• Guten Abend,


    in den vergangenen Tagen konnte ich wieder einige Stücke erwerben, von denen ich euch im Folgenden gerne eines vorstellen möchte.


    Es handelt sich um einen 5-Rappen Tübli Brief mit 25 Rappen als ZuF, somit insgesamt 30 Rappen.
    Aufgegeben wurde der Brief am 22.12.1873 in Zürich und adressiert an "Monsieur Hermann Deutsch", in Helmond, Niederlande.
    Dort angekommen am Heiligen Abend :D .
    Leider ist siegelseitig bloß der Ankunftsstempel von Helmond abgeschlagen, sodass man den Laufweg, also über Deutschland oder Frankreich, nicht mit Sicherheit bestimmen kann.

    Was mich die ganze Zeit ins Grübeln bringt ist das Porto:

    Laut dem Tarif vom 01.10.1865 bis zum 31.12.1875 kosteten einfache Briefe, bis 7,5 g, mit Leitung über Frankreich 50 Rappen.
    Über den Leitweg über Deutschland habe ich keine Informationen gefunden, ich kann mir aber nicht vorstellen, dass dieser 20 Rappen günstiger gewesen sein soll, als der über Frankreich.
    Deswegen stellt sich mir die Frage warum der Brief bloß mit 30 Rappen freigemacht ist?! :?:

    Auf jeden Fall handelt es sich aus zwei Gründen um einen seltenen Beleg:

    1. Destination Holland von Richard Schäfer mit 7 von 13(Unikat) möglichen "Seltenheits-Punkten" bewertet
    2. Die Kombination 5 Rappen-Tübli und 25 Rappen ist eine sehr seltene Kombination

    Wenn jetzt noch jemand die Frage bzgl. des Portos klären könnte, wäre ich sehr angetan :D

    Liebe Grüße

    Kevin


    PS: Siegelseite habe ich mir erspart, da nur Ankunftsstempel

  • Hallo Kevin,


    von einem gemeinsamen Sammlerfreund von uns kam prompt die Antwort mit der zugehörigen VO:


    Zunächst, die 30 Rp. Frankatur
    dorthin ist absolut normal und Vor-UPU die häufigste.
    Ab 1.Sept.1868 trat der PV zwischen der Schweiz und Holland in Kraft und ab
    diesen Tag gab es zwischen beiden Ländern die sog. "Direkte Auswechslung" die ja in
    eine ganze Reihe anderer europ. Länder ebenfalls mit 30 Rp. bestand, z.B. nach Belgien,
    Frankreich, England, Italien usw.
    Einen Scann aus dem PV sende ich Dir gleich anschließend. Die Gebühren-
    Zusammensetzung 25er Tübli + 5 Rp. Marke ist durchaus ungewöhnlich,
    wenn auch keine Seltenheit.

    Dateien

    • scan0001.bmp

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    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo Kevin,


    1. Destination Holland von Richard Schäfer mit 7 von 13(Unikat) möglichen "Seltenheits-Punkten" bewertet


    da wäre ich bei dem Autor sehr, sehr vorsichtig. Ein großer Fisch in einem kleinen Teich weiß über seinen Teich alles. Aber außerhalb desselben ...

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo Ralph,


    vielen Dank für die Informationen!
    Ich fand im Internet nichts darüber, leider habe ich noch keine Literatur über die verschiedenen Tarife und Postverträge. :S
    Aber solange es hier dieses Forum gibt, erhalte ich die Informationen ja auch so :D




    Liebe Grüße


    Kevin

  • Liebe Freunde,


    hier ein Tübli-Brief vom 5. April 1871 mit 40 Rp. frankiert. Leider zeigt die Rückseite keinen Transitstempel von Frankreich oder Baden, wie ich es erwartet hätte. Kann jemand den ovalen Stempel B.45 erklären?


    Es gab einen provisorischen Tarif vom 1.8.1870 für die Beförderung von Briefpost im direkten Verkehr mit den Niederlanden während der Dauer der Leitung der Briefpakete über Frankreich, in dem die 40 Rp. aufgeführt sind. Wie lange diese Phase dauerte, weiß ich aber nicht.


    Viele Grüße

    Bruno

  • Hallo Bruno,


    bei dem ovalen Stempel handelt es sich um einen Brief-Bestellstempel von Amsterdam. Hiervon gibt es die Buchstaben A bis I.

    Ich kann ihn jedoch leider nicht erläutern bezüglich Zustellbezirke, Bestellgänge usw. da mir hierzu die Unterlagen fehlen.


    Grüße

    Karl

  • Lieber Bruno,


    das mit dem 1.8.1870 war die Zeit des Krieges 1870/71 und dürfte 1871 vorbei gewesen sein.


    Schönes Stück!

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus