Braunschweig - Paketbegleitbriefe

  • Hallo zusammen


    Heute möchte ich ein Paket-Begleitschreiben, abgestempelt in Braunschweig am 17. Februar 1831, gelaufen nach Magdeburg, vorstellen. Verwendet wurde der Aufgabe-Ortsvordruck Braunschweig. In den Braunschweigischen Taxordnungen von 1741 wurde das Scheingeld auf 4 Pfennige zugunsten der Postbeamten festgelegt. Auf diese Gebühr, die auch nach 1814 in der gleichen Höhe erhoben wurde, wurde im Text der Postscheine nicht hingewiesen. Diese Feststellung verdient Beachtung, da aus ihr hervorgeht, dass trotz hannoverscher Regie der Fahrposten nicht die in Hannover übliche Scheingebühr von sechs Pfennigen erhoben wurde.



    Liebe Grüße


    Christian

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  • Hallo zusammen,


    ich zeige hier einen Paketbegleitbrief von Braunschweig nach Bodenstein, der mir ziemliche Kopfschmerzen bereitet:






    Aufgegeben am 3.9.?? in Braunschweig (Feuser 010) in blau an Herrn Amtmann Crämer zu Bodenstein. Gemeint ist Bodenstein im Landbezirk von Lutter am Barenberge.


    Links unten: "Hierbei ein Paket ... in Papier gez. durch ...", daneben eine schwarze 3 und darunter der "frei"-Vermerk

    ganz oben: "per Expressen ... von Lutter a. B. nach Bodenstein zu ..."


    Darunter, rot unterstrichen vermutlich die Gewichtsangabe (... Loth 2 Pfund?)


    Rechts neben dem Rötel-Strich lese ich: "verz.(ogen?) Couvert gegen ... ... retour" -> Der Empfänger war verzogen und der Begleitbrief (ohne Paket?) sollte zurück gesandt werden?


    Von Braunschweig nach Lutter am Barenberge war das Paket ca. 36 km, also etwas weniger als 5 Meilen Luftlinie entfernt, demnach Progressionssatz 1. Die schwarze 3 ist wohl das bezahlte Franko in Braunschweig.


    Links oben die "Zahl 2 + Zeichen" deute ich als 2 1/6 (Sgr.) für die Expressbestellung des Begleitbriefs. Zur Zeit des NdDP hätte dies für eine halbe Meile 3 Sgr. gekostet (§ 38 Posthandbuch NDP), evtl. ein Indiz für die Zeit vor 1868?


    Diee Rötel-1 in der Mitte unten könnte mit der Rücksendung zu tun haben.


    Zu guter Letzt noch eine Bleistift-Anmerkung ganz unten, der ich aber keine postalische Bedeutung beimesse.


    Das gute Stück war ein Beifang in einem größeren Los. Nachdem die Bewertung bei Feuser (für Braunschweiger Zeit 600, NDP 250) doch sehr ansehnlich ist, würde mich natürlich auch der Handelswert interessieren.

    Vielen Dank im Voraus und besteGrüße,

    Bernd

  • Hallo Bernd,


    wie ich es sehe von oben nach unten:


    von Lutter a/B

    per Expressen sogleich nach Bodenstein zu befördern

    2 Pfund Für den Boten 2 / 9 (??)

    An Herrn Amtmann Cramer

    Hiebei ein Paquet Acten in Papier gez(eichnet) durch Adresse Absender ??


    vorg(ezeigtes) Couvert nachgefälligst retour

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Chasing Sheep Is Best Left To Shepherds

  • Hallo Bernd,


    der blaue Aufgabestempel von Braunschweig müsste einen Durchmesser von 25 mm haben. Im Bade gibt es hiervon 2 Ausführungen: mit geteiltem Trennstrich im Innenkreis und mit durchgehendem Trennstrich. Für den erstgenannten wird eine Verwendungszeit 1846-1867 angegeben, wobei evtl. Nachverwendungen hier nicht angegeben werden. Im Feuser-Katalog der Nachverwendungen wird nur der Stempel mit durchgehendem Trennstrich gelistet.

    Auf dem Brief vermisse ich den Klebezettel, gibt es da noch Spuren?


    Der rückseitige Stempel G stammt von der Braunschweiger Packkammer und wurde bei Bruns bis 1864 registriert.


    Die vorderseitige Bleistiftnotiz 6 1/2 - 7 A wiederholt die Uhrzeitangabe aus dem Aufgabestempel.


    Viele Grüße

    Michael

    Mitglied im DASV - Internationale Vereinigung für Postgeschichte

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  • Herzlichen Dank für die bisherigen Rückmeldungen / Erläuterungen!


    @ Ralph,

    habe gelernt: das Kreuz mit der Schlaufe am rechten Abstrich bedeutet Pfund - vielen Dank dafür


    Rechts neben dem Rötelstrich: "vorg. Couvert" macht Sinn, aber vor "nachgefälligst ret(o)ur" steckt noch ein Wort. Kann es heißen: "vorgezeigtes Couvert gegen (was auch immer) gefälligst retour"?


    @ Michael,

    Der Aufgabestempel misst exakt 25 mm im Durchmesser. Um zu entscheiden, ob der Trennstrich geteilt ist oder nur unsauber abgeschlagen wurde, fehlt mir Vergleichsmaterial, ich tendiere aber zu einem geiteilten Trennstrich. Das grenzt dann zumindest den Verwendungszeitraum ein.

    Spuren eines Klebezettels kann ich keine feststellen. Gab es denn zu jener Zeit schon Klebezettel?


    Vielen Dank für den Hinweis auf den rückseitigen Packkammerstempel, der den Zeitraum weiter eingrenzt. Ganz ehrlich: Ich dachte, das wäre ein privater Stempelabdruck. Ich hatte ja eigentlich vor, mich nach kompletter Entschlüsselung von dem Beleg zu trennen. Mittlerweile haben sich aber ein paar Packkammerstempel zu mir verirrt, die sich evtl. über Familienzuwachs freuen würden. Ist halt letztlich eine Preisfrage - andere Sammelgebiete wollen finanziert werden. Was könnte man den für diesen Beleg ansetzen? (Darf man das fragen?)


    Beste Grüße bis dahin,

    Bernd

  • Hallo Bernd,


    in Braunschweig wurden Paketzettel für normale Pakete ohne Wertdeklaration zum 1.5.1856 eingeführt.

    Paketbegleitbriefe oder allgemein Fahrpostbriefe sind häufig kein teures Sammelgebiet, da die Barfrankatur weit verbreitet war und markenlose Belege in der Regel weit günstiger als markenfrankierte sind. Wer sich für solche Belege erwärmen kann, hat ein weites und interessantes Sammelgebiet.

    Solche Paketbegleitbriefe wie deiner kosten i.d.R. einen niedrigen bis max. mittleren 2-stelligen Betrag, Ausnahmen wären besondere Stempel, seltene Destinationen o.ä.


    Viele Grüße

    Michael

    Mitglied im DASV - Internationale Vereinigung für Postgeschichte

  • Hallo Michael,


    vielen Dank für Deine weiteren Ausführungen. Demnach kann man den Zeitraum auf etwa 1846 bis 1856 eingrenzen.


    Ich habe mich mittlerweile in diesen Beleg "verguckt" und da ich nicht weiß, wann mir wieder einmal ein solcher über den Weg läuft, wird er so schnell nicht mehr aus meiner Sammlung verschwinden.


    Beste Grüße,

    Bernd

  • Hallo Bernd,


    ich wüßte nicht, warum man den Brief aus der Sammlung entfernen sollte. Der hat ein Gesicht, wie man so sagt. :)


    viele Grüße

    Dieter