Napoleon und die 100 Tage 1815

  • Hallo Freunde


    Die zwei ersten Briefe hier waren schon anderswo gezeigt aber machen hier ein sehr guten Anfang.



    Jetzt zeige ich was ganz anderes: Brief aus Spanien über Lombardia, Bayern, Taxis nach Gent, Niederlande.


    Der Brief ist 5. April 1815 in Malaga geschrieben. Es war jetzt in Frankreich grosse Unruhen, Napoleon hat sich wieder die Throne genommen und der König ist nach Gent geflogen. Ich nehme an dass der Brief den Umweg gelaufen ist, aber eine Sperre zwischen Spanien und Frankreich kenne ich in dieser Zeit nicht.
    Der Brief ist also dann über Barcelona mit dem Schiff nach Genua spediert geworden wo die Taxe 3 Lira 2 Denari vermerkt ist. Ein relativ hohe Summe die ich nicht erklären kann (Einfacher Brief 1 L 18 d).


    Weiter von Genua ging der Brief nach Milano wo 43 Kreuzer CM vermerkt ist, dann nach Augsburg wo es in Auslage 1 Gulden 27 Kreuzer vermerkt ist. Weiter lief der Brief Richtung Gent (auch über Arnhem?) wo der Empfänger 94 Decimes bezahlt hat. Ein nicht alltägliche Leitweg, der aber mit diese Briefe schon gezeigt gut hineinpassen sollte.
    (NB Die Taxierung hat James van der Linden für mich gemacht - hatte ich selbst nicht geschafft).


    Viele Grüsse
    Nils

  • Hallo Nils,


    Dein Brief aus den 100 Tage Napoleon ist enorm stark. Diese Periode /1. Restauration, 100 Tage und 2 Restauration/ birgt viele Überraschungen.
    Damit dein Brief nicht für alle Zeiten alleine sein muss, ein weniger bedeutendes Gegenstück, das lustiger Weise genau den Weg über Spanien als Umweg genutzt hat, während dein Brief aus Spanien den Umweg über Bayern nimmt.
    Der Brief vom 28. April 1815 kam erst am 3. August an.
    Der Absender schreibt in deutsch: "Der Ausgang des zu erwartenden großen Kampfs, spannt alle Gemüter" Der Brief ist die Kopie eines Briefes, der noch auf einem andern Weg verschickt wurde.

  • Hallo Freunde


    Ich habe hier oben 2 wichtige Briefe aus der Zeit von Napoleons 100 Tage von ein anderen Thread kopiere lassen.


    Ursprünglich wollte ich ein Thema für das ganzes Jahr machen, aber ich denke dass ich es etwas anders aufteilen muss. So dann also ein Thread für Briefe die wegen die 100 Tage beeinflusst waren.


    Napoleon hat sich dieses Jahr wieder als Emperor ausgerufen. 26. Februar verlasst er Elba mit den Ziel Paris. Er hat es geschafft wieder in Führung zu kommen, und war wieder der Herrscher in Frankreich. Die endgültige Niederlage Napoleons kam in Waterloo und 22. Juni 1815 dankt er ab. Erst 8. August verlässt er Frankreich mit sein Endziel St. Helena.


    Vertragsmässig hat diese 100 Tage nicht viel gebracht. Aber neue Postwege diese Tage gab es in Mengen, was wir ja auch oben sehen können. Die meisten sind aber nicht so spektakulär wie diese zwei. Und nicht immer kann man feststellen ob die Briefe wegen Postwegprobleme die Umwege gemacht haben.


    Ich zeige hier einen Brief der von Genua nach London geschickt war. Der Brief war 21. April 1815 geschrieben, wo es wohl noch keine Gefechte gab. Der Absender hatte aber nicht im Sinn so wie so der Brief über Land zu schicken. Er wollte der Brief bei nächste Schiffsgelegenheit abschicken lassen. Somit hat er auf jeden Fall die Gebühre gespart. Der Empfänger musste aber bezahlen. Da der Empfänger nicht mehr in London war war der Brief weiterspediert nach Hastings wo er offenbar jetzt war. So gegen Ende Juni kommt der Brief England an, so der Laufzeit war ganz lang - er hatte es offenbar nicht eilig der Absender.
    Da der Absender gar nichts bezahlt hat ist der Brief nach London untaxiert gelaufen, deswegen finden wir der Stempel "Postage not paid to London" und der Taxstempel 3 Pence welche bis London reichen sollte. Der Empfänger war also nicht da und der Brief ist mit noch 8 Pence taxiert geworden so dass der Empfänger in Hastings 11 Pence bezahlen musste.


    Da der Empfänger offenbar ein Militär war, hat er wohl nicht gewagt der Brief durch Frankreich zu schicken, ob es überhaupt erlaubt war. Den Postweg war wohl dann eher über Schweiz/Österreich und Deutschland und Niederlande. Ein interessanter Brief ist es so wie so.


    Viele Grüsse
    Nils

  • Hallo Nils,,


    herzlichen Glückwunsch zu dieser Granate - man wird bei diesen Briefen nicht alles mehr heraus bekommen, aber was du schon heraus bekommen hast, ist schon aller Ehren wert.

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo bayern klassisch


    Man kann sicher mehr mal herausfinden. Bis jetzt habe ich nicht so viel mit dem Brief gearbeitet. Wer weiss ob der Brief noch einige Geheimnisse hat.




    Hallo Freunde


    Achim hat in Post 2 einen Brief von England nach Bordeaux geschickt, der über Spanien gelaufen ist. Wo war der Brief zurückgehalten?


    Dieser hier gezeigte Brief aus Hamburg ist zuerst nach London geschickt geworden. Der Brief war in Hamburg 17. Juli geschrieben und ist privat nach London geschickt - auf den Brief gibt es keine postalische Vermerke aus Hamburg was man in 1815 erwarten muss.
    In London ist der Brief weiter nach Frankreich geschickt und eben auch nach Bordeaux wie Achims Brief. Von London 26. Juli abgeschickt und man kann Raten wann der Brief in Bordeaux landete. Auch 3. August wie Achims Brief. Zufall? Möglich, aber ich habe den Datum mehrmals gesehen bei Auslandsbriefe.


    Der Vermittler in London war Grafs & Blohm welche der Brief direkt nach Frankreich geschickt hat. Dafür haben die 1 Sh 2 Pence bezahlt. Empfänger S&S hat aber 19 Decimes bezahlt was genau das gleiche als wie aus Hamburg ist. Der Stempel Angleterre bestätigt aber dass es kein Zweifel ist dass der Brief direkt aus England kam.


    Viele Grüsse
    Nils

  • Hallo Freunde


    Diese zwei Briefe waren nicht von der Krieg beeinflusst. Zeige die aber gern hier weil man auch mal das normale zeigen muss. Beide Briefe waren von England abgeschickt und nach Niederlande spediert.


    Der erste Brief ist in Hull 29.3.1815 abgeschickt und lief durch London 31.3.1815 vor der Brief weiter nach Dordrecht geschickt war. Also der Tag nach die englische Sperre für den Briefverkehr nach Frankreich. Briefe nach Niederlande waren aber nicht über Frankreich geleitet, sondern Brielle. Teile von der Brielle Stempel sieht man unten links. Der Brielle Stempel sieht man vorderseitig bis 19. Juli 1815, danach war es rückseitig zu sehen wenn man die Verordnungen gefolgt haben.
    Der Absender bezahlt 2 Sh 2 Pence und der Empfänger 10 Stuiver.


    Der zweite Brief 12. Juli 1815 in Sunderland geschrieben. Hier gibt es keine postalische Vermerke aus England. Sunderland war aber ein Küstenstadt was auch Dordrecht in der Niederlande war. so man kann vermuten dass jemand auf der Schiff der Brief mitgebracht hatte (was jetzt nicht mehr erlaubt war). Warum der Brief so befördert war, kann man nicht sagen, aber wegen der Krieg so direkt war es nicht. In Dordrecht war der Brief zur Post gebracht und der Empfänger musste 2 Stuiver bezahlen.


    Viele Grüsse
    Nils

  • Hallo Freunde


    Dieser hier gezeigte Brief kommt postalisch auch von England. Der Brief ist aber in Boulogne sur Mer geschrieben 20. Juli 1815. So der Brief ist einen Umweg über England gelaufen vor der Brief in Niederlande landete.


    Ich habe nicht feststellen könne ob der Laufweg über belgische Gebiete gesperrt war oder nicht, aber laut Änderungen in Reglungen für den Briefverkehr zwischen Niederlande und Frankreich 12. Julie sieht es aber nicht so aus. Gewollter Praktik ist aber nicht immer möglichen Praktik.


    Wo der Absender unsicher war, war es in Kriegszeiten oft so dass zwei identische Briefe geschickt waren mit unterschiedlichen Laufwege oder Laufzeiten. Ob es hier der Fall war weiss ich nicht. Vielleicht gibt den Inhalt einige Antworte. Der Brief stammt von ein grossen Korrespondenz zwischen Boulogne und Schiedam.


    Auf jeden Fall, der Absender schickte der Brief an einen Vermittler Hall in London. Herr Hall hat der Brief die englische Gebühre mit 1 Shilling 4 Pence von London nach Holland bezahlt. Der Empfänger hat 10 Stuiver bezahlt. Leider hat der Schiedamer wie so oft keinen Ankunftsdatum vermerkt.


    Man sieht bei dieser Brief auch dass die Stempeländerung sich nicht durchgeschlagen hat da der Stempelabschlag sehr deutlich vorne zu sehen ist. Kann man wohl auch nicht erwarten (Änderung ab 20. Juli).


    Viele Grüsse
    Nils

  • Hallo Emmanuel


    Besten Dank für die Erklärung zu den Inhalt. Dann muss ich mal die Augen offen halten :)


    Ich muss auch zu der Brief sagen dass er wahrscheinlich kein "Duplikat" ist da es nicht erwähnt ist. Die meisten Duplikate wie ich die kenne sind sekundäre Kopien die öfter den Umweg gemacht hat, aber nicht sekundär wenn es um Wichtigkeit geht. Es war ja eine Sicherkeitsmassname.
    Der Absender hat, zeigt den Inhalt, trotzdem mehrere Wege benutzt um den Kommunikation sicher zu stellen.


    Darf ich hier auch ein anderen Brief zwischen Boulogne und Schiedam zeigen. Geschrieben 2. August fällt der Brief etwas Ausserhalb die 100 Tage, ist aber wert zu sehen da der Brief die eine neue Normalität zeigt. Die belgische Gebiete sind jetzt ein Teil von Niederlande geworden und Thurn & Taxis hat schon lange keine Tätigkeiten hier gehabt.


    Aber der Brief ist trotzdem von Boulogne bis zum die alte niederländische Grenze mit ein Porto 6 Stuiver belastet geworden und von Bergen op Zoom bis Schiedam mit 2 Stuiver belastet geworden so dass der Empfänger 8 Stuiver bezahlen musst. Rückseitig findet man auch die neu angeschaffte Stempel "Fransche Corresp:" (weiss aber nicht ab wenn es zum Einsatz kam).


    Viele Grüsse
    Nils

  • Hallo Freunde


    Ich wende jetzt wieder zu die problematische Zeit zurück da ich dieser Brief gefunden habe.


    Auch von Boulogne-Sur-Mer abgeschickt. Der Brief war 11. Mai 1815 abgeschickt geworden, kam aber der Empfänger erst 18. Juli an - also nach gute 2 Monaten.




    Viele Grüsse
    Nils


    PS. Der Stempel Fransche Corresp: hier vorderseitig abgeschlagen, ist der Typ II von 1816!! laut v d Linden. Das Datum ist sicher längst geändert. Der Brief von Post 9 hat der Typ I.

  • Hallo zusammen,


    folgender Brief gehört auch in die Zeit der 100 Tage.



    Geschrieben am 21. März 1815 in Königsberg und fr(ey) Coelln aufgegeben.
    Bevor der Brief in Köln an die Taxis-Post übergeben wurde, durchlief der Brief eine preussische Zensurstelle, kenntlich am rückseitigen Stempel Königl. Preuss. Armee Polizey.


    Der Stempel COLOGNE, hier als Durchgangsstempel verwendet, ist nur für die Jahre 1815/16 belegt.
    Taxiert mit den von früheren Jahren her bekannten 19 Déc.
    Ankunft in Bordeaux am 11. April


    Gruß
    Michael

    Preußen mit Transiten

  • Das erinnert mich grausam an ein Referat, das ich im Gymnasium halten musste! :cursing: Ich stand ohnehin in Deutsch auf 5, mein Deutschlehrer sagte: "Klaus, Du bist ein Kulturbanause!" :P Und schon die Ausarbeitung des Referats war für mich ein Brechmittel! 8o


    Was hat es genutzt? NICHTS! :!:
    Was hat es mir letztendlich geschadet? Auch NICHTS! :!:


    War wahrscheinlich nur Zeitverschwendung! :P

  • Lieber Michael,
    der von dir gezeigte preußische Zensurstempel wurde lt. Wolter, K.K.: Die Postüberwachung im Raum Aachen - Köln 1794 – 1815, in
    Philatelie und Postgeschichte Nr. 14, 1971 im Aachen verwendet. !971 waren drei Abschläge dieses Stempels bekannt.

    Es gibt einen ähnlichen Stempel von Hamburg mit einem "i" in Polizey.
    Den zweiten Belege zeige ich hier - wo ist der dritte?

    Wesel 31.3.1815
    Die ungewöhnliche Leitung des Briefes von Wesel aus über Duisburg (franco Duisburg) spricht für eine schnelle Sperrung aller anderen Postrouten Richtung Frankreich, obwohl mir weiteres Briefmaterial kurz vor oder nach dieser kurzen Periode mit einer anderen Behandlung von Briefen aus Wesel noch unbekannt ist. Die vorderseitige 4
    entspricht eigentlich dem normalen Porto von Wesel bis zum Postaustausch mit Frankreich über Maaseik. Auf jeden Fall ist die Grundlage der Postvertrag Thurn und Taxis mit Frankreich von 1801, angewandt von Thurn und Taxis, die in der Zeit bis zum 1. Juli 1816 die Post auf dem preußischen Gebiet am Rhein betrieben. Der Empfänger bezahlte 18 Déc für einen Brief. Angekommen ist der Brief nach 14 Tagen Laufzeit (inkl. Zensur) am 14. April 1815.

    Liebe Grüße

    Rudolfo

  • Es gibt einen ähnlichen Stempel von Hamburg mit einem "i" in Polizey.

    Hallo die Runde


    Da der Hamburger Stempel angesprochen war, zeige ich hier einen Brief mit diesen Stempel.


    2. Mai in Hamburg geschrieben und kam Bordeaux den 16. Mai an. Kein schlechter Laufzeit trotzdem :)


    Sonst ist bei diesem Brief alles normal.


    Viele Grüsse
    Nils

  • Hallo Freunde


    Ich will Heute einen Brief zeigen der ein bemerkenswerter langer Laufzeit hat.


    Der Brief war 15. Mai in Porto, Portugal geschrieben und kam Nürnberg, Bayern erst 28. August an. Also fast 3 1/2 Monat Laufzeit. Wo der Brief zurückgehalten war weiss ich nicht. Vielleicht war der Brief in Spanien geblieben, vielleicht bei der portugisischer Post oder bei der Absender.
    Nach meiner Wissen war der spanisch-französischer Grenze schon Anfang August geöffnet, aber es kann sein dass ich mich irre.


    Der Absender hat bis der spanisch-französische Grenze bezahlt. Der Empfänger hat hier 33 Kreuzer bis Frankfurt?? bezahlt und davon weiter kostete es 16 Kreuzer so dass der Empfänger 49 Kreuzer Rh bezahlt hat. Der Brief war also wie dieser Brief taxiert geworden Spanien-Bayern Vorphila
    Was ich auch bemerkenswert finde (wenn es stimmt).


    Viele Grüsse
    Nils

  • Hallo Nils,


    ich denke, die 33x galten für Frankreich, den Transit durch Preußen und für Taxis bis Aschaffenburg. Wie sie sich intern aufteilten, weiß ich leider nicht.

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo bayern klassisch


    Es kann ja sein dass du recht hast, fand aber die 16 Kreuzer etwas viel. 16 Kreuzer wird 1-1/12 Loth. Entspricht dass die 33 Kreuzer für Frankreich + Preussen + Taxis?


    Viele Grüsse
    Nils

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis grösser als in der Theorie.