Francobriefe

  • Hallo Siegfried,


    der Absender hatte hier 4x Franko der Post bezahlt. Vorne steht 1x Bestellgeld.


    Das Bestellgeld war für alle Briefe fällig, hat also mit dem Unterschied "Frankobrief" bzw. "Portobrief" nichts zu tun. Es konnte damals in Bayern auch nicht vorausfrankiert werden.


    Wenn der Postenlauf bezahlt war, wie hier, spricht man immer von Frankobriefen, sonst waren es Portobriefe. Die Post hatte nur die Zustellung im Abgabepostamt zu bewirken, nicht die Zustellung; das war i. d. R. Sache des Empfängers, ob er ein Postfach wünschte, die Briefe von konzessionierten Boten sich zustellen ließ usw.. Damit hatte die bayer. Staatspost nichts zu tun.

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo Ralph,

    vielleicht (ganz sicher) kannst du mir folgende Fragen beantworten:

    warum ist das Franko einmal vorder- und einmal rückseitig notiert?

    Stimmen meine Angaben Entfernung, bzw. Gewicht?

    Beste Grüße,

    Siegfried


  • Hallo Siegfried,


    prinzipiell war in der Vormarkenzeit (VMZ) das Franko in Bayern hinten und das Porto vorne genannt. Bei Frankobriefen war der Franko-Vermerk ("frey, frei, fco, fo") immer links unten anzubringen, so dass die Post auf einen Blick sah, ob der Absender frankieren wollte bzw. frankiert hatte, oder nicht.


    Es gab auch Fälle, da wollte der Absender frankieren, brachte auch seinen Frankovermerk vorne unten links an, hatte dann aber kein Geld dabei, wußte nicht, dass der Brief teurer war, als er dachte, oder die Post war noch nicht geöffnet bzw. schon längst geschlossen - dann haben wir einen Fall wie deinen vorliegen, wo zwar "frey" steht, aber der Absender aus einem der o. a. Gründen nicht zahlte/zahlen konnte und dann ging der Brief als Portobrief auf die Reise und musste frontseitig taxiert werden.


    Die Post durfte den Frankovermerk nicht streichen, weil das eine Veränderung der Adresse bedeutete und die Post durfte von sich aus nicht Briefadressen einfach so ändern. Theoretisch hätte man den Brief seinem Absender zur Änderung der Adresse (Streichung von "frey") zurück geben müssen, aber das war viel Arbeit und man machte sich diese Arbeit in der Regel nicht.

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo Ralph,


    besten Dank für die tolle Auskunft :thumbup::thumbup:.

    Ich habe auch noch etwas rechechiert in der seiner Zeit gültigen Tax-Ordnung vom "Kayserl. Reichs-Ober-Postamte Nürnberg":

    die Entfernung Possenheim Nürnberg betrug 6 Meilen,

    die Taxe für einen einfachen Brief betrug 4 kr. , "zahlt nach Belieben".


    das Blatt habe ich entsprechend angepasst.


  • Danke, die nächste Seite ist in Vorbereitung.

    Ich weiß nur noch nicht, ob das Porto-, Franko, oder weder/noch Briefe sind.

    Beide sind jedenfalls von Possenheim expediert worden, von wem auch immer.

    Vielleicht fällt euch dazu was ein.


  • Hallo Siegfried,


    du gehst ganz schön weit zurück in die Vergangenheit. ;)

    Ich kann nichts entdecken, was eine Taxierung sein sollte. Ich habe mal meinen ältesten Beleg von 1649 nachgesehen. Der weist auch nichts auf.


    beste Grüße

    Dieter

  • Hallo Siegfried,


    frühe Briefe wie deine konnten auch per Boten transportiert werden - dann fielen keine Gebühren an, weil die Post mit ihnen ja nichts zu tun hatte. So sehe ich das hier auch.

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus