viele Grüsse
    Christian

  • Hallo Laurent,


    ja, sehr interessanter Text aus der Zeit - wer nur auf Marke und Stempel schaut, darf sich nicht wundern, wenn ihm das wertvollste, die intellektuelle Erkenntnis, im Briefinneren verborgen bleibt.


    Hallo Christian,


    genau so sehe ich das auch - Laufweg gut (nicht mehr Bodenbach, wie vlt. noch kurze Zeit vorher) und als Auswirkung des piemontesischen Krieges von 1859 auch recht passend.


    Das mit poste restante wußte ich aber vor dem Kauf nicht - das war der klassische Glücksmoment nach dem Öffnen und bei dem Lesen des Briefes und hat mich sehr gefreut.

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo Sammlerfreunde,

    ein Brief von Wien über Augsburg nach Heilbronn.

    Leider ist kein Inhalt mehr vorhanden.

    Vorne links oben wurde in rot 10 notiert. Unten links wurde eine rote 6 notiert.

    Der Brief wurde an den Senator Weikert gerichtet. Laut Internet war Weikert zwischen 1770 und 1780 als Senator in Heilbronn tätig .

    Ich würde den Brief demnach der Zeit zwischen 1770 und 1780 zuordnen. (Rechts oben wurde 1773 notiert, eventuell vom Vorbesitzer).

    Siegelseitig ist kein Vermerk vorhanden.

    Wie waren die Gebühren aufgeteilt? Wer musste was bezahlen?

    Bitte um eure Hilfe.

    Liebe Grüße

    Franz

  • Hallo Franz,


    bei ähnlichen Briefen sind die "6" das Franko von 6 Kreuzer C.M. bis zur österr. bayer. Grenze. Die Österreicher haben das Franko teils Adreßseitig und teils Siegelseitig vermerkt. Die 10 Kreuzer rh. sind das Porto von der österr. bayer. Grenze bis Heilbronn. Zu dieser Zeit war die kaiserliche Reichspost (Thurn und Taxis) noch in Bayern und in Württemberg gänzlich zuständig.


    Beste Grüße,

    Hermann

  • Hallo Sammlerfreunde,

    ein Grenzfrankobrief vom 8.2.1835, von Wien nach Blauenfeld.

    Der Absender zahlte 14 Kreuzer CM Franko bis zur Grenze (Siegelseitig notiert).

    Vorderseitig wurde 14 notiert (vermutlich das Gesamtporto für den Empfänger 14 Kreuzer rh.)

    Wofür steht die rote 9? Eventuell der bayerische Teil?

    Bitte um eure Hilfe.

    Liebe Grüße

    Franz

  • Hallo Franz,


    der Teilfrankobrief lief nach Bartenstein bei Blaufelden.

    Der bayerische Transit bei Briefen nach Württemberg kostete 8 Kr. Insofern macht 9 Kr. keinen Sinn, weil dann das württembergische Porto 5 Kr. wären und diesen Satz gab es im württembergischen Tarif erst ab 1 1/2 Loth. Nach diesem Tarif lag das Porto für einen einfachen Brief von Ulm nach Blaufelden bei 6 Kr.

    Ich gehe daher davon aus, dass es sich bei der 9 um eine schlampig geschriebene 8 handelt. Daher bayerischer Transit 8 Kr. + 6 Kr. Württemberg = 14 Kr.

    Unten links steht noch etwas in Rötel das sehr schlecht zu lesen ist. Nachdem in Bartenstein erst am 1.4.1857 eine Posteinrichtung eröffnet wurde, dürfte es sich um einen Zustellvermerk handeln, eventuell 15 bezahlt oder so ähnlich. Zu den 14 Kr. kam noch 1 Kr. Bestellgeld hinzu.


    Grüße

    Karl

  • Hallo Karl,

    vielen herzlichen Dank für die Richtigstellung:thumbup::thumbup:

    Links unten meine ich zu lesen: 1 Kr. z. zahlen (Vielleicht ist das Bestellgeld gemeint)

    Liebe Grüße

    Franz

  • Liebe Sammlerfreunde,

    dieser Brief aus Klentsch in Böhmen nach Lwin an der Teck hat seinen Empfänger gefunden,

    obwohl dieser sicher in Owen ansässig war. Hier am 13.November 1817 eingefunden durften

    nach rückseitigem Vermerk nochmals 13 xr. gelöhnt werden (8 für Bayern und 4 für W.berg und

    1 für den Boten) obwohl die untere Rötel eher eine -15- vermuten lässt. Rückseitig ist die

    Inlandsgebühr von 6 xr. Conv.M. vermerkt. Nun - keine Sensation aber trotzdem recht nett,

    einen schönen Abend

    bayernalbi