• Petrópolis- Ludwigshafen 29.09.1902


    Hallo Sammlerfreunde,


    die nachstehend in Brasilien über Rio de Janeiro gelaufene, dann von Freiburg im Breisgau nach Forst i.d.Pfalz nachgesendete Auslandspostkarte - auffrankiert zu 100 Reis - wurde lt. ihrem rückseitigem Inhalt in Petrópolis aufgegeben. Lt. Wikipedia wurde der ca. 60 km nördlich von Rio de Janeiro gelegene Luftkurort im Jahre 1825 von deutschsprachigen, insbesondere Tiroler Einwanderern, gegründet.


    1843 wünschte der brasilianische Kaiser Dom Pedro II dort die Errichtung einer kaiserlichen Sommerresidenz, dem nachstehend abgebildeten Palacio Rio Negro. Der gebürtige Mainzer Julius Friedrich Koeler war hierfür mit der Planung und dem Aufbau beauftragt worden. Die benötigen Handwerker und Straßenarbeiter wurden größtenteils in Deutschland als Kolonisten angeworben.


    Anhand eines historischen Stadtplans vom September 1846 lässt sich die regionale Herkunft der Kolonisten durch die Namensgebung der zwölf Koloniequartiere erkennen: Bingen, Ingelheim, Mosel, Herzogtum Nassau, Unter-Rheingau , Mittel-Rheingau, Simmern, Unter-Pfalz, Ober-Pfalz, Westphalen, Castellania und Petropolis.


    Bis Dezember 1846 kamen noch die Quartiere Darmstadt und Worms hinzu. Im September 1846 lebten schon 2101 Siedler in Petrópolis, darunter 1921 Deutsche. Ende Dezember 1846 belief sich die Einwohnerzahl auf nahezu 2300 Personen. Der im Jahre 1884 von Prinzessin Isabel eröffnete Kristallpalast ist eine weitere Sehenswürdigkeit. Er wurde hpts. für Bälle und als Ausstellungsort genutzt.


    Schönen Gruß


    vom Pälzer

  • Hallo Pälzer,


    wunderschön (wie eigentlich alle Ganzsachen Südamerikas um die Jahrhundertwende), weiter geschickt, tolle Stempel und vorzügliche Sophie - Sammler, was willst du mehr? :P


    Danke fürs zeigen und liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo bk,


    ja, wirklich ein hübscher Hingugger. Interessant im Übrigen auch die Unterrand-Zähnung der günen 50 Reis-Marke, die ist wirklich so grob und unregelmäßg gestochen worden. So SK-Perlchen können uns gerne noch öfter über den Weg eiern :D


    + Lieben Gruß !


    vom Pälzer

  • Hallo Pälzer,


    wenn brasilianische Briefe von vorn so aussehen, wie der hier, können sie von hinten aussehen, wie sie wollen. :thumbsup:


    Der sieht klasse aus und eine 2. Gewichtsstufe muss man überhaupt erst einmal finden. Und dann noch in die Pfalz ...

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo bk,


    Zitat

    ...muss man überhaupt erst einmal finden. Und dann noch in die Pfalz ...

    ...was natürlich auch und insbesondere auf eine ganz andere Versendungsform, wie bspw. den nachstehenden Reco-Brief gilt. Ich denke, da darf man jetzt mal mit Fug und Recht zu sagen, dass daran alles stimmt. Auch das Aufgabedatum kommt hier recht nett daher.


    Schönen Gruß !

  • Hallo Pälzer,


    an Weihnachten war es immer sinnvoll, seine Briefe recommandirt zu versenden, denn gerade in ärmeren Ländern griff das Personal schnell mal so einen Brief ab in der Hoffnung, dass der Weihnachtsmann dem Empfänger eine Kleinigkeit übersenden wollte und das wollte man sich natürlich nicht entgehen lassen. In einigen Ländern ist das heute noch so ...

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Liebe Freunde,


    weil der Thread nur "Brasilien" heißt, darf dieser hier rein:


    Portobrief des königlich württembergischen Viceconsulats in Bahia vom 11.10.1864 an das Königliche Ministerium der Auswärtigen Angelegenheiten in Stuttgart mit der Franchise S(einer). M(ajestäts). Dienst.


    Der Brief wiegt ein Loth, was noch von Interesse sein wird. Er wurde dem Schiff "Magdalena" übergeben, welches in wie nach GB brachte, wo er am 6.11.1864 von London aus über Calais geleitet wurde.


    Frankreich kaufte diese Briefe für 1 Franc 60 Centimes von GB je 30g ab, so dass Frankreich für ihn, relativiert zum Gewicht von gut 15g, ca. 80 Centimes = 24x zahlte. Dabei ist aber zu beachten, dass Frankrich bei Transitbriefen wie hier nur 7,5g Schritte kannte, der Brief demnach mindestens doppelgewichtig war.


    Irgendwie hat man das verschlafen, denn man erhob nur das einfache Porto von 33x nach dem PV mit Frankreich vom 31.3.1863. Korrekt wären also 1 Gulden 6x gewesen. Dies war eine Pauschale und die Entfernung von der Grenze bei Strasbourg - Kehl zum deutschen Bestimmungsort war nicht relevant.


    Dies belegt ein Brief vom 18.7.1864 aus Brasilien nach Rauenberg in Baden, der mit 33x Porto korrekt taxiert wurde.


    Wie viele Briefe mit falscher Taxe wird es wohl aus Brasilien nach Württemberg geben?

  • Wie viele Briefe mit falscher Taxe wird es wohl aus Brasilien nach Württemberg geben?


    Lieber Bayern Klassisch,


    eventuell genau ein stück davon :):)


    Aber auch wenn es ein paar mehr gibt, so oder so: Chapeau zu diesen Traumbelegen, die nicht nur sehr, sehr selten sind sonder dann auch noch in ausgezeichneter Qualität :):):thumbup:

    Beste Grüsse von
    Bayern Social




    "Sammler sind glückliche Menschen"

  • Lieber Bayern-Social,


    wenn ich bedenke, dass wir vor der Entdeckung der Landfried - Korrespondenz Briefe aus Südamerika mal alle Jahre nach ganz AD sehen durften, dann freut man sich doch ungemein, dass jetzt auch normale Sammler sich solche Stücke leisten können, die nur noch 200 Euro kosten, wenn sie nicht gerade Besonderheiten aufweisen (Stempel, Laufwege, Taxen, Gewichte usw.).


    Wenn ich sehe, was in der Bucht und anderswo für 08/15 Briefe in leidlich passabler Qualität verlangt und bezahlt wird, die zuhauf beschaffbar sind, dann halte ich das gedrückte Preisniveau für Briefe der Weltklasse für eine Okkassion, die der weitblickende Sammler nicht ungenutzt verstreichen lassen sollte. Irgendwann werden sie sich nämlich verlaufen haben und dann wird jeder, der von irgendwo wieder auftaucht, als Knaller angeboten und zugeschlagen werden. ;)

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Liebe Freunde,


    heute 2 weniger attraktive, weniger gut erhaltene Briefe aus dem fernen Brasilien ins heimatliche Ansbach aus dem Jahre 1850, die ähnlich und doch unterschiedlich sind, wenn man sie genauer analysiert.


    Der 1. datiert vom 20.11.1849 und wurde in Maranhao geschrieben.


    https://www.google.de/url?sa=t…g2=t6VSV5XInsNTvQs-IHiZ-w


    Der Brief dürfte mit einem Schiff (welches steht in den Sternen und für Hilfe wäre ich sehr dankbar) nach Genua ("Genova") spediert worden sein, wo er zur Post gegeben wurde am 2.4.1850 (!). Dort zahlte auch einer 6 Decimi (18 Kr.) für ihn bis zur österreichischen Grenze. Österreich verlangte 15 Kr. rheinisch (= 12 Kr. CM Transit, nicht angeschrieben) für ihn, weil der PV Bayerns mit Österreich vom 1.10.1842 nur eine Verbilligung der bilateralen Korrespondenzen vorsah, nicht aber der Transitkorrespondenzen (und von Brasilien reden wir hier erst gar nicht, weil dieser für die Post nur ein teilfrankierter Brief aus dem Kgr. Sardinien war).


    In Augsburg war er am 5.4.1850, wo man den Auslagestempel auf den 15 Kr. rheinisch für Österreich abschlug und für sich 12 Kr. nach dem Regulativ vom 1.1.1843 addierte, so dass der Empfänger, Herr Höhn in Ansbach, total 27 Kr. zahlen musste.

  • ... weil bei der Suche des Empfängers nach seinem Sohn in Brasilien als weitere Suchoption Rio de Janeiro angegeben worden war, zeige ich diesen Brief auch, der diesmal am 24.8.1850 dortselbst geschrieben wurde.


    Man hatte den Sohn von Herrn Höhn, den jungen Höhn, gefunden und ein Brief von ihm an den Vater in Ansbach diesem Brief beigefügt.


    Er gelangte somit kuvertiert am 7.10.1850 nach Le Havre ("OUTRE - MER LE HAVRE") und wurde via Paris, Forbach, Homburg/Pfalz und Frankfurt am Main nach Würzburg transportiert, wo er am 11.10.1850 eintraf. Wegen der Einlage war er über 1/2 bis 1 Loth (8,75 bis 17,5g) schwer und wurde nach dem PV Bayerns mit Frankreich mit 2 mal 24 Kr. = 48 Kr. taxiert. Auf diese Taxe schlug man den Auslagestempel von Würzburg ab, obwohl es keine alleinige Auslage war, denn Bayerns Anteil war in diesen 48 Kr. schon enthalten.


    Am 12.10.1850 konnte Herr Höhn dann diesen Brief und den seines Sohnes endlich in Händen halten und man mag sich gut vorstellen können, wie ihm dabei wurde.


    Generaliter: Briefe aus Brasilien, wie aus ganz Südamerika, sind nach Bayern äußerst selten zu finden und bei der inneren Nummerierung 1) und 3) steht zu erwarten, dass es noch einen 2. gegeben haben mag, auch wenn dieser heute nicht mehr erhalten sein muss. Für dergleichen Briefe, noch dazu mit den postgeschichtlichen Informationen, die sie innen und außen bergen, müssen wir sehr dankbar sein.

  • Guten Morgen Ralph,


    leider kann ich Dir zum Schiff keine Angaben machen.
    Du wirst aber sicherlich Herrn Wittig von der ArGe Brasilien kennen, der Dir bestimmt helfen wird.
    Ganz allgemein:
    Frankreich hat erst 1856 mit den Dampfschiffen von Gauthier Freres & Cie seine ersten regelmäßigen Verbindungen nach Südamerika aufgenommen. Leider ging diese Reederei bereits 1857 nach dem Untergang eines der Schiffe in Konkurs. Bedingt durch den Krimkrieg begann dann erst ab 1860 mit der Messageries Imperiales der neuerliche regelmäßige Postdienst.
    Bis dahin wurde Post nach/ über Frankreich zufällig verkehrenden Segelschiffen mitgegeben.


    Dein Brief ist natürlich hervorragend !
    Warum dieser nicht einem englischen Schiff mitgegeben wurde, entzieht sich unseres Wissens.
    1850 hatte die Royal Mail Steam PACKET Co. bereits mit den Schiffen "Severn" und "Tay" (1.886 BRT, Paddelsteamer in Holzbauweise) einen regelmäßigen Betrieb nach Südamerika betrieben. Beide Schiffe fuhren im Wechsel Southampton - Vigo - Lissabon - Cape Verde - Maranhao - Rio de Janeiro. Die Fahrten dauerten in der Regel 28 - 30 Tage.


    Beste Grüße
    Rolf

  • Guten Morgen Rolf,


    Hr. Wittig kenne ich leider nicht - wenn du mir per PN seine E-Mail gegen könntest, wäre das famos.


    Vielen Dank für deine überaus nützlichen und interessanten Infos zu Brasilien und den Leitungen, die für mich als kleinen Bayern - Sammler terra incognita sind. Da muss ich noch viel lernen, aber lernen am Brief ist immer das beste, nur gibt es leider fast gar keine Briefe von dort nach Bayern, was die Sache eher kompliziert.


    Kennt die ARGE Brasilien vlt. weitere Briefe (aus dieser oder anderer Korrespondenz)? Das wäre doch mal eine spannende Sache!

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • ... und eine kleine Anmerkung,


    hier im Forum habe ich unter PORTUGAL - MEIN SAMMELGEBIET PORTUGAL SÜDATLANTIK
    noch weitere Briefe eingestellt:
    Brasilien - Preußen
    Brasilien - Schweiz
    naja und eine weitere kleine Auswahl ...
    wen es interessiert, der kann ja mal schauen


    Rolf- Dieter

  • Guten Abend
    ins Forum.
    Auch wenn hier Briefe aus der Schweiz nach Brasilien das Thema sind, zeige ich hier den erwähnten Brief aus Brasilien in die Schweiz.
    Der Brief gelangte mittels des brasilianischen Forwarders Dieser übergab den Brief mit Zahlung der portugiesischen Inlandsgebühr von 25 Reis (Marke) an die portugiesische Post. Über das Grenzpostamt Badajoz ging der Brief nach Spanien; dann über Frankreich bis nach Zürich in die Schweiz.


    Rolf- Dieter

  • Liebe Freunde,


    leider konnte mir die ARGE Brasilien nicht helfen - wer weiß, wie der Brief Wien - München - Ulm - Strasbourg - Paris nch Rio de Janeiro genau spediert wurde? Hinten ist nichts, vorne nur eine 2 für das doppelte Gewicht und ein feuchter Daumen hat damals die blaue Taxe unkenntlich gemacht. Datum: 21.6.1865.