Zumstein Korrespondenz

  • Hier lesen wir ein weiteres Adresszusatz – beim Schiff Wirt.


    Die Geschichte geht weiter..Erneut wollte der „Alte“ NZ bei der Johann Adam Seutter einkaufen, aber der Johann Adam Seutter verlangt erst eine Versprechung von NZ und zwar die f 2:15 sollte er nachzahlen.


    LG A

  • Liebe Stara,


    solche Briefpaare sind ein Glücksfall - und klasse auch, dass sie fein geschrieben sind, nicht wie so viele andere, bei deren Leseversuch man einen halben Tag frei nehmen muss ...

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Liebe Freunde,


    weil eine sehr angenehme Dame dieses Forums, wer wird nicht verraten, Zurückhaltung übte, gelang es mir, diesen hier zu schnappen:


    Verfasst in Münchberg am 26.11.1823 von Johann Friedrich Roeßler lief er an Nikolaus Zumstein & Söhne, derzeit in Ulm residierend. Die Absendung dieses Briefes erleichterte die Tatsache, dass er jemanden hatte, der ihn im näher zu Ulm gelegenen Nürnberg als Portobrief aufgabe, wofür die dortige Hauptbriefpostexpedition 6 Kreuzer mit blauer Tinte ansetzte. Bei einer regulären Leitung hätte er dann auch nicht 4 Kreuzer für Württemberg gekostet, sondern deren 2, aber Bayern hat ihn nicht direkt ausgetauscht, sondern wo anders über die Grenze gehen lassen, so dass die Taxispost in Württemberg noch 2 Kreuzer extra kassieren durfte und in summa der Empfänger mit 10 Kreuzern belastet wurde.


    Münchberg - Ulm wären 237 km gewesen = gut 36 Meilen und das hätte damals ein Porto von mind. 12 Kreuzern nach sich gezogen (exakt gerechnet sogar 14 Kreuzer, aber man war damals großzügig mit der Vermessung des Königreichs gewesen).


    Nürnberg - Ulm waren 141 km gewesen = knapp 19 Meilen, was bei idealer Leitung 8 Kreuzer ergeben hätte. Um auf 6 Kreuzer zu kommen, muss man die Post zu Ungunsten der bayerischen Postkasse schnell nach Württemberg geleitet haben, wodurch sich die kürzere Entfernung für Bayern und die größere für Württemberg ergab. Generös die einen, sparsam die anderen ...

  • Hallo Ralph


    wenn ich denn Deine Beschreibung richtig verstehe, kommt es aber am Ende auf das Gleiche hinaus: entweder BAY 8 + Wuer 2, oder Bay 6 + Wuer 4 Kr. Richtig?


    LG Andreas

  • Hallo Andreas,


    ja, völlig richtig perzipiert. Es ist aber erstaunlich, weil wir uns in dieser Periode der Postverwaltungen in einer Zeit befinden, in der man alles Mögliche unternahm, um möglichst lange auf eigenem Territorium zu leiten, also viel Porto heraus zu holen, und die andere Seite eher vernachlässigte.


    Aber es konnte ab und zu vorkommen, dass die Leitung so schnell für die kurze Strecke war, dass man diese generellen Überlegungen hintan gestellt hat und das tat, was für uns heute selbstverständlich ist - zack und weg. Ich fürchte nur, dass es nicht wirklich viele Briefe aus dieser Zeit (1810er bis 1820er Jahre) gibt, bei denen man das so dezidiert nachvollziehen kann.


    "On top" dann noch die Kuvertierung und "on double-top" ein Brief an Zumstein, der mal nicht nach Kempten lief, dazu, wie ich finde, nicht übel aussehend ... ;)

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo Ralph


    toll sieht er auf jeden Fall aus!
    Sicher auch interessant die Frage des Leitweges, vielleicht war ja irgendwo Hochwasser die Tage, so hat man bevorzugt umzuleiten. Aber das werden wir nie wissen :)


    LG
    Andreas

  • Hallo Andreas,


    ja, die Imponderabilien der Tage nach der Postaufgabe heute zu eruieren wäre sicher ein vielabendlichen Unterfangen, dessen (positiver) Ausgang ungewiß sein dürfte.


    Es ging mir aber a priori um die Darstellung des Regelfalls und - hier - der Ausnahme. Da muss man schon froh sein, dergleichen überhaupt einmal zeigen zu können.


    Off topic: Ich habe tatsächlich einen innerpostalischen Beleg (von 1868 wenn ich nicht irre), in dem ein Versäumnis nach schleuniger Zustellung durch Hochwasser und Brückeneinsturz dokumentiert wurde, um so die verspätete Zustellung zu erklären. Finde ich toll!

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo Ralph


    absolut reizvoll!
    Brueckeinsturz sogar... muss man sich vorstellen ... Naja, letzte Woche war ich in Genua, von wegen Brueckeinsturz und so...


    LG
    Andreas

  • Liebe Sammlerfreunde,


    hierzu folgender Brief:
    Brief aus Intra am Lago Maggiore (Piemont) vom 23. Juli 1796, der nach Mailand gebracht und dort mit den Mailänder Boten nach Chur (Graubünden) gebracht wurde (12 Kreuzer vermerkt). Wahrscheinlich zweite Gewichtsstufe, denn die normale Gebühr von Mailand nach Chur waren 8 Kreuzer. Ich denke, daß dann bis Feldkirch weitere 2 Kreuzer - und von da bis Kempten nochmal 3 Kreuzer anfielen, so daß der Empfänger 17 Kreuzer Porto zahlte.


    Beste Grüße von VorphilaBayern

  • Lieber Hermann,


    toller Brief, hatte ich auch gesehen, aber eingedenkt deines Lieblingsjahres 1809 wohlweislich auf ein Gebot verzichtet. Schön, dass er bei dir gelandet ist (zum Pizza - Preis, wenn ich nicht irre). :D

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo zusammen
    Ein Brief von St. Gallener Tuchhändler an Zumstein über beglichen zwei Rechnungen von Johann Anton Lorenz & Schmid (an Baar ausgenommen) und Christian Kerle aus Stanzach (Empfangsbescheinigung von David Röhlin).

    Im Auslagestempel sind 3 Kr für St. Gallen notiert, Bayerische Post erhielt 6 Kr.
    LG A

  • Liebe Stara,


    dann war es ein Brief der 2. Gewichtsstufe: 2+1 = 3x und 4+2 = 6x.


    Was mir auffällt bei den Z-Briefen: Es gibt kaum einmal eine 3. oder gar 4. Gewichtsstufe, oder habe ich da etwas übersehen?

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo lieber Stary,
    nein...erste Gewichtsstufe
    Hier ist der Postvertrag aus dem J 1808 gültig nachdem 3x von St. Gall nach Lindau von Bayerische Post zum vergüten waren.
    6x für Bayerische Post (statt 4x) da der Bayerische Gebiet um Vorarlberg gr. war.


    Briefe in 3 - 4 Gewichtsstufe - besitze ich keins. (Denke ich... ^^ )

    "Im Grunde sind es doch die Verbindungen mit Menschen, die dem Leben seinen Wert geben."
    W. v Humboldt

  • Liebe Stara,


    ach - du hast Recht, ich war kognitiv einer späteren Zeit verhaftet, daher mein Fehler mit der Gewichtsstufe. Danke für die Aufklärung! :)


    Schade, dass es keine sehr schweren Briefe gibt - ich mag die. ;)

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Guten Abend zusammen


    Ein früheres 9 Kr Portobrief mit Auslagen ..
    3 Kr von Zürich nach St. Gallen + 2 Kr von St. Gallen bis Lindau = 5 Kr welche Reichspost zum vergüten hatte. Von Lindau bis Kempten kamen weitere 4 Kr für Reichspost selbst dazu.
    Besonders gefehlt mir der abgeschlagene Transitstempel von St. Gallen...
    An diese Stelle mein Dank an Volker für so ein schönes und interessantes Brief für meine Sammlung :love:


    Aus dem Inhalt geht es vor das so wie die Versendung von eine Kiste Tücher auch die Bezahlung von Rechnung über Lindauer Spedition Cramer abgewickelt war.


    LG A

  • Guten Abend zusammen


    Erster Koalitionskrieg, Allgäu stand unten französische Besatzung bis ende September, am 17ten September berichten die Chroniken über grausame Beschießung von Kempten..


    Aus dem Inhalt:
    Mit Ihrer Zuschrift von 23. July bedeuten Sie mich die Absendung Ihrer Bestellung zu unterlassen in Fall Ihre Gegend durch die Invasion der Franzosen beunruhiget werden sollte – da nun seit dem die Lage eine andere Wendung genommen, so ersuche ich Sie hiermit ergebest mir in Rückantwort gefälligst weisen zu lassen wie ich mich so wohl mit Dero ersten als 2ten Bestellung zu verhalten habe. In Erwartung dessen bin unter höflicher Empfehlung stets ergebendes. Ch. Friedrich Burkhardt


    Versendung:
    Erst an die Adresse Nürnberger Forwarder Anton Paul Heinlein, dann von Nürnberg bis Kempten für 8 Kr Beförderung durch Reichspost.


    LG A

  • Liebe Stara,


    erst im historischen Kontext wird der Brief wirklich erklärlich - sehr schön gemacht und wer viel weiß, kauft solche Briefe günstig ein. :)

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus