• Hallo Christian,


    wenn dein Brief in der 2. Gewichtsstufe lag (ich denke 3/4 cölnisch Loth war damals in Baden einfach, könnte es aber nicht beschwören), dann brauchte man das bei der Briefpost wie hier nicht zu notieren. Bei der Fahrpost war das etwas anders.

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo Freunde,


    den folgenden Württemberg-Brief habe ich aus 2 Gründen (für einen kleinen Betrag) gekauft:

    Einmal gefielen mit die schönen blauen Stempel auf dem Brief (einschl. Absenderstempel). Und insbesondere der Stempel " Nach Abg. d. Post" ist nicht immer so schön aufgesetzt wie auf meiner Neuerwerbung.


    Daneben ist mir die doch etwas ungewöhnliche Anschrift aufgefallen: "Herrn Herrmann Müller aus Cannstatt ... Adr. Herrn Post=Verwalter Mayer in Aalen"

    Kann man bei dieser Anschift evtl. auch von einem "Poste restante-Brief" sprechen? Oder musste "Poste restante" auf der Vorderseite besonders vermerkt werden?


    Viele Grüße

    bayern-kreuzer

  • Hallo bayern-kreuzer,


    der Brief war adressiert Herrn Herrmann Müller aus Cannstatt ... pr (per) Adr. Herrn Post=Verwalter Mayer in Aalen. Demnach war der c/o-Adrssat unter der Obhut des Herrn Postverwalter (vorübergehend) untergebracht und es wurde dort auch zugestellt. Ein Stellung als poste restante kann ich da (leider) nicht erkennen. Aber der eigentliche Hit ist ja Einzeiler Nach Abgang der Post .


    Viele Grüße

    vom Pälzer

  • Lieber Wolfgang,


    Tim sieht es richtig - da war kein Postsonderdienst gewünscht, nur eine Anschrift zum zustellen. Ich weiß, dass viele Postexpeditoren auch Gastwirte waren, von daher wäre es möglich, wenn man das Gasthaus nicht benennen konnte, man diesen Weg ging.


    Aber interessant ist es allemal und die Stempel sind natürlich vorzüglichst. Glückwunsch zu der kleinen Perle. :love:

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo Ralph, Pälzer und Klesammler,


    vielen Dank für die Kommentare zu meinem Brief.


    Ja es wird wohl so gewesen sein, dass der Herr Postverwalter Mayer gleichzeitig auch eine Gastwirtschaft oder eine Pension hatte und der Herr Müller aus Cannstatt dort abgestiegen war.


    Viele Grüße

    bayern-kreuzer

  • Liebe Sammlerkollegen,


    den folgenden Portobrief von Neustadt Haardt nach Gmünd (heute Schwäbisch Gmünd) stelle ich mal hier ein, da die Taxierungsorgie württembergischen Ursprungs ist und daher in diesem Thread hoffentlich am ehesten aufgeklärt werden kann.


    Aufgegeben wurde der Brief in Neustadt am 03.07.1830 und entsprechend einem Gewicht von 1,5 - 2 Loth (4. Gewichtsstufe) und einer Entfernung zur Grenze bis 6 Meilen mit 7 Kr. taxiert. Württemberg addierte für die restliche Strecke von 12-18 Meilen 15 Kr. (siehe Beitrag # 32 in diesem Thread) zur Summe von 22 Kr. Die 22 wurden gestrichen, 8 Kr. und nochmals 1 Kr. (Bestellgeld) notiert, so dass am Schluß 31 Kr. resultierten.



    Wie kam das zusammen ???

    Im Brieftext steht unter dem Originaltext aus Neustadt ein Vermerk aus Gmünd vom 07.07.1830 an ein Kgl. Amtsnotariat... (bach oder burg) betreffend irgendwas mit Unterböbingen (ca. 1,5 Meilen von Gmünd entfernt) zur Erledigung.



    und auf der 2. Seite die Stellungnahme des besagten Amtsnotariats .... bach oder burg vom 08.07.




    Durch geschicktes Umfalten (die schwäbischen Sparweltmeister müssen einen Origamikurs absolviert haben) fanden auch noch die Adressen des Schultheißenamts Unterböbingen und des Amtsnoariats ...bach oder burg Platz.




    Lässt sich der Vorgang nachvollziehen und mit dem Weiterleitungsporto in Einklang bringen ?


    Gruß Klaus

    Wer später bremst,
    ist länger schnell !

  • Lieber Klaus,


    7x Porto für Bayern 4. Gewicht bis zur badischen Grenze.

    15x Baden Transit.

    8x Württemberg. In Summa 30x, dazu 1x Bestellgeld = 31x in toto für den Empfänger. Damit ist die postalische Leitung außen komplett dokumentiert.


    Dass dergleichen Briefe (es war ein Protokoll mal dabei) intern umgepackt verschickt wurden, kann aus dem Inhalt hervorgehen, muss aber außen nicht nachvollziehbar sein, so wie hier.

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Lieber Ralph,


    herzlichen Dank, da habe ich wieder mal zu kompliziert gedenkt.

    Gemessen an der Tatsache, dass sich die Längen der Transportstrecken in den 3 Ländern nur unwesentlich voneinander unterschieden, haben die Badenser / Badener also die Gelbfüßler ganz schön hingelangt (fast soviel wie die anderen beiden zusammen


    Gruß Klaus

    Wer später bremst,
    ist länger schnell !

  • Guten Morgen Ralph,


    einmal noch nachkarten zu dem oben gezeigten Beleg.

    Bayern taxierte 7 Kr. für 1,5 - 2 Loth in der Entfernungsstufe 1 (1-6 Meilen), das habe ich zumindestens richtig erkannt. Nach der Tabelle #32 hätte Württemberg für diese Gewichtsstufe bei Annahme einer Entfernung Badische Grenze nach Gmünd von 6-12 Meilen 10 Kr. anschreiben müssen. Angesetzt haben sie aber nur 8 Kr., was bei der angenommenen Entfernung der niedrigeren Gewichtsstufe 3 (1 - 1,5 Loth) entspricht.

    Gingen in Bayern bzw. Württemberg die Waagen anders oder lag der Brief gewichtsmäßig an der Grenze der beiden Progressionen ?


    Gruß Klaus

    Wer später bremst,
    ist länger schnell !

  • Lieber Klaus,


    eine G-Stufe mehr oder weniger zu rechnen war ganz normal - Baden rechnete mit 3/4 cölnischen Lothen, Bayern in Wiener Lothen, andere in Zolllothen usw.. Das darf dich nicht stören und eben gebaute Häuser mit geraden Waagen waren eher die Ausnahme, als die Regel und wenn ein Brief beim Transport etwas feucht wurde, war er halt schnell mal 1-2g schwerer, speziell wenn er einst trockenen Inhalt hatte, der durch hohe Luftfeuchtigkeit "erschwert" wurde.


    Zumal sind die genauen Leitungen ungewiß - man hat oft so lange wie möglich über eigenens Gebiet befördert, statt den direktesten Weg zu nehmen, weil man ja kassieren wollte und die hier hinvolvierten 3 Länder waren einander politisch nicht grün ...

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Danke Ralph,

    damit wäre das auch geklärt.

    Aber dass die Schwaben weniger gewogen haben als die Pälzer, war ja nicht unbedingt zu erwarten.

    In dubio pro Staatssäckel.


    Gruß Klaus

    Wer später bremst,
    ist länger schnell !

  • Hallo Klaus,


    besonders im süddeutschen Raum muß man bei solchen Belegen immer daran denken, daß das Loth unterschiedlich schwer war.


    beste Grüße

    Dieter

  • Hallo Feunde,


    vor kurzem habe ich hier mit Beitrag 43 einen Portobrief aus Cannstatt gezeigt, der im Januar 1847 innerhalb von Württemberg lief (nach Aalen).


    Heute zeige ich einen weiteren Brief mit dem blauen Zweizeiler aus Cannstatt vom Mai 1847:

    Er lief als Frankobrief von Cannstatt aus im Transit durch Bayern nach Calbe in Preußen.


    Rückseitig findet sich der in Cannstatt mit roter Tinte erstellte Gebührenbaum (in Kreuzern). Danach hatte der Absender zu zahlen:

    - (unten) 4 Kreuzer für das Absenderland Württemberg,

    - (in der Mitte) 8 Kreuzer für den Transit durch Bayern und

    - (oben) 11 Kreuzer für das Empfängerland Preußen

    Auf der Vorderseite steht neben "frei" eine rote "3", die nochmal mit schwarzer Tinte überschrieben wurde. Die "3" steht für 3 Silbergroschen; sie entspricht den 11 Kreuzern für Preußen.

    Das Transitgeld von 8 Kreuzern für Bayern wurde nicht in Silbergroschen umgerechnet, weil Württemberg direkt mit Bayern in rhein. Kreuzern abrechnete und Preußen nichts damit zu tun hatte.


    Auf der Vorderseite wurde von Preußen der Grenzübergangsstempel "Bayern im Oval" aufgesetzt.

    Dieser Stempel wurde nach dem Feuser-Stemnpelhandbuch von Preußen verwendet in Berlin, Görlitz, Halle a.S., Koblenz, Köln, Wetzlar und Zeitz. Der Stempel auf diesem Brief wurde in Halle a.S. aufgesetzt (s. rückseitiger Transitstempel von Halle)


    Viele Grüße

    bayern-kreuzer