Südafrikanische Republik (ZAR 1857 - 1902)

  • Johannesburg - Grünstadt 05.04.1900


    Verehrte Sammlerfreunde,


    vielleicht hat jemand ja schon einmal etwas gehört über Transvaal bzw. die Zuid-Afrikaansche Republiek (ZAR), die dort hpts. ansässigen Buren und deren beiden Kriege gegen das britische Empire, vielleicht kennt sich ja das eine oder andere Forenmitglied damit sogar recht gut aus. Ich für meinen Teil muss zugeben; bislang eher begrenzt. Insofern wird man ja regelrecht dazu getrieben, die geschichtlichen Zusammenhänge mit dem nachstehend zensierten Auslandsbrief zu 2 1/2 Penny zu ermitteln. Dies soll denjenigen, die sich dafür interessieren natürlich nicht vorenthalten sein:


    Zwischen 1830 und 1850 wanderten Nachfahren hpts. niederländischer Siedler, bekannt als Buren (Bauern) oder Voortrekker (Pioniere) aus der britischen Kapkolonie aus. Die Niederlande hatten Kapland im Jahre 1814 zwangsweise an die Briten abtreten müssen, danach wuchs der Unmut der ansässigen Buren gegen die neuen Herren zunehmend, hpts. wegen der Missionierung der Ureinwohner, der Abschaffung der Sklaverei im Jahre 1834 und der hierdurch bedingten Gleichstellung der freien Schwarzen der Kaprepublik mit den weißen Siedlern.


    Die Entfremdung der Buren von den Briten rief zunächst nur sporadisch Abwanderungen in bislang kaum besiedelte Gebiete nördlich in östlich des Oranje-Rivers hervor, diese wuchsen jedoch nach zahlreichen z.T. gewaltsamen Zwischenfällen zu einem Flüchtlingsstrom von ca. 6.000 bis 10.000 Buren an, bekannt als der Großer Treck. In der Folge entstanden die ersten Burenrepubliken Winburg (1836) und Potchefstroom (1837), die außerhalb des britischen Einflusses lagen und keine Zentralregierung hatten.


    1844 vereinten sich beide Länder zur Republik Winburg-Potchefstroom, die 1848 in der Burenrepublik Transvaal aufging. Am 17.01.1852 unterzeichneten das britische Empire und etwa 5.000 Burenfamilien die Sand-River-Convention, die den Buren die Unabhängigkeit in den Gebieten nördlich des Vaals garantierte. Der Oranje-Freistaat, eine weitere Burenrepublik, wurde zwei Jahre später im Jahre 1854 unabhängig.


    Im Jahr 1856 nahm die Burenrepublik Transvaal den Namen Südafrikanische Republik an, 1877 erfolgte die britische Annexion Transvaals, was zum Ersten Burenkrieg führte. Da nach den Erfolgen der Buren auch ein Aufstand der Kapburen und damit für die Briten der Verlust ganz Südafrikas drohte, stand man den Buren im Transvaal die Selbstverwaltung unter formeller britischer Oberherrschaft zu. Beide Seiten hatten nach Friedensschluss zusammen "weniger" als 1.000 Gefallene und Verwundete zu beklagen...im Zweiten Burenkrieg sah es leider sehr deutlich anders aus.


    Nachdem man 1869 in Kimberley und 1886 um Johannesburg im Witwatersand ertragreiche Diamant- und Goldvorkommen aufgefunden hatte, zog es auch Glücksritter aus Kapland dorthin, was wiederum zu Spannungen mit den Buren führte. Die andauernde Benachteiligung (britischer) Uitlanders führte in den Zweiten Burenkrieg. ZAR-Präsident Paul Kruger ordnete am 28.09.1899 die Mobilmachung des Transvaals an. Gleichzeitig setzte ein Exodus der Uitlander des Witwatersands ein, die Zuflucht in Natal und der Kapkolonie suchten. In Johannesburg kam es dabei zu panikartigen Fluchtszenen.


    Nach Ablauf eines Ultimatums von ZAR-Präsident Kruger brachen am 12.10.1899 die Kampfhandlungen aus. Sie verliefen für die Buren mit ca. 38.000 Mann im Feld anfänglich erfolgreich. Ihnen standen lediglich rd. 15.000 britische Soldaten gegenüber. Das Blatt wendete sich Anfang des Jahres 1900, als die Briten rd. 60.000 Mann Verstärkung nach Südafrika einsandten. Präsident Kruger floh aufgrund des britischen Vormarsches im Oktober 1900 nach Europa, wo er unter anderem die Niederlande und den deutschen Kaiser um Unterstützung bat, aber keiner wagte einen Krieg gegen die Briten.


    Die Buren blieben auf sich gestellt und entfesselten einen verbissenen Guerillakrieg. Als Antwort darauf wurden die Farmen in den Guerillagebieten zerstört und die Ernten vernichtet, um den Gegner auszuhungern. Rund 120.000 Farmbewohner, vor allem Frauen und Kinder, wurden in sog. concentration-camps interniert. Davon starben über 26.000 unter katastrophalen Lebensbedingungen an Hunger und Krankheiten. Am 31.05.1902 wurde der Zweite Burenkrieg mit dem Frieden von Vereeniging beendet.


    Während der Feindseligkeiten hatte Johannesburg schon am 25.04.1900 kapitulieren müssen, also wenig später nach Aufgabe des nachstehend abgebildeten Belegs. Bezüglich dessen noch am Aufgabetag (05.04.1900) durchgeführter Zensur durch das Postdepartement in Johannesburg könnte man jetzt sagen, dass der Brief ja eigentlich in ein, mit dem Burenstaat befreundetes Land, nämlich dem Deutschen Reich gesandt war und sich insofern die Öffnung unter Kriegsrecht erübrigt haben sollte.


    Kaiser Wilhelm II hatte mehrfach offen(siv) seine Sympathie für den Kampf der Buren gegen die Briten geäußert (vgl. bspw. die berüchtigt gewordene Krugerdepesche), worüber jene natürlich "not amused" waren. Es gab bekanntlich sogar Freiwilligencorps hpts. deutscher Herkunft, die mit rd. 3.000 Volontären im Zweiten Burenkrieg in das Kampfgeschehen gegen das Empire eingriffen. So fand Anfangs des Konflikts am 23.08.1899 die historische Versammlung der Interessenten in der Non-Plus-Ultra Beer-Hall in der Bree Street zu Johannesburg statt.


    In der britisch-orientierten Presse konnte man dann nachlesen, dass „die versoffenen Deutschen im Bierrausch Weltrevolution spielen wollten". In diesem noch lange währenden Durcheinander unterschiedlichster Interessen / Gesinnungen konnte die Post in Johannesburg nicht wissen, wer aus welchen Anlass und welcher Gesinnung heraus nun an den Fuhrwerksbesitzer Adam Setzer im pfälzischen Grünstadt geschrieben hatte. Da kein Absender vermerkt ist, werden wir das leider auch nie erfahren dürfen. Der durch die Zensurbanderole größtenteils überdeckte Leitvermerk Via Delagoa-Bay basiert auf einem weiteren geschichtlichen Hintergrund:


    1869 wurde zwischen portugiesisch-Mosambik und Transvaal ein Grenzvertrag geschlossen, die Delagoa-Bucht der portugiesischen Kolonie Mosambik zugeschlagen. Im Jahre 1875 wurde dort die Siedlung Lourenço Marques (heute Maputo) gegründet, 20 Jahre später dorthin von der damaligen ZAR-Hauptstadt Pretoria aus eine Eisenbahnlinie gebaut, um den Seehafen der Stadt am Indischen Ozean mitnutzen zu können.


    Die Delagoa-Bay war übrigens Ausgangspunkt einer spektakulär gewordenen Flucht eines in Kriegsgfangenschaft geratenen britischen Offiziers namens Winston Churchill. Seinerzeit nebenberuflich Kriegsberichterstatter der Morning Post war er bei einem Eisenbahnüberfall der Buren im November 1899 gefangen genommen worden. Trotzdem die südafrikanische Regierung ein Kopfgeld von 25 Pfund auf ihn aussetzte, gelang seine Flucht von Pretoria zur fast 500 Kilometer entfernten Delagoa-Bay in der portugiesischen Kolonie.


    Schönen Gruß


    vom Pälzer

    http://de.wikipedia.org/wiki/S%C3%BCdafrikanische_Republik
    https://karleduardskanal.wordp…07/28/die-krugerdepesche/
    http://www.golf-dornseif.de/up…n-Corps_im_Burenkrieg.pdf
    http://www.jf-archiv.de/archiv99/419yy27.htm
    http://de.wikipedia.org/wiki/Winston_Churchill
    http://de.wikipedia.org/wiki/Paul_Kruger
    http://de.wikipedia.org/wiki/Zweiter_Burenkrieg

  • Hallo Pälzer,


    PO vom feinsten - sehr schöner Brief mit viel Geschichte dahinter, auch wenn man sie ihm prima vista nicht ansieht. Aber verdeckte Schätze haben ja immer einen besonderen Reiz ... :P

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo zusammen,
    .

    nach dem Brief anbei nun die Postkarte, sogar mit einem - wenn auch schwächer abgeschlagenen - Ankunfstsstempel, da ist dann jetzt also schon mal ein etwas stabilerer Grundstein gelegt. Natürlich können gerne noch andere Postkartenformulare, Einschreiben, Nachporto oder Doppelbrief etc. etc. dazukommen :thumbsup:


    Viele Grüße
    vom Pälzer

  • ... "Karten und Zeitungen habe ich erhalten" - wow, vlt. sehen wir mal so eine Zeitung nach Südafrika - es wäre die Erste, die ich gesehen hätte (es gibt sogar ein Streifband mit der Nr. 15 nach dorthin, aber leider ohne Inhalt. Tolles Stück!

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus