Mecklenburg-Vopommern (OPD Schwerin) - Belege aus Januar 1946

  • Werte Forenteilnehmer,


    in Sammlerkreisen hört man immer wieder die Behauptung, dass Belege aus dem Gebiet der OPD Schwerin schwer zu finden sind. Auch werden die Postwertzeichen der OPD Schwerin der Gestaltung wegen als langweilig, der vielen Produktionsmängel wegen gar als Druckausschuss bezeichnet. Nun, es herrschten heute kaum vorstellbare Notzeiten. Und als graphische Vorlage der ersten drei Postwertzeichen dienten die Postwertzeichen Bayerns. Niemand wird wohl diese ernsthaft als langweilig bezeichnen. Aber ich schweife ab.


    Zwischenzeitlich konnte ich einen kleinen Grundstock an Belegen aus dem Gebiet der OPD Schwerin zusammentragen. Und aus dieser Sammlung zeige ich hier die Stücke vom Januar 1946.


    Teilnahme, Hilfe und Korrekturen sind übrigens ausdrücklich erwünscht.

  • Bevor die einzelnen Belege vorgestellt werden, soll ein Überblick über die zum 1. Januar 1946 auf dem Gebiet der OPD Schwerin erhältlichen und gültigen Freimarken und Ganzsachen gegeben werden. Auch sollen kurz die möglichen Versendungsformen aufgezeigt werden.


    Auf die gültigen Sondermarken wird an dieser Stelle ganz bewusst verzichtet, dürften diese ob der hohen Zuschläge und der geringen Auflage keine Verwendung auf Bedarfspost gefunden haben.


    Den Beginn machen die Postwertzeichen zu 6 Reichspfennigen. Es gab:


    - Eine Briefmarke in schwarzer Farbe auf grünlichem Papier (Ausgabe vom 31. August 1945 - Auflage 6.996.000 Stück)
    - Eine Briefmarke in violetter Farbe auf weißem Papier (Ausgabe am 16. November 1945 - Auflage 1.950.000 Stück)
    - Eine Ganzsache mit Werteindrucken in verschiedenen Farben auf verschiedenfarbigen Kartons (Ausgabe vom August 1945)

  • Es folgen die Postwertzeichen zu 8 Reichspfennigen. Es gab:


    - Eine Briefmarke in der Farbe magenta auf lilarosafarbenem Papier (Ausgabe vom 6. Oktober 1945 - Auflage 2.000.000 Stück)
    - Eine Briefmarke in schwarzer Farbe auf lilarosafarbenem Papier (Ausgabe am 19. Oktober 1945 - Auflage 500.000 Stück)
    - Eine Briefmarke in der Farbe schwarz auf hellbläulichgrünem Papier Ausgabe vom 2. November 1945 - Auflage 495.000 Stück)
    - Eine Briefmarke in der Farbe dunkelgraulila auf hellbläulichgrünem Papier (Ausgabe am 3. November 1945 - Auflage 1.002.000 Stück)

  • Den Schluss bilden die Postwertzeichen zu 12 Reichspfennigen. Es gab:


    - Eine Briefmarke in der Farbe schwarz auf lilarosafarbenem Papier (Ausgabe vom 28. August 1945 - Auflage 7.000.000 Stück)
    - Eine Briefmarke in der Farbe lilakarmin auf weißem Papier (Ausgabe am 9. November 1945 - Auflage 3.390.000 Stück)
    - Eine Briefmarke in der Farbe rosarot auf weißem Papier (Ausgabe vom 20. Dezember 1945 - Auflage 1.592.000 Stück)

  • Folgende Versendungsformen waren zugelassen:


    Innerhalb der Sowjetischen Besatzungszone ohne Berlin:


    I


    1. Für den allgemeinen Verkehr
    a) geschlossene Briefe bis 500 g, und zwar als gewöhnliche, eingeschriebene und unter Wertangabe
    b) Postkarten
    c) Drucksachen
    d) Geschäftspapiere
    e) Warenproben
    f) Mischsendungen


    Zu b) bis f): auch unter "Einschreiben"


    g) Postanweisungen bis 1000,- RM
    h) im Postscheckverkehr: Zahlkarten, Überweisungen, Zahlungsanweisungen und Kassenschecks aus neuem Guthaben
    i) Postaufträge
    k) Nachnahmebriefsendungen
    l) Bahnhofsbriefe
    m) Briefe mit Zustellungsurkunde
    n) Wert- und Einschreibesendungen gegen Rückschein


    2. Für Behörden und Firmen
    a) die unter I, 1 aufgeführten Sendungsarten,
    b) geschlossene Briefe bis 1000 g, und zwar als gewöhnliche, eingeschriebene und unter Wertangabe. Zur Versendung dieser Briefe durch Firmen ist eine besondere Genehmigung der örtlichen Militärkommandantur erforderlich. Anträge nehmen die Postanstalten entgegen.



    II


    Für alle Sendungen dürfen nur lateinische oder russische Schriftzeichen und die deutsche, russische, englische oder französische Sprache verwendet werden.


    Alle Sendungen (auch Briefe und Postkarten) - mit Ausnahme der Briefe der Postscheckkunden an die Postscheckämter in Postscheckangelegenheiten bei Verwendung der gelben Briefumschläge - sind stets freizumachen. Nichtfreigemachte Sendungen werden dem Absender zurückgegeben.


    Unzustellbare Sendungen werden wie früher nach- und zurückgesandt.


    (Veröffentlichung vom 22. September 1945; II 1 b 2100-0)


    Nach Berlin:


    I


    a) Geschlossene Briefe bis 500 g, Behörden und Firmen dürfen Briefe bis 1000 g versenden, und zwar in Berlin ohne besondere Genehmigung der Militärkommandantur,
    b) Postkarten,
    c) Drucksachen,
    d) Geschäftspapiere,
    e) Warenproben,
    f) Mischsendungen,


    Zu a) bis f): Auch unter "Einschreiben"


    g) Postanweisungen bis 1000 RM,
    h) Postaufträge bis 1000 RM,
    i) Nachnahmebriefsendungen bis 1000 RM,
    k) Briefe mit Zustellungsurkunde,
    l) Einschreibebriefsendungen gegen Rückschein.


    II


    Für alle Sendungen dürfen nur lateinische oder russische Schriftzeichen und die deutsche, russische, englische oder französische Sprache verwendet werden. Name und Adresse des Absenders müssen auf der Außenseite jedes Poststückes erscheinen.
    Alle Sendungen (auch Briefe und Postkarten) - mit Ausnahme gebührenpflichtiger Dienstsachen - sind stets freizumachen. Nicht freigemachte Sendungen werden dem Absender zurückgegeben.
    Im übrigen gelten die früheren deutschen Benutzungsbedingungen. Insbesondere werden unzustellbare Sendungen wie früher nach- und zurückgesandt.


    (Veröffentlichung vom 18. Oktober 1945; Pr/II 2100-0)


    Nach den westlichen Besatzungszonen:


    - gewöhnliche und eingeschriebene Postkarten
    - Briefe bis 500 g
    - gewöhnliche Drucksachen
    - Warenproben
    - Mischsendungen bis 500 g


    (Telegramm vom 23. Oktober 1945; Pr/II/2 a 1 - 2450-0)



    Ein Päckchen- und Paketdienst sowie ein Postverkehr nach dem Ausland bestand im Januar 1946 noch nicht.

  • Ab dem 2. Januar 1946 wurde der Briefverkehr mit den deutschen Kriegsgefangenen in der Sowjetunion ausgenommen.


    Quelle: "Das Werden einer demokratischen Postverwaltung / Vom Chaos zum Zweijahresplan" von Dr. Wilhelm Schrödern

  • Versendungsform: Postkarte, Fernverkehr
    Aufgabeort: Stadt Bad Doberan, Landkreis Rostock, 1946 insgesamt 10.923 Einwohner
    Postanstalt: gemäß Ortsverzeichnis 1944: Postamt
    Zielort: Onstmettingen, RPD Stuttgart, Französische Besatzungszone
    Gebühr (seit 15.01.1932): 0,06 RM
    Postwertzeichen: Ganzsache zu 0,06 RM, grüner Werteindruck, rückseitiger Druckvermerk steht in der Mitte
    Stempelgerät: Zweikreisstegstempel BAD DOBERAN (MECKL) / e - Normstempel gemäß Verfügung des Reichspostzentralamtes in Berlin, veröffentlicht im Amtsblatt des Reichspostministeriums, Nummer 29 vom 24. März 1931 unter Verfügung Nr. 155/1931:


    Der Text der Karte lautet wie folgt:


    Firma Bad Doberan, d. 30.12.45
    Hermann Wohnhas-Schmid
    Onstmettingen/Württenberg
    Ich erhielt Ihre Mitteilung von 3.12.45 betr. Rechnung v. 6.3.45
    über RM 131.60
    Nach meinen Unterlagen wurde diese Rechnung am 26.03.45durch
    Banküberweisung an Dresdner Bank Filiale Reutlingen beglichen.
    (RM 127.70 - 044367-). Ich bitte höfl. um Nachprüfung.
    Hochachtungsvoll!

  • Versendungsform: Postkarte, Fernverkehr
    Aufgabeort: Stadt Barth, Landkreis Stralsund, 1946 insgesamt 14.410 Einwohner
    Postanstalt: gemäß Ortsverzeichnis 1944: Postamt
    Zielort: Köln, RPD Köln, Britische Besatzungszone
    Gebühr (seit 15.01.1932): 0,06 RM
    Postwertzeichen: Briefmarke in violetter Farbe auf weißem Papier (Ausgabe vom 16. November 1945 - Auflage 1.950.000 Stück)
    Stempelgerät: Kreisstegstempel mit Bogen oben und unten BARTH / a - Stempelveteran mit aptierten Sternen (links vom Unterscheidungsbuchstaben "a")


    Der Text der Karte lautet wie folgt:


    Barth, den 1.1.46. Liebe Frau
    Kownatzki! Es freut mich zu ver-
    nehmen, daß Sie mit Ihrer Familie wohl-
    behalten bei Köln leben. Auch wir haben
    glückl. alles überstanden, aber auf d.
    Lande Furchtbares durchmachen müssen.
    Als es nicht mehr auszuhalten war, zogen
    wir hierher. M. Mann wurde hier Rechts-
    Anwalt u. hat gut zu tun. Wir wohnen
    zwar beengt (2 Räume) aber sehr hübsch
    im Pastorhaus (mit + bezeichnet) bei
    sehr netten Menschen, von denen uns der
    Abschied schwer fallen wird. M. Mann
    hat sich nach Hessen gemeldet, Gießen
    od. Marburg, in Jochens Nähe. Von ihm
    hatten wir vor 1/4 Jahr die 1. Nachr., die
    uns aus gr. Besorgnis befreite. Es geht ihm
    mit s. j. Frau in Mbg. sehr gut. Mit 30
    Lebensm.Päckchen, die bis auf 1 ankamen
    hat er unserer Ernährungslage ausgeholfen.
    Leider habe ich über m. Mutter u. Schw, die
    in Danzig blieben, äuß. beunruhigende Nach-
    richt, die ich aber nicht glauben kann. Es mag ein Gerücht
    sein wie das über uns, daß wir auf d. Fl. i. d. Weichsel ertranken.
    Schreiben Sie doch auch bald einmal. Herzl. Gr. v. uns Ihre Hertha Grunau

  • Versendungsform: Postkarte, Fernverkehr mit Zusatzleistung Einschreiben
    Aufgabeort: Stadt Ludwigslust, Landkreis Ludwigslust, 1946 insgesamt 12.544 Einwohner
    Postanstalt: gemäß Ortsverzeichnis 1944: Postamt
    Zielort: Halle, PD Provinz Sachsen, Sowjetische Besatzungszone
    Gebühr: 0,06 RM (seit 15.01.1932) zzgl. Einschreibegebühr von 0,30 RM (seit 01.06.1924)
    Postwertzeichen: Verwendet wurde ein Ganzsache aus der Britischen Besatzungszone (Ganzsache Mi.-Nr. P 673), welche auf der Vorderseite links unten mit dem Kreisstegstempel mit Bogen oben und unten BAD SEGEBERG / LAND (RPD Kiel) abgeschlagen wurde. Diese Ganzsache besaß auf dem Gebiet der OPD Schwerin keine Gültigkeit. Mangels vorrätiger Postwertzeichen wurde die Ganzsache in Ludwigslust mittels Barfrankatur (roter Stempel "Gebühr bezahlt." und handschriftlich "36" in schwarzer Farbe) freigemacht.
    Stempelgerät: Zweikreisstegstempel LUDWIGSLUST / b - Normstempel gemäß Verfügung des Reichspostzentralamtes in Berlin, veröffentlicht im Amtsblatt des Reichspostministeriums, Nummer 29 vom 24. März 1931 unter Verfügung Nr. 155/1931


    Bei der Ankunft in Halle am 7. Januar 1946 wurde rückseitig der Kreisstegstempel mit Gitterbogen oben und unten HALLE abgeschlagen.


    Der Text lautet wie folgt:


    Ludwigslust, Meck, 3.1.46
    Lieber Kamerad Zittenbach! Gestern sandte ich Ihnen in 2 R-Briefen
    eine Anzahl von deutschen & ausländischen Ganzstücken für den Rundsende-
    ? innerhalb der "Hallensia" zu. In den nächsten Tagen folgen
    weitere Auswahlen. Hoffentlich finden Sie die nötige Zeit zum Durch-
    sehen der Sendungen zum fertigmachen der ? Mir fehlen
    leider jegliche Anhaltspunkte für die einzelnen Bewertungen? Ich kann
    Ihnen somit diese mühevolle Tätigkeit nicht abnehmen. Wenn es Ihnen
    zuviel werden Sollte, bitte um Nachricht; dann unterlasse ich weitere
    Sendungen oder soll ich sie gleich an ? schicken? Beste Grüsse

  • Versendungsform: Postkarte, Fernverkehr vom 4. Januar 1946
    Aufgabeort: Stadt Bützow, Landkreis Güstrow, 1946 insgesamt 9.509 Einwohner
    Postanstalt: gemäß Ortsverzeichnis 1944: Postamt
    Zielort: Berlin (Magistratspost Groß-Berlin)
    Gebühr (seit 15.01.1932): 0,06 RM
    Postwertzeichen: Ganzsache zu 0,06 RM, grüner Werteindruck, rückseitiger Druckvermerk steht in der Mitte
    Stempelgerät: Handrollstempel mit sechs Wellenlinien und Kreisstegstempel mit Bogen oben und unten BÜTZOW / * (MECKLB.) * - Stempelveteran



    Der Text lautet wie folgt:


    (3) Bützow (MECKL), d 3.1.1946.
    Pferdemarkt 1.
    Auf Grund Ihrer Anzeige in der
    "Volkszeitung" Nr. 129 vom 31.12.45 bitte
    ich um Preislisten bzw. Tauschangebote
    über Deutschlandmarken. - Was bieten Sie
    für: Stadtpost Apolda (3 Werte), Meckl.-
    Vorpommern, "Opfer des Faschismus" (3 Werte),
    Meckl.-Vorpommern, "Bodenreform" (beide
    Farben, je 3Werte)? Ich
    habe Interesse für
    Berliner Sonderausgaben,
    sowie letzte Ausgabe
    Deutsches Reich (SA/SS).
    Karl Heinz Klaas

  • Versendungsform: Postkarte, Fernverkehr vom 4. Januar 1946
    Aufgabeort: Gemeinde Herzfeld, Landkreis Ludwigslust, 1946 insgesamt 653 Einwohner
    Postanstalt: keine - Abwicklung über Ziegendorf (ZdA Grabow), hier aber direkt über das Postamt Grabow
    Zielort: Hamburg (RPD Hamburg - Britische Besatzungszone))
    Gebühr (seit 15.01.1932): 0,06 RM
    Postwertzeichen: Ganzsache zu 0,06 RM, grüner Werteindruck, rückseitiger Druckvermerk steht in der Mitte
    Stempelgerät: Zweikreisstegstempel GRABOW (MECKL) / c - Normstempel gemäß Verfügung des Reichspostzentralamtes in Berlin, veröffentlicht im Amtsblatt des Reichspostministeriums, Nummer 29 vom 24. März 1931 unter Verfügung Nr. 155/1931.



    Der Text lautet wie folgt:


    Ich gelangte in den Besitz Ih
    res Schreibens vom 6.12.45. & teile
    Ihnen mit, daß mein Stellungsgesuch
    eigentlich an die Fachschaft der Molkerei
    Hamburg 36, Holstenwall 4 gerichtet war
    & bitte Sie höflichst, mein Bewerbungsschr
    schreiben an dieselbe gütigst weiterleiten
    zu wollen. Ihre Freundlichkeit, der ich im
    voraus meinen herzlichen Dank versichere,
    stets erinnernd, zeichne hochachtungsvoll W. Hümpel.

  • Versendungsform: Postkarte, Ortsverkehr vom 4. Januar 1946
    Aufgabeort: Stadt Rostock, Stadtkreis Rostock, 1946 insgesamt 115.359 Einwohner
    Postanstalt: gemäß Ortsverzeichnis 1944: Rostock 2, ZdA Postamt Rostock 1
    Zielort: Rostock
    Gebühr (seit 01.08.1927): 0,05 RM - eine portorichtige Frankierung war zum 4. Januar 1946 nicht möglich
    Postwertzeichen: Briefmarke in violetter Farbe auf weißem Papier (Ausgabe vom 16. November 1945 - Auflage 1.950.000 Stück)
    Stempelgerät: Zweikreisstegstempel SEESTADT ROSTOCK 2 / c - Normstempel gemäß Verfügung des Reichspostzentralamtes in Berlin, veröffentlicht im Amtsblatt des Reichspostministeriums, Nummer 29 vom 24. März 1931 unter Verfügung Nr. 155/1931.



    Der Text lautet wie folgt:


    Rostock
    4.1.45


    Liebe Frau Freytag,


    Bringen sie mir die
    Sachen bei Gelegenheit
    mit, es eilt nicht.
    Viele Grüße

  • Versendungsform: Brief bis 20 g, Ortsverkehr vom 4. Januar 1946
    Aufgabeort: Stadt Rostock, Stadtkreis Rostock, 1946 insgesamt 115.359 Einwohner
    Postanstalt: gemäß Ortsverzeichnis 1944: Postamt
    Zielort: Rostock
    Gebühr (seit 01.08.1927): 0,08 RM
    Postwertzeichen: Briefmarke in der Farbe magenta auf lilarosafarbenem Papier (Ausgabe vom 6. Oktober 1945 - Auflage 2.000.000 Stück)
    Stempelgerät: Zweikreisstegstempel bzw. Zweikreisbrückenstempel (3) SEESTADT ROSTOCK 1 / p - Normstempel gemäß Verfügung des Reichspostzentralamtes in Berlin, veröffentlicht im Amtsblatt des Reichspostministeriums, Nummer 29 vom 24. März 1931 unter Verfügung Nr. 155/1931- mit aptierter Postleitgebietszahl

  • Hallo,
    gibt es irgendwelche Erkenntnisse, warum die OPD Schwerin auf die für Drucksachen und Ortskarten unbedingt notwendigen Werte 3;4 und 5 Pf. bis Februar 1946 verzichtete.
    Für Drucksachen blieb wohl nur die Barfrankatur mit Gebühr Bezahlt Stempel, denn eine 6 Pf. Marke ist für 3 Pf.Porto etwas viel. 2 verschiedene Marken der 6 Pfennige plus 2 Ausgaben der 6 Pf. mit Zuschlag bis zum ersten 5 Pf.Pfennigwert lassen am postalischen Wissen in der OPD-Spitze Zweifel aufkommen.

  • Hallo BaD,


    das ist eine sehr gute Frage. Leider kann ich nur anhand mir vorliegender Fakten versuchen, die damaligen Beweggründe zu erahnen.


    Fangen wir mit der politischen Lage an. Das Deutsche Reich war militärisch geschlagen. Dadurch geriet der östliche Teil Deutschlands in den sowjetischen Machtbereich. Es gab zwar deutsche Institutionen und auch wieder deutsche Landesregierungen. Diese unterstanden aber Moskau, bzw. dessen Repräsentanten, dem Obersten Chef der Sowjetischen Militäradministration in Deutschland (SMAD), Marschall Schukow.
    Mit Beginn der Besatzung war Moskau bestrebt, das eigene Wirtschafts- und Wertesystem in Ostdeutschland einzuführen. Faktoren, wie die alleinige Versorgung der Roten Armee durch die zerstörten und besetzten Gebiete, die Flüchtlingsströme aus dem Osten, die Demontagen von Fabrikanlagen, Gleisen und Betrieben aller Art, die Entlassung von ehemaligen Parteigenossen aus ihren Dienstverhältnissen sowie die unterschiedliche Kultur und die konkurrierenden Organe innerhalb der sowjetischen Strukturen wurden dabei nicht berücksichtigt. Hinzu kamen die täglichen Plünderungen, Morde, willkürlichen Verhaftungen und Vergewaltigungen.


    In diesem Umfeld wurde am 8. Juli 1945 das Land Mecklenburg-Vorpommern gegründet. Am darauffolgenden Tag erfolgte die Gründung die Sowjetische Militäradministration des Landes (SMA) unter Führung von Generalmajor Skossyrew mit einer eigenen Abteilung für die Post.


    - Die Post fiel in die Zuständigkeit des Landes


    Kommen wir nur zum philatelistischen Teil:


    Auf einer Besprechung zwischen Skossyrew und Mitgliedern des Präsidiums der Landesverwaltung am 28. Juli 1945 wurde mitgeteilt, dass die Postwertzeichen aus der Zeit vor der Besetzung ungültig sind und innerhalb von 3 Tage Entwürfe über neue Postwertzeichen anzufertigen und vorzulegen seien.



    Im Befehl der SMA vom 1. August 1945 heißt es dann:
    Im Hinblick auf die Instandsetzung des Nachrichtendienstes sowie der Organisation des Telegraphen- und Fernsprechdienstes zwischen den Kreisen sowie Wiederaufnahme des Briefverkehrs wie in der Provinz so auch in den Kreisen wird folgende Ordnung beim Gebrauch des Nachrichtendienstes in Anwendung gebracht:


    § 3 Postverbindung
    1. Den Postverkehr sowohl im ganzen Land so auch in den Kreisen zu erneuern.
    2. Zum Verkehr unter der Bevölkerung, die sich auf dem Gebiet der Sowjetzone Deutschlands befindet zuzulassen.
    a) Unverschlossene Einschreiben wie auch unverschlossene gewöhnliche Briefe,
    b) telegrafische und Postgeldüberweisungen.
    3. Den Selbstverwaltungen der Städte und Kreise der Provinz wie auch den Unternehmungen und Fabriken zu gestatten, das Führen von geschlossener Korrespondenz dienstlichen Charakters und Banderollen (eingeschriebene und einfache) im Gewicht bis zu 1 kg.
    4. Bis zum 1.10.1945 bleibt der Tarif für die Postkorrespondenz, Telegramme und Überweisungen nach den Sätzen bis zur Okkupation bestehen.
    .
    .
    .



    Zu einer Besprechung zwischen Skossyrew und Mitgliedern des Präsidiums der Landesverwaltung vom 17. August 1945 findet sich unter Punkt 14 folgender Hinweis:
    - Die vorgelegten Entwürfe der Postwertzeichen sind genehmigt. Es ist sofort ein Antrag einzureichen, die Fa. Sandmeyer für den Druck dieser Wertzeichen freizugeben.


    Mein Fazit:

    Innerhalb von 21 Tagen hatte die Landesregierung Mecklenburg-Vorpommerns Entwürfe von Postwertzeichen für eine beschränkte Anzahl von Versendungsformen vorzulegen, die nach den Gebühren der ehemaligen Reichspost wie folgt abzurechnen waren:


    Briefe, Ortsverkehr bis 20 g: 0,08 RM
    Briefe, Fernverkehr bis 20 g: 0,12 RM
    Briefe, Fernverkehr über 20 bis 250 g: 0,24 RM
    Briefe, Fernverkehr über 250 bis 500 g: 0,40 RM
    Briefe, Fernverkehr über 500 bis 1.000 g: 0,60 RM
    Einschreibegebühr: 0,30 RM


    Diese wenigen zugelassenen Portostufen lassen sich alle mit den drei verausgabten Postwertzeichen abdecken. Angesichts der prekären Rohstofflage, dem Mangel an Druckereien und dem Zeitdruck erscheint es mir nur verständlich, das auf weitere Nennwerte verzichtet wurde.


    Quellen: „Die Landesregierung Mecklenburg-Vorpommern unter Sowjetischer Besatzung 1945 bis 1949 – Band 1“ von Detlev Brunner und „Deutsches Reich – Postgebührenkatalog 1923 bis 1945“ von Rainer E. Lütgens

  • Hallo Briefmarkentor,
    danke für deine ausführliche Antwort.
    Meine " Schelte" an die OPD Schwerin war bei den Marken für Drucksachen wohl zu hart. Den Wert von 3 Pf. gab es bei den anderen OPDs nicht viel früher. Nur die OPD Halle war allen anderen mit Werten von 1 Pf. und 3 Pf. in der ersten Briefmarkenserie weit voraus.
    In der Halterensammlung waren 2 Belege, eine Drucksache mit der 3 Pf. Marke vom 23.1.46 aus Ludwigslust und als Erstagsbeleg eine Karte mit der 3 Pf. und 4 Pf. vom 17.1.46 aus Ludwigslust.
    Erstaunlicherweise nur eine frühe Bedarfs-Drucksache mit dem Einahmenachweisstempel vom 24.11.1945 aus Teterow. Und jetzt verstehe ich die Welt nicht mehr, handschriftlich 6 pf. Wieso 6 Pf?
    Beste Grüße Bernd

  • Hallo Bernd,


    die Antwort ist ganz simpel. Die Drucksache stammt nicht aus 1946, sondern aus 1949. Ab diesem Jahr wurde der Sonderstempel verwendet.



    Viele Grüße


    Marko

  • Versendungsform: Postkarte, Fernverkehr vom 4. Januar 1946
    Aufgabeort: Stadt Schwerin, Stadtkreis Schwerin, 1946 insgesamt 87.005 Einwohner
    Postanstalt: gemäß Ortsverzeichnis 1944: Postamt
    Zielort: Hamburg, RPD Hamburg, Britische Besatzungszone
    Gebühr (seit 15.01.1932): 0,06 RM
    Postwertzeichen: Ganzsache zu 0,06 RM, grüner Werteindruck, rückseitiger Druckvermerk steht links
    Stempelgerät: Zweikreisstegstempel bzw. Zweikreisbrückenstempel SCHWERIN (MECKL) 1 / ac - Normstempel gemäß Verfügung des Reichspostzentralamtes in Berlin, veröffentlicht im Amtsblatt des Reichspostministeriums, Nummer 29 vom 24. März 1931 unter Verfügung Nr. 155/1931- mit aptierter Postleitgebietszahl


    Der Text lautet wie folgt:


    Schwerin, d 29./12.45.
    Am Heidensee 8.
    Meine liebe Margot, zum neuen Jahr sende ich
    Dir und deinem lieben Mann meine herzlichs-
    ten Glückwünsche. Möge dasselbe bessere Zeiten
    bringen. Wie geht es Euch gesundheitlich? Was
    habt Ihr für Nachrichten von Ruth, wie geht es der
    Familie? Sigrieds Kinder sind sehr lebhaft. Beson-
    ders der Kleine ist ein Ausbund von Lustigkeit.
    Die Kinder leißen an Weihnachten keine Traurigkeit
    aufkommen. Wir haben seit dem 11./12. eine 2 Zimmer-
    Wohnung mit Küche und sind froh allein zu sein.
    Die andere Wohnung war nicht heizbar. Der Kleine
    hatte sich auch mehrere Male sehr erkältet. Sigried hat
    immer noch keine Nachricht von ihrem Mann. Mein
    Schwager ist jetzt als Leiter im Ministerium des Innern für Landwirtschaft


    Irmgard wollte gern zu einer
    Freundin nach Hannover.
    Dort sind die Verdienstmög-
    lichkeiten so gut wie sie
    es sich gedacht hatte. Nun
    bleibt sie vorläufig noch
    hier. Verlebt das Jahres-
    ende recht gut und herz-
    liche Gruße Dir und
    Deinem Mann von uns
    allen Deine Tante Mieze.