Zensurbelege

  • Lieber wuerttemberger,


    im Riemer ist zur Prüfstelle Frankfurt a.M. ja schon erwähnt, dass hier nicht nur die Auslandszensur, sondern auch die Überwachung der Inlandspost in die Grenzzonengebiete erfolgte. Was er nicht exakt klarstellt ist, wo / wann diese überhaupt lagen und auf welchen Zeitpunkt der Beginn der Prüfstempelverwendung in Frankfurt a.M. fällt. Da wird nur das Jahr 1915 angesprochen. Der Beleg nach Kaiserslautern wurde nun gerade etwas mehr als 2 Wochen nach Kriegsausbruch Anfang September 1914 der Inlandsüberwachung zugeführt. Also war die schon recht schnell in Frankfurt eingerichtet. Die Pfalz lag zwar am untersten Rand des Schlieffen-Plans, war aber teils Aufmarschgebiet von Einheiten der 8. Armee, vor allem mit den Festungen in Germersheim und Landau. Noch im Januar 1915 war die Frontlinie nicht signifikant über das Elsass und Lothringen hinaus nach Frankreich vorgelagert, aber eine Gefährdung der Pfalz durch den Gegner zu diesem Zeitpunkt recht unwahrscheinlich geworden. Vielleicht war das der Grund, dass man hier nicht so richtig etwas von Inlandsüberwachung kennt. Nach Deinem post ist mir das jetzt auch erst so richtig gewahr, so dass das - so wie Du völlig zu Recht anführst - unbedingt der weiteren Forschung / Belegauswertung bedarf.


    Beste Grüße !


    vom Pälzer

  • Hallo zusammen,


    anbei ein weiterer Beleg, diesmal aus dem badischen Maulburg, welcher mit - teilweise schwächer getroffenen - Zensurstempel der Überwachungsstelle des XIV. Armeekorps in Freiburg i.B. überprüft wurde, also Zensur vom Grenzgebiet ins Grenzgebiet. Der Aufgabeort Maulburg liegt ca. 10 km östlich von Lörrach. Dass der Absender Fritz Heil, Inhaber des gleichnamigens Kaufhauses, von der Pirmasenser Schuhfabrik Eduard Rheinberger die Lieferung dort bereits bestellter Ware nun raschmöglichst erwartete, hat bei der Prüfstelle sicherlich keinen Bedenken entgegnet.


    Viele Grüße

    vom Pälzer


    PS: Ärgerlich ist mal wieder, dass die einst einmal mit Falz auf Albenblatt befestigte Poka dort einfach runtergerissen und dadurch rückseitig stellenweise beschädigt worden ist.

  • Hallo Pälzer,


    wo gräbst Du die krummen Hunde eigentlich immer aus? Freiburg ist im Riemer nur als Auslandspostüberwachungsstelle und als Prüfungsstelle für Geschäftspost aufgeführt - letztere ist schon nicht häufig. Dies ist eine lupenreine Inlandspostüberwachung. Maulburg liegt nur wenige Kilometer von der Inlandspostüberwachungsstelle Lörrach entfernt, deswegen hätte ich eine Zensur in Lörrach erwartet.

    Ein genauerer Blick in den Riemer unter Freiburg Stempel Nr. 8 ergibt, dass der Stempel auch auf Inlandspost aus diesem Raum zu finden ist.

    Zitat: " Ob diese fehlerhaft erfolgte, müssen weiter Untersuchungen ergeben."

    Eine kurze Recherche unter Online-Angeboten hat einen weiteren Beleg der Inlandspostüberwachung in Freiburg ergeben.

    Fazit: der Riemer birgt noch so manche Überraschung und wartet auf eine Überarbeitung.

    Gruß


    wuerttemberger

  • Hallo wuerttemberger,


    da der Stempel nicht so gut leserlich abgeschlagen ist, hatte ich im Riemer auch zuerst unter Lörrach nachgeschaut, aber da passte ja nichts, folglich dann Freiburg i.Br. Warum das so sein konnte erschließt sich mir im Moment auch nicht. Evtl. hat man sich bei viel Briefaufkommen gegenseitig entlastet.


    Es gibt einiges an Inlandszensurpost aus dem Elsass in mein Sammelgebiet das hier schon gezeigt ist auch in verschiedenen Versionen, aber es ist noch spannender von weiter entfernt im DR gelegenen Standorten Zensur-IM zu erhalten. Da wird es hoffentlich noch weitere Überraschungen geben.


    Viele Grüße

    vom Päler

  • Hallo Sammlerfreunde,


    der bekanntlich in verschiedensten Varianten auftauchende Aufkleber Par l´intermédiaire du Service des Communications d´outre-Rhin à Ludwigshafen wird oft überbewertet und war dementsprechend auch nicht Anlass für den Neuzugang des anbei abgebildeten Belegs. Denn:


    Sollte es sich bei dem kleinen Z-Einkreiser vorne unten rechts etwa um ein Zensurstempel-Novum der besagten Vermittlungstelle in Ludwigshafen a. Rh. handeln ? Was bedeuten darüber hinaus die beiden G-Großbuchstaben-Abschläge auf der Rückseite ? :/


    Viele Gerüße

    vom Pälzer

  • Hallo Tim,


    gezählt wurde damals alles Mögliche. Kann es sein, daß die beiden G mit dem französischen Aufkleber zusammenhängen?


    Dieter

  • ... genau, oft "Gezählt", wenn es um Statistiken ging, bei denen man z. B. ermitteln wolte, wie viele unterfrankierte Dienstbriefe es im Monat gab, wie viele dienstliche Drucksachen usw..


    Aber es mag auch etwas ganz anderes heißen, keine Ahnung.

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo zusammen,


    zunächst zu dem Hinweis auf die Vermittlungsstelle der überrheinschen Post in LU; ich kenne dazu keine Vorschrift oder dass das Pflicht war. Der eine hat es gemacht, der andere nicht, der eine hat es mit Schreibmaschine auf den Brief getippt, der andere ein buntes Zettelchen dazu kreiert. Also keine einheitliche Vorgehensweise.


    Zu beobachten ist ferner, dass viele Belege dann mit diesem Hinweis in der Kombination mit dem in der Vermittlungsstelle verwendeten sternförmigen Zensurstempel, häufig rot, manchmal schwarz vorkommen. Jetzt taucht der für mich neue Z-Einkreiser auf, ähnlich gross wie der Sternstempel.


    Dass das "G" auf der Rückseite etwas mit dem Absender zu tun haben könnte, schließe ich aus. Dass es etwas mit dem Zensurprocedere zu tun haben könnte oder einfach nur irgend etwas ausserpostalisches mit der Firma des Empfängers, wird man dann wohl nur durch weitere Belege ergründen können.


    Viele Grüße

    vom Päluer

    Einmal editiert, zuletzt von Pälzer ()

  • @ Pfälzer - super Beleg - suche einen zweiten, an diesen Empfänger und die wirst feststellen dass es geantwortet bedeuten könnte.

    Grüße aus Bempflingen
    Ulrich


    Das Leben ist viel zu kurz um es mit billigen Weinen und den falschen Menschen zu verbringen. (Lebensweisheit, inspiriert bei Goethe) :-)

  • Liebe Freunde,


    die Stadt Malmedy gehörte vor 1815 zum französischen Département de l´Ourthe, danach war es preussische Rheinprovinz, bis es im Jahre 1920 mit Eupen und St. Vith an Belgien (Provinz Lüttich) ging. Im 1.WK grenznahes Gebiet, in dem es folglich auch zur Inlandpostüberwachung kam. Der anbei wirklich sehr schön abgeschlagene Rechteckstempel Riemer 458 in den Abmessungen 7,4 x 1,4 cm soll von August 1915 bis Februar 1916 verwendet worden sein. Zu beanstanden gab es ob dem Inhalt der Karte nichts. Der mit nicht weniger saubern Abschlag erkennbare Aufgabeort Engelsdorf (Ligneuville) war usprünglich ein Ortsteil von Malmedy und fusionerte in der Gemeindereform 1977 mit Bellevaux (ehm. Schönental) zur heutigen Gemeinde Bellevaux-Ligneuville.


    Viele Grüße

    vom Pälzer

  • Hallo,

    nachfolgend auch mal wieder ein kleiner Beitrag von mir.

    Eigentlich nichts Besonderes - ein normaler Eilboten-Einschreibebrief von München nach Berne aus dem September 1916....eigentlich....

    ....wäre da nicht der Zweizeiler "Zurück an den Absender, nur offene Briefe zulässig" und wäre dieser nicht auch noch wieder gestrichen worden. Aber warum?

    Der eifrige Postbeamte hatte offenbar in der Hektik des Alltags übersehen, dass der Brief nicht nach "Berne" in der Schweiz ( "Berne" ist die franz. bzw. engl. Schreibweise für Bern) ging sondern nach Berne in Oldenburg, einer kleinen Gemeinde zwischen Oldenburg und Bremen gelegen.

    Beste Grüße aus Lenggries
    Schorsch