Sachsen - England

  • Lieber VorphilaBayern,


    dann versuche ich mich mal an der Beschreibung:


    Absender zahlte bis Küste 15 Neupfennige für Sachsen und man kreditierte an Preußen 4 1/2 Neugroschen (Transit Preußen und Belgien).


    In GB wurde 1 Shilling 10 Pence notiert, zu denen 1 weiterer Penny wegen der Weiterleitung kam. Die Post in Brighton kassierte also 1 Sh 11d oben links von der Lady Anna.

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Liebe Sammlerfreunde,



    der im Bild gezeigte Brief wurde am 08.08.1826 aus Leipzig franko nach London an das bekannte Bankhaus Friedrich Huth & Co in London gesandt. Wie im Leitweg angegeben wurde der Brief über Holland - Amsterdam nach London weitergeleitet. Lt. eines mir vorliegenden Postberichtes von 1800 aus Leipzig konnten Briefe nach London über Amsterdam bis Amsterdam mit 5 gGr frei gemacht werden, was im vorliegenden Fall ja auch geschah. Ich gehe davon aus, das die auf dem Brief notierten (englischen)Taxen bis London noch zu zahlen waren. Hier fehlt mir leider die Kenntnis über die englischen Bestimmungen. Steht die Bezeichnung "Single" oben rechts für etwas postalisch Wichtiges, eventuell im Zusammenhang mit dem englischen Stempel aus London? Wurde siegelseitig mit dem roten Stempel der Transit über Amsterdam bestätigt? Vielen Dank für Eure Hilfe.


    Mit lieben Sammlergrüßen


    Totalo-Flauti

  • Lieber Totalo-Flauti,


    der Absender zahlte wohl 9 1/2 Groschen bis zur Nordseeküste. Er lief mit der preußischen Post über Arnhem, s. siegelseitigem Stempel Duitsch Grenz te Arnhem.


    Preußen wollte für seinen Transit 5 Gutegroschen, die in den 9 1/2 Groschen Sachsens integriert waren.


    "Single" sagte aus, dass der Brief "einfach" war. London stempelte mit dem Ship Letter und taxierte 8 Pence bis zum Empfänger.


    So viel aus der Hüfte ...

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo Totalo-Flauti


    Es ist hier nicht möglich zu sagen ob der Brief durch Amsterdam geschickt war oder nicht. Man kann nur den Laufweg über die Niederlanden feststellen - und eben mit der von bk genannte Stempel Duitsch Grenz te Arnhem. Rückseitig ist es ein Ship Letter Stempel, was heisst dass der Brief nicht mit dem Postschiff (Packet) den Kanal übersegelt hat, sondern mit ein privater Schiff. Ein privater Schiff war etwas günstiger so der Empfänger musste nur die Strecke Küste-London bezahlen. Hier also 8 Pence. Mit Packet-Schiff kostete es 1 Shilling 4 pence, dass heisst das doppelte.


    Wie man es von Sachsen aus geregelt hat, mit Packet oder mit Privat-Schiff weiss ich nicht.


    Single Letter heisst in England die erste Gewichtsstufe.


    Viele Grüsse
    Nils

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis grösser als in der Theorie.

  • Single Letter heisst in England die erste Gewichtsstufe.


    Das stimmt bis zur Postreform 1840 so nicht. Bis zu diesem Zeitpunkt wurde eben (zunächst einmal) nicht nach Gewicht progressiert, sondern nach der Anzahl der Bögen des jeweiligen Briefes:
    Ein Bogen = einfache Taxe
    Zwei Bögen = zweifache Taxe
    Drei Bögen = dreifache Taxe
    Erst danach wurde nach Gewicht progressiert, und zwar je Unze mit der vierfachen Taxe.


    Viele Grüße,
    nitram

  • Hallo nitram


    Ja, so kann man es besser Formulieren :)


    Wenn du die 4. Stufe dazu nennst kommt es 1 Ounce, so die Gewichte war irgenwie drin. Es sieht aus als für die Engländer war es wichtiger mit weniger Platz als weniger Gewicht, wenn man für "sheet of paper" bezahlen musste.


    Wie du sagst kam es eine Änderung, aber diese Änderung kam 5. dezember 1839 (nicht 1840).


    Es war aber schon in 1836 eine Änderung da Briefe nach Frankreich teils nach Bögen und teils nach Gewicht taxiert waren.


    Viele Grüsse
    Nils

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis grösser als in der Theorie.

  • @ Nils:

    Wie du sagst kam es eine Änderung, aber diese Änderung kam 5. dezember 1839 (nicht 1840).

    Durch die von Dir angesprochene "Uniform Fourpenny Post" (05.12.1839 bis 09.01.1840) wurde nur der britische Anteil an Auslandsbriefen, also der Weg von/nach London, gewichtsabhängig. Sonst blieb alles wie gehabt. Erst mit der "Uniform Penny Post", also der weit bekannteren Postreform, änderte sich dies und auch die Gebühr London bis zum Kontinent war gewichtsabhängig.


    Es war aber schon in 1836 eine Änderung da Briefe nach Frankreich teils nach Bögen und teils nach Gewicht taxiert waren.

    Auch für den Postvertrag zwischen dem Vereinigten Königreich und Frankreich gilt das oben Gesagte analog:
    Britischer Anteil => Zunächst nach Anzahl der Bögen (und Entfernung), ab 05.12.1839 nur noch nach Gewicht
    Anteil London/Calais => Zunächst nach Anzahl der Bögen, ab 10.01.1840 nach Gewicht
    Französischer Anteil => von Anfang an nach Entfernung und Gewicht


    Viele Grüße,
    nitram

  • Hallo nitram


    Kurz zu die Änderung in 1839:
    Vom Minute 22.11. gültig ab 5. Dezember heisst es dass es vom Bögen zu Gewicht gewechselt ist. Es hiess aber nicht wie du richtig schreibst dass die "uniform Penny Post" gültig bei Auslandsbriefe waren. Mein Kommentar ging nur um den Gewicht.


    Viele Grüsse
    Nils

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis grösser als in der Theorie.

  • Liebe Sammlerfreunde,


    vielen Dank für Eure Einschätzung und Erläuterungen. Da muss ich wohl noch mal bei den Postverträgen recherchieren. Mein Postbericht von 1800 mit seinen Taxangaben ab Leipzig war wohl nicht mehr gültig (Schade).


    Mit lieben Sammlergrüßen


    Totalo-Flauti.

  • Brief vom 26. Januar 1831 aus Herrnhuth in Sachsen über Cuxhaven nach London. Er wurde in Standgate Creek desinfiziert und mit drei 3/4 inch Meißel-Schlitzen perforiert.


    Der Brief ist "frei Cuxhaven".


    In London wurde er mit 3 sh / 4 d taxiert. Der Tarif von 1828 sah ein Portobetrag von 1 sh / 8 d für den einfachen Brief vor. 3 sh / 4 d wäre also der doppelte Betrag.


    Kann jemand etwas zu den Rötel-Taxierungen sagen?


    Beste Grüße
    André

  • Noch ein Brief von Herrnhuth nach London


    Der Brief ging an die Adresse der Firma Huth im September 1833. Rückseitig die Gebühr von 16 und 8 Groschen ???
    Vorderseitig der Vermerk " franco Küste" falls ich das richtig gelesen habe. gab es unterschiedliche Routen für die Post nach England? Im Beitrag vor mir lief der Brief über Cuxhafen.
    England berechnete 1 Shilling 8d für einen einfachen Brief.
    Was bedeuten die anderen Vermerke rechts von dem franco-vermerk un was für ein Stempel ist das auf der Rückseite?
    nette Weihnachtsgrüße
    Torsten

  • Hallo,


    beim rückseitig abgeschlagenen Stempel handelt es sich um den Ankunftsstempel des Foreign Office in London. Der Brief kam also am 20. September 1833 in London an.


    Grüße von liball

  • Hallo Torsten,
    Auslandspost vor 1850 aus Sachsen ist für mich immer ein Rätsel. Aber ich habe einen interessante Mitteilung aus dem Jahre 1844 gefunden.
    Sicher ist, es gab immer die Möglichkeit der Briefversendung nach England über Frankfurt bis Calais und dann nach England.
    1844 wurde darauf hingewiesen, das eine Bezahlung bis Calais( Küste?) nicht mehr möglich ist, sondern alles bezahlt werden musste.
    Es musste der Brief allerdings mit " über Calais" gekennzeichnet werden. Leider erschwert die Währungsumstellung in Sachsen 1840 das Ganze etwas, so das auf Gebühren vor 1840 wenig Rückschlüsse gezogen werden kann.
    Beste Grüße Bernd

  • Vielen Dank für eure Infos.
    Bernd, deine Mitteiliung habe ich in meine "digitale Bibliothek!" übernommen. Könnten das rechts neben Franko Küste Teilbeträge sein?? Bis zur Französischen Grenze, bis zur englischen ...?
    Vielen Dank und beste Grüße
    Torsten

  • Hallo Torsten,
    das sind Teilbeträge.
    Der Absender zahlte 12 Gute Groschen in Herrnhuth.
    Herrnhuth hate eine direkte Abrechnung ( Kartenschluß) mit Leipzig. Das bedeutete auf 20 Meilen 2 1/2 Groschen für den Weg.
    Leipzig strich die 12 und schrieb 9 1/2 Groschen Rest.
    Jetzt haben wir Glück, Totalo-Flauti stellt hier Anfang 2014 einen Leipziger Brief nach London vor.
    Porto 9 1/2 Groschen von Leipzig über Arnheim und Amsterdam nach London. Es ist das Phantastische an Foren, das man auf Erkenntnisse anderer zugreifen kann.
    Wäre zu klären, warum steht bei deinem Küste und der Brief von Totalo-Flauti sollte ganz frankiert sein,beide für 9 1/2 Groschen zur selben Tarifzeit.
    Beste Grüße Bernd

  • Hallo Bernd,
    die 9 1/2 Groschen sind nur bis zur Nordseeküste. Der Empfänger musste noch 1 Shilling 8 pence für Küste -London zahlen. (siehe weiter oben Post 11 von Traumsand) Die 9 1/2 Groschen wurden ja auch nochmal gestrichen und mit rot daneben 4 1/2??
    geschrieben. Ich vermute, das ist das Weiterfranko- eigentlich in den 9 1/2Gg integriert. Soweit so gut. Fragt sich nur noch, was die Zahlen auf der Rückseite bedeuten. Gleiche Tinte wie Vorderseite--???
    schönen Gruß
    Torsten

    Einmal editiert, zuletzt von MisterTP ()

  • Hallo zusammen,


    hier noch ein Brief aus Leipzig, diesmal vom 18.4.1828, an das bereits mehrfach genannte Bankhaus Huth in London. In der gleichen Schrift wie bei Totalo Flautis Brief (#3) finden wir links unten die Taxierung von 9½ Groschen, die bis zur Küste reichten. Rechts unten die englische Taxe von 1 sh/ 8 p. Das Zeichen rechts oben gibt mir Rätsel auf. Steht das für 1-fach (= 1 Bogen)?
    Auf der Rückseite dann der Ankunftsstempel vom 25.4.1828. Der Brief war also nach nur 1 Woche bereits in London.
    Ebenso finden wir auf der Rückseite wie beim Brief in #3 den Grenzübergangs-Stempel Duitsch Grensk: te Arnhem. Daher können wir davon ausgehen, daß auch dieser Brief über Amsterdam geleitet wurde.


    beste Grüße


    Dieter

  • Hallo zusammen,


    ich zeige hier einige Briefe bei der ich bei der Portoberechnung leider überhaupt nicht klar komme.


    Beim Beleg Nr. 1 sind 9 1/2 Groschen vermerkt, wie setzen die sich zusammen ?? Hier wurden bereits schon einige Briefe im Forum gezeigt aber noch nicht beschrieben , wie sich die 9 1/2 Groschen eigentlich zusammensetzen

    Hinter Rotterdam ist eine 11 die durchgestrichen ist. Das dürfte evtl. das Briefporto sein von Eibenstock nach Leipzig.

    Was die 6 und 4 und die 6 1/2 bedeuten ist für mich unklar.

    Die Gesamttaxe dürfte 1 Schilling 8 Pence betragen haben.