Muster ohne Wert (MoW)

  • Lieber Ulf,


    eine 2. G-Stufe als MoW anhängend nach Mecklenburg-Schwerin ... ich fürchte, da werden nicht viele Sammler hier ein Zweitstück vorzeigen können! :P:P

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Der folgende Beleg gibt mir seit Jahrzehnten Rätsel auf.



    Als Muster ohne Wert über Preußen war Versand nach Frankreich sowohl unter Streifband als auch mit Begleitadresse ohne Zusatztext zulässig, sofern der Inhalt ersichtlich war.


    Diese Voraussetzung konnte bei einem Paket gegeben sein. Die Taxe hätte aber in diesem Falle in der 2. Progressionsstufe 1 1/2 Ngr. betragen. Frankiert ist der Beleg allerdings mit 9 Ngr., also wie ein Doppelbrief. Dafür war er jedoch zu schwer.


    Für Fahrpostsendungen wiederum wäre in Sachsen Markenfrankatur nicht zulässig gewesen.


    Vielleicht hat hier jemand eine Idee?

  • Lieber Jürgen,


    das war ein Paketbegleitbrief, der dann aber zur Briefpost gewechselt ist. Das kam vor, wenn der Absender glaubte, solche Briefe, wenn sie selbst einfach waren, wie im DÖPV günstig mitversenden zu können.

    Aber dann hätte auch das Ganze lange gedauert und das wollte man wohl nicht, sondern lieber mit der schnellen Briefpost versenden und das Paket später aufzugeben, weswegen man "Ci joint ..." strich. Als Weiterfranko ist nichts notiert, also gab es nichts für Frankreich, weswegen die Stempelung von P.D. gleich zweifach doppelt falsch war.


    Mit einem Gewicht von 3 11/20 Loth lägen wir bei ca. 60g. Leider kenne ich nicht die Moderation für einfache Briefe mit anhängendem Muster, glaube mich aber zu erinnern, dass einfache Briefe mit MoW in der 1. Gewichtsstufe nicht portobegünstigt waren und erst darüber hinaus mit einem Drittel der gewöhnlichen Brieftaxe zu frankieren/taxieren waren.

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Lieber Ralph,


    für Warenproben (Mustersendungen bzw. "Echantillons sans Valeur"), so sie denn vorschriftsmäßig versandt worden waren, galt eine Taxe von 3/4 Ngr. pro 40 Gramm.


    Der Faltbrief besteht aus einer voll beschriebenen Doppelseite und wiegt jetzt 6,5 Gramm, hatte also beim Versand noch einen "Anhang", was auch aus der Siegelseite hervorgeht.



    Für Briefe waren 4 1/2 Ngr. pro 10 Gramm zu entrichten.


    Paketbegleitbriefe konnten in Sachsen nicht mit Marken frankiert werden.


    Ich denke, daß bei dieser Sendung alle beteiligten Postler nicht ganz nüchtern gewesen sein können.


    Liebe Grüße


    Jürgen

  • Lieber Ralph,


    jetzt habe ich doch noch eine plausible Erklärung für den Brief gefunden:


    Im Vertrag Taxis-Frankreich von 1862 findet sich der Passus, daß die Aufgabepostanstalten außer Leipzig (OPA) auf Angabe des Weiterfrancos auf Briefen nach Frankreich verzichten sollten, weil die Beträge unterschiedlich sind, je nachdem ob über Frankfurt oder Cöln und Aachen spediert wird (das wurde erst in Leipzig entschieden).


    Das erklärt die entsprechende "Leerangabe" auf dem an der Leipziger Bahnhofsexpedidion aufgegebenen Brief.


    Der Postler am Leipziger Bahnhof hatte zwar das anhängende "Paket" als Muster anerkannt, wegen des offensichtlich umfangreichen Text enthaltenden Begleitbriefes aber als nicht den Bestimmungen für Mustersendungen entsprechend eingestuft. In solchen Fällen war eine derartige Sendung dem regulären Brieftarif zu unterwerfen.


    Diese Bestimmung interpretierte er aber so, daß dafür die Gewichtsprogression für Mustersendungen zugrundezulegen sei. Als Mustersendung wären die knapp 60 Gramm aber in die 2. Progressionsstufe gefallen. Die wurde auch tatsächlich frankiert.


    Liebe Grüße


    Jürgen

  • Lieber Jürgen,


    das klingt für mich sehr plausibel und riecht nicht nach Alkohol - freuen wir uns, wenn wir solch schwierige Briefe doch noch knacken können (Unknackbare gibt es schon genug).

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus