Österreich - Württemberg

  • Lieber Bayern Klassisch,


    Danke für deine Hilfe, :)
    Kannst Du vielleicht das Adressat (hochlöblichen ... ... ...) bei dem ersten Brief (TOLNA) lesen?
    Ich möchte das Adressat bei dem 3-ten Brief auch gern bekommen. (Über Peterwardein, Wien, Ulm .... ...)


    Liebe Grüsse aus
    Ungarn

  • Lieber Ungarn,


    gerne!


    "An eine Hoch - Löbliche Herrschaft mit gebührender Hochachtung zu Morstein an der Jagst


    erga recepisse per Tolna Ofen Vienn franco"


    "Über Peterwardein Wien Ulm Weinsperger Oberamt zu Willspach An Herrn Christoph Graußlich Stattrad und Richter bestens rekommandirt"


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo Ungarn und die Runde


    Was ich total vorbeigeschaut habe ist den Vertrag zwischen Bayern und Württemberg aus 1809, wenn ich meine Briefe beschrieben habe.


    Vogel schreibt ja im Kapitel "Der Postvertrag Bayern-Österreich von 1819" im Buch "Postbeziehungen Bayern-Österreich - Münchener Briefmarken Club eV" Seite 175: "Die bayerische Postverwaltung berechnete nach dem Vertrag von 1809 ihre Transitleistung mit 8 Kr Rh x 1,5 für die 2 Gewichtsstufe".


    Diese Tatsache erklärt ja manches, auch bei deine Briefe.


    Viele Grüsse
    Nils

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis grösser als in der Theorie.

  • Hallo Kollegen in Runde,


    Immer interresant sind die sog. "Zwillingsbriefe", wo die Briefe an die gleiche Adresse gingen.


    Jetzt zeige ich 2 solche Belege, alle beide stammt ca. 1833-35 und ging aus Ungarn nach Reutlingen/Württemberg.


    Der ersten Brief war in Ungarn 1/2 Loth schwer darum wurde bis Grenze mit 14 Kr taxiert (Plus 4 kr Reko-Gebühr). Es wurde in Bayern 12 kr rh taxiert, dass bedeutet 8 kr rh + 50%: 1 Loth. In Württemberg wurde auch als 1 Loth betrachtet und bis 12 Meilen 4kr rh + 50% = 6 kr rh taxiert, insgesamt 18 kr rh (siehe auf der rechte Seite mit Rötel). (Es ist kein Problem für mich, dass die bayrische und württembergische Waagen wogen immer etwas mehr, als in Österreich, sehr viele solche Briefe kennen wir. ;) )


    Der zweien Brief war in Ungarn 1 Loth schwer, darum wurde bis Grenze mit 28 kr taxiert (Plus 4 kr Reko-Gebühr). In Bayern waren die Transit-Gebühren. 8 kr für 1/2 Loth, 12 kr für 1 Loth, 16 kr für 1 1/2 Loth, 20 kr für 2 Loth. Trotz dieser Regelung wurde es mit 18 kr rh taxiert. Warum??? Das württembergische Taxe ist in Ordnung: 6 kr rh für 12 Meilen und 1 Loth.


    Ich warte dass jemand eine sinncvolle Erklärung antworten kann :)


    Liebe Grüsse aus


    Ungarn

  • Lieber Ungarn,


    der Empfänger war der Schäfer Johann Rentz in Eggenhausen, 5 km westlich von Nagold.


    Der Absender schrieb ... Nagelt. Gemeint war Nagold, siehe oben.


    Schönes Stück, wie immer bei dir!


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Liebe Freunde,


    hier ein teilfrankierter Brief von 1823 aus Brody (Galizien) an das Weiblinger Oberamt bey Stuttgart Würtemberg



    Kann mir jemand sagen, wie sich die notierten 30 Kr. aufteilen?


    Gruß
    Michael

    Preußen mit Transiten

  • Hallo Michael,


    auf 30 Kr. komme ich nur, wenn der Brief zwischen 1 1/2 und 2 Loth schwer war. Dann wären es 20 Kr. für Bayern und 10 Kr. für Württemberg. Das österreichische Franko würde dann aber 56 Kr. C.M. betragen.


    Grüße von liball

  • Hallo Karl,


    danke für die Angaben. Wie schwer der Brief war, kann man mangels Inhalt heute nicht mehr sagen. Rückseitig ist leider keine Taxe notiert.


    Gruß
    Michael

    Preußen mit Transiten

  • Liebe Freunde,


    heute zeige ich einen sogenannten Cholera - Brief aus Wien vom 17.9.1831 "An den Wohlgebohrnen den Gräflich Königseggschen Domainen - Inspector Herrn Mosmann in Aulendorf in Württemberg durch München und Waldsee".


    Der Absender frankierte (vorn rechts und kaum zu lesen - auch der Wiener Beamte wollte mit seinem Rötelstift den Brief nur leicht und schnell tangieren) mit 14 Kreuzer Conventionsmünze bis zur Grenze Bayerns bei Freilassing.
    Dort wurde der Brief geräuchert, indem man ihn rastelte und dann zur Abwehr der Cholera bearbeitete. Geholfen, das wissen wir heute, hat das nichts, aber das Gefühl der Sicherheit ist, wie wir ja alle wissen, wichtiger als die Sicherheit selbst ...


    Interessant ist der vollständig erhaltene Inhalt (der sich ja bei 99% der mir bekannten sog. Cholerabriefe nicht auf die Cholera selbst bezog):


    "Gehorsamster Herr Inspector!


    Nun ist alle Täuschung vorüber, nach auselend kalten, dreytägigen Regengüssen ist hier vom 13ten auf den 14ten die Cholera ausgebrochen. Nach essencieller Angabe sind am 14ten 41 Personen erkrankt, 1 davon genäßen, 40 verstorben und in der Behandlung noch 30. Am 15. erkrankten 139, hiervorn genlß 1, starben 64 und in der Behandlung blieben mit obigen 30 noch 104, am 16ten erkrankten 127, genoßen 3, gestorben 58 nach Bestand 170. Daß bey diesen Umständen keine Gesundheitspäße mehr gegeben werden, ist wohl sehr natürlich, daher das Abreisen von sich selbst nicht mehr möglich ist. Ich bin überzeugt, daß besonders Ihnen und jenen, die wahre Anhänglichkeit an mich und meiner Familie fühlen, diese Nachricht höchst schmerzlich fallen wird,


    auch auf mich wirkt dieses Ereigniß betrübend ein, denn nicht n ur allein, daß ich der höchst traurigen Zeit, die mir hier erlebe werde durch meiner Abreise entgehen wollte, sondern ich freute mich schon nach so langer Zeit vereinigt mit meiner Familie in Aulendorf wieder einen Aufenthalt zu machen. Nun läßt sich ncihts anderes thun, als sich in das Mißgeschick zu fügen, und sich dem Schutze des Allmächtigen zu empfehlen, der uns seine Gnade nicht entziehen wird. Der Trost, daß wir stets in Gottes Hand sind, mag auch auf Sie wohlthätig einwirken; sowie ich hoffe, daß er auch mich aufrecht erhalten wede. Näbst meinem herzlichen Gruß an alle meine Aulendorfer verbleibe ich mit den Gesinnungen aufrichtigster Neigung
    Ihr dienstwilligster Franz Georg Königsegg mpp".


    Postalisch fielen 12 Kr. für Bayern an (8+4) und 6 Kr. für Württemberg (4 + 2) = 18 Kr., dazu 1 Kr. Bestellgeld, so dass der Empfänger total 19 Kr. zahlen musste.

  • Hallo Ralph,


    ein sehr interessantes Zeitdokument! Die Aufzählung der an der Cholera erkankten und verstorbenen Einwohner ist in der selben Art, wie sie regelmäßig in den Zeitungen zu finden war. Die meißten Cholera-Briefe die ich kenne nehmen inhaltlich keinen Bezug auf die Seuche, was wohl daran liegt, dass die heute noch erhaltenen Stücke überwiegend aus Behörden- und Geschäftskorresondenz stammen. Auch wenn er etwas vom ursprünglichen Thema abweicht, da nicht von Österreich nach Württemberg, füge ich mal einen Beleg bei, bei dem Schreiber die Zustände in der Stadt beschreibt.


    Beste Grüße
    André

  • Hallo André,


    danke für die Bestätigung und das Zeigen dieses Schmuckstücks - freuen wir uns, dass wir nicht in diesen Zeiten leben müssen, wenngleich die Gefahren heute andere sind, als damals.

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Liebe Freunde,


    heute vom Archivar des Empfängers zu #52 folgende Antwort erhalten, für die ich mich vielmals bedanke:


    Nun zu den inhaltlichen Fragen: es handelt sich bei diesem Schreiben um einen Brief vom damaligen Senior des Hauses Königsegg-Aulendorf, Franz Xaver Karl Graf zu Königsegg-Aulendorf an seinen Domänendirektor (in der Anschrift: (Domainen-Inspector) Meinrad Mesmer, der die Verwaltung der Standesherrschaft Königsegg-Aulendorf in Württemberg während der Abwesenheit von Graf Franz Xaver Karl ausübte. Die Unterschrift im Brief muß so gelesen werden: "Franz G(raf)zu Königsegg".


    Franz Xaver Karl Graf zu Königsegg-Aulendorf lebte von 1787 (geboren in Aulendorf) bis 1863 (gestorben in Aulendorf) und wurde nach dem Tod seines Vaters Ernst Reichsgraf zu Königsegg-Aulendorf im Jahr 1803 nominell regierender Reichsgraf. Da er aber zu diesem Zeitpunkt noch minderjährig war, übte seine Mutter Reichsgräfin Maria Christina Josepha zu Königsegg-Aulendorf, geb. Manderscheid-Blankenheim, die Vormundschaft aus. Er kam offiziell nicht mehr zur Regierung, da die Reichsgrafschaft Königsegg-Aulendorf im Jahr 1806 mediatisiert und dem neuen Königreich Württemberg zugeschlagen wurde. Erst im Jahr 1808 wurde er volljährig und übernahm die Besitztümer des Hauses als nun württembergischer Standesherr. Da aber das Haus auch Besitztümer in Österreich bzw. im damaligen Ungarn hatte, hielt sich Graf Franz Xaver Karl sehr häufig in diesen Besitztümern auf, auch weil er als ungarischer Magnat in Verbindung zum österreichischen Kaiserhaus stand und drei seiner Söhne, Erbgraf Gustav, Graf Alfred (spätere Senioren des Hauses) und Graf Adolf in Wien ihre Ausbildung genossen. So hielt er sich häufig entweder in seinem Stadthaus in Wien oder in den oberungarischen Herrschaften Pruskau und Illau (heute: Pruské und Ilava in der Slowakei) auf. Zum Zeitpunkt der Abfassung des Briefs befand er sich gerade wieder in Wien und dort wurden er und seine Familie vom Ausbruch der Cholera kalt erwischt, die er mit seiner Familie aber in der Quarantäneanstalt Bruck an der Leitha überlebte. Im weiteren Verlauf regierte er in den ungarischen Besitztümern und in der Standesherrschaft Königsegg-Aulendorf, wo er auch mit den Zehnt- und Gefällablösungen des Königreichs Württemberg beschäftigt war, trat die Verwaltung der Standesherrschaft 1839 an seinen Sohn Gustav Erbgraf zu Königsegg-Aulendorf ab und verstarb im Jahr 1863 im damaligen hohen Alter von 76 Jahren. Sein Domänendirektor Meinrad Mesmer wurde übrigens im Jahr 1803 sein Erzieher und dann im Jahr 1809 sein Domänendirektor, welches er auch bis ca. 1844 blieb.
    Dieses die kurze summarische Zusammenfassung zum Leben von Franz Xaver Karl Reichsgraf zu Königsegg-Aulendorf!

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Liebe Freunde,


    wer für seinen Ruhestand, wenn er denn lang anhalten möge, eine intensive, postgeschichtliche Beschäftigung sucht, darf gerne Briefe aus Österreich-Ungarn nach Württemberg sammeln, denn das ist ein wiklich tolles Gebiet mit vielen Imponderabilien, das einen immer wieder vor Rätsel stellt.


    Einen solchen Rätselbrief aus Wien vom 13.10.1822 kann ich hier nach Aulendorf zeigen. Ich finde dabei weder vorn, noch hinten ein Franko (von 14 Kreuzer CM oder einem Vielfachen davon).


    Was ich sicher sehe, ist eine 18, die auf eine 12 verbessert wurde, oder eine 18, die auf eine 12 verbessert wurde. Rötelkrüppel hat der Achim mal so treffend geschrieben und das passt hier wundervoll dazu.


    Dann sehe ich ein gestrichene 13, die theoretisch auch eine 19 sein könnte und final oben eine 15.


    Näme man den bayerischen Transit mit 8 Kreuzer einfach an und die württembergische Inlandstaxe mit 2 Kreuzern, so ergäbe das 8 + 4 = 12 Kreuzer für Bayerns Transit und 2 + 1 Kreuzer für Württemberg Inland bei einem Gewicht von über 1/2 bis 1 Loth, womit die 15 Kreuzer als Summe korrekt wären.


    Wer eine andere Idee hat (hoffentlich!), darf sie gerne äußern.

  • Lieber Dieter,


    da magst du wohl Recht haben ... schwieriges Thema und auch meine österreichischen/ungarischen Freunde zeigen mir gerne ihre Schätze aus der Vormarzenzeit, wenn sie nach Württemberg oder den Süden Deutschlands liefen, weil da auch kaum einer alles versteht.

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo aus Jagstheim,

    hier ein Brief bei dem ich beim Porto 1 1/2 Kreuzer nicht unterbringe:

    Es handelt sich hier um einen Teilfrankobrief von Österreich nach Württemberg (Thurn und Taxis).

    In Österreich bestand zu dieser Zeit der Grenzfrankozwang. Es musste daher vom Absender bis zur österreichischen Ausgangsgrenze bezahlt werden.

    Beim rückseitigen Vermerk handelt es sich um die österreichischen Gebühren: 14 Kreuzer CM (Conventionsmünze) für den Brief bis 1/2 Lot nach dem Tarif von 1817 bis zur österreichischen Ausgangsgrenze und für das Einschreiben 4 Kreuzer CM.

    Für den bayerischen Transit wurden 8 Kreuzer rheinisch berechnet (blauer Vermerk).

    Schön sind auch die Leitvermerke: par Nürnberg über Greilzheim (Crailsheim; lustige Schreibweise). Was ich jedoch nicht ganz verstehe ist die 9 1/2 Kreuzer auf der Vorderseite. Die 8 Kreuzer Transit wurden auf jeden Fall in diesem Gebührenvermerk verrechnet. Es gibt aber keinen T + T Tarif mit 1 1/2 Kreuzern. Könnte es sein, dass der Empfänger des Briefen in Württemberg Gebührenfreiheit genoss und dass es sich bei den 1 1/2 Kreuzern um den Botenlohn von Crailsheim nach Jagstheim handeln könnte.