• Hallo balf de,


    beim Ovalstempel "BADEN" handelt es sich um einen preußischen Herkunftsstempel, der nach dem Eintreffen des direkten Paketschlusses Heidelberg-Berlin in Berlin abgeschlagen wurde. Eingeführt wurden diese Stempel 1838. Die entsprechende preußische Circularverfügung ist leider noch nicht aufgetaucht.
    Es handelt sich hier um eine ergänzende Maßnahme zum Postvertrag Preußen-Baden von 1834. Diese Stempel dienten zur Erleichterung der Berechnung der Taxen bzw. Transitvergütungen. Für die unmittelbaren Preußisch-Badischen Paketschlüsse erhielten auch Bayern und Taxis pauschale Vergütungen.


    Grüße von liball

  • Hallo liball,


    ganz herzlichen Dank für Deine Hilfe zur Belegbeschreibung! Als Heimatsammler sollte man doch zumindest die Stempel ordentlich beschreiben können …
    Als kleines "Dankeschön" habe ich extra für Dich :rolleyes: ein "liebes" Briefchen herausgesucht. Allerdings passt es nicht perfekt hierher, denn offensichtlich musste Fräulein Liebreich die Portokosten nicht übernehmen …

    Viele Grüße
    Alfred (balf_de)

  • Hallo balf de,


    hier handelt es sich um einen Frankobrief. Diese sind zu dieser Zeit deutlich seltener als Portobriefe.
    Der Absender bezahlte insgesamt 59 Kr. Hiervon erhielt Baden 10 Kr. und Preußen ein Weiterfranko von 49 Kr. = 14 Sgr.


    Grüße von liball

  • Hallo libell,


    das sind ja spannende Neuigkeiten! Mir hat der Brief aus dem Jahr 1843 bisher hauptsächlich wegen des Namens der Empfängerin gefallen, aber über die siegelseitigen Taxvermerke habe ich mir keine Gedanken gemacht. Fast einen Gulden hatte der Absender zu bezahlen! Über das Gewicht des Briefs kann ich nichts sagen – es handelt sich eigentlich um eine „Brief-Ruine“, die mit relativ dickem Papier komplett hinterlegt – gestützt – ist.
    Leider kann ich auch den durchgestrichenen Text auf der Adresseite links unten nicht vollständig entziffern. Heißt es da „hiebei ein Päckchen in Packpapier signiert F.L. Koenigsberg“? Hilft das eventuell bei der Portoklärung? Die "14" habe ich bisher für das vom Absender entrichtete Porto in Kreuzern gehalten. Und – ganz nebenbei – ist die Schreibweise von „Koenigsberg“ mit „oe“ nicht auch recht ungewöhnlich?


    Viele Grüße
    Alfred (balf_de)

  • Lieber Alfred,


    unten links stand (und das macht ihn noch interessanter):


    Hiebei ein Päckchen
    in Packpapier signirt
    F. L. Koenigsberg


    Der Brief war also ursprünglich als Paketbegleitbrief (Fahrpost) gedacht, dann aber als Briefpostgegenstand versendet.


    Das Gewicht ließe sich ermitteln, wenn man den Laufweg wüsste und darüber die Distanzen ermitteln könnte.


    Bei 14 Sgr. Weiterfranko für Preußen wird er aber sicher schwer gewesen sein. Mit 5,5 kg Katze auf der Wampe fällt mir der Nachvollzug aber etwas schwer ... ;)

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo zusammen,


    ein Briefchen nach Bayern ist mir zugelaufen, das mir rätselhaft erscheint: der Gemeinderat der Stadt Heidelberg sandte es am 4. Dezember 1844 (Handbuch 05714 früh!) an den Magistrat der Stadt Erlangen. Das Porto ist mit 12 Kreuzern taxiert. So weit, so gut.
    Aber sowohl der adressseitige Stempel "Würzburg Auslage" als auch der siegelseitige Ankunft (?) Stempel vom 5. Dezember stammen aus Würzburg. Wurde Erlangen Ende 1844 wegen Autonomiebestrebungen fremdverwaltet 8o oder war es damals bei Würzburg eingemeindet :?: :?:


    Viele Grüße
    Alfred (balf_de)

  • Lieber Alfred,


    leider kann ich deine gewagte These nach bayerischer Separation nicht stützen - jedenfalls nicht auf postgeschichtlicher Ebene. :D


    Der Kartenschluß Heidelberg - Würzburg wird hier schön dokumentiert, machte Würzburg doch das Paket mit Post aus (und über) Heidelberg auf und stempelte artig jedes Poststück siegelseitig Eingang.


    Dann wurde das Gemeinschaftsporto, das Heidelberg mit 12x festgesetzt hatte, geprüft, für richtig befunden und in Folge dessen der Auslagestempel auf der 12 abgeschlagen. Es war also ein bis 1/2 Loth schwerer Brief über 15 Meilen, für den je Baden und Bayern 6x bekamen.


    Nettes Stück - solche darfst du gerne öfter zeigen. :P

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo Ulrich,


    4 5/10 Loth war das Gewicht, damit war es ein Brief der 5. Gewichtsstufe. Porto 1867 war 9 Kr. plus 3 Kr. Zuschlag = 12 Kr. je angefangenes Loth, also 5 mal 12 = 60 Kreuzer oder, wie in Rötel notiert von der Aufgepost, 1f = 1 Gulden.


    Ich habe ein Faibel für Großbriefe und schon ein halbes Dutzend. Wenn du den lustigen hier nicht brauchst, fände ich ein gutes Plätzchen für ihn ... :)

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • 4 5/10 Loth war das Gewicht, damit war es ein Brief der 5. Gewichtsstufe. Porto 1867 war 9 Kr. plus 3 Kr. Zuschlag = 12 Kr. je angefangenes Loth, also 5 mal 12 = 60 Kreuzer oder, wie in Rötel notiert von der Aufgepost, 1f = 1 Gulden.


    Vielen herzlichen Dank, denke mal Massenware schaut anderst aus!

    Grüße aus Bempflingen
    Ulrich


    Das Leben ist viel zu kurz um es mit billigen Weinen und den falschen Menschen zu verbringen. (Lebensweisheit, inspiriert bei Goethe) :-)

  • Hallo Ulrich,


    bis 2. Gewicht ist häufig, 3. Gewicht kommt hier und da vor, 4. Gewicht ist schon recht selten, 5. Gewicht ist selten, alles darüber ist sehr selten.


    Diese Briefe werden zu Bruchteilen von Markenbriefen gehandelt, wobei ich nach über 35 Jahren des DÖPV - Sammelns glaube, dass es heute nicht viel mehr Portobriefe dieser höheren Gewichtsstufen gibt, als Markenbriefe.


    Stelle dir also einen schönen, badischen 5er Streifen der 9 Kr. Marke zeitgerecht in der günstigsten Nuance vor und wir hätten einen 4stelligen Betrag vor uns.


    Diese Briefe werden in einer Relation von 1 - 3% dessen gehandelt, was frankierte Belege kosten, wenn sie denn mal auftauchen (regulär kann man fast keine kaufen, da muss man einfach warten, bis einer auftaucht, so wie hier jetzt).

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Diese Briefe werden in einer Relation von 1 - 3% dessen gehandelt, was frankierte Belege kosten, wenn sie denn mal auftauchen (regulär kann man fast keine kaufen, da muss man einfach warten, bis einer auftaucht, so wie hier jetzt).


    Ich habe da ein DIN A3 Album, da steht drauf: karierte Maiglöckchen mit Schleifchen! ;-)

    Grüße aus Bempflingen
    Ulrich


    Das Leben ist viel zu kurz um es mit billigen Weinen und den falschen Menschen zu verbringen. (Lebensweisheit, inspiriert bei Goethe) :-)

  • Hallo,


    ich zeige hier einen Brief, der am 2.7.1847 mit Inhalt von Donaueschingen ins ca. 12 km südlich gelegene Blumberg lief. Die Adresse lautet


    Dem

    Bürgermeisteramt

    Blumberg

    Amt Hüfingen


    .... Sache

    Porto zahlt fidel

    Schmied


    Der Inhalt wurde wohl entnommen und 3 Mitglieder einer Familie Schmid bezeugen durch Unterschrift auf dem Briefbogen die Eröffnung des Schreibens. Dem Text darunter nach zu urteilen ging es vermutlich um ein Testament. Genau 1 Woche später ging die gewendete Briefhülle wieder zurück nach Donaueschingen. Das Schreiben wurde vermutlich am 9.7.1847 in Hüfingen aufgegeben, da es bis zum Zielort Donaueschingen nur 2 km waren, wo mit dem Tagesstempel am 9.7.1847 die Ankunft dokumentiert wurde. Gerichtet war das Schreiben


    An

    Das Großherzogliche Badische

    District Notariat

    zu

    Donaueschingen


    Während auf dem Weg nach Blumberg keinerlei Taxe vermerkt wurde, waren für den Rückweg 2 xr zu zahlen, die auf der Vorderseite vermerkt wurden.


    Kann jemand die Adressen kontrollieren und eventuell ergänzen?


    Dieter

  • ..... und noch eine Briefhülle aus Hüfingen. Dieser Brief lief als Einschreiben ins 2 km westlich gelegene Breunlingen. Er ist gerichtet


    An ein wohllöbl

    Grosherzogl Bad. Amtsrev....

    Breunlingen


    franco.


    Der Brief ist nicht datiert, aber wir können den Zeitraum auf 1838 - 1848 einschränken. Am 1.4.1838 wurde die PE in Hüfingen eröffnet (am gleichen Tag wie in meinem Heimatort Uedem :)) und nach Feuser wurde ab 1848 ein Stempel mit Datum genutzt.

    Hier habe ich mehrere Fragen:

    Was bedeutet das lila Gekrakel unter dem Chargé-Stempel? Ein Zeichen für Chargé?

    In der linken oberen Ecke findet sich ein Vermerk mit schwarzer Tinte. Was bedeutet er?

    Mit gleicher schwarzer Tinte wurde auf der Rückseite eine 3 über einem Bruchstrich vermerkt. Darunter mit Rötel eine 2. Bedeutet das 3 xr bezahlt und 2 xr für Zustellung noch zu bezahlen?


    Dieter

  • Lieber Dieter,


    das "Gekrakel" unter Chargé bedeutete "NB" für "nota bene", also gut aufpassen (auf dem Brief). Es ist das Zeichen aus alter Zeit für recommandirte Briefe und wurde noch bis ins späte 19. Jahrhundert hier und da neben dem vorgeschriebenen Chargé- bzw. Recommandirt - Stempel angebracht, um zu dokumentieren, dass dieser Brief ja nicht abhanden kommen darf (25 Gulden Versicherungsgebühr musste der zahlen, der in der VMZ eine Recobrief verschampte und das war nicht eben wenig Geld). Man nennt es auch "Rötelgitter", weil die Ausführung oft in auffälliger Rötel ausgemalt wurde. Chargégitter wäre aber der passendere terminus technicus.

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Lieber Ralph,


    war meine Vermutung also richtig, daß das ein "Rötelgitter" darstellen soll. In der Form habe ich das aber noch nicht gesehen.


    Gruß


    Dieter