Frankreich-Schweiz

  • Guten Tag allerseits,


    es ist schon wieder lange her, dass ich hier etwas geschrieben bzw. einen Beleg vorgestellt habe.
    Das soll sich nun ändern :P :


    Ich möchte euch gerne 2 Briefe von Frankreich nach Schweiz vorstellen, die aus zwei verschiedenen Jahrzenten sind.


    Anfangen möchte ich mit einem Brief, der am 29.09.1866 in "Paris, R.(ue) DE CLERY" aufgegeben wurde und an Monsieur Weber, Mönchaltorf adressiert wurde.
    Der Aufgabestempel wurde links neben die Marken platziert und ist noch mustergültig erhalten, die Marken selbst wurden mit einem Sternstempel(?) mit darin befindlicher Nummer entwertet. Vielleicht kann mir jemand noch mehr über diese Art Stempel sagen, da ich mich mit Frankreich nicht sonderlich gut auskenne.
    Von Paris aus passierte der Brief dann die französische Grenze in Mühlhausen vermute ich, bevor er dann per Bahnpost von Basel nach Olten, und von dort aus weiter nach Uster transportiert wurde. Noch am gleichen Tag, nämlich am 30.09. kam der Brief dann beim Empfänger in Mönchaltorf an.
    Zur Taxierung lässt sich sagen, dass der Brief portogerecht mit 30 Centimes, 10 Cnt+20Cnt, frankiert wurde und vollständig bis zum Empfänger freigemacht wurde, siehe "PD-Stempel".


    Der zweite Brief, bei dem leider die Marke katastrophal eingerissen ist, aber an dem ich mich noch bis ich einen anderen finde vergnügen muss, wurde am 22.08.1874 in St.Etienne aufgegeben un nach St.Gallen adressiert. Auch dieser Brief wurde mit 30 Centimes frankiert, jedoch mit einem Rautenstempel mit Nummer entwertet.


    Meine 2.Frage: Sind die Briefe noch in ein und derselben Tarifperiode verschickt worden und wenn ja kann mir diese bitte jemand sagen?


    Liebe Grüße


    Kevin

  • Guten Abend,


    eine Frage hätte ich doch noch:


    Ich habe gerade bei dem Thema, welches die Sternstempel behandelt gelesen, dass einige neue Sicherheitsmaßnahmen durchgeführt wurden ab den 1860´iger Jahren um zu verhindern, dass eine Marke/Brief mehrmals verwendet wird. Darunter zählt auch ein Teil der Marke mit Perforation einzureißen.


    D.h. meine Marke ist nicht in einem desolaten Zustand, sondern wurde vom Postbeamten aus Sicherheitszwecken eingerissen?


    Liebe Grüße


    Kevin

  • Guten Morgen,


    ich konnte auf der MABRIA bei einem Händler ein paar schöne Briefe kaufen, von denen ich euch im Nachfolgenden zwei vorstellen möchte:


    Der erste der beiden Briefe wurde am 10. Januar 1864 in Paris geschrieben und wurde adressiert an "Monsieur J.Ulrich Joost" in Langnau, Kanton Bern.
    Der Absender war "Henri Boisseau, 16 Rue d´Aumale", Paris.
    Was ich jetzt nicht ganz nachvollziehen kann ist, dass der Brief am 09.01 aufgegeben wurde, obwohl der Brief am 10.01 geschrieben wurde...
    Hat der Absender sich mit dem Datum geirrt? Ansonsten kann ich mir daraus keinen Reim bilden.
    Vorderseitig wurde zudem noch der Stempel "Après le Départ" abgeschlagen, also zu Deutsch "nach Abfahrt". Diese Art von Stempel kannte ich vorher noch nicht, was ist damit gemeint?

    Von Paris aus passierte der Brief wahrscheinlich die Grenze in Pontarlier und von dort aus ging es dann über Burgdorf (11.01) schließlich nach Langnau, ebenfalls 11.Januar. Weder bei den beiden vorherigen Briefen noch bei diesem hier wurde ein Grenzübergangsstempel abgeschlagen, aber bei allen meiner Schweiz Briefe nach Frankreich. Verwendeten die Franzosen diese Vertragsstempel nicht so häufig, oder ist es Zufall, dass bei meinen Briefen diese nicht abgeschlagen sind?


    Frankiert wurde der Brief mit 40 Centimes, die mit dem Sternstempel der Nr.2 entwertet wurde, die für "Rue Saint Lazare,11, later rue. Milton 1" steht.


    Emmanuel, Du hast mir ja bereits bei meinen zuletzt vorgestellten Briefen die Tarifperiode genannt, wärest Du so nett und könntest mir diese bei dem Brief auch nennen? :D

    Liebe Grüße


    Kevin

  • Der zweite Brief wird, zusammen mit meinem zuerst vorgestellten Brief, eine tolle Ausstellungsseite geben.


    Aufgegeben wurde dieser am 15.April 1866 in Orange von "Brunier & Daulaud Fils, Liquoristes Distillateurs" und wurde adressiert nach Chaux de Fonds.
    Wenn ich den zeitlich gesehen als erstes abgeschlagenen Stempel richtig deute (schlecht lesbar durch den Zettel auf der Siegelseite), dann wurde der Brief mit der Bahnverbindung "Marseille-Lyon" von Orange nach Lyon weitergeleitet. Von dort aus müsste der Brief dann nach Pontarlier gelaufen sein, wo er am darauffolgenden Tag abermals per Bahnpost nach Bern verschickt wurde. Und von Bern aus ging es dann direkt weiter nach Chaux de Fonds, wo er am 16.04. angekommen ist.


    Dieser Brief wurde, laut der Tarifperiode vom 01.10.1865 bis zum 01.01.1876, portogerecht mit 30 Centimes frankiert.


    Ich finde, dass es eine tolle Ausstellungsseite geben wird, weil die Frankatur bei beiden Belegen die gleiche ist, aber die Entwertungsstempel verschieden sind (Zum einen ein Rautenstempel, zum Anderen ein Sternstempel). Auch die Farbe des Briefpapiers ist unterschiedlich.
    Es sind zwar nur optische Dinge, aber das Auge wird ja bekanntlich durch solche Sachen "angesprochen" (Eye-catcher).


    Liebe Grüße



    Kevin

  • Hallo Kevin,


    Du stellst uns hier 2 schöne Briefe vor.


    Brief von Post #6:
    Obwohl die Marke oxydiert ist, was sehr oft mit die 40 c Orange ankommt, ist das ein schöner Brief.
    Der Absender hat den Datum vom 10. Januar angegeben, obwohl er der Brief, am 9. Januar geschrieben und postiert hat, ganz einfach, weil er wußte, daß sein Brief nicht am 9. Januar ginge.
    Wie Du es sehen kannst, zeigt das Stempel der 7. Briefkastenleerung (7E.) des Tages an. Aber der Brief wurde nach dieser Leerung sicher postiert. Und wie er nicht frankiert war, um eine zusätzliche Leerung auszunützen, konnte er nur am nächsten Tag, am 10. Januar abgehen.
    Um gut zu zeigen, daß die Post für diese Verspätung nicht verantwortlich war, hat das Pariser Postamt n°2 (rue St Lazare) das " Après le Départ " Stempel geschlagen was bedeutet, daß dieser Brief nach der letzten Leerung des Tages postiert wurde. Après le Départ = nach Abgang der Post.
    Bezüglich die Abwesenheit des Grenzpostamtstempel, kommt das sehr oft an.


    Brief von Post #7
    Dieser Brief wurde einem Landbriefträger sicher gegeben oder in einer Landbriefkasten abgestellt. Mir gelingt nicht, das kleine runde Stempel unter dem Geschäftsstempel zu entschlüsseln.
    Wenn das ein „OR“ Stempel ist, wurde der Brief dem Landbriefträger während seiner Runde gegeben.
    Wenn das ein Stempel mit einem Buchstaben ist, wurde der Brief in einem Landbriefkasten abgestellt.


    Viele Grüsse.
    Emmanuel.

  • Hallo Emmanuel,


    vielen Dank, dass Du mir auf alle Fragen antworten konntest :D !
    Jetzt habe ich wieder etwas gelernt, was ich demnächst anwenden kann :)!
    Nur eine Frage blieb offen, um welche TP handelt es sich bei dem Brief aus #6?


    Liebe Grüße


    Kevin

  • Liebe Freunde,


    den folgenden Brief konnte ich einem lieben Freund vermachen, der sich sehr über ihn gefreut hat (wer täte das nicht?). Es ist ein Hammerbrief, wie man ihn wohl nur alle Jahre einmal sieht.


    Aus dem Jahr 1865 stammend frage ich mal ein, wer sich eine nette Beschreibung zurecht zimmern will. Nicht superschwer, aber auch nichts für den Anfänger (wie die Vorder- und Siegelseite vermuten lässt). Der grobe Laufweg ist klar:


    Nizza - Genf - Montreux - Basel - Karlsruhe - Mainz - Bad Schwalbach.

  • Hallo Ralph,


    Ein tolles Stück!


    Dein Brief war am 20. Mai 1865 in Nizza nach Abgang der Post postiert. Gegangen der nächste Tag am 23. Mai.


    Er war für Montreux bestimmt, aber wohnte der Empfänger dort nicht mehr. Er ist nach Genf wieder geleitet, wo sie dort vom 22. bis 28. Mai geblieben ist.
    Noch einmal postlagernd** nach Basel geleitet und dann zum Postamt Mainz(von dem Schwalbald abhing).


    ** Die Besonderheit?


    Viele Grüsse.


    Emmanuel.

  • Hallo Emmanuel,


    danke!


    Die 40 Centimes von Nizza nach Montreux waren für einen Brief der 1. Gewichtsstufe richtig frankiert.


    In Montreux war der Empfänger aber nicht, hatte jedoch auf der Post eine Nachricht hinterlassen, dass man ihm seine Briefe "poste restante Basel" nachschicken sollte. Daher kam für die Weiterleitung innerhalb der Schweiz kein Porto dazu.


    Als der Brief in Basel poste restante ankam, war er aber schon nach Bad Schwalbach abgereist. Wäre der Brief NICHT poste restante gewesen, hätte die Schweiz nichts für ihn bekommen, weil er immer noch auf dem Postweg war, ohne ausgeliefert worden zu sein. Aber WEIL er poste restante war, galt er als ausgeliefert, so dass die Schweiz für ihn 3 Kreuzer bekam bis zur Grenze bei Efringen (Baden).


    Bad Schwalbach lag im Bezirk von Thurn und Taxis, die einen eigenen Postvertrag mit der Schweiz hatten (15.10.1852). Dieser garantierte ihnen den geschlossenen Transit durch Baden mit der badischen Bahnpost bis Darmstadt, Mainz oder Frankfurt am Main. Daher belastete jetzt Basel die Post in Mainz mit 3 Kreuzern.


    Das Briefepaket durchlief Baden und wurde in Mainz geöffnet. Dort erkannte man die Forderung von Basel an und addierte 9 Kreuzer als Aufgabepost im Postverein (über 20 Meilen von dem Grenztaxpunkt der Schweiz), so dass man 12 Kreuzer Porto notierte. Mit 1 Kreuzer Bestellgeld in Bad Schwalbach musste der Empfänger 13 Kreuzer total zahlen.


    Der Brief ist ein wunderbares Beispiel dafür, wie eine einmalige Gestellung "poste restante" die Schweiz erfreute - sie hatte keine Arbeit mit dem Brief, hatte ja von Frankreich schon "ihr Franko" aus den 40 Centimes bekommen und durfte so 3 Kreuzer kassieren.

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Lieber Ralph, meinen Glückwunsch zu diesem sehr interessanten Brief! Egal aus welchem Land und wohin: Einen solch instruktiven "Post restante"-Beleg wird man nicht so schnell finden. Gruß Michael

    Preußen mit Transiten

  • Lieber Ralph,
    deine Beschreibung zur gezeigtem Brief ist Inspiration pur ;)
    LG A

    "Im Grunde sind es doch die Verbindungen mit Menschen, die dem Leben seinen Wert geben."
    W. v Humboldt

  • Vielen Dank ihr 2 - leider sind solche Rosinen sehr selten, sonst stellte ich sie gerne täglich hier ein. ^^

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus