• Liebe Freunde,


    der eBay - Verkäufer aueblick hat derzeit in seinem Angebot einen schönen Preußenbrief, dessen linke untere Ecke der Vermerk "per Express" ziert. Leider sind die Scans dank eBay eine Katastrophe, aber dies steht sicher fest.


    Meine Frage ist nun: War das ein echter Expressbrief und wenn ja, wie waren solche Briefe bei der Auf- und Abgabepost zu behandeln?


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

  • hallo Bayern klassisch
    irgendwie geht sich das nicht aus. Der Schein, der dabeiliegt, geht über einen Brief mit Geld, davon steht aber nichts auf dem Brief.
    Unter Express ist hier offenkundig ein Brief mit besonderem Boten zu verstehen. Ich erinnere an die beiden Möglichkeiten:
    Bis Ende der 40 er Jahre bedeutete Express ein eigener Bote auf der Beförderungsstrecke
    dann als postalischer Begriff meist sofortige Zustellung am Empfangsort
    Hier geht es wohl um die Möglichkeit eins - und zu der gab es sicher keinen Postschein und schon gar keinen mit Geldversendung.
    Ob beides zusammengehört ist alsofraglich.
    Liebe Gruesse Achim

  • Lieber Achim,


    gut, dann bin ich nicht blind gewesen, denn siegelseitig lese ich 1808, während der unserer Meinung nach nicht dazugehörige Schein ja etwas anderes aussagt. Auch der Zielort passt nicht, die fehlende Geldversendung sticht auch hervor, daher werte ich das als den gescheiterten Versuch einer Mariage.


    Vielen Dank und liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Chasing Sheep Is Best Left To Shepherds

  • Hallo Zusammen


    also Express-Brief aus so frühen Zeiten kenne ich nicht. Auch habe ich bisher nichts in dieser Richtung gefunden, was hier zeitlich passen könnte. Dies muss jedoch nichts heissen.


    In der Taxverordnung vom 18.12.1824 steht unter dem §57G folgendes:


    Briefe nach Orten des platten Landes, deren Bestellung weder nach §51 und §52 noch nach den $57A und F erfolgen konnte, werden von 8 zu 8 Tagen sämmtlich durch expressen Boten bestellt. Der Bote erhält 5 Sgr pro Meile, welcher für den ganzen vom Boten zu machenden Weg berechnet, verhältnismäßig auf sämmtliche ihm zur Bestellung übergebene Briefe repartirt und auf der Rückseite jedes einzelnen Briefes der Theil des Botenlohnes, der auf denselben fällt, bemerkt wird.


    Die §51 + 52 regeln das sogenannte Landporto, dem Porto was fällig ist, wo es keine Post-Anstalt gibt, aber von durchgehenden Posten berührt werden. Der §57A regelt das Bestellgeld allgemein und F das der Landbestellung durch besondere Post-Landboten.


    Dies ist auch der einzige Hinweis auf "per Expressen" den ich hier kenne.


    Mit freundlichem Sammlergruss


    Ulf

  • Lieber Magdeburger,


    vielen Dank für die Auflistung der Primärquelle.


    Dieser Brief hat ja nicht mal einen Aufgabestempel - wie wäre denn sicher gestellt, dass er überhaupt mit der Post - ob mit, oder ohne Express - befördert wurde?


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Chasing Sheep Is Best Left To Shepherds

  • Lieber Bayern Klassisch


    allgemein gib es nur von wenigen (preusssichen) Orten Aufgabestempel vor 1817. Die Einführung war Anfang 1817 und dies nur für Briefe ins Ausland, auch den deutschsprachigen. Dies änderte sich erst zum 01.03.1817, da nun auch innerpreussisch aufgabegestellt werden sollte.


    Ein fehlender Aufgabestempel sagt hier erstmal nicht aus, wenn die Jahresangabe korrekt ist.
    Leider finde ich den Bestimmungsort nicht, lesen würde ich es erstmal als "Landeshuth" und Waldenburg gibt es mehrfach.


    Persönlich würde ich soetwas nicht kaufen, da hier nur über bessere Bilder eine Aussage zu treffen ist. Wie schon angemerkt, paßt auch der Postschein nicht richtig und ob er hiermit versendet wurde, kann ich hier auch nicht sagen.


    Mit freundlichem Sammlergruss


    Ulf

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Magdeburger


    Landeshut ist in Schlesien.


    Viele Grüsse
    Nils

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis grösser als in der Theorie.

  • Lieber Nils


    danke.


    Landeshut heute Kamienna Gora und Waldenburg heute Walbrzych trennen etwa 10 km.


    Theoretisch ist folgendes vorstellbar:


    Ich gehe mal von der Annahme aus, dass die Taxverordnung gültig ab 01.01.1825 hier schon helfen kann, obwohl diese zeitlich nicht paßt. Allerdings ist diese auch "gewachsen", da es die erste allgemeingültige für Preussen war.


    Normalerweise konnte der Empfänger die Post selbst abholen, im Ortszustellbezirk verblieb diese etwa 2 Tage im Landzustellbezirk etwa 2 Wochen im Postamt. Der Brief blieb Bestellgeldfrei, solange er in dieser Frist abgeholt wurde.


    Ist die "Frist" abgelaufen, galt folgendes:
    Im Ortszustellbezirk wäre es also der nächste Bestellgang und nur das reguläre Bestellgeld fällig, was allgemein 1/2 Sgr war.
    Im Landzustellbezirk wäre es der obengenannte Auszug.


    Möglicherweise wollte der Absender, dass nicht solange gewartet werden sollte. Ob dies so war, wird sich nicht klären lassen, da hier sicherlich die Ortsbestellung anzuwenden war und Bestellgeld nicht unbedingt notiert wurde, der Postbote wuste dies sicherlich auch so.
    Auch eine Selbstabholung ist hier nicht ausgeschlossen.


    Wie schon geschrieben, wäre dies ab 01.01.1825 so und davor rein spekulativ...


    Mit freundlichem Sammlergruss


    Ulf


    P.S. Ich habe es mal so beschrieben, wie ich es monentan sehe und bin davon augegangen, dass der Brief befördert wurde.

  • Lieber Magdeburger,


    ich sehe es ähnlich - vlt. hat auch ein Private, hier Expresse genannt, den Brief für entsprechendes Geld in die Hand gedrückt bekommen und durfte die 10 km per Pedes mit ihm zügig zurücklegen. Dann bliebe die Post außen vor und der Vermerk hatte nur privaten Charakter.


    Mit dem Schein hat dies alles nichts zu tun - aber ich mache es hier so sie du und biete nicht, weil alles zu vage ist.


    Liebe Grüsse von bayern klassich

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Chasing Sheep Is Best Left To Shepherds

  • Liebe Sammlerfreunde,


    folgenden Brief möchte ich zeigen:


    Brief aus Ruhrort nach ........ bei Essen vom 28.9.1848 per Expressen zu besorgen mit Vermerk "15 Sgr. deponiert". Ab 1842 wurde in Preußen die Bestellung durch besondere Boten (Eilbestellung) eingeführt. Die Eilbestellung kostete für Postorte 2 1/2 Sgr. und für Orte ohne Postanstalt 15 Sgr. Der nicht bezahlte Anteil am vorausbezahlten Eilbestellgeld wurde dem Absender wieder erstattet. Die 15 Sgr. waren also der Höchstbetrag und der Bote wurde nach Entfernung entlohnt. Daher der Vermerk "deponiert".
    An Porto fielen 1 Sgr. an (Brief bis 5 Meilen).
    Zu Eilbestellung in Preußen, siehe die beiden Seiten (Bild 01 und 02) aus dem Buch von Konrad Schwarz "Entstehung und Entwicklung der Postgebühren".


    Beste Grüße von VorphilaBayern

  • Hier ein Brief aus BONN vom 19.7.1817


    An eine Hochlöbliche
    Platz Commandantur
    in
    Andernach


    Militaria


    Citissime


    Auf der Rückseite finden wir einen roten Siegel-Stempel der KOENIGL PREUSS COMANDANTUR zu BONN.
    Wirklich interessant ist der Inhalt. Es handelt sich um die Personenbeschreibung einer gesuchten Person mit der Bitte, alle geeigneten Mittel einzusetzen und den Gesuchten zu verhaften.


    Dieter

  • Liebe Sammelfreunde


    hier eine Briefhülle in den 1850iger Jahren am Fürstenwallufer in Magdeburg aufgegeben und "An den Königlichen Rechnungs-Rath Herrn Burchard wohlgeboren zu Berlin Im Seehandlungs-Gebäude" adressiert. Der Brief wurde richtig mit 2 Sgr. bar bezahlt und der Absender wünschte " Sofort zu bestellen" wofür weiter 2 1/2 Sgr. bar bezahlt wurde. Links oben wurde nun noch "Bestellgeld bezahlt".


    Mit freundlichem Sammlergruss


    Ulf