Nach Abgang der Post / Nach 8 Abds

  • liebe Sammlerkolleginnen und Kollegen,
    ich kann einen weiteren Brief mit dem Nebenstempel "nach Abg: d: Post" zeigen. Er wurde in Berlin verwendet.
    Leider befindet sich keine Jahreszahl auf dem Brief, aber da der zweizeilige Textstempel älteren Typs als Aufgabestempel verwendet wurde, sollte man annehmen, dass der Brief vor 1825 geschrieben wurde. Bestimmungsort war Harlem. Auf der Rückseite befindet sich ein roter Stempel: "Duitsen Grensk te Arnhem".
    Vorderseitig befinden sich zwei Taxvermerke. Ich lese eine rote 5 und eine schwarze 13.
    Kann jemand die Gebühren erklären? Porto oder Teilfrankobrief?
    beste Grüße
    preussen_fan
    Erwin W.

  • Lieber Erwin,


    es war m. E. ein Portobrief, für den Preußen 5 Groschen (gute oder silberne) bis Arnhem verlangt hat.


    Die NL reduzierten diese in Stuiver und addierten gleich ihr eigenes Porto zum Endbetrag von 13 Stuiver.

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • lieber bayern klassisch,
    Portobrief denke ich auch, aber Stuiver? Wenn ich richtig recherchiert habe, wurde in Preußen ab 1821 von Gute Groschen auf Slbergroschen umgestellt, wobei 1 Thaler in 20 Gute Groschen und dann 1 Thaler in 30 Silbergroschen unterteilt wurde. In den Niederlanden waren die Stuiver bis 1815 gängig, wobei 1 Gulden in 20 Stuiver unterteilt wurden. Ab 1816 wurde der Gulden in 100 Cent unterteilt (Dezimalwährung).
    Das würde nun bedeuten, wenn es Stuiver sind, muss der Brief vor 1816 stammen, der zweizeilige Textstempel wurde aber erst 1817 eingeführt.
    Lieg ich mit meinen Gedanken falsch? Gibt es denn eine Umrechnungstabelle zwischen Taler und niederländischen Gulden?
    beste Grüße
    Erwin W.
    preussen_fan

    viele Grüße
    Erwin W.
    preussen_fan

  • Lieber Erwin,


    er hat halt keinen Frankovermerk. Vlt. hat der Absender 5 Ggr. bezahlt bis zur Grenze und von da ab wollte man 15 Cents vom Empfänger? Das wäre auch eine Möglichkeit, weil du mit den Währungs- und Stempeldaten vermutlich Recht hast.


    Das ist halt die Crux mit den undatierten Briefen ...

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Lieber Erwin,


    ich habe einen auf das Jahr 1825 datierbaren Brief mit dem Nebenstempel nach Abg: d: Post



    16.8.1825, Portobrief von Berlin nach Molsberg im Nassauischen, per Wetzlar & Limburg an der Lahn.


    Der Adressassat Monsieur LeComte Edouard de Waldersdorff war kaiserlicher Kämmerer und ab 1830 auch Herr auf Hauzenstein und Kürn bei Regensburg.
    Die Familie Waldersdorff gehört zum rheinischen Uradel und ist heute noch Besitzer des Schlosses Molsberg.


    Gruß
    Michael

    Mitglied im DASV - Internationale Vereinigung für Postgeschichte

  • lieber Michael,
    ein schöner Brief, mit sehr sauberem Abschlag des Nebenstempels. Ich glaube, dass dieser Stempel nur in den 1820er Jahren verwendet wurde. Ich besitze einen datierbaren aus dem Jahre 1826.
    viele Grüße
    Erwin W.

    viele Grüße
    Erwin W.
    preussen_fan

  • Liebe Freunde,


    hier mal ein etwas anderer Stempel dieser Art aus Stargard nach Stettin.
    Leider eine nicht datierte Briefhülle.



    Gruß
    Michael

    Mitglied im DASV - Internationale Vereinigung für Postgeschichte

  • lieber Michael,
    deine Beschreibung passt nicht zum gezeigten Brief. Der Brief stammt aus Stargard in Pommern und er wurde nach 8 Uhr Aabends in den Briefkasten gelegt. Um eine eventuell dadurch erfolgte Verzögerung zu begründen, wurde der Nebenstempel NACH 8 ABDS aufgesetzt und der Aufgabestempel hat regelmäßig dann keine Uhrzeitangabe. Ich zeige mal ein paar ähnliche Belege. Immer fehlt in Verbindung mit diesem Nebenstempel im Aufgabestempel die Uhrzeit.


    Aus Stettin hingegen gibt es folgenden Nebenstempel: NACH SCHLUSS.
    Beste Grüße
    Erwin W.

  • Hallo Erwin,


    ich verstehe nicht, warum beim Stettin-Brief NACH SCHLUSS gestempelt wurde. Die Entwertung erfolgte 4-5N.


    beste Grüße


    Dieter

  • lieber Dieter,
    das kann ich auch nicht nachvollziehen.
    Bei dem Beleg handelt es sich um einen Teilbarfrankierten Wertbrief, der nach der Fahrposttaxe in den Postverein behandelt wurde. Da die Entfernung über 40 Meilen und das Gewicht unter einem Pfund betrug, war die Mindestgebühr 6 Sgr. Dazu kam noch eine Assekuranz-Gebührvon 1Sgr. (unter 100 Taler).
    Das machte zusammen 7Sgr., 3Sgr. deckte die Ganzsache ab, 4Sgr. wurden in Rot ausgeworfen und gestrichen, da bar bezahlt.
    Warum der Stempel NACH SCHLUSS aufgesetzt wurde, obwohl der Aufgabestempel einen Uhrzeit von 4-5N zeigt, ist mir ein Rätsel. Vielleicht hat man vergessen, die richtige Uhrzeit zu nehmen?
    beste Grüße
    Erwin W.

    viele Grüße
    Erwin W.
    preussen_fan

  • Hallo in die Runde


    ja warum wurde der Stempel "NACH SCHLUSS" bei dem Wertbrief (N.B. ein super Teil!) nach Hannover abgeschlagen.
    Theoretisch gibt es noch die Möglichkeit, dass erst am nächsten Tag wieder Fahrpostsendungen in Richtung Hannover abgehen. Aufschluß könnte die Siegelseite bringen...


    Mit freundlichem Sammlergruss


    Ulf

  • Hallo Erwin,


    Du hast natürlich recht, der Brief wurde in Stargard aufgegeben und lief nach Stettin. Ich habe den Text oben ergänzt.


    @alle
    Bei dem Wertbrief nach Hannover teile ich die Meinung von Magdeburger.
    Fahrpostkurse wurden in der Regel deutlich seltener als Briefpostkurse bedient, so dass es hier durchaus so gewesen sein kann, dass die letzte Fahrpost schon abgegangen war, als dieser Brief eingeliefert wurde.


    Viele Grüße
    Michael

    Mitglied im DASV - Internationale Vereinigung für Postgeschichte

  • Lieber Ulf,
    die Siegelseite gibt außer 5 Siegeln nichts her, keine Stempel, keine Vermerke.
    Aber deine und Michaels Meinung zu dem Brief klingt sehr plausibel.
    beste Grüße
    Erwin W.

    viele Grüße
    Erwin W.
    preussen_fan

  • Hallo zusammen,


    auch dieser Brief (Hülle) stammt vom Jahrestreffen in Halle. Da ohne Inhalt, kann man das Jahr nur schätzen. Es wurde hier ein mittlerweile oft anzutreffendes, glattes und festes Papier benutzt, das ungefähr ab 1860 von Behörden meist verwandt wurde. Gerichtet war das Schreiben


    An
    Eine Königliche Hochlöbliche Regierung
    Abtheilung für die Kirchen- und Schul-
    Verwaltung
    zu
    Stettin


    Hl. Schul S.


    Cito.


    Da man den Brief erst spät auf die Post gegeben hatte bekam er den nicht gerade häufigen R1 NACH 8 ABDS. Aus diesem Grunde hat man es sich vermutlich erspart, die Uhrzeit in den Aufgabestempel R2 STARGARD i. POM. einzusetzen.
    An den Vermerk Cito. hat man sich für diesen Dienstbrief trotz der späten Einlieferung gehalten. Bereits am nächsten Morgen um 7-8 M wurde der Brief in Stettin ausgegeben.
    Auffällig ist bei diesem Brief das ungewöhnlich sauber abgedruckte Siegel der Superintendentur zu Stargard.


    Dieter

  • Lieber Dieter,


    wenn man wirklich wegen des Verzögerungsstempels die Uhrzeit entfernt hätte, wäre das doch sehr außergewöhnlich, oder? Wäre mir sonst bei ganz AD nicht bekannt ...


    In jedem Fall ein Hingucker! :P



    2 Beiträge redaktionell hierhin verschoben

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • liebe Sammlerfreunde,
    ich zeige hier noch ein paar passende Belege, wobei die Belege von Stettin ja eigentlich keine Nebenstempel sind, aber trotzdem, wie ich meine, hierher passen.

  • Lieber Erwin,


    seltsame Sache in Stargard. Ich kann mich nicht entsinnen, das so schon einmal gesehen zu haben. Bei kleineren Ämtern ohne solch einen Stempel gab es Einsätze 8-12N, 1-7V oder 8N-7V.


    beste Grüße


    Dieter

  • Lieber Dieter,
    Wie du siehst war das bei Stargard üblich. Bei Stettin zeige ich ja den Stempel mit NACH 8 U. ABS.

    viele Grüße
    Erwin W.
    preussen_fan

  • liebe Sammlerfreunde,

    bei folgendem Brief habe ich Probleme mit dem Porto. Er wurde am 24.3.1830 von Magdeburg nach Altenburg versandt und trägt links oben deb Einzeiler "nach Abgang der Post".

    Die Entfernung betrug 17 Meilen . Infolgedessen hätte das Porto bei 15 -20 Meilen 4 Sgr. betragen müssen. Auf dem Brief ist aber nur eine blaue 3 3/4 und eine rote 3 1/2?, in Blau gestrichen vorhanden.

    Wer weiß Rat?

    74850-magdeburg-001-jpg



    viele Grüße
    Erwin W.
    preussen_fan