Frankreich - Bayern Postvertrag vom 1.7.1847

  • Lieber Emmanuel,


    vielen Dank für deine Hilfe!


    Aber wenn es ein Teilfranko war - das war im Postvertrag von 1847 nicht vorgesehen. Die Frankobriefe, die ich ohne Marken kenne, zeigen hinten ganz große, französische Taxziffern (5 Decimes für einfach, 10 Decimes für Doppelbriefe).


    Solch ein Vermerk sieht ganz anders aus als der Text, der hier notiert wurde.


    Bei 60 Centimes müsste es 2 mal 30 Centimes für Frankreich sein und Bayern sah ihn als Dienstbrief an, der erst gar nicht portopflichtig war. Kann man ihn so beschreiben?

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Lieber Ralph,


    Meiner Meinung nach, ist dieser Brief kein Dienstbrief sondern ein Frankobriebrief. Du hast recht, ein teilfranko war unmöglich mit dem PV von 1847.
    Wenn der Bürgermeister von Charlieux gedacht hatte, daß sein Brief ein Dienstbrief war und also von der Gebührenfreiheit profitieren konnte, hätte er auch seine Gegenzeichnung angebracht.
    Hier hat man eine Anweisung von Gewicht und Zahlung (und das P.P. Stempel), also ein Frankobrief.
    Mir gelingt jedoch nicht, die 60 c zu erklären, weil das französische DoppelInlandporto 50 c war. Die 60 c entsprechen auch dem internationalen Porto nicht, d. h. 1 Franc für ein Doppelbrief.


    Viele Grüsse.


    Emmanuel.

  • Lieber Emmanuel,


    dann hat man 60 Centimes für Frankreich bezahlt und die bayerische Strecke unbeachtet gelassen, sonst komme ich auch nicht auf 60 Centimes für eine 2. Gewichtsstufe.


    Der Brief hat optisch schon den Dienstbriefcharakter - Dienstsiegel vorn, Dienstsiegel hinten - da traute sich Bayern nicht ihn zu taxieren und weil man ihn portofrei von den Franzosen bekommen hatte und auch ein P.P. - Stempel zu sehen war, hat man den einfach so ausgeliefert, auch wenn der Vertrag es nicht so vorsah.


    Immer wieder schön, solche Briefe zu sehen, die es gar nicht hätte geben dürfen - aber die Praxis hat viel mehr erfordert und gezeigt, als die Theoretiker in Paris und München sich ausdenken konnten. Gut so! ^^

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Liebe Freunde,


    für meine kleine Sammlung 1851 und die etwas größere Sammlung Bayern - Frankreich habe ich mir den hier angelacht: Erstein im Elsaß vom 8.5.1851 via Strasbourg über Augsburg nach Abensberg ins Schloß Wildenberg. Weil Erstein im Departement Bas Rhin lag, erhielt der Brief den Stempel DEP. LIMIT. für Departement Limitrophe, also Nachbardepartement. Daher kostete er nur 3 Kreuzer für Frankreich und 9 Kreuzer für Bayern, in toto 12 Kreuzer, die Augsburg notierte und auf ihnen seinen Auslagestempel abschlug.

  • Liebe Freunde,


    fast könnte man sagen "aus gegebenem Anlaß", aber das lassen wir lieber in Anbetracht der desaströsen Lage: Frankobrief der 2. Gewichtsstufe aus Paris vom 14.5.1857 an Frau Professor Pettenkofer in München.


    Natürlich war die Frau von Prof. Pettenkofer nicht auch Professorin, das gab es damals leider noch nicht, aber zur Person Prof. Pettenkofer dieser Link hier:


    https://de.wikipedia.org/wiki/Max_von_Pettenkofer


    Max von Pettenkofer war der Erfinder der modernen Hygiene und, damals wie heute, galt es Epidemien bzw. Pandemien zu vermeiden.

  • Liebe Freunde,


    folgender Brief macht mir größte Freude, zeigt er sich doch von vorn und hinten recht attraktiv und hat darüber hinaus noch einen Inhalt, der es wert ist, hier gezeigt und besprochen zu werden.


    In Strasbourg, einer der schönsten Städte dieser Welt, am 14.7.1851 "frey" aufgegeben, zahlte der Absender 5 Decimes, die nicht in Marken, sondern bar rückseitig notiert wurden. Um aber den wahren Charakter zu zeigen, stempelte man vorne mit dem P.D. - Stempel, um zu zeigen, dass hier alles vom Absender bezahlt worden war. Gerichtet war er an das Wohllöbliche Bürgermeister Amt Memmingen Königreich Baiern (und bayer. Behörden brauchte unfreie Briefe aus dem Ausland auch nicht anzunehmen, sondern hätte einfach die Zahlung des Portos verweigert). Siegelseitig sehen wir bei der Leitung in geschlossenen Briefpaketen via Baden und Württemberg den Transitstempel von Augsburg vom 15.7.1851 und den Ankunftsstempel 2 Tage später von Memmingen.


    Inhalt: " Robertsau bei Strasbourg, den 13. Juli 1851

    Wohlgeborener Herr Bürgermeister (vom Empfänger später vermerkt: Erledigt durch Protocoll d. d. 17 Juli 1851, exp. Müller),

    Im Auftrag des Unterzeichneten sehen wir uns veranlaßt Sie um Ihren gütigen Beistand zu bitten. Unser Arbeiter Christian Friedrich Krakow, Tuchmacher Geselle aus Dahme im Königreich Preußen, war am 29. Aprill d(ieses) Jahres als reisender in Memmingen und hinterlegte auf der dortigen Tuchmacher Herberge ein Paket in welchem sich folgende Effekten enthielten: Ein brauner Cassinette Sommerrob, 1. Schwarz und blau karrirte Tuchjake, 1 paar bräunliche Bubskinhosen mit Streifen an der Seite, 1 paar Stiefel, 2 wollene Halbbinden, 1 paar wollene Handschuhe, und ein leinen Handtuch mit 1 paar wollenen Soken und sonstige derartige Effekten.

    Gegen ende Mai schrieb besagter Christian Fr. Krakow einen frankirten Brief, worin ein Kärtchen sich befand welches die Tochter des Herrn Jakob Althaus zum Bauerntag dem Fr. Krakow bei seiner Abreise mitgab damit wenn derselbe um seine Kleider schreiben sollt er daßselbe beilegen solle, was auch geschan ist.

    Es kamen aber weder Kleider noch ein Brief, obgleich Krakow nichts darauf schuldet. Nun schrieb aber besagter an Herrn Obermeister Weis, in der Pfingstwoche einen Brief, und ersuchte herrn Weis sich um die schon angegeben Effekten zu erkundigen, und besagtem gefälligst anzuzeigen welches die Ursache sey, daß die Kleider hier nicht ankommen, aber bis heute ist noch keine Nachricht erfolgt.

    Wir ersuchen daher ein Wohllöbliches Bürgermeister Amt mit der höflichen Bitte, in besagter Sache gegen Jakob Althaus zum Bauerntanz, eine Untersuchung anzustellen warum weder Kleider, noch ein Schreiben hier ankommen.

    Zugleich ersuchen wir ein Wohllöbliches Bürgermeister Amt mit der höflichen Bitte uns das Ergebniß in dieser Sache gütigst in möglicher bälde mittheilen zu wollen.

    Hochachtungsvoll zeichnet ergebenster I. G. Füß contre matre in der fabriqe des draps a la Roberau bei Strasbourg / eingehändige Unterschrift des Eigenthümers Christian Friedrich Krakow /."


    Letztlich, wie auch immer, scheint die Sache doch irgendwie bereinigt worden zu sein, aber für mich sind solche Inhalt Gold wert, zeigen sie doch die Probleme und Alltäglichkeiten einer längst vergangenen Zeit auf, die es sonst kaum nachzulesen gelänge.

  • Hallo liebe Freunde,


    hier noch ein Brief aus der "Beute" vom vergangenen Sonntagstausch:)


    30.01.1855 ab Sarreguemines nach Annweiler - mit Stempel Departement limitrophe (Nachbarbezirk),

    wofür der Stempel E steht, keine Ahnung, siegelseitig schön der Laufweg des Briefes dokumentierbar:

    30.01 Forbach, 31.01 Landau/Pf., 01.02 Pirmasens, 02.02. Annweiler.



    Schöne Grüße

    Bayern-Nerv Volker

    Nimm dir im Leben ruhig die Zeit zum Sammeln und genieße einen guten Wein, denn die gesammelte Zeit nimmt dir irgendwann das Leben und dann wird man um dich weinen. (V.R.)


    Bayernfarbenvielfaltverrückt - warum nicht?

  • Lieber Volker,


    sehr schönes Stück - nur 6x Porto wegen der Grenznähe (Stempel). E war ein Briefkasten, den der Landbriefträger leerte und dann die Briefe darinnen stempelte.

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Lieber Dieter,


    ich kenne ca. 5-6 Briefe aus dieser Korrespondenz, die alle praktisch gleich aussehen und alle recht schnuckelig daher kommen.

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Liebe Freunde,


    eine Besonderheit des Postvertrages Bayern - Frankreich war die Lage der Pfalz, welche dahingehend gewürdigt wurde, dass Briefe nach dorthin nur 30 Centimes = knapp 9 Kreuzer Franko wie Porto kosteten. Briefe aus dem Nahbereich waren noch günstiger, stehen hier aber nicht zur Debatte.


    Der hier aus dem französischen Niederbronn lief am 29.3.1856 über Wissembourg und Landau nach Ludwigshafen, wo er 2 Tage später ausgetragen wurde.

  • Lieber Klaus,


    klasse, was es dazu zu lesen gibt - wußte ich nicht. Vielen Dank für diese Infos - Glück muss man haben. :)

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus