Gemeinschaftsausgabe

  • Auf Einschreiben gestempelt Günzburg 20.11.47 17-18, aus der Postablage Mindelaltheim.
    Ich bin mir sicher das 99% aller Sammler diesen Stempel auf loser Marke als sehr falsch verdächtigt einstufen, inklusive mir.
    So aber auf Einschreibebrief mit Ankunftstempel aus meiner Sicht über alle Zweifel erhaben!

  • Verehrte Freunde,


    es gibt Dinge, von denen man eigentlich glaubt, dass es sie nicht gibt. Bis einem dann Wolfgang Lang auf der Messe in München genau so ein Ding hinlegt. Ende März und Anfang April 1948 müssen in Erding die Paketkarten ausgegangen sein, jedenfalls griff man in diesem Fall auf eine 12-Pfg.-Arbeiter-Ganzsache zurück, strich oben den Vermerk "Postkarte" und schrieb "Paketkarte" darunter (jetzt unter dem Paketzettel verschwunden). Der Wertstempel wurde bei der Frankatur nicht angerechnet. Keine Ahnung, wie man das abrechnungstechnisch rechtfertigte.


    Auch wenn die Marken durch Randklebung gelitten haben, ist das doch insgesamt ein interessantes Stück. Zusammen mit einer weiteren Paketkarte vom April 1948, für die ein Notpaketkarten-Doppel als Unterlage herhalten musste, ergibt das sicher einmal eine interessante Albenseite.


    Viele Grüße aus Erding!

  • hallo Erdinger,


    Glückwunsch zu dem spannenden Teil. Paketkarten sind jetzt nicht meine Baustelle und daher möchte ich dich fragen, was für eine offizielle "Umwidmung" der Postkarte spricht? Durchgestrichen und handschriftlich "Paketkarte" darunterschreiben spricht doch eher für eine private, zumindest improvisierte "Umnutzung". Wäre damit auch der Verfall des Wertstempels erklärbar?


    besten Gruß
    stampmix

  • Hallo stampmix,


    für eine offizielle Umwidmung spricht, dass eine Paketkarte ein Begleitdokument zum eigentlichen Poststück war, das den Postweg mitmachte und auf dem die ordnungsgemäße Übergabe an den Empfänger dokumentiert wurde. Ohne Paketkarte im Amt keine Aushändigung an den Adressaten! Die Karte wurde für Revisionszwecke daher auch archiviert, bevor sie nach Ablauf der Aufbewahrungsfrist der Vernichtung anheim fiel (was aus philatelistischer Sicht hier zum Glück nicht passiert ist).


    Der gewöhnliche Postkunde dürfte auch kaum gewusst haben, welche Textbestandteile eine Paketkarte enthalten musste, sprich: wie er ein Provisorium hätte gestalten müssen. Wenn es ein Selbstbucher gewesen wäre, trüge das Stück einen entsprechenden Paketzettel.


    Aus gleicher Quelle habe ich eine reguläre Paketkarte vom Februar, gleicher Absender, gleicher Adressat. Sonst hätte ich Zweifel an der Authentizität gehabt ...


    Viele Grüße aus Erding!

    Viele Grüße aus Erding!


    Achter Kontich wonen er ook mensen!

  • Guten Morgen,


    da sich keiner in der Familie an philatelistische Geschenke heranwagt, muss man sich eben selbst beschenken, zum Beispiel mit einem R-Brief der Gewichtsstufe II mit Rückschein von Aschaffenburg nach Passau an den bekannten Brauereibesitzer und Briefmarkenprüfer Eduard Peschl (Prüfgebiete: Deutsches Reich Mi.-Nr. 98 - 337 - Inflation, Dienstmarken - Deutsches Reich Mi.-Nr. 16 - 98 ).


    Portogerecht frankiert mit einem waagrechten Paar der Mi.-Nr. 936 (2 x 84 Pf Kontrollratsausgabe I) mit Entwertung des Postamts Aschaffenburg 2 vom 22.9.47 und klar abgeschlagenem roten Einschreibstempel mit schwarzer Einlieferungsnummer "1135". Auf der Rückseite Ankunftsstempel von Passau (Datum leider nicht zu entziffern).


    Portozusammensetzung:
    Brief der Gewichtsstufe II - 250 g: 48 Pf; R-Gebühr: 60 Pf; Rückschein: 60 Pf ... macht Summa Summarum 168 Pf (Tarifzeitraum 01.03.46 - 31.08.48 ).


    Das Ganze noch mit dem entsprechenden Einlieferungsschein von Aschaffenburg und dem Rückschein aus Passau vom 25.9.47.


    Ich vermute mal, es handelte sich um eine Prüfsendung an den Herrn Peschl, wobei der Einlieferer sich seinen Brief nach erfolgter Prüfung wieder mit zurücksenden ließ (dafür spricht der leichte senkrechte Faltbug), um ihn zusammen mit dem Einlieferungs- und dem Rückschein zu diesem schönen Ensemble zusammen zu stellen.



    Zwar "philatelistisch inspirierte Bedarfspost", aber gut gemacht



    Gruß Klaus

  • Hallo Klaus,


    ein schöner Bedarfsbeleg mit einer nicht alltäglichen Frankaturvariante, sehr schön !


    Beste Grüße
    Rüdiger

    Sowjetische Besatzungszone -SBZ-
    vor allem OPD Dresden (Ostsachsen)

  • Liebe Freunde,


    hier war schon länger nichts mehr los, und das soll sich jetzt ändern.


    Ich mag die bunten Nachkriegsbelege, die in der Regel reinster Bedarf sind.


    Bei der Tariferhöhung der Post zum 1. März 1946 waren die Inlandssätze verdoppelt, die Auslandssätze jedoch verdreifacht worden. Der Auslandspostverkehr wurde erst einen Monat später, am 1. April 1946, wieder aufgenommen. Bis zu seiner Einstellung 1945 hatte der Tarif für eine Postkarte ins Ausland seit dem 1. Januar 1925 stabil 15 Pfennige betragen.


    Am 20. März 1947 schrieb ein »registrierter Musiker« aus »Grünbach über Erding« (Pst I) an seinen Onkel in der CSR. Offenbar stand keine Auslandsganzsache zur Verfügung, weswegen die gewöhnliche Inlandspostkarte mit Marken im Wert von 33 Pfennigen auffrankiert werden musste. Vier Tage nach Aufgabe passierte die Karte die amerikanische Durchlaufzensur in München. Wann sie in der Nerudova ul./Neruda-Straße in Stará Role/Alt Rohlau bei Karlovy Vary/Karlsbad eintraf, ist nicht dokumentiert.


    Ich besitze bereits einige Stücke, die zeigen, wie Flüchtlinge und Heimatvertriebene mit Verwandten und Freunden wieder Kontakte anknüpfen oder die Zurückgebliebenen mit Informationen aus dem Familienkreis versorgen.

  • Liebe Freunde,


    bisher habe ich genau vier Auslandspostkarten mit Frankaturen der beiden Kontrollratsausgaben für meine Heimatsammlung finden können – darunter keine einzige von der Post amtlich verkaufte Ganzsache für den Auslandsverkehr. Es handelt sich immer um Blanko-Formulare mit Einzelfrankaturen oder auffrankierte Inlandsganzsachen.


    Im Michel-Ganzsachen-Katalog werten gebrauchte Auslandspostkarten recht hoch, d.h. sie gelten als nicht häufig. Umso erstaunlicher, dass nach der Portosenkung am 15. September 1947 noch genügend 45-Pfennig-Ganzsachen vorhanden waren, um sie als Ersatz-Formulare bei Paketkartenmangel aufbrauchen zu können. Ungebraucht sind sie praktisch wertlos, also gibt es vermutlich noch ausreichend davon.


    Immerhin eine 45-Pfennig-Frankatur aus der ersten Nachkriegstarifperiode kann ich zeigen, aus Taufkirchen/Vils vom 17. August 1946 nach Wien mit »österreichischer« (eigentlich alliierter) Zensur.


    Noch etwas: Entweder die Marke ist recht rau gezähnt oder es klebt eine andere Marke darunter – muss ich glatt einmal nachschauen ...

  • Liebe Freunde,


    am 15. September 1947 wurden die fast anderthalb Jahre vorher drastisch angehobenen Auslandstarife der Deutschen Post wieder um ein Drittel gesenkt, bei Postkarten von 45 auf 30, bei Briefen von 75 auf 50 Pfennige.


    Hier zwei Postkarten, eine in die CSR, adressiert ans ostböhmische Schloss Náchod, die andere wieder nach Wien, beide vom März 1948. Die erste Karte von der Pst II Arndorf über Moosburg wurde nicht zensiert (die Amerikaner hatten die entsprechenden Maßnahmen ab Herbst 1947 auslaufen lassen), die zweite, eine auffrankierte Ortspostkarte, wurde wieder in Wien zensiert, ehe sie den Villenvorort Pötzleinsdorf im Wienerwald erreichte.

  • Voila,


    hier eine amtlich verausgabte 45 Pf Ganzsache (P 955) für den Auslandsverkehr (01.03.1946 - 15.09.1947), verschickt von Hamburg nach Östersund / Schweden am 19.2.47 mit Britischem Zensurstempel. Im reduzierten Tarif ab 15.09.1947 wurden die noch reichlich vorhandenen Restbestände zum Nennwert 30 Pf weiter verkauft bzw. - wie von Erdinger bereits beschrieben - als Paketformulare aufgebraucht.


    Gruß Klaus


    Wer später bremst,
    ist länger schnell !