Aus Bayern nach Österreich

  • Liebe Freunde,


    geschrieben wurde er am 7.6.1856 in der Villa Alwind. Lt. google müsste es die hier sein:


    http://www.google.de/url?sa=t&rct=j&q=&e…wMXu3LMkA9HVFQQ


    Demnach befanden wir uns in Bayern und der Absender, Herr Georg von Gruber, unterzeichnete auch diesen Brief.


    Er gab ihn aber nicht in Lindau auf, sondern in Bregenz, wo eine 9x CM Marke das Franko bis Triest abdeckte, wo er am 11.6.1856 auch eintraf.


    Aber die Besonderheit Nr. 2 liegt in der Anschrift, denn dort lesen wir: "Herrn Gradmann Reitz & Co. - für Herrn Joh. Jacob Gradmann in Ancona", so dass wir hier eigentlich einen Brief in den Kirchenstaat vor uns haben, der aber nur als innerösterreichischer Brief bis 20 Meilen frankiert worden war und von der Firma Gradmann Reitz & Co (im Netz war leider nichts zu dieser Firma für mich zu finden) dann später unter Umgehung des Postzwangs in den Kirchenstaat verbracht wurde, wo er am 14.6. ankam und am 20.6. auch beantwortet wurde.


    9x CM entsprachen paritativ ca. 11x rheinisch - bei einer Aufgabe in Lindau wäre er mit 9x rheinisch ca. 2x rh. günstiger gewesen, hätte aber einen anderen Weg nehmen müssen (über München wegen der neuen Bahnroute und dann weiter über Salzburg).

  • ...ganz schön KESS der Herr von Gruber, faktisch zweimal die Post ausgebootet,...diese Kombination dürfte schon in Richtung einmalig gehen.


    Was hätte es eigentlich bei normaler Verfahrensweise insgesamt von Lindau in den Kirchenstaat (Ancona) gekostet ?


    Gruß !


    vom Pälzer

  • Hallo Pälzer,


    gute Frage! Ab 1.10.1852 17x rh. total: 9x für Bayern und 6x CM = 8x rh. für den Transport nach Ancona.


    De facto hat er sich also 6x rh. gespart, weil 9x CM ja 11x rh. ergaben.


    Mit einmalig gebe ich dir Recht. ^^

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Lieber Ralph,


    Da hat die Spürnase wieder zugeschlagen! Solche Briefe findet sonst keiner! Ansonsten ist zu diesem Brief wohl alles gesagt!


    Liebe Grüße von maunzerle :thumbsup:

    "Ein Leben ohne Philatelie (und Katzen) ist möglich, aber sinnlos!" (frei nach Loriot, bei dem es allerdings die Möpse waren - die mit vier Beinen wohlgemerkt)

  • Lieber Bayern Social,


    vielen Dank!


    Lieber maunzerle,


    ich muss zugeben, dass es reines Glück war. Ich hatte vom Absenderort keine Ahnung, weil nichts davon zu sehen oder beschrieben war. Erst als ich ihn heute bekam und recherchierte, wurde mir klar, welche Granate ich da geschossen hatte.


    Aber ein feines Näschen haben wir doch alle hier, wie sich an den Erfolgen unseres Jagdtriebes immer wieder sehen lässt ... :thumbsup:

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo bayern klassisch,


    ich muss zugeben, dass es reines Glück war

    ... das war kein Glück, du hast doch sicherlich bei diesem Brief auf einen Laufweg durch Bayern gehofft, oder? ^^


    Was willst Du auch sonst mit einem innerösterreichischen Brief. :D


    Viele Grüsse
    Christian

  • Hallo Leitwege,


    ja, gehofft hatte ich ... aber so ist er ja viel besser, als anders, zumal ich die anderen ja schon mehrfach habe. ;)

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Liebe Freunde,


    heute darf ich einen ganz besonderen Brief zeigen, auch wenn der prima vista eher wenig spektakulär daher zu kommen scheint.


    Geschrieben in Senden (Schwaben, bei Neu-Ulm) am 13.7.1864, wurde er mit folgender, hochinteressanter Adresse aufgegeben:


    "Wohlgeboren Herrn Alois Fink z. Hermansberg in Sulzberg b. Bregenz Postablage in Aach bei Oberstaufen".


    Wenn man nicht gerade im Allgäu oder Vorarlberg wohnt oder aufgewachsen ist, sind das zuerst einmal "böhmische Dörfer". Aber wenn man sich die Mühe macht und eine Karte fertigt, sieht man, wo die Orte gelegen sind und wie man sich das in Senden damals vorgestellt hat.


    Siegelseitig sehen wir nur einen Stempel von Oberstaufen am 14.7.1864. Von Senden nach Oberstaufen waren es 11 Meilen, so dass die verklebten 3 Kr. hierfür innerbayerisch ausreichten.


    Aber der Empfänger wohnte ja nicht in Aach bei Oberstaufen, direkt an der österreichischen Grenze, sondern in Sulzberg und das lag ca. 1,5 km hinter der bayer. Grenze in Österreich. Bei einem Versand nach Österreich galten aber die Postvereinsentfernungen bis 10 und über 10 bis 20 Meilen, so dass wir hier eigentlich einen Postvereinsbrief über 10 bis 20 Meilen vor uns haben, der ein Franko von 6 Kreuzern erfordert hätte.


    Durch die Ablage in Aach (und wie kam der Brief von der letzten bayer. Poststelle Oberstaufen nach Aach?) tangierte er aber kein österreichisches Territorium. Die Post in Senden oder Oberstaufen hat "Postablage in Aach" mit Rötel unterstrichen, um eine spätere Nachtaxierung zu vermeiden (dann hätte man 3 Kr. Porto und 3 Kr. Zuschlag = 6 Kr. vom Empfänger nacherheben müssen).


    Auch wenn der Brief an den Rändern suboptimal daher kommt, bin ich sehr froh, ihn hier zeigen zu können und zumindest die Marke mit 4 Schnittlinien als Nr. 9b und der vorzüglich gemittete Mühlradstempel 223 von Senden, der nicht gerade häufig ist, helfen darüber schnell hinweg.

  • Lieber bk,



    Die eierlegende Wollmilchsau hast Du mir ja schon gezeigt. Jetzt mit Karte wird das Ganze noch ein wenig klarer. "Einmaliger" kann ich ja leider nicht sagen, weil es von "einmalig" halt keinen Komparativ gibt. Drum sage ich "Weltklasse"!!


    Liebe Grüße von maunzerle :thumbsup:

    "Ein Leben ohne Philatelie (und Katzen) ist möglich, aber sinnlos!" (frei nach Loriot, bei dem es allerdings die Möpse waren - die mit vier Beinen wohlgemerkt)

  • Lieber BK,


    den Worten von maunzerle schliesse ich mich gerne an, der Brief hat alles was ein postgeschichtlich interessantes Stück benötigt und sogar noch ewas mehr :thumbsup:


    Meinen Glückwunsch zu der Rosine :)

    Beste Grüsse von
    Bayern Social




    "Sammler sind glückliche Menschen"

  • Hallo bayern klassisch,


    nachdem ich aus dieser Ecke komme, war ich schon des Öfteren in allen tangierten Orten.
    Aach war zu dieser Zeit eine selbständige Gemeinde, heute gehört es zu Oberstaufen. Am 1.4.1887 wurde in Aach im Gasthof "Zum Kreuz" die erste Postexpedition eingerichtet.
    In Sulzberg wurde am 1.3.1870 ein Postamt eröffnet. Hermannsberg liegt in etwa in der Mitte zwischen Aach und Sulzberg. Anbei noch ein Kartenausschnitt der dies verdeutlicht.
    Glückwunsch zu diesem tollen Brief.


    Grüsse von liball

  • Liebe Freunde,


    habt vielen Dank für die netten Worte und die Karte, die ich nicht gesehen hatte. So macht Forum Spaß. :P:P

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo Sammlerfreunde,

    ein Brief von München am 25.11.18959 nach Wien.

    Der Brief wurde mit einer 9 Kreuzer-Marke frankiert.

    Auf der Siegelseite Ankunftsstempel WIEN 27.11

    Waren die 9 Kreuzer die Gebühr für einen einfachen Brief? Wie setzten sich die Gebühren zusammen?

    Wie war der Leitweg?

    Bitte um eure Hilfe.

    Liebe Grüße

    Franz

  • Lieber Franz,


    München - Rosenheim - Kufstein war der Laufweg und da Bayern und Österreich dem Postverein als Gründungsmitglieder zum 1.7.1850 beigetreten waren, gab es keine Aufteilung von Gebühren mehr - es gehörte alles allein der Aufgabepost, also 9x für Bayern, nichts für Österreich.


    Interessant in diesem Zusammenhang, und außerhalb des Forums bzw. unserer ARGE Bayern klassisch weiß das keiner, ist die Tatsache, dass beide Länder gegen ihren eigenen Vertrag verstießen, in dem sie ab dem 1.7.1850 gegeneinander zusicherten, dass Briefe bis 1 Zollloth inklusive einfach bleiben sollten, dann später aber tatsächlich das Loth exklusiv rechneten und Briefe mit genau 1 Loth (ich kenne davon 4 Stück und besitze mind. 2 davon) als unterfrankiert ansahen, wenn sie 9x rheinisch bzw. 9x CM frankiert worden waren. Auch so machte man noch ein bisserl Geld, dass beide Länder ja nur zu gut brauchen konnten ...

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Lieber Ralph,

    ein großes DANKESCHÖN für deine ausführliche Info:thumbup::thumbup::thumbup:

    …..also ein einfacher Brief bis 1Loth, und die armen Österreicher bekamen nichts vom Kuchen||

    Liebe Grüße

    Franz

  • ... na, na, Wien - München bekamen die Österreicher 9x CM, das war 20% mehr, und Bayern bekam gar nichts. Üblicherweise zog jeder Hinbrief einen Rückbrief nach sich, also war der Gewinner eher Österreich, die für die gleiche Route 20% mehr verlangen durften. So dumm wie heute sind die damaligen Politiker also nicht gewesen. :-)

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus