Briefe nach dem 1.Posttaxgesetz (1.1.1849-31.12.1850)

  • Hallo,


    ab 1.Januar 1849 war amtlicherseits nur noch der Schilling Courant zugelassen.
    Zeitgleich wurde das sogenannte "1.Posttaxgesetz" für Schleswig und Holstein herausgegeben, dass die Briefgebühren neu regelte (und bis zum 31.12.1850 gültig blieb):


    Für einfache Briefe (bis 1 Loth) betrug die Briefgebühr ...
    1 Schilling für bis zu 5 Meilen,
    2 Schilling für 5-10 Meilen,
    3 Schilling für 10-15 Meilen,
    4 Schilling für 15-20 Meilen,
    5 Schilling für über 20 Meilen.


    Demnach wurde der abgebildete Frankobrief vom 19.Dezember 1849 von Kiel nach Rendsburg mit 1 Schilling für einen Brief der 1.Entfernungsstufe (bis 5 Meilen) und bis zu 1 Loth Gewicht taxiert.
    Als Stempel wurde hier ein neuer Typ benutzt, der die Uhrzeit (statt i.d.R. der Jahreszahl) angibt.


    Viele Grüße
    nordlicht

  • Hallo nordlicht


    Besten dank für diese Übersicht. :)


    Sehr hilfreich.


    Viele Grüsse
    Nils

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis grösser als in der Theorie.

  • Hallo zusammen,


    neulich wurde ein kleiner aber feiner Brief in unserem schönem Nachbarland angeboten, zu dem ich einfach nicht "nein" sagen konnte.


    Es handelt sich um eine als Brief verschickte "Probe ohne Wert" die von der Firma Schulte & Schemmer am 9. October 1849 an die Firma Holler & Co, Carlshütte verschickt wurde (Absendevermerk innen). Die Firma Holler & co betrieb die Carlshütte in Büdelsdorf, Post Rendsburg. Die umfangreiche Korrespondenzder Firma Holler ist vermutlich die wichtigste erhalten gebliebene Korrespondenz der Schleswig-Holstein Philatelie.
    Hier handelt es sich um eine als Brief verschickte Probe ohne Wert. Die Probe kann gewichtsmässig nicht sonderlich zu Buche geschlagen haben, denn bei einer Entfernung von 12 Meilen (Hamburg - Rendsburg) durfte der Brief maximal 1 Loth wiegen (ca. 15g). Das Porto für das einfache Briefporto für 10-15 Meilen Entfernung betrug, wie wir ja wissen, 3 Schilling Crt.
    Der Brief wurde beim Schleswig-Holsteinischen Oberpostamt Hamburg aufgegeben und ist mit dem K2-Stempel abgestempelt worden.


    Viele Grüße
    DKKW

  • Hallo DKKW,


    ein feines Stück - klasse!


    Aus meiner AD - Betrachtung kann ich nur sagen, dass die große Masse der Musterbriefe frankiert erhalten blieb; Portobriefe sind alles andere als häufig. Ich nehme an, dass dein Sammelgebiet hier nicht die große Ausnahme darstellt, oder?


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo bayern klassisch,


    dann müsste ich mal meine zwei dutzend Warenproben durchzählen :D


    Spass beiseite, ich habe diese Probe ohne Wert auch deshalb gekauft, weil in meiner kleinen Sammlung der Schleswig-Holsteinischen Landespost bislang keine einzige Warenprobe vertreten war. Somit besteht mein in keiner Weise repräsentativer Bestand aus 100% Portosendungen ;)


    Viele Grüße
    DKKW

  • Hallo DKKW,


    SH ist ja in so manchem die Ausnahme - warum nicht auch hier? ^^


    Vlt. tauchen noch ein paar auf, dann wissen wir auf neuer empirischer Basis mehr.


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Moin,


    ein einfacher Brief aus dem Jahre 1849 - also der (kurzen) Zeit der Schleswig-Holsteinischen Unabhängigkeit.
    Mit 2 Schilling für eine Entfernung zwischen 5 und 10 Meilen in Porto gesetzt.


    Der Stempel "KIELER BAHNHOF" wurde bereits 1845 zu dänischen Zeiten eingeführt und hatte oben zwischen den beiden Worten noch eine Krone. Nachdem die Schleswig-Holsteiner 1848 im Zuge der Erhebung gegen Dänemark die Posthoheit übernommen hatten, wurde die Krone herausgebrochen.


    Der Brief ist an den Bürochef des Postwesens, Wilhelm Ahlmann (1817-1910), gerichtet, der das Postwesen in Schleswig-Holstein erheblich modernisierte und auch die ersten Briefmarken ausgab.


    Viele Grüße
    nordlicht

  • Hallo nordlicht,
    .
    seit Deinen Beiträgen zur schleswig-holsteinischen Erhebung habe ich sehr großes Interesse an dieser für das Land ereignisreichen Geschichte gewonnen, denn es muss wie kaum ein anderes im Spannungsfeld unterschiedlichster Machtansprüche gestanden haben...die fehlende Krone im Stempelgerät steht da ja schon fast symbolisch für.


    Mir stellt sich zunehemend jedoch die Frage der Rolle Preussens in diesem Konflikt.


    Dazu zunächst folgendes Zitat aus dieser Quelle: http://www.geschichte-s-h.de/erhebung/
    .

    Am 18.03.1848 forderten die schleswig-holsteinischen Stände

    und eine Volksversammlung in unter anderem die Aufnahme Schleswigs in den Deutschen Bund, Presse- und Versammlungsfreiheit sowie eine Volksbewaffnung. Dies veranlasste die führenden Männer der schleswig-holsteinischen Landespartei am 24.03.1848 eine Provisorische Regierung zu bilden. Mit ihrem legitimistisch-liberalen Aufruf „Mitbürger“ (Aufrechterhaltung der Rechte des Landes und des angestammten Herzogtums, Anschluß an die Einheits- und Freiheitsbestrebungen Deutschlands) gewann sie die Mehrheit der konservativen und deutsch-national gesinnten Schleswig-Holsteiner für sich.

    .

    Krieg mit Dänemark war die Folge.

    .

    Gleichwohl hat die Provisorische Regierung mit den vereinten Ständen und
    der nach allgemeinem und direktem Wahlrecht gewählten Landesversammlung
    eine Reihe von Reformen eingeführt: Presse-, Meinungs-, Versammlungs-
    und Vereinigungsfreiheit, Bürgerbewaffnung und allgemeine Wehrpflicht;
    sozial ungerechte Steuern und Privilegien wurden abgeschafft.

    Das Staatsgrundgesetz vom 15.09.1848 ist bezeichnet worden als „die
    demokratischste Verfassung, die man in Europa bis dahin gesehen hatte".


    Wenn man nun bedenkt, dass in der Märzrevolution 1848 gerade solche demokratischen Freiheitsbestrebungen auch und gerade von Preussen niedergeschlagen wurden (vgl. auch Niederschlagung des Pfälzer Aufstandes 1849), dann frage ich mich, warum Preussen die schleswig-holsteinische Erhebung mit erkennbar demokratischen Bestrebungen unterstützt hat. Hat man hier wegen der "alles andere" überlagernden Machtposition des deutschen Bundes gegen Dänemark etwa ein "doppeltes Spiel gespielt" ?


    Viele Grüße !
    .
    vom Pälzer

  • Hallo Pälzer,


    die Schleswig-Holsteinische Geschichte ist so kompliziert, dass Lord Palmerston (britischer Staatsmann) damit zitiert wird, dass nur drei Menschen diese verstanden hätten: Prinz Albert, der tot ist, ein deutscher Professor, der verrückt wurde und er selbst, der aber alles vergessen hat.


    Die Preußen handelten hier im Auftrag des Deutschen Bundes, der seine Interessen in Schleswig-Holstein wahren wollte, zumal Holstein ein Mitgliedsstaat war.
    Allerdings hatte Preußen sicherlich auch immer eigene Pläne und hat letztlich die Unterstützung der schleswig-holsteinischen Erhebung auf Druck anderer Großmächte (vor allem England und Rußland) aufgegeben.


    Somit standen die Schleswig-Holsteiner allein da und konnten die militärische Auseinandersetzung mit Dänemark nicht gewinnen.
    Das hat auch im zweiten Deutsch-Dänischen Krieg 1864 zu dem fatalen Irrtum in Dänemark beigetragen, dass dieser Krieg genauso laufen würde.


    Viele Grüße
    nordlicht

  • Hallo Ralph,


    leider kann ich den Brief nicht sehen - versuche doch bitte über die Forensoftware das gute Stück hochzuladen - Verlinkungen kommen und gehen ...

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo,


    jo, 1 Schilling nach dem 1.Posttax-Gesetz, gültig vom 1.1.1849 bis 31.12.1850.

    Viele Grüße
    nordlicht


    PS: @Admin: bitte diesen Beitrag in den entsprechenden Unterordner "Briefe nach dem 1.Posttaxgesetz" verschieben, danke!