Sachsen - Schweiz

  • Hallo bayern klassisch,


    nur so mal eben aus dem Büro geraten: Leitung gewünscht über Frankfurt am Main, also Thurn und Taxis - Gebiet. Kenne jetzt die Bahnlinien nicht auswendig, aber siegelseitig ist ein badischer BP-Stempel abgeschlagen, also vermute ich mal, dass man die Leitwegsvorgabe nicht unbedingt eingehalten hat - just a guess...


    Viele Grüße


    kreuzer

  • Hallo kreuzer,


    danke für deine Einschätzung - was könnte die Motivation des sächsischen Absenders sein, diesen Leitvermerk anzugeben?


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Lieber Bayern klassisch, lieber Kreuzer,


    ich darf bestimmt mitknobeln, besonders wo ich einen Zwillingsbrief habe. ;)


    Er wollte die höheren Transitkosten durch Bayern sparen, bei einer Leitung via
    Lindau in die Schweiz wären diese zwangsläufig entstanden....."odr" 8)


    Beste Grüsse
    Bayern Social

    Beste Grüsse von
    Bayern Social




    "Sammler sind glückliche Menschen"

  • Hallo Bayern Social, du Stadtmensch! :D


    so war es - gab Sachsen seine Briefe für die CH an Bayern, lag Wohlen im 2. Rayon und damit waren 5 Groschen oder 15x oder 50 Rappen fällig - über Frankfurt und Baden kostete es 3x weniger, weil Wohlen im 1. Rayon von Baden aus lag. Die Portokosten wurden von Isler dem sächsischen Geschäftspartner in Rechnung gestellt und diese unnötige Mehrauslage wollte man sich ersparen.


    Ab dem 1.9.1859 war das alles obsolet - da kam die Änderung der Rayons und danach kommen solche Leitwegsvorgaben auch nicht mehr vor.


    Danke an euch beide fürs mitknobeln!


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Liebe Freunde,


    damit der Thread nicht nur relativ, sondern auch absolut ein paar Besonderheiten mehr bekommt, zeige ich heute meine jüngste Erwerbung, einen Portobrief aus Leipzig vom 27.4.1852, nach Wohlen. Alle involvierten Postgebiete waren auf deutscher Seite schon im Postverein und die CH ab 1.1.1849 auch schon Bundespost geworden, doch galten die Altverträge und Modalitäten längst vergangener Zeiten immer noch im schönen Land der Eidgenossen.


    Die Aufgabepost taxierte ihn korrekt in der Währung der Vereinsabgabepost Badens mit 9 rheinischen Kreuzern, da über 20 Meilen zwischen Leipzig und Efringen lagen. Die CH addierte für einfache, bis 1/2 Loth schwere Briefe über 10 bis 25 Wegstunden 4x hinzu, die großzügig in 20 Rappen reduziert wurden. Der Empfänger zahlte nun 50 Rappen, die 15x entsprachen. Baden erhielt hier gar nichts und Sachsen musste nur die inneren Transitkosten für Bayern bezahlen, die nicht üppig waren, durfte aber seine 9x = 3 Neugroschen behalten.


    Der Absender sandte ein Muster mit, beschrieb das aber nicht, sondern nahm einen Bindfaden und fädelte es auf der Siegelseite ein. Schön, wenn man einen 160 Jahre alten Bindfaden und ein ebenso altes Strohmuster sehen kann, das noch nicht von seinem Trägermaterial befreit wurde. Eine Vorschrift der Nominierung eines Musterversandes konnte ich bisher im Postverein noch nicht finden, die Masse machte es wohl, einige aber waren wohl zu faul dafür.


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

  • Liebe Freunde,


    hier das lange ersehnte Pendant zu #1 dieses Thread: Jetzt aus Dresden vom 24.4.1859 nach Wohlen mit andere Taxe: 9x für Sachsen und 6x für die CH, weil die Leitung über Bayern erfolgt war und von Bayern aus lag der Aargau / Wohlen schon im 2. Rayon, somit 6x für die CH, statt wie unter #1 nur 3x.


    Folgerichtig taxierte ihn Zürich mit 50 Rappen. Solche Briefe gab es ab dem 1.7.1859 nicht mehr, weil dann die Transitlinien de facto egal waren - auch über Bayern hätte er dann nur 9x + 3x gekostet.


    Schön zu sehen ist, dass ihn der Dresdner mit blau für sich und die CH gleich vortaxierte, wegen heller Farbe dann mit Tinte aber nur den für ihn wichtigen Eigenanteil hervorhob. Damit wird auch der These widersprochen, dass es Sachsen egal war, wer den Brief bekam (tagesformabhängig). Wäre es so gewesen, hätte man nicht 9 / 6 notiert, sondern nur, wie es auch vorgesehen war, sein eigenes Porto von 9x = 3 Ngr..


    Durch Bayern lief er im verschlossenen Beutel (Hof - Nürnberg - Lindau) nach Zürich, wo der sächsische Postsack erstmals geöffnet wurde. Weil Bayern hier Vereinsausgangspost wurde, bekam man für den langen Transit nichts von Sachsen. Umgekehrt hätte Bayern den Vereinsanteil von 9x erhalten, wenn ihn die CH nach Sachsen via Bayern geschickt hätte.


    Ganz interessant solche Kleinigkeiten, die m. E. aber viel zum Verständnis der Postverwaltungen untereinander beitragen.

  • Hallo,
    ich möchte euch einen Brief zeigen, und ich hoffe, ihr könnt mir die diversen Zahlen und unleserlichen Symbole vielleucht etwas näher erläutern.
    Der Brief lief April 1855 Von der Mylauer Spinnerei Ch.G. Brückner von Reichenbach in die Schweiz nach Rappertswill. Links unten Franco 5/1 durchgestrichen?? Auch auf der Rückseite noch ein Gebührenvermerk, eine 3 ?? Stempel St.Gallen nachmittag.
    Bin für Erklärungen danbar.
    Einen schönen Abend
    MisterTP

  • Hallo MisterTP,


    dein Brief wog 3/4 Loth - siehe oben links. Er lief unter Recommandation. Der Absender bezahlte alles - 3 Neugroschen Franko und 2 Neugroschen Recommandation = 5 Neugroschen, die im Zähler stehen. Im Nenner steht 1 Neugroschen für die Schweiz, die Bayern via Hof vergütet worden waren, daher siegelseitig die 3 Kr., die Bayern von Sachsen bekam und an die Schweiz weiter vergütete (Weiterfranko).


    Der Aufgabeort lag über 20 Meilen von dem CH - Grenztaxpunkt Lindau - Konstanz entfernt, der Zielort bis 10 Meilen von diesem Punkt, daher reichten 3 Kreuzer.


    Ab Mitte 1854 verzichtete Bayern auf Transitstempel, daher kann man an einem Brief die Laufweg nicht festmachen. Theoretisch möglich wäre auch eine Leitung über Württemberg oder über Baden. Aber dann sähe der Brief anders aus ...

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Liebe Freunde,


    einen der wichtigsten Transitbriefe, die ich je besessen habe, darf ich heute vorstellen:


    Leipzig 21.9.1852 über Bayern (sehr unüblich, weil Wohlen als Zielort in der zentralen / westlicheren Schweiz liegt und dafür Baden als Leitweg anzusehen war) am 22.9. (bayer. Bahnpost Hof - Nürnberg) nach Wohlen im Aargau.


    Nach dem DÖPV - Vertrag vom 1.7.1850 je Loth über 20 Meilen 9 Kreuzer, die Leipzig brav in blauer Kreide notierte und die man, daher auch rheinische Kreuzer, Bayern belastete.


    Bayern notierte 12 Kr. für seinen Transit, den es eben gerade nicht im DÖPV geben sollte und durfte!


    Daher kam der Brief mit 21 Kr. belastet in der Schweiz an, die 75 Rappen entsprachen. Für die Schweiz kamen über 25 - 40 Wegstunden 6 Kr. = 20 Rappen dazu, so dass der Empfänger total 95 Rappen (= 27 Kr.) zahlen musste.


    Pro memoria: Sachsen - Baden - Schweiz hätte 9 Kr. für Sachsen und 4 Kr. für die Schweiz (10 bis 25 Wegstunden) = 14 Kr. gekostet. Welch ein Unterschied und ein bayer. Affront gegenüber allen Beteiligten.


    Als Kirsche auf dem Sahnehäubchen A) waren Muster eingelegt worden und B) war der Absender Isler selbst (Leipziger Messe!). Eine eierlegendere Wollmilchsau muss mir erst mal einer zeigen. :P

  • Hallo Ralph,


    was für eine Bombe! Glückwunsch dazu. 8o


    Noch eine Frage: Was bewegte Bayern dazu 12x Transit zu verlangen. Im Sept. 1852 müsste die Regularien des DÖPV doch auch in Bayern angekommen sein, oder?


    Viele Grüsse
    Christian

  • Hallo Christian,


    das war die reine Frechheit.


    Eigentlich 9x für die Sachsen und gratis durch Bayern. Aus der Schweiz nach Sachsen über Bayern hatte man schon rechtlich seine 12x verlangen dürfen, weil man die "alten Verhältnisse vor der Hand" unverändert gelassen hatte. Ich zeige ja in meiner BY - CH - Slg. hier einen frankierten aus der CH vor dem 1852er Vertrag, in denen 2x für die CH, 12x für Bayern und 7x für Sachsen im Gebührenbaum stehen. Aber anders herum hätte es halt so nicht sein dürfen. Dazu noch 8 Tage vor dem großen Vertrag zum 1.10.1852, das ist schon ein bisserl der Hammer ... :P:P

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Liebe Freunde,


    wohl ein einmaliger Brief - in der Zeit vom 1.10.1852 bis zum 14.10.1852, der sog. "Interimsphase" des 1. großen Vertrages der CH mit den DÖPV - Staaten im Transit, wie ich vermute mangels Stempel, durch Baden. Gekauft in der australischen Bucht!


    Dank eines lieben Freundes darf ich den hier zeigen.