Paketbegleitbriefe

  • Liebe Freunde,


    hier ein etwas ungewöhnlicher Paketbegleitbrief von ca. 1859 aus Pathe (heute poln. Płoty) nach Gambrin bei Ueckermünde. Verschickt wurde eine Schachtel in weißer Leinwand mit einem Gewicht von 25 Loth. Der Begleitbrief wog 1 6/10 Loth. Die Entfernung zwischen den beiden Orten betrug rund 11 Meilen, entspricht der 3. Progressionsstufe des innerpreußischen Fahrposttarifs. Frankiert wurden 4 Sgr. (Ganzsache U12 + Mi.Nr. 11).



    Für das Paket fiel der Mindesttarif der 3. Progressionsstufe in Höhe von 4 Sgr. an. Begleitbriefe waren nur bis 1 Loth Gewicht portobefreit, für diesen Brief fielen 4 Sgr. (10-20 Meilen, 2. Gewichtsstufe) an. Diese zusätzlichen 4 Sgr. wurden nicht vom Absender bezahlt, so dass Brief & Paket mit einer Portobelastung von 4 Sgr. auf die Reise gingen und dieser Betrag von der Empfängerin zu zahlen war.
    Teilfrankaturen waren im Preußischen Postregulativ für inländische Sendungen nicht vorgesehen.
    Auffällig noch die deutlich kleinere "7" beim rückseitig angebrachten Paketzettel.


    Gruß
    Michael

    Preußen mit Transiten

  • Lieber Michael,


    warum ist der Ankunftsstempel vorderseitig abgeschlagen worden? War der Brief so am Paket befestigt worden, dass man ihn nicht "drehen" konnte?

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Lieber Erwin,


    vielen Dank - war mir entgangen. Also vorne den AK - Stempel, aber hinten wurde auch gestempelt, schon etwas verwirrend für einen kleinen Bayernsammler wie mich.


    Gut, dass ich ich "nur" Briefpost sammle. :)

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Lieber Ralph,


    der Vorgang war eigentlich klar strukturiert:
    Zunächst wurde der Begleitbrief zugestellt und erhielt hierbei den rückseitigen Ausgabestempel, wie alle ausgelieferten Briefe. Dann ging der Empfänger mit diesem Brief zur Packkammer und erhielt dort gegen Vorlage des Begleitbriefes sein Paket ausgehändigt. Die Paketausgabe wurde dann mit einem vorderseitigen Stempelabschlag der Packkammer dokumentiert.
    Manche Packkammern wollten dies anscheinend noch auffälliger dokumentieren (aus der Briefvorderseite befand sich ja schon ein normaler Schwarzer Aufgabestempel) und verwendeten hierfür rote Stempelfarbe. Dies entsprach zwar nicht den Vorschriften, da der Brief aber mit der Paketausgabe endgültig den Postlauf verließ, störte dies nicht weiter.


    Anmerkung zu dem kleinen Paketaufgabezettel: Der Zettel entspricht der Type 04 b von Bruns [1] mit schlechtem Druck und verschieden großen Ziffern. Diese Type kam nur im Bereich der OPD Stettin vor, passt also zum Aufgabeort Plathe.


    Gruß
    Michael


    [1] Wigand Bruns: Altdeutschland-Fahrpostbriefe 1824-1874

    Preußen mit Transiten

  • Hallo,


    eine Bekannte hat mich gebeten, ob ich ihr bei diesem Paketbegleitbrief vom 31.10.1831 aus Landeshut nach Frankfurt/Oder, weitergeleitet nach Schneeberg, weiterhelfen könnte.

    Da meine Fahrpostkenntnisse jedoch sehr bescheiden sind, hätte ich die Bitte, ob Forumsmitglieder etwas zu den Taxen sagen können.


    Grüße von liball

  • Hallo Liball


    leider kann ich dir hier nicht behilflich sein, da ich keine Verträge aus dieser Zeit habe.

    Da im Leinenpaket höchstwahrscheinlich Goldmünzen im Wert von 90 Reichsthaler waren, erklärt sich auch das geringe Gewicht von 9 1/2 Loth. Mindestens drei Gewichtsangaben lassen sich finden, von links nach recht - 9 1/2 (Name nicht lesbar für mich) - 9 5/8 und in rot 9 1/2 Eil..

    Die Taxierungen sind in der Höhe des Wertes aufsteigend vorgenommen worden - letzteres sollten Gute Groschen sein.


    Sehr schön die siegelseitige Bitte, falls der Empfänger nicht in Frankfurt/Oder sein sollte, dies nach Schneeberg weiter zusenden.


    So nebenbei:

    Ich frage mich schon eine Weile, wer der Empfänger "Schildbach" war. Mir sind einige Belege aus dieser Zeit an ihn bekannt und meist waren es Sendungen mit Goldmünzen.


    Mit freundlichem Sammlergruss


    Ulf

  • Liebe Sammelfreunde


    ebenfalls in Sindelfingen gefunden, dieser nette Begleitbrief, welcher Anfang der 1860er Jahre aufgeben wurde. Versendet wurde eine Kiste von 6 Pfund 27 Loth von Jessnitz Anhalt nach Berlin. Frankiert mit 4 Sgr. dem Mindestfahrposttarif. Die Kiste wurde am Folgetag abgeholt.


    Mit freundlichem Sammlergruss


    Ulf

  • Liebe Sammelfreunde


    heute ein kleiner Paketbegleitbrief vom 04.08.1847 aus Dessau an Seiner hochehrwürden Herrn Meister-Inspector Prediger Blech (in) Berlin Sebastiansstr. No 16.

    Laut Declaration: Hierbei 1 Paquet sign: H.B. Sogleich zu besorgen.


    Das Paket wog 7 Pfund 12 Loth und die Entfernung betrug 15 Meilen.


    Nach Gewicht ergibt sich:

    7 Pfund (überschiessende Lothe wurden nicht berücksichtigt!) * 3 Pfennige * 3 (10-15 Meilen) = 63 Pfennige = 5 1/4 Sgr. < Mindestfahrposttarif von 6 Sgr., welcher somit anzuwenden war.


    Siegelseitig roter Packausgabestempel vom 06.08. aus Berlin. Der Rote Krakel ließt sich eher als "W" und mit Fantasie könnte es auch 1/2 sein, , was dem Briefbestellgeld entspricht.


    Ein expresser Beleg ist es nicht, da bis 31.12.1849 diese Gebühr vom Absender hätte im voraus bezahlt werden müssen. Eher ist zu vermuten, dass der Brief regulär zugestellt wurde und das Paket zwei Tage später vom Empfänger auch abgeholt wurde.


    Mit freundlichem Sammlergruss


    Ulf

  • Lieber Ulf,


    wenn, wie du schreibst, der Vermerk des Absender auf expresse Bestellung hier irrelevant war, frage ich mich, warum ihn die Post, die auch die Taxierung vornahm, in derselben, rote Tinte doppelt unterstrichen hatte?

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Lieber Ralph


    das erstmal alles postalisch wichtige unterstrichen wurde, erklärt sich eventuell damit, dass dies vor der Taxierung vorgenommen wurde. Die expresse Gebühr hätte jedenfalls vom Absender bezahlt werden müssen. Möglicherweise war er sich dessen nicht bewußt, oder er wollte es schlicht nicht. Somit konnte der annehmende Beamte nur das Porto für das Paket notieren.


    Mit freundlichem Sammlergruss


    Ulf

  • Hallo Ulf,


    das klingt plausibel, aber gerade beim Express - Sonderdienst wurden in ganz AD oft Fehler gemacht, eben weil dieser Dienst so kostenpflichtig war und damit kaum nachgefragt wurde. Und was selten vorkommt, wird halt oft falsch gehändelt.


    Aber das ist alles nur Kaffeesatzleserei - leider waren wir beide nicht dabei, so bleiben nur Plausibilitäten übrig.

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • liebe Sammlerfreunde,

    hier ein Paketbegleitbrief vom 23.11.1847 von DESSAU nach BERLIN.

    Portoberechnung:

    2 Pfund (2Pfd 30Loth) * 3 (15 Meilen) * 3 Pfg. = 18 Pfg.

    Mindestens aber doppelte Briefgebühr = 2 x 3 Sgr. = 6 Sgr.

    Diese in Rot ausgeworfen.

    In Berlin wurde der Packkammerstempel 1te PACKET BESTELLUNG abgeschlagen.

    Rote handschriftliche 5. Die handschriftlichen Zahlen scheinen in Berlin
    den Paketbestellern zugewiesen gewesen zu sein. Siehe Preussen-Studien 144 S 48ff.




    viele Grüße
    Erwin W.
    preussen_fan

  • Lieber Erwin


    der Beleg kann unmöglich aus 1847 stammen, da es zu dieser Zeit noch keine Paketzettel gab. Erst am 01.05.1849 wurden diese eingeführt.

    Von der Type her, dürfte der Paketzettel der erste eingeführte sein.


    Mit freundlichem Sammlergruss


    Ulf

  • danke Ulf,

    wie berechnet sich dann das Porto, wenn er aus den 50er Jahren stammt? Ich komme dann nur auf 2 x 2 Sgr. als Mindestgebühr = 4 Sgr. Was mache ich falsch?

    Das Datum habe ich aus dem Briefinhalt, siehe scan links unten.


    viele Grüße
    Erwin W.
    preussen_fan

  • Lieber Erwin


    also ich lese auch 1847, was mich echt zu grübeln bringt.

    Theoretisch würde ja nur noch 1849 in Frage kommen...


    Mit freundlichem Sammlergruss


    Ulf

  • lieber Ulf,

    ich habe jetzt in Bruns: Altdeutsche Fahrpostbriefe Seite 28-29 folgendes entdeckt:



    Demnach gab es schon seit 1846 Nummernzettel, auch der Packkammerstempel 1te Paketbestellung stimmt. Damit dürfte alles zusammen passen, Porto das aus der Zeit vor 1850 stammen muss, früher Nummernzettel mit beigefügtem zugehörigen Packkammerstempel und das handschriftliche Datum 22. Nov 1847.

    Was meinst du dazu?

    viele Grüße
    Erwin W.
    preussen_fan