Frankreich-Schweiz

  • Lieber Ralph,

    vielen herzlichen Dank für deine schnelle Antwort:thumbup::thumbup:

    Du hast recht, es muss nicht immer eine Rarität sein, der Brief hat mich optisch angesprochen und er ist außerdem sehr gut erhalten.^^

  • ... keine Ahnung - ich bekomme wohl eines und wenn ich eines habe, gebe ich laut. Aber unser lieber kantonal weiß das sicher besser, weil er es mit-herausbringen wird ...

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Chasing Sheep Is Best Left To Shepherds

  • Werte Sammlerfreunde



    Ich habe eine Tariffrage zu folgendem Brief:



    Brief von "PARIS / R. TAITBOUT/ 7E./ 9 FEVR. 71" ( 7. Briefkastenleerung) über Basel und St. Maurice nach Saxon mit rückseitigem Ankunftsstempel vom 15.2.1871. Die Frankatur von 30 Centimes (Napoléon III, Nr. 30) ist mit Stern 22 (Etoile 22) entwertet.


    Der Brief wurde nur wenige Tage nach dem Fall der französischen Hauptstadt Paris vom 28. Januar 1871 geschrieben. Trotz des ausgerufenen Waffenstillstandes dauerte es 5 Tage bis der Brief Basel erreichte und noch 2 weitere Tage bis zum Empfänger in Saxon. Dies hat möglicherweise noch mit den Nachwehen des deutsch-französischen Krieges zu tun.

    M.E. wurde dieser Brief laut der Tarifperiode vom 01.10.1865 bis zum 01.01.1876, portogerecht mit 30 Centimes frankiert. Dennoch wurde der Brief mit "30" Rappen (in Rötel) nachtaxiert. Ab dem1.7.1862 (bis zum 31.8.1871) gab es für Briefe bis 10 Gramm (und mehr) in der Schweiz nur 2 Briefrayons (< >9.8km) und der Schweizer Tarif für frankierte Briefe lag bei 10 Rappen und unfrankierte bei 15 Rappen.


    Übersehe ich hier etwas bzw. was kann die Erklärung sein?


    Sammlergruss Valesia

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Valesia

    Ich habe leider nicht eine Antwort zu die Tarife. Aber ich sehe dass der Brief kein PD Stempel hat. Dann nehme ich hier an dass der Brief nicht richtig frankiert war, vielleicht die falsche Gewichtsstufe.


    Viele Grüsse

    Nils

  • Hallo Nils,


    warum sehen wir keinen Vermerk über das falsche Gewicht? Das sollte doch als Begründung für die Nachtaxierung irgendwo vermerkt sein. Gab es die T-Stempel in 1871 noch nicht?


    beste Grüße

    Dieter

  • Hallo Zusammen


    Der Briefumschlag ist klein und schmal. Ich denke eigentlich nicht dass er dazumal mehr als 10 Gramm wiegen konnte.


    Andere Vermerke sehe ich nicht…


    Gruss Martin

  • Werte Sammlerfreunde


    Ein weiterer, mit 30 Centimes frankierter Brief von Paris in die Schweiz vom 13. Februar 1871 wurde mir gemeldet. Dieser Brief wurde in der Schweiz ebenfalls nachtaxiert, jedoch mit Rp. 35. Das lässt mich nun folgende Theorie aufstellen:


    Ein Brief aus Frankreich kostete tarifgerecht 30 Centimes. Da beide Briefe vom 9. und 13. Februar 1871 nachtaxiert wurden, meine ich, dass, ab der Kapitulation von Paris am 28. Januar 1871 und aufgrund der deutschen Besetzung (Unterwerfung), für eine kurze Zeit die französische Frankatur in der Schweiz als ungültig betrachtet bzw. nicht anerkannt und somit beide Briefe nachtaxiert wurden.


    Bei meinem Brief vom 9.2.1871 erfolgte die Nachtaxierung mit den tarifrichtigen Rp. 30 und beim anderen Brief wurden Rp. 5 Nachporto, für einen ungenügend frankierten Brief, dazugeschlagen. Eine einheitliche Handhabung gab es nicht, da wohl Instruktionen fehlten.


    Meine Theorie wird unterstützt durch 5 verschiedene Briefe von Paris (Ballon monté) nach Sitten (Sion) in der Zeitspanne vom 10.11.1870 – 11.1.1871, welche in meinem Inventar aufgeführt sind. Alle tragen den roten PD Stempel und sind mit Cts. 10 (hellbraun) und Cts. 20 (blau), insgesamt Cts. 30 frankiert und alle Briefe wurden nicht nachtaxiert (vgl. angefügtes Briefbeispiel aus meiner Sammlung). Die Pariser Ballonpost fand zwischen dem 23. September 1870 und dem 22. Januar 1871 statt.


    Es wäre interessant, nun andere Briefe aus Frankreich in die Schweiz aus dieser Zeit (ab Februar 1871) zu analysieren, um zu beurteilen wie lange dieser Zustand der Nichtanerkennung der französischen Frankatur andauerte und Briefe in die Schweiz nachtaxiert wurden. Möglicherweise bis zum Vorfrieden von Versailles (26. Februar 1871) oder bis zum offiziellen Ende des Krieges am 10. Mai 1871 mit dem Frieden von Frankfurt.


    Beispiele zur Untermauerung meiner Theorie sind gesucht.


    Martin



    Briefumschlag mit "Ballon monté" (Ballonpost "LE DUQUESNE") vom 7.1.1871 von Paris und über die Briefsammelstelle in Tours nach Sitten. Tarifgerecht frankiert mit 30 Centimes (Siège) und mit rotem PD-Stempel gekennzeichnet. Ankunft in Sitten am 21.1.1871.

    Einmal editiert, zuletzt von Valesia ()

  • Werte Sammlerfreunde


    Konnte letzthin noch folgenden Brief aus Frankreich in die Schweiz vom Februar 1871 erwerben:





    Faltbrief von Marseilles vom 14.2.1871 nach Bern. Tarifgerecht mit 30 Centimes bis zum Besimmungsort frankiert ("PD") und 2 Tage (!) später in Bern angekommen. Keine Nachtaxierung in Bern vorgenommen. Dieser Brief scheint zu belegen, dass die tarifgerechte 30 Centimes Frankatur auf Briefen aus den nichtbesetzten Gebieten Frankreichs nach der Schweiz anerkannt wurde. Somit wurden wohl nur Briefe von Februar 1871 aus dem besetzten Paris in die Schweiz als unfrankiert betrachtet und nachtaxiert.


    Schauen wir mal, ob es in Zukunft neue Belege zum Untermauern oder Verwerfen meiner Theorie auftauchen werden.


    Sammlergruss


    Valesia