Fürstentum Mergentheim unter Österreich von 1806 bis 1809

  • Liebe Sammlerfreunde,
    im Rundbrief der ARGE WÜRTTEMBERG e.V. Nr. 147 schrieb
    Herr Horst Diederichs
    zum Fürstentum Mergentheim einen interessanten
    Artikel, zu dem ich folgenden Brief
    zeigen möchte:Unfrankierter Brief aus
    Nürnberg (Kgr. Bayern) nach Wachbach bei Mergentheim
    (Fürstentum
    Mergentheim) vom 13. Dezember 1807.
    Das Fürstentum Mergentheim,
    zu dem auch Wachbach gehörte, war seit
    dem 22. März 1806 staatsrechtlich bei
    Österreich. Die kaiserlich Thurn und
    Taxissche Post war im Fürstentum Mergentheim
    weiterhin tätig, auch bis 1809.
    Der Empfänger mußte 6 Kreuzer Porto bezahlen, wobei
    der Brief von Mergentheim
    nach Wachbach mit einen Boten befördert wurde. Seit 1706
    führte ein kaiserlicher
    (Thurn und Taxisscher) Reitpostkurs von Augsburg über Crailsheim,
    Mergentheim,
    Tauberbischofsheim nach Frankfurt.
    Am 20. April 1809 wurde das Fürstentum von
    Württemberg militärisch in Besitz genommen.
    Bereits am 29. Mai 1809 hatte König
    Friedrich von Württemberg die förmiliche Besitznahme
    des Fürstentums angeordnet.
    Die Bevölkerung war mit den politischen Veränderungenaber
    keineswegs einverstanden.
    Am 26. Juni 1809 kam es zum Aufstand. Der Aufstand wurde
    aber bereits am 29. Juni
    durch das württembergische Militär mit über 12000 Soldaten sehr schnell
    blutig niedergeschlagen.
    Von den Aufständischen waren über 50 Tote zu beklagen. Die
    Rädelsführer
    wurden hingerichtet.
    Seit 1524 war Mergentheim die Residenzstadt des Deutschen Ordens.
    Dieser wurde 1809
    aufgehoben.


    Beste Grüße
    von VorphilaBayern

  • Lieber VorphilaBayern,


    ohne deine fundierten Hintergrundberichte wäre das ein gewöhnlicher Vormarkenbrief - nun ist es eine Besonderheit, die wohl nicht nur ich niemals erkannt hätte. Vielen Dank für die erstklassige Aufarbeitung dieses hochinteressantes Kapitels altdeutscher Postgeschichte.

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Lieber bayern klassisch,


    herzlichen Dank.


    Liebe Sammlerfreunde,
    zu diesen Thema folgender Brief:
    Brief von Mergentheim nach Frankreich vom 1. August 1806. Absender ist Joseph
    Sambeth, Besitzer des Gasthofes „Zum Goldenen Hirschen“ in Mergentheim.
    Joseph Sambeth bekam 1804 den Gasthof von seinen Vater Johann Georg Sambeth.
    Dieser war seit 1797 Kaiserlicher (Thurn und Taxis‘scher) Postverwalter in Mergentheim.
    Er hatte 20 Kinder. Herr Johann Georg Sambeth kaufte 1803 ein Gebäude am Oberen
    Markt und verlegte die Post dorthin. Im Artikel „Das Fürstentum Mergentheim 1806 – 1809“
    schreibt Herr Horst Diederichs folgendes:
    „Im Fürstentum war die Bevölkerung mit den politischen Veränderungen keineswegs
    einverstanden. Am 26. Juni 1809 kam es zum Aufstand. Ausgerechnet am 26. Juni kam
    der Oberpostmeister Reinöhl aus Heilbronn zusammen mit dem Landeskommissariats-
    Sekretär von Kaufmann zur Übernahme der Post nach Mergentheim. Rebellierende Bauern
    empfingen die württembergischen Beamten. Nachdem sie gröblichste Mißhandlungen erlitten
    hatten, nahm sie Postverwalter Johann Georg Sambeth in sein Haus am oberen Markt auf.
    Erst am übernächsten Tag schmuggelte er sie abends als Postillione verkleidet aus der Stadt.
    Für seinen Mut und sein Wohlverhalten erhielt Postverwalter Sambeth am 6. Juli 1809 die
    goldene Zivil-Verdienstmedaille und den Charakter eines Königlichen Postmeisters verliehen.“
    Joseph Sambeth verkaufte 1809 den Gasthof. Den Grund konnte ich nicht finden. Vielleicht wollte
    er kein Württemberger sein und zog weg. Sein Vater Johann Georg Sambeth, der kgl. Württ.
    Postmeister starb 1817. (Quellen: verschiedene neuere Zeitungsberichte im Internet).



    Beste Grüße von VorphilaBayern

  • Lieber VorphilaBayern,


    erneut ein hochinteressanter Hintergrundbericht, der ein gutes Licht auf die damaligen Umstände wirft. Vielen Dank dafür. :)

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Lieber VorphilaBayern,


    ein seltener Schein - danke fürs zeigen. Was mir bei diesen alten Scheinen Probleme bereitet, ist der Betrag, der häufig auf ihnen notiert wurde (von der Aufgabepost). Wenn "bezahlt" dort steht, un einen Frankozwang nach Bayern gab es ja nicht, ist die Sache dahin gehend klar, dass der Absender 24x bezahlt hatte - waren in diesen 24x alle Gebühren enthalten, also Franko, Recogebühr und evtl. die Gebühr für einen Rückschein?

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Liebe Sammlerfreunde,


    hierzu ein Brief kurz vor der österreichischen Zeit von Mergentheim:
    Eingeschriebener Dienstbrief mit zwei verschiedenen CHARGE Stempel
    von Mergentheim in das noch preußische Ansbach vom 21. Januar 1806.
    Das Fürstentum Ansbach gehörte bis 14. Februar 1806 zu Preußen. Vom
    15. Februar 1806 bis 23. Mai 1806 zu Frankreich und ab 24. Mai 1806 zu
    Bayern.


    Beste Grüße von VorphilaBayern

  • Lieber VorphilaBayern,


    ein dank der Chargéstempel hoch interessanter Brief. Der schwarze dürfte wohl der Aufgabepost zugeordnet werden. Der rote aber sollte von Ansbach sein. Aber wieso hatte Preußen Chargé - Stempel? Das Wort kannten sie doch gar nicht. Oder schon der Vorgriff auf Frankreich?


    Es wäre mal interessant zu erforschen, wann wo die ersten Chargé - Stempel im nachmaligen Bayern zum Einsatz kamen.

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Lieber bayern klassisch,


    herzlichen Dank für Deine Kommentierung.
    Aus dem preußischen Fürstentum Ansbach
    kann ich seit 1802 diesen "CHARGE" Stempel
    belegen.


    Beste Grüße von VorphilaBayern

  • Lieber VorphilaBayern,


    wer sonst könnte so eine Sache belegen, wenn nicht du? :)


    Dann wurden die Rayonstempel mit den Chargéstempel praktisch gleichzeitig eingeführt - gut zu wissen.

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Liebe Sammlerfreunde,


    hierzu einen weiteren Brief:
    Unfrankierter Brief aus Miltenberg vom 17. September 1806 (seit 12. Juli 1806
    zum Großherzogtum Baden) nach Wachbach bei Mergentheim (Fürstentum Mer-
    gentheim - staatsrechtlich zu Österreich). Der Brief lief gänzlich durch Thurn
    und Taxissches Postgebiet, daher nur eine Taxierung. Der Empfänger bezahlte
    4 Kreuzer Porto.


    Beste Grüße von VorphilaBayern

  • Lieber VorphilaBayern,


    danke fürs Zeigen dieser Kleinode. Man denkt eigentlich in der Philatelie viel zu wenig an die territorialen Wechsel, die diese turbulente Zeit postalisch so außerordentlich spannend machen. Abgesehen natürlich von dem Material, das man auch erst einmal haben muss.


    Viele Grüße aus Erding!

    Viele Grüße aus Erding!


    Achter Kontich wonen er ook mensen!