Schweiz - Deutsche Staaten

  • Hallo liebe Forumsgemeinde,
    als neuen Beitrag möchte ich hier in loser Folge Belege aus meiner Sammlung Briefposttarife Schweiz -Deutsche Staaten ( bis 1866 auch in den D.Ö.Postverein) zeigen, auch in der Hoffnung, mir Unbekanntes zu erfahren.
    Nachdem im Forum ausgewiesene Bayernkenner sitzen, zu Beginn ein Damenbriefchen aus VEVEY 1856 nach ANSBACH.
    Korrekt frankiert mit 50 Rp. aus dem 2. Rayon der Schweiz in den 3. des Vereinsgebiets. Wie wurde der Brief ab Basel weitergeleitet ? Bekam Bayern das gesamte Weiterfranko von 9x ?
    mit Sammlergrüßen remstal

  • Hallo remstal,


    ein schönes Damenbriefchen, das jedem bilateral sammelnden gefallen wird. :P


    Bei der Leitung über Postvereinsstaaten nach anderen Postvereinsstaaten war zu beachten, ob diese offen, oder in geschlossen Briefpaketen liefen. Dein Brief lief ab Basel (Stempel) in einem geschlossenen Briefpaket über Baden und Württemberg nach Nürnberg und wurde dort aus dem Paket entnommen und nach Ansbach weiter befördert. Hiermit war von Bayerns 9x an Baden und Württemberg eine Transitvergütung zu leisten.


    Wäre der Brief offen der badischen (theoretisch auch der württembergischen) Postverwaltung zuspediert worden, so hätte diese Postverwaltung Anspruch auf den Postvereinsanteil von 9x erhoben, diese kassiert und Bayern hätte gar nichts bekommen.


    Daher war es wichtig für die Postvereinsländer, möglichst in den Genuss geschlossener Briefpakete aus der Schweiz zu kommen, wie es der Wunsch der Vertragsstaaten Baden, Württemberg, Bayern und Österreich war, eben diese nicht zu gewähren. Nur Thurn und Taxis hatte mit dem Erzfeind Baden abgemacht, dass geschlossene Pakete durch Baden erst in Frankfurt am Main geöffnet werden durften, so dass TT regelmässig zur Aufgabepost im Postverein fungierte und damit allein Anspruch auf 9x Postvereinstaxe erhob.


    Alles nicht so leicht ...

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Chasing Sheep Is Best Left To Shepherds

  • Danke für die klasse Erläuterungen zum vorigen Brief. Heute ein optisch nicht so schöner Beleg, der m.E. aber deutlich seltener zu finden ist: Eine Drucksache von Luzern 6.OKT.1857 nach Nürnberg, ein anscheinend selbst gefertigtes "Streifband" zum Versand von Zeitungen(?).Es befinden sich keine Stempel oder Vermerke auf der nicht gezeigten Rückseite. Die Taxe belief sich auf 10 Rappen, das Weiterfranko -wohl für Bayern- war 1 Kreuzer. Der entsprechende Vermerk fehlt, er dürfte auf dem fehlenden rückwärtigen Teil des Streifbands gestanden haben.


    mit frdl.Gruß an alle Interessierten von remstal

  • Hallo remstal,


    DS der CH nach Bayern sind nicht sehr häufig. Auf der anderen Seite - wäre es möglich, dass unter der Marke noch etwas klebte? Bei den abrupt endenden Stempelabschlägen wäre das theoretisch möglich.


    Betrug das Franko für DS nicht 7 Rappen (oder 7 1/2 Rappen)?

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Chasing Sheep Is Best Left To Shepherds

  • Grüss Gott BK
    ich habe den Beleg nochmals genau angeschaut, ich glaube nicht , dass eine Marke abgefallen ist. Das DS Franco betrug in dieser Zeit wirklich 10 Rappen, die Herabsetzung auf 7 Rappen erfolgte zum 17.11.1862.
    Herzlichen Gruß remstal

  • Grüss Gott remstal,


    dann freue ich mich mit dir über ein seltenes Streifband nach Bayern, das ich auch genommen hätte. :P:P:P

    Liebe Grüsse vom Ralph


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  • wenn ich schon bei der Vorstellung von Drucksachen bin, hier eine DS 20.7.1868 nach KIERSPE.Nicht gerade häufig.Tarif ab November 1862 bis 31.8.1868 ( Die Schweiz senkte zum 17.11.1862 einseitig die Taxe, aber nur für die erste Gewichtsstufe, der Postvereinsanteil blieb unverändert bei 1x ). Einen starken Monat später hätte die DS nur noch 5 Rappen gekostet. Im Thema Streifbänder Schweiz ins Ausland habe ich schon eine DS für den Zeitraum 1868 bis 1875 vorgestellt, so dass fast alle einfachen DS Taxen erledigt sind. Ausnahme Drucksachen im Grenzrayon, dazu später.

  • Hallo remstal,


    feines Stück - hinten kein Baden - Stempel lässt darauf schließen, dass das Postpaket erst in Mainz geöffnet wurde, womit der Norddeutsche Bund Aufgabepost wurde und Baden für seinen stillen Transit leer ausgegangen war. Wenn es noch mehr Poststücke aus dieser Zeit gibt, dann bitte einstellen. :)

    Liebe Grüsse vom Ralph


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  • nachdem im ersten Beitrag ein Brief mit der höchstmöglichen einfachen Brieftaxe( 50 Rp aus dem 1.Schweizrayon in den 3.des Vereinsgebiets )gezeigt wurde, nun das niedrigste (abgesehen vom Grenzrayon) Franko mit 20 Rp. aus dem 1. Rayon in den 1. Rayon. Schaffhausen 24.1.1857 nach Hechingen/ Hohenzollern.Weiterfranko rückseitig 3x. Die Bedeutung der blauen 1? ist mir nicht klar. Weiß jemand Bescheid ?
    Grüße von und aus dem Remstal

  • Hallo remstal,


    schönes Stück - da Sigmaringen / Hohenzollern etc. von Thurn und Taxis postalisch versorgt wurden, und Taxis bis 1865 noch den Bestellkreuzer kannte, bedeutete die blaue "1", dass der Empfänger noch 1x für die Zustellung zu zahlen hatte. Dieser Kreuzer war nicht von der CH aus vorfrankierbar.

    Liebe Grüsse vom Ralph


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  • Guten Morgen BK
    Recht herzlichen Dank für die Erläuterung. In welchen Ländern des Postvereins gab es diese Zustellgebühr ? Mir war nur Baden bekannt, oft, aber nicht auf allen Belegen. Immer 2x ? Wie lange gab es diese Gebühr ?


    Mit vielen Grüßen remstal

  • Heute zeige ich 2 Briefe aus Wohlen nach München, also 40 Rappen aus dem ersten Rayon in den dritten des Postvereins. Beide 1865 vom gleichen Absender an den gleichen Empfänger. Das Weiterfranko ist vorderseitig einmal in rot und einmal in blau vermerkt, was wohl so nicht vorgesehen war. Ausweislich der Siegelseite lief der Brief vom Juni über die Württembergische Bahnpost, der andere vom Juli hatte seinen Weg über die Schweizer Bahnpost. Wer bekam jeweils die 9x ? Wurde beim ersten Brief die württb. Bahnpost zum Aufgabepostamt im Vereinsgebiet ?
    herzlichen Gruß von einem wißbegierigen remstal

  • Hallo remstal,


    zu # 12. Ich weiß nicht, wie lange das galt, denke aber bis 1865. Davor 1x Orts- und 2x Landbestellgeld. Gibt es häufig bei Baden und Württemberg (und Taxis).


    Zu # 13. Der 1. Brief wurde von der CH an Württemberg offen übergeben, so dass hier Württemberg den Postvereinsanteil von 9x als Aufgabepost im Postverein behalten durfte. Bayern erhielt gar nichts.


    Beim 2. Brief lief der Brief entweder über Baden und Württemberg im geschlossenen Briefpaket nach Bayern, oder über Lindau (letzteres glaube ich eher - über den Bodensee). Dann fiel das Weiterfranko von 9x an Bayern. Wäre er geschlossen über Baden und Württemberg nach Bayern gelaufen, hätte Bayern an Baden und Württemberg je 1x zahlen müssen.


    So unterschiedlich können fast gleich aussehende Briefe hinsichtlich ihrer Kostenstruktur sein.

    Liebe Grüsse vom Ralph


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  • Hallo remtal,


    der schöne Brief ist so zu beschreiben, wie du es getan hast. Aber er wurde am Zielort ausgeliefert. Damit endete der Postlauf CH - Baden.


    Ab dem 1.10.1862 waren Briefe, ohne Ansehung der Entfernung in Baden, nur noch mit 3x zu taxieren. Mit der CH hatte der Brief dann nichts mehr zu tun, weil es ein reiner innerbadischer Brief war.


    Ab 1.1.1868 war innerbadisch und in den Vertragsstaaten die Weiterleitung immer kostenlos - mit der Auslieferung wie hier hatte das nichts zu tun. Auch im UPU blieben diese Verhältnisse gleich.

    Liebe Grüsse vom Ralph


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    Einmal editiert, zuletzt von bayern klassisch ()

  • Hallo miteinander,
    heute nochmals ein Beleg aus dem 1.Schweizer Rayon in den 1. des Postvereins. Freigemacht korrekt mit 20 Rp. Berlingen über den See mit württemb. Bahnpost über Friedrichshafen nach Tettnang. Weiterfrano 3x. Als Kuriosität aber ein gefalteter Umschlag, der bereits einmal verwendet wurde von Tettnang nach Berlingen 2 Tage vorher, mit 3x in Tettnang unterfrankiert, aber nicht beanstandet. Die Luftlinienentfernung zwischen Tettnang und Berlingen lag m. W. knapp über 5 Meilen, also kein Grenzrayon mehr !
    Viele Sammlergrüße remstal

  • Hallo remstal,


    ein toller Brief - m. E. 42 km von Tettnang nach Berlingen. Es müsste Listen geben, von der CH und WÜ, welche Orte im Grenzrayon lagen. Die reine Kilometerzahl ist zwar hilfreich, doch waren die damaligen Messmethoden nicht die heutigen, so dass man generell feststellen kann, dass man immer ein paar Prozentpunkte großzügiger die Entfernungen berechnete, als sie es tatsächlich waren, also weniger Meilen angesetzt hat, als es waren.


    Von daher würde ich es nicht völlig ausschließen, dass es doch gepasst haben könnte, auch wenn die Versendung von der CH nach WÜ mit dem Bruch klar für 1. zu 1. Rayon spricht.

    Liebe Grüsse vom Ralph


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