• Guten Morgen,


    hier ein Portobrief von Bamberg an das königliche Pfarramt in Eltmann (ich dachte immer Pfarrämter gehörten der Kirche ... insbesondere in Bayern :/)

    Leider ist nur die leere Hülle vorhanden, aber der Verwendungszeit des Ortstempels (Winkler 11-a) zufolge müsste der Beleg aus dem Zeitraum 1838-1845 stammen. Somit sollte es sich nach dem Tarif vom 1.12.1810 um einen Brief der Gewichtsstufe III (1,5 - 2 Loth) bei einer Entfernung bis 6 Meilen zu 7,5 Kr. abgerundet auf 7 Kr. handeln. Diese wurden auch ordnungsgemäß auf der Vorderseite notiert. Warum standen die 7 Kr. aber dann nochmal mit Rötelstift auf der Rückseite und was steht auf der Vorderseite hinter dem Wort "Porto" ????


    Gruß Klaus


    Wer später bremst,
    ist länger schnell !

  • Lieber Klaus,


    vorne stand "Porto jenseits", was bedeutete, dass es zwar ein Dienstbrief war (und die Kirchenämter waren auch königliche Stellen, gelle!), aber für den Dienst der Absenderbehörde in Bamberg die anfragende Stelle die des Empfängers war, so dass Bamberg nicht daran dachte, das Porto für diesen Brief zu zahlen und dies dem Empfänger überlies.


    Hinten wurden die Porti von vorn oft wiederholt, wenn die Abgabepost mehrere portopflichtige Schreiben an den Empfänger hatte und diese verschiedenen Porti aufaddiert wurden. Am Ende gab es dann ein Brief, der hinten 2 Beträge aufwies - sein eigenes Porto und das aller eingegangenen Briefe.

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Lieber Ralph,


    vielen Dank für die postwendende Erklärung.

    Ich befürchte ich habs nicht kapiert.

    Das bedeutet doch, dass der Absender in Bamberg nicht portobefreit war, denn sonst hätte er den Brief doch als "Kichen- oder Königliche Dienstsache" verschicken können ?


    Irgenwie steh ich auf dem berühmten Schlauch

    Wer später bremst,
    ist länger schnell !

  • Lieber Klaus,


    die Pfarrämter fungierten damals als Standesämter (zivile Standesämter wurden erst im Deutschen Reich eingeführt), deshalb waren sie "königliche Behörden".


    Zum Tarif von 1810: Es wurden niemals halbe Kreuzer abgerundet. Man hört es zwar hie und da, aber dadurch wird es nicht richtiger. Es wäre auch völlig unnötig gewesen: Die 7 Kreuzer standen ganz regulär im Tarif.


    Ich finde das "Porto jenseits" auch immer ganz hübsch, besonders auf Kirchenbriefen ...

    Viele Grüße aus Erding!


    Achter Kontich wonen er ook mensen!

  • Lieber Klaus,


    in der Chronologie der Dinge:


    Jemand in Eltmann bracht etwas von einer Behörde und er wendet sich an das hiesige Pfarramt.

    Das Pfarramt Eltmann erkennt den Wunsch als richtig an, verspricht sich der Sache zu widmen und verlangt ein Depositum für alle weiteren Bemühungen.

    Der Jemand in Eltmann hinterlegt dieses Depositum (z. B. 2 Gulden für Gebühren, Porti, Spesen, Kopiekosten usw.).

    Zur Erledigung des Auftrags unseres Jemand muss das Pfarramt Eltmann ein anderes Pfarramt, hier: Bamberg anschreiben. Dies geschieht frankiert, das Franko geht von dem Depositum des Jemand ab. Unten links steht auf dem Brief: P.S. franco für Partei - Sache frankiert, weil man das Geld dafür schon hat.

    Das Pfarramt Bamberg macht, was das Pfarramt in Eltmann für den Jemand will und schickt den Brief nun unfrei zurück, weil das Pfarramt Bamberg kein Geld vom Jemand bekommen hatte, also wird eine P.S. Porto daraus. Um sicher zu gehen, dass das Pfarramt Eltmann den Brief auch mit Porto belastet annimmt (üblicherweise mussten bayer. Behörden keine mit Porto belasteten Briefe annehmen), notierte man "Partei Sache jenseits", um zu zeigen, dass der Grund für diesen Portobrief in Eltmann lag.

    Das Pfarramt Eltmann bezahlt die 7 Kr. Porto aus dem Depositum, fertigt das aus, was sich unser Jemand wünschte, bringt alle Kosten in Abzug und gibt den Rest aus dem Depositum mit dem Gewünschten dem Jemand zurück. Der quittiert a) den Erhalt des Gewünschten und b) den Erhalt des Restes des Depositums und diese Quittung geht in den Besitz des Pfarramts Eltmann über und die Akte wird geschlossen.


    Etwas ausführlich, aber heute ist ja auch fast schon Weihnachten!

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Lieber Ralph, lieber Dietmar,


    vielen Dank für die tabellarischen und erläuternden Weihnachtsgeschenke,


    verbunden mit den jahreszeitlich üblichen Wünschen


    Klaus

    Wer später bremst,
    ist länger schnell !

  • Hallo,


    ergänzend zur Erklärung von Ralph bezüglich der "Portowiederholung mit Rötelstift auf der Siegelseite" (siehe Beitrag # 182) kann ich einen weiteren Brief dieser Art zeigen. Wiederum in der Gewichtsstufe III von Bamberg nach Eltmann - diesmal an die löbliche Gemeindeverwaltung und ohne Porto zahlt Empfänger ("jenseits") - zu 7 Kr. im Tarif von 1810. Was mir auffällt ist, dass die "7" auf der Anschriftseite bei beiden Briefen jeweils mit einer "waagrechten Welle" versehen ist. Ist das eventuell ein Hinweis an das Postamt Eltmann, dass hier noch weitere Briefe an den gleichen Empfänger folgen ? Jetzt fehlt mir noch der letzte Brief mit der Abschlußrechnung.


    Gruß Klaus



    Wer später bremst,
    ist länger schnell !

  • Lieber Klaus,


    was ist für dich eine "Welle"? Hinter der 7 steht ein "x" für Kreuzer. War das mit der Welle gemeint?

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Lieber Ralph,


    Nein, ich meinte den "wellenförmigen Querstrich" der "7" auf der Anschriftseite

    bei beiden Briefen


    Gruß Klaus

    Wer später bremst,
    ist länger schnell !

  • Liebe Freunde,


    ein kleines Farbenspiel: Würzburg notierte am 1.5.1841 in üblicher schwarzer Tinte die Taxe 4 Kreuzer bis Forchheim. In Forchheim strich man mit Bleistift (der nie taxierungslegal war!) dieses Porto ab, notierte darunter wieder mit Bleistift 1 Kreuzer Bestellgeld und kam auch in der Addition zu korrekten 5 Kreuzern, wieder mit Bleistift geschrieben.


    Wohl später fand man den benötigten Rötelstift, übermalte 1 Kreuzer, 4 Kreuzer und 5 Kreuzer (5 Xr) und schrieb nach diesem Kuddelmuddel final diese 5 Kreuzer siegelseitig in Rötel, damit der Bote auch ja nichts falsch kassieren sollte. So habe ich das noch nicht gesehen.

  • Lieber Jörgen,


    der Brief stammt aus Sigmaringen und lief nach Bistitz in Österreich. Er transitierte Bayern, ist aber kein Bayernbrief! Empfänger war das fürstliche Forstamt dort.


    18 Kreuzer CM Gemeinschaftstaxe TT und Österreich und 8 Kreuzer CM Transittaxe für Bayern, daher war der Brief schwer (einfach war 12 - 4).

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Lieber Hermann,


    von Füssen habe ich auch schon einige Briefe mit Briefkreuzer gesehen und besitze auch schon ein paar davon. Das ist überhaupt ein sehr spannendes Extra, das Briefen aus der Vormarkenzeit ein bisschen Würze verleiht. Der Paragraph 12 des Generaltarifs von 1810 stellte mehr oder weniger die Abschaffung solcher Aufgelder in Aussicht*, aber das Beharrungsvermögen der Expeditionen und die Sparsamkeit des Staates, der die Briefträger nicht selbst entlohnen wollte, sorgte für ein Überleben des Aufgeldes bis 1845. Jürgen Vogel hat in seiner Veröffentlichung »Schriften und Verordnungen das Botenwesen in Bayern betreffend« u.a. eine Liste von Orten abgedruckt, die wohl aus der zweiten Hälfte der 1820er-Jahre stammt. Diese Liste enthält – man halte sich fest – 158 Namen von Orten, an denen der Briefkreuzer erhoben wurde. Es gibt aber Orte (Ansbach ist ein namhafter Fall), die hierin noch gar nicht aufgeführt sind. Da gibt es noch einiges zu erforschen und ich sammle schon seit einiger Zeit Material für einen Rundbriefartikel dazu.


    * »Die sogenannten Brief-Kreuzer … sind an allen Orten aufgehoben, wo Ober-Postämter, Postämter oder Postverwaltungen bestehen, bei einzelnen Expeditionen sind sie nur dann erlaubt, wenn sich diese durch eine eigene Verordnung gehörig ausweisen können.«

    Viele Grüße aus Erding!


    Achter Kontich wonen er ook mensen!

  • Lieber Dietmar,


    vielen Dank.

    Dazu habe ich noch folgenden Brief:

    Brief aus Stadeln bei Fürth vom 6. Januar 1843, aufgegeben in Nürnberg am selben Tag, als Portobrief an Herrn Mauch, Brauer in Heimenkirch, über Kempten. Als Porto fielen 10 Kreuzer an. Die nächste Postexpedition von Heimenkirch war Röthenbach (1 Meile entfernt). Zuerst wurden 2 Kreuzer Botenlohn vermerkt, dann 3 Kreuzer. Zusätzlich dann noch ein Kreuzer Ortsbestellgeld, so daß der Empfänger 14 Kreuzer bezahlen mußte.


    Beste Grüße von VorphilaBayern

  • Lieber Hermann,


    wo wir gerade bei Portobriefen sind: Hier sehen wir nicht nur 12 Kreuzer Porto für einen Brief der 2. Gewichts- und der 4. Entfernungsstufe nach dem Generaltarif von 1810, sondern auch die 12 Kreuzer für den Rückschein als Auslage und zu guter Letzt einen Bestellkreuzer in Ansbach.

    Eigentlich hätten die Kosten für den Rückschein zusammen mit der Einschreibung im Voraus beglichen werden müssen. Anscheinend wollte die Universität München das Geld für ein Retourrezepisse aber nicht berappen. Normalerweise kenne ich solche Briefe nur aus Franken und dachte schon, das sei ein regionales Spezifikum, aber dass man auch in München die Postvorschriften derartig beugen konnte, war mir neu.

  • Lieber Dietmar,


    großes Kino - so etwas habe ich keine 5 Mal von Bayern gesehen und von München noch gar nicht - Chapeau! :):)

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus