Deutsch-Südwestafrika

  • Windhoek - Kollweiler 06.06.1904


    Hallo zusammen,


    es freut mich sehr mit der nachstehenden Feldpostkarte den o.a. thread eröffnen zu dürfen. Sie zeigt auf ihrer Ansichtsseite einen der bedeutsamsten Vertreter des Aufstandes gegen die Deutsche Kolonialmacht, den Kaptein (~ Häuptling) der Witbooi Hendrik Witbooi und gibt damit Gelegenheit für eine kurze geschichtliche Einleitung in das Thema Deutsch-Südwestafrika. Nachstehend das Wesentlichste aus diversen Wikipediabeiträgen excerpiert.


    Die Witbooi gingen ursprünglich aus der Verbindung am Kap ansässiger holländischer Seefahrer mit einheimischen Nama-Frauen hervor (oft abschätzig auch Hottentotten genannt). Sie waren ursprünglich südlich des Oranje-Flusses und damit nicht unmittelbar im Gebiet Deutsch-Südwestafrika angesiedelt. Insbesondere unter der seit ca. 1888 währenden Führung Hendrik Witboois wuchsen jedoch die Bestrebungen weiter nach Norden in das Gebiet der Herero vorzudringen. Dies löste heftige Konflikte unter den Stämmen aus.


    Die Herero baten die deutsche Kolonialverwaltung um Schutz gegen die Angriffe der Witbooi. Diese hatte zunächst jedoch zu wenig Soldaten, um militärisch eingreifen zu können. Daraufhin wurde die deutsche Schutztruppe verstärkt. Nach mehrfach erfolglosem Aufbegehren schloss Hendrik Witbooi 1894 auf militärischen Druck des deutschen Hauptmanns von François und des Einflusses des - 1896 zum ersten Gouverneur Deutsch-Südwestafrokas ernannten - Majors Leutwein einen Friedens- und Schutzvertrag mit der deutschen Kolonialmacht. Darin verpflichtete er sich zur aktiven Unterstützung der deutschen Schutztruppe, was er über rd. 10 Jahre lang auch strikt einhielt.


    In dieser Phase kam es trotz des anfänglich guten Einvernehmens mit der deutschen Kolonialverwaltung wegen zunehmenden Diskiminierungen und Ausbeutungen zu Konflikten zwischen den deutschen Kolonialisten und den Herero-Hirten, welche schließlich im Hereroaufstand 1904 gipfelten. Entsprechend ihrer vertraglichen Verpflichtung kämpften die Witbooi bei der Schlacht am Waterberg am 11.08.1904 auch auf deutscher Seite gegen die Herero. Die nachstehende Feldpostkarte wurde knapp 2 Monate vorher aufgegeben.


    Erst in Folge der durch den Kommandeur der dt. Schutztruppen Generalleutnant von Trotha im Oktober 1904 veranlassten Grausamkeiten gegen das Hereo-Volk mit rd. 80.000 Opfern wandten sich die Witbooi von den Deutschen ab und begannen ihrerseits im Oktober 1904 den als Namakrieg bekannt gewordenen Aufstand gegen die deutsche Kolonialmacht. Im Verlauf dieser Auseinandersetzung erlitten die Witbooi schwere Verluste, auch Hendrik Witbooi fiel bei einem Überfall auf einen deutschen Nachschubtransport am 29.10.1905.


    Er gilt seit der Unabhängikeit Namibias im Jahre 1989 als Nationalheld.


    Schönen Gruß


    vom Pälzer

  • Hallo Pälzer,


    als diese Karte ankam, hatte Kollweiler 520 Einwohner - man kann sich gut vorstellen, dass sie nicht nur der Briefträger und Empfänger damals zu Gesicht bekamen.


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

    Einmal editiert, zuletzt von bayern klassisch ()

  • Guten Morgen zusammen,
    es ist nur wegen der Pfälzer Heimatkunde: die Karte lief nicht nach Kottweiler (und daher auch nicht -Schwanden), sondern nach Kollweiler; dies liegt zwar gleich um die Ecke, ist aber halt doch ein anderes Dorf.
    Mit landsmannschaftlichen Pfälzer Grüßen
    HOS

  • Hallo HOS,


    vielen Dank, ist geändert - Kollweiler / Post Jettenbach...in Pörrbach um die Eck hatte ich mal eine Freundin. ^^


    + Gruß


    vom Pälzer

  • Hallo Sammlerfreunde,


    ein weiterer Feldpostbeleg aus DSW mit einer kleinen Variation: Weiterleitung aus der Pfalz ins nassauische Bad Ems. Der Adressat, seine Excellenz, der Herr Rittmeister Freiher von Wimpffen waren nach dorthin schon ins Hotel Badischer Hof verreist.


    Philipp Freiherr von Wimpffen, geb. am 09.11.1882 in O-Gyalla (Ungarn) wurde im Verlauf des 1. WK am 16.05.1915 bei einem Angriff eines russischen Infanterieregiments bei Krzcin / Polen so schwer verwundet, dass er am Folgetag verstarb.*


    Die Aufgabe des nachstehend an ihm im Jahre 1907 ergangenen Feldpostbriefes erfolgte von einer Feldsignalstation Gaikos bei Grootfontein. Alles in allem ein geradezu schulbuchmäßiger Postdurchlauf mit innerhalb des Reichsgebiets extrem schneller Beförderungszeit.


    Schönen Gruß


    vom Pälzer


    *verwendete Quelle:
    http://www.wimpffen.hu/index.p…id=3:biographien&Itemid=3

  • Hallo zusammen,


    anbei eine ziemliche einfach verfasste Poka (Brüderlein grüßt Schwesterlein zum Jahreswechsel), aber eine durchaus etwas aufwändigere Zustellung.


    Schwesterlein hatte mittlerweile geheiratet, und war nach Germersheim verzogen, so dass die wohl noch ans Elternhaus in Meiningen adressierte Poka neu frankiert und damit an den Zielort Germersheim weitergleietet wurde.


    Also haben wir auf einer Karte den Inlandstarif von 5 Pf von Meiningen nach Germersheim, Luftline ca. 210 km und zuvor die Beförderung von Goabis bis Meiningen, Luftline ca. 8.150 km für`s gleiche Geld...und das zudem über die Jahrhundertwende hinweg.


    + Gruß


    vom Pälzer

  • Hallo Pälzer,


    tolles Stück, keine Frage.


    Zitat

    und das zudem über die Jahrhundertwende hinweg.


    Klugscheissmodus an: Das Jahrhundert endete am am 31.12.1900, nicht 1899 auf 1900. Klugscheissmodus aus. :D

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • ...was für ein Segen, dass Philatelie und Postgeschichte nicht durch die staubtrockene Logik der Mathematik beherrscht werden.


    + Gruß !


    vom Pälzer

  • Hallo zusammen,


    bereits in post 1 wurde der Begriff "Hottentotten" angesprochen, mit welchem man u.a. die auf der nachstehenden Poka dargestellten Reisenden bezeichnete. Es ist davon auszugehen, dass die Bezeichnung vor allem abwertend genutzt wurde.


    Etymologisch lässt sich das Wort wohl am ehesten mit der Klick- und Schnalzsprache der Völkerfamilie der Khoi Khois (ca. Männer aller Männer) erklären. So übersetzten Buren niederländischer Herkunft das Wort „Stottern“ in Afrikaans und heraus kam „hottentos“.


    Als die deutschen Kolonialherren schließlich nach Afrika kamen, übernahmen sie die Begriffe ihrer holländischen Nachbarn ungefragt. So nahm die Bezeichnung „Hottentotten“ schließlich Einzug in den deutschen Sprachgebrauch. Es werden mit dieser Redewendung Zustände bezeichnet, die besonders chaotisch oder unaufgeräumt wirken. Auf dem Poka-Bild wirkt es jedenfalls anders.


    Der Aufgabeort Keetmanshoop ist heute Kreisstadt der Region Karas und liegt ca. 500 Kilometer südlich von Windhoek. Der Ort wurde erst 1866 als Station der Rheinischen Mission gegründet. Namensgeber war der deutsche Industrielle Johann Keetman, der die evangelische Mission mit den erforderlichen finanziellen Mitteln ausrüstete, selbst aber den Ort nie besucht hat. Keetmanshoop bedeutet wörtlich Keetmans Hoffnung.


    Dank seiner ständigen finanziellen Hilfe erwuchs aus der kleinen Missionsstation bald eine eigenständige deutsche Siedlung mit festen Behausungen, Postamt, einer Kirche und ab dem Jahre 1908 mit einer Bahnverbindung von Lüderitz nach Windhoek. 1894 wurde unter Leutnant Bethe ein Militärposten in Keetmanshoop stationiert. Letzterer begann noch im gleichen Jahr mit der Errichtung eines Forts für die deutschen "Schutzrruppen", welches 1898 fertiggestellt wurde.


    + Gruß


    vom Pälzer

  • Hallo Pälzer,


    sehr schöne Karte - bei den dort oft herrschenden Temperaturen machte das Sitzen unter einem "Baum" Sinn, weil das dort gefühlt 30 Grad weniger hatte.


    Ich hätte jetzt auf der Textseite der Karte eine Cigarren - Bestellung erwartet ... :D

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo bk,


    es haben mir gestern auf GT drei Pokas zur Auswahl vorgelegen, die allesamt an den besagten Speyerer Cigarrenfabrikanten gelaufen sind. Wie man dabei sehen konnte, hat man jene auch durchnummeriert. Das wird also höchstwahrscheinlich sammlerisch bedingt gewesen sein, vermutlich auch bei der nachstehenden Poka aus Lüderitzbucht.


    Wobei man hierzu fragen muss, wieso 10 Pf verklebt worden sind, als Angehöriger der Schutztruppen wäre diese ja gebührenfrei zu befördern gewesen. Aber es wird wohl öfters vorgekommen sein, dass man das (zuerst) nicht gewußt und obendrein gemeint hat, man befände sich im Ausland und müsste die UPU-Gebühr verkleben.


    + Gruß !


    vom Pälzer

  • Hallo Pälzer,


    sehr schmuckes Kärtchen. :P


    Vlt. hat man 10 Pfg. statt 5 Pfg. verklebt, weil die Lok so schwer war? :thumbsup:


    Spass beiseite - ich denke, man hat, wenn es sammlerischer Intention entsprach, verschiedene Werte aufgeklebt, weil das Sammeln nach Portostufen damals schon anfing, bzw. mal alle Werte mal dem lieben Sammlerfreund gestempelt zukommen lassen wollte.

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Liebe Kollegen,


    folgender Brief war letzte Woche in der Bucht zu haben und unverständlicherweise hat sich kaum jemand dafür interessiert:


    Großformatige eingeschriebene Drucksache (!) aus Augsburg nach Swakopmund / DSW mit 25 Pfg. Ludwig Friedensdruck (April 1914).
    Empfänger in Swakopmund nicht ermittelt, Weiterleitung nach Windhuk, dort ebenfalls nicht bekannt und nach Lüderitzbucht weitergeleitet.
    Auch dort nicht zu ermitteln und nach Augsburg zurück. Alle Wege durch entsprechende Vermerke und Stempel auf der Rückseite dokumentiert.
    Die Eingangsnummern im R-Buch des jeweiligen Orts wurden natürlich immer geändert. Die Sendung war zwei Monate unterwegs.
    Als besonderes Schmankerl hat sich bei Konsultation des Kolonialstempel-Handbuches noch herausgestellt, dass der Windhuker Stempel der
    seltenste dieses Ortes und mit 650€ notiert ist.


    Wahrscheinlich enthielt der Brief eine Festschrift zum 50-jährigen Jubiläum des Augsburger Real-Gymnasiums (siehe eingedruckte Vignette auf
    der Briefvorderseite) und der Absender wollte sichergehen, das das gute Stück auch nicht verloren geht, daher Versendung per R.


    Der Empfänger war Bauingenieur beim staatl. Flußbauamt Speyer und lt. Koloniallisten 1914 in Kamerun tätig.


    Ich denke, viel mehr Besonderheiten sind auf einem Beleg kaum mehr möglich. Da ich schon öfter in Namibia, dem ehemaligen DSW,
    unterwegs war und dieses Land sehr schätze, wird der Beleg in einem schönen Rahmen mein Arbeitszimmer verschönern.


    [Blockierte Grafik: http://www11.pic-upload.de/08.05.15/93iasw7eh9j8.jpg
    [Blockierte Grafik: http://www11.pic-upload.de/08.05.15/tubzl37evtf.jpg
    Schönes Wochenende wünscht die

    weite Welle

  • Liebe weite Welle,


    herzlichen Glückwunsch zu dieser Schaustück! Mit dem an der Wand sieht jedes Büro eine Klasse besser aus. :P:P

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo liebe Freunde,


    ... auch hier ist schon 5 Jahre nichts mehr gezeigt worden, schade eigentlich ....


    ... habe nochmal die Tauschtagskiste geöffnet und hier eine Karte aus Lüderitzbucht - Deutsch - Süd - West - Afrika gefunden,


    ist vom 21.06.1910, gelaufen nach Elberfeld.


    Schöne Grüße:)

    Bayern-Nerv Volker

    Nimm dir im Leben ruhig die Zeit zum Sammeln und genieße einen guten Wein, denn die gesammelte Zeit nimmt dir irgendwann das Leben und dann wird man um dich weinen. (V.R.)


    Bayernfarbenvielfaltverrückt - warum nicht?

  • Liebe Sammlerfreunde,


    für meine Heimatsammlung konnte ich folgenden Beleg erwerben:

    Ansichtskarte von Speinshart, verwendet als Feldpostkarte an Wilhelm Schwandner in Südwestafrika mit Aufgabestempel VORBACH Oberpfalz am 4. Juli 1904. Erhalten Vermerk nach 8 Monaten: März 1905. Zu Wilhelm Schwandner konnte ich im Internet herausfinden: geboren 3.10.1877; Mit dem 6. Juni 1904 werden in der Schutztruppe für Südwestafrika im 2. Bat. 2. Feldregiment angestellt: Schwandner Wilhelm Königl. Bayer. Lt. im 7. Inf. Regt. Prinz Leopold mit Patent vom 7. März 1900 als Leutnant. Adressbuch von 1926, Major a.D. Wilhelm Schwandner auf Schloß Grünsberg in Mittelfranken. Er schrieb ein Buch, das ich im Internet ausfindig machen konnte: Ouganga-Zauberer und Sieger im Tod, Geschichten aus Deutsch-Südwestafrika. Eine Verbindung zu Speinshart, bzw. zur Oberpfalz konnte ich bis jetzt nicht finden.


    Beste Grüße von VorphilaBayern