Sachsen - Schweiz

  • Lieber Jürgen,


    ui - in den 1860ern auch noch? Ich dachte, die Württemberger hätten sich diese Transite auch noch abgegriffen ... dann wäre der Brief ja etwas für mich. :)

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • in den 1860ern auch noch?

    Lieber Ralph,


    in der ursprünglichen Veröffentlichung der Vertragsbestimmungen im Postverordnungsblatt hatte die sächsische Post ein Ortsverzeichnis veröffentlicht, in dem die Instradierung jeweils über Baden und Bayern mit den jeweiligen schweiz. Taxen aufgeführt war. Versand über die teurere Linie findet man so gut wie nie, die Korrespondenten waren sparsam.


    Diese erwähnten Brief-Porto-Taxen wurden in Abständen von 1 bis 2 Jahren ausgegeben, zwischenzeitliche Änderungen in den Postverordnungsblättern veröffentlicht.


    In der Brief-Porto-Taxe von 1866 fehlen die Instradierungsangaben für die Schweiz.


    Liebe Grüße


    Jürgen

  • Hallo,


    ich kann mir nicht vorstellen, dass dieser Brief über Bayern gelaufen ist, dann wäre er meiner Meinung nach nicht über Zürich gelaufen, sondern über St. Gallen.


    Grüße von liball

  • Hallo liball

    Jedoch fehlt ein Stempel von St. Gallen.

    St. Gallen war da sehr diszipliniert auf allen Briefe einen Durchgangsstempel zu platzieren.

    Jedoch auch hier keine Regel ohne Ausnahme...?

  • Lieber Jürgen,


    ich glaube, dass diese Vorschrift eher lax gehandhabt wurde, weil die klassischen Transitländer für Sachsen - Schweiz nunmal Baden und später nach der Optimierung der Eisenbahnanschlüsse Württemberg waren (Baden - Basel und Württemberg - Friedrichshafen über den Bodensee). Die ursprünglich für Bayern anvisierten Destinationen der Ostschweiz waren ja eher selten und warum für ein paar ganz wenige Briefe eine Ausnahme machen und über Hof - Nürnberg - Augsburg - Lindau usw. kartieren?

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Lieber Ralph,


    sicherlich gab es von dem Zeitpunkt an, als die schweiz. Taxen unabhängig vom Grenzeingangspunkt geregelt worden sind, keine Motivation mehr, sich penibel an die Vorschriftenzu halten.

    Der Wegfall der Kartierungsstempel auf der Linie über Hof erschwert aber die eindeutige Zuordnung vieler Briefe zu Speditionswegen. Ich dachte einmal, daß der Vermerk des Weiterfrancos in Kreuzern mit Blaustift charakteristisch für die bayrische Post sei, kenne aber inzwischen auch rote Vermerke auf eindeutig über Hof spedierten Belegen.

    Gab es da ggf. Zeitabschnitte mit einheitlicher Handhabung der Farbwahl?


    Liebe Grüße


    Jürgen

  • Lieber Jürgen,


    bei der postgeschichtlichen Betrachtung ist ein Satz mit "Bayern" und "einheitlich" kaum konvenierbar. Ab spätestens 1861 mit dem neuen DÖPV - Vertrag ermahnte man alle, die Farbenlehre ernst zu nehmen, aber das taten, wenn überhaupt, nur wenige Expeditionen, der Rest machte weiter wie bisher, weil "hinten" nicht wichtig war, weil schon "vorne" kaum Vorschriften beachtet wurden (sonst hätte meine Contraventionssammlung nicht über 500 Briefe, sondern keine 50). ^^


    Vor Jahren hieß es in Insiderkreisen, dass Briefe ohne badische bzw. württembergische Transitstempel die Variante 3 = via Bayern nahe legen. Das sieht man / sehe ich nicht so. Ich habe für einen lieben Freund in über 15 Jahren eine Spezialsammlung "Badens Transite" aufgebaut, die vor ein paar Jahren beim Potsdamer Phil. Büro versteigert wurde und war genötigt für diese Ausstellungssammlung viel Periphäriewissen einzusammlen, den es galt positive, wie negative Transitbeispiele zeigen zu können und es stellte sich heraus, um die Sache kurz zu machen, dass ab ca.1859/60 die württ. Bahnpost den Anderen Postverwaltungen bei Transiten von und nach der Schweiz das Wasser abgegraben hatte. Die Gründe liegen für den Kenner auf der Hand: I. d. R. 9x von der CH für jedes Loth Briefe über den Bodensee nach Friedrichshafen (Aufgabepost im DÖPV), sehr gute Bahnanschlüsse an alle Länder ringsherum und zuverlässige Leute, so dass wenig Post verloren ging bzw. unterschlagen wurde. Dazu ab 1859 de facto egal, wo ein Ort lag, weil jetzt immer die günstigsten Tarife nutzbar waren, weil die Grenztaxpunkte austauschbar wurden.


    Für die CH war das alles praktisch egal und wenn es bei der Leitung über Württemberg zu fast keinen Reklamationen kam und die eigenen Kunden sehr zufrieden waren (und das waren sie), konnte sie ab 1859 verschicken, wie sie es wollten (und die dortige Bahnpost war ja auch nicht auf dem Stand von 1852 geblieben). Für diese These spricht, dass sowohl die Briefbeispiele, als auch die Daten der Verordnungen bzw. Zugpläne kaum einen interpretatorischen Spielraum lassen. Gegen diese These spricht eigentlich nur die (wohl veraltete) Verordnungslage bei einigen AD - Staaten.

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus