Briefe + Drucksachen Bayern - Schweiz

  • Hallo Sammlerfreunde,


    als ich den Brief gesehen habe, dachte ich hier hat doch jemand eine Marke angefügt.

    Jetzt, da ich das Original hier liegen habe, bin ich aber anderer Meinung.

    München - Ennenda bei Glarus vom 9.9.1868, also 9 Tage nach in Kraft treten des neuen Postvertrages.

    Die 6 Kreuzer-Marke ist nicht entwertet. Lediglich links oben geht eine Schaufel des Mühlradstempels über.

    Den blauen Strich oben in der Mitte hatte ich zunächst für einen Weiterfranko Vermerk von 1 Kreuzer für eine Drucksache gehalten, deshalb angenommen die 6 Kreuzer-Marke gehört nicht auf den Brief und es wäre eigentlich eine 2 Kreuzer-Frankatur gewesen.

    Es handelt sich allerdings um einen handgeschriebenen verschlossenen Brief, welcher 7 Kreuzer Franko erforderte. Was der blaue Strich dann zu bedeuten hat, entzieht sich meiner Kenntnis.

    Auf jeden Fall ein interessantes Stück.


    Gruß

    bayernjäger

  • Hallo bayernjäger,


    das Stück hatte ich auch gesehen - aber ich halte die 6x Marke für nachträglich appliziert - vorher müsste da eine 1x drauf gewesen sein.


    München hat immer einen Weiterfrankovermerk angeschrieben - hier 1x für die CH, so dass man das Stück für einen Drucksache gehalten hatte.

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Chasing Sheep Is Best Left To Shepherds

  • Hallo bayern klassisch,


    die 6 Kreuzer-Marke haftet original und ursprünglich auf diesem Brief. Der kleine Stempelübergang ist deutlich und ursprünglich.

    Innen ist nur der eine Mühlradstempeldurchschlag zu sehen.

    Der zweiseitige handschriftliche Brief war mit einem großen Trockenprägesiegel verschlossen. Der Brief hätte also nie als Drucksache durchgehen können.

    Zudem ist die Schrift schon von Außen durch das Papier zu erkennen.


    Gruß

    bayernjäger

  • ... aber warum gibt München 1x als Weiterfranko für die CH weiter? Bei 7x waren 3x als Weiterfranko zu vergüten. Schicke ihn doch mal Herrn Sem zu - ich bin auf das Ergebnis gespannt.

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Chasing Sheep Is Best Left To Shepherds

  • Hallo bayern klassisch,


    es stellt sich allerdings die Frage, ob nach dem 1868er Vertrag überhaupt noch ein Weiterfranko vermerkt werden musste. Aus dem Vertragswerk könnte man annehmen es war nicht mehr erforderlich. Zudem steht im §11 es ist links oben mit Blaustift oder blauer Tinte die Gewichtstufe zu vermerken.

    Ich denke der Postler hat alles richtig gemacht und mit dem Blaustift die 1. Gewichtsstufe vermerkt.

    Das sollte für die ordnungsgemäße Frankatur von 7 Kreuzer mit der nicht entwerteten 6 Kreuzer-Marke sprechen.

    Folglich richtig frankiert, Gewichtstufe lt. Vorschrift vermerkt, aber dabei vergessen die Marke zu entwerten.


    Gruß

    bayernjäger

  • ...auch wenn ich mir da sehr sehr schwer tue, aber ein vorliegend nicht übersehbares Indiz für authentische Anhaftung der 6 Kr-Marke ist, dass der Seidenfaden oben in das Briefpapier mit abgefettet hat. Auch die bräunliche Patina der 1 Kr unten rechts geht auf die und die 6 Kr blau oben links über. Dass sie verblasst daherkommt wäre auch nicht ungewöhnlich, da sie ja nun nicht einer "farbstabilsten" der StaWa-Ausgaben war. Andererseits ist es schon merkwürdig, dass die Tinte durch das Papier durchscheint und die drei Stempelfragmente oben links passen auch irgendwie nicht ins Gesamtbild, abgesehen von den von @bk schon angeführten PO-Problem. Also so wie schon zuvor gepostet klar Fall für eine Prüfung.


    Viele Grüße

    vom Pälzer

    Wer um Postgeschichte einen Bogen macht, läuft am Schluss im Kreis

  • Liebe Freunde,


    auch schon nach dem alten Vertrag von 1852 (!) brauchte man bei Frankobriefen nicht das Weiterfranko zu notieren, aber es wurde oft gemacht und spielte sich als Routine ein bei den Poststellen, die häufig Korrespondenz nach der CH hatten.


    Die Notation des Gewichts oben links mit "1" sollte so erfolgen, wurde jedoch kaum befolgt (weswegen ich ganz schön suchen musste, mal so einen zu finden). Diese Notationen sind i. d. R. in schwarzer Tinte oder blauer Kreide erfolgt - hier sehe ich blaute Tinte ... das wäre zumindest (von München) ungewöhnlich, wenn auch nicht technisch unmöglich.


    Pälzer hat mit seinen hervorragenden Augen und mit erstklassigem, technischem Wissen gesegnet schon das Passende gesagt - besser prüfen lassen und sicher sein, wenn es der Prüfer denn ist. Es gibt da Pro und Contra und eine "Contra" ist es ja auf jeden Fall, weil die Marke nicht entwertet wurde, wie sie es hätte sollen.

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Chasing Sheep Is Best Left To Shepherds

  • ... sah für mich nach blauer Tinte aus, die ich so von München nicht gesehen hätte.


    Wenn es blaue Kreide ist, könnte die 1 die Gewichtsstufe darstellen.


    Danke für die VO - ich würde ihn trotzdem prüfen lassen.

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Chasing Sheep Is Best Left To Shepherds

  • Liebe Freunde,


    den hier musste ich aus 2 Gründen haben, auch wenn die mit dem Postvertrag Bayern - Schweiz vom 1.9.1868 wenig zu tun hatten:


    1. Ein kleiner Einkreisstempel = 24mm (!!) entwertete gleich 3 Marken ... und das in München, wo es ja nur gute Beamte am Schalter gab, und


    2. Der Absender stempelte bereits mit seinem eigenen "Recommandirt" - Stempel, dem die Aufgabepost pflichtbewußt einen roten Chargé - Stempelabschlag folgen ließ.


    Ich kenne nur wenige Fälle, in denen Absender für sich selbst Recommandirt - Stempel anfertigen ließen.


    Dieser hier aus München vom 4.7.1869 lief nach Luzern (wunderschöne Stadt, bitte mal besuchen, wenn ich die Schweiz passiert) und wurde von Lindau aus über den Bodensee mit dem Dampfboot nach Romanshorn verfrachtet, also ein sog. Überseebrief.


    In Luzern kam er schon am Folgetag an - unglaubliche Leistung und daher höchster Respekt für unsere Kameraden der damaligen Zeit - heute unmöglich, ob eingeschrieben, oder nicht.


    4 Kreuzer für Bayern, 3 Kreuzer für die Schweiz und 7 Kreuzer Reco-Gebühr für die Aufgabepost.

  • Guten Abend Sammlerfreunde,


    bei dem DS-Beleg anbei handelt es sich um ein nahezu aktenfrisches Stück, das man ohne farbigen Hintergrund kaum von dem weißen Scannerdeckel unterscheiden könnte. 1 Kr von den hierfür anfallenden 2 ging gemäß Blauvermerk in die CH.


    Viele Grüße

    vom Pälzer

  • Hallo Sammlerfreunde,

    Drucksache (Todesanzeige) aus Mannheim nach Gelterkinden vom 27.4.1874.

    Am 1.5. in Landau i.d. Pfalz zur Post gegeben.

    Für was steht eigentlich der Blaustiftvermerk "2 12" ?

    Gruß

    bayernjäger


  • Hallo Udo,


    2/12 Silbergroschen war das Weiterfranko, dass Bayern an das Dt. Reich für die CH vergüten musste = 1 Kreuzer.

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Chasing Sheep Is Best Left To Shepherds