Sachsen -Taxis

  • Liebe Freunde,


    zwischen Sachsen und Taxis findet man immer wieder Nahbereichsbriefe mit einer 1/2 Sgr.-Taxe.
    Offensichtlich gab es hier einen Lokaltarif.
    Kennt jemand die vertraglichen Grundlagen hierzu ?


    Anbei ein Beispiel für diesen Tarif aus dem Jahr 1858, vom sächsischen Reichenbach nach Greiz (Reuß ä.L.), die Entfernung betrug hier gerade mal 1 Meile.



    Viele Grüße
    Michael

    Mitglied im DASV - Internationale Vereinigung für Postgeschichte

  • Lieber Michael,


    den relevanten Postvertrag zur Nahbereichstaxe Sachsen - Taxis suche ich auch schon lange vergeblich. Fest steht, daß er aus der Zeit vor dem Postvereinsvertrag datieren muß. Im Anhang zum Postvereinsvertrag finden sich in den sächsischen Postverordnungen die Ortspaare, für die das 1/2 Ngr. Franco für einfache Briefe ins taxissche Postgebiet gilt. Einschließlich der Ergänzungen für später neu eröffnete Postorte bin ich in der Summe auf 616 Ortspaare gekommen.


    Wie Du sicherlich weißt, hat Preußen diese Taxermäßigung für die von Taxis "erbeuteten" Postgebiete übernommen. Naturgemäß sind diese Belege recht selten zu finden, während die früheren relativ häufig vorkommen. Spannend wird es allerdings, wenn man jeden von Taxis betreuten Staat belegen will.


    Beste Grüße


    Altsax


    PS: Nachfolgend etwas zum Grübeln

  • Lieber Altsax,


    war Ziegenrück keine preußische Exklave? Also 3 Länder bei einem Nahbereichsbrief. Chapeau!


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Lieber Altsax,


    danke für die Info. So etwas hatte ich befürchtet. Ergänzungslisten mit Ortspaaren hatte ich auch schon gesehen.

    ... bin ich in der Summe auf 616 Ortspaare gekommen.

    Nicht schlecht! Aber sammlerisch vermutlich eher ein Geduldsspiel als spannend.

    ... Spannend wird es allerdings, wenn man jeden von Taxis betreuten Staat belegen will.

    In der Tat reizt mich diese Variante mehr.

    PS: Nachfolgend etwas zum Grübeln

    So schnell kann man ja gar nicht lesen, wie @bk da mal wieder zugeschlagen hat.
    Glückwunsch zu dem Prachtstück !


    Viele Grüße
    Michael

    Mitglied im DASV - Internationale Vereinigung für Postgeschichte

  • Lieber Altsax,


    eine vertragliche Basis kann ich nicht bieten.
    Nur vielleicht etwas zur Unterfütterung der Spekulation: H.v.Stephan schreibt zu den postalischen Verhältnissen bei der Enklave Allstedt, dass Preußen bei Übernahme des Gebietes dort die postalischen Vereinbarungen zwischen Weimar und Sachsen mit übernommen und fortgeführt hat.
    Wäre hier nicht ein analoges Vorgehen denkbar !?


    Viele Grüße
    Michael

    Mitglied im DASV - Internationale Vereinigung für Postgeschichte

  • Lieber Michael,


    eine Abweichung von der Postvereinstaxe von (im 3. Entfernungsbezirk) 3 Ngr. ist den jeweils betroffenen sächsischen Postorten per Verordnung mitgeteilt worden. Eine Sondertaxe Eisenberg - Ziegenrück ist nicht verfügt worden.


    Aus meiner Sicht denkbar sind zwei Varianten:


    a) Es gibt eine Regelung, die die gleiche Taxe wie für die nächstgelegenen taxisschen Postorte festlegt (das ins 0,5 Ngr.), sie ist jedoch noch nicht in mein Blickfeld geraten.
    b) Es existierte zur Zeit der taxisschen Postverwaltung in Sachsen - Altenburg eine ermäßigte Taxe zwischen Eisenberg und Ziegenrück, die vom sächsischen Postler einfach übernommen worden ist.


    Vielleicht findet sich einmal ein preußischer Brief aus Ziegenrück nach Eisenberg, der Licht in das Dunkel bringt.


    Beste Grüße


    Altsax

  • Lieber Altsax,


    in preußischen Verordnungen von 1851 wurde die Beibehaltung von ermäßigten Nahbereichstaxen zu 1/2 Sgr. bestätigt.
    Hierhin aufgeführt wurden u.a. Ziegenrück-Pösneck und Ziegenrück-Schleiz.
    Eisenberg taucht dort nicht auf.


    So weit die bekannte, dünne Aktenlage.


    Viele Grüße
    Michael

    Mitglied im DASV - Internationale Vereinigung für Postgeschichte

  • Liebe Freunde,


    nachdem oben ein Brief von Sachsen nach Reuß ä.L. gezeigt wurde, folgt hier ein Brief mit der Nahbereichstaxe von 1/2 Ngr. von Sachsen ins Fürstentum Reuß j.L.



    1853 von Oelsnitz nach Schleiz an das Fürstlich Reußische Justizamt, I. Abtheilung
    Absender war Otto Schanz, Königlich Sächsischer Notar (das Siegel ist noch schön erhalten)


    Rückseitig findet sich der Kursstempel LEIPZIG-HOF. Wenn ich mir den Ausbauzustand der sächsischen Eisenbahnen in diesen Jahren anschaue, müsste der Speditionsweg so ausgesehen haben:
    von Oelsnitz mit der Kutsche nach Plauen
    in Plauen mit dem ersten Zug des Tages Richtung Hof bis Schönberg
    von Schönberg mit der Kutsche nach Schleiz


    Stimmt der Weg so?


    Viele Grüße
    Michael

    Mitglied im DASV - Internationale Vereinigung für Postgeschichte

  • Liebe Freunde,


    ein weiterer Nahbereichsbrief, frankiert mit 1/2 NGr. (Mi 15), entwertet mit dem Nummernstempel 67.



    Am 9.8.1865 in Kahla, Herzogtum Sachsen-Altenburg mit sächsischer Post, aufgegeben und am Folgetag im gut 2 Meilen entfernten Jena, Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach mit T&T-Post, an den dort zur Untermiete wohnenden Candidaten der Theologie zugestellt.


    Viele Grüße
    Michael

    Mitglied im DASV - Internationale Vereinigung für Postgeschichte

  • Hallo Zusammen,


    da hier einige Zeit nichts mehr gezeigt wurde möchte ich den heutigen Sonntag nutzen und einen Brief zeigen welcher mir vor einiger Zeit ins Netz gegangen ist.

    Ein Nahbereichsbrief (Ganzsache) vom 15.VIII.1867, aufgegeben in RODA , Herzogtum Sachsen - Altenburg, nach Rehmen bei Pössneck, im Großherzogtm Sachsen - Weimar - Eisenach.

    Der Brief ging an Heinrich Laussmann, Böttchermeister.


    Die Entwertung erfolgte mit dem Nummernstempel 127 von Roda, daneben wurde der sächsische Doppelkreisstempel von Roda abgeschlagen.



    Der Brief lief über Neustadt an der Orla nach Pössneck, was die rückseitigen Stempel belegen.

    Für den Weg von Pössneck nach Rehmen musste noch vom Empfänger eine Zustellgebühr bzw. Botenlohn von 2 Sgr. (?) bezahlt werden. (roter handschriftlicher Vermerk.)



    Dieser wurde vom Bürgermeister ausgelegt - siehe Vermerk.

    Das Postgeld oder Bothenlohn hat der Bürgermeister Michels ausgelegt.


    (Ergänzungen bzw. Berichtigungen sind willkommen)


    Viele Ostersonntagsgrüße

    Matthias

    Suche immer Belege von Roda / Stadtroda.

  • Lieber Matthias,


    Ralph hat recht, Sachsen-Meiningen hatte Guldenwährung.

    Außerdem gehörte es zum Versandzeitpunkt nicht mehr zum taxisschen Postbezirk, sondern zu Preußen.


    Dadurch wird der Beleg aber nicht schlechter, ganz im Gegenteil.


    Liebe Grüße


    Jürgen

  • Hallo Matthias,


    ich stimme Jürgen zu: 2 Groschen-Ganzsachen ins benachbarte Kreuzer-Gebiet Preußens sind keine Massenware. Man muß immer bedenken, daß solch ein Beleg nur 15 Monate möglich war.


    beste Grüße

    Dieter

  • Lieber Ralph, lieber Jürgen,


    wenn es mal schnell gehen soll dann passieren solche Fehler.

    Vielen Dank das Ihr da immer wieder drüber schaut.


    Ich werde morgen noch etwas zu diesem Thema "Nahbereich" einstellen.


    Liebe Grüße

    Matthias

    Suche immer Belege von Roda / Stadtroda.

  • Dann zur Einstimmung heute ein Nahbereichsbrief vom 15. Januar 1857 von

    Roda nach Greiz.

    Entfernung Roda - Greiz 4 Meilen.



    Der blaue Vermerk ist die taxissche Austaxierung. Die "0" über dem Bruchstrich steht für die vollständige Frankierung des Briefes. Unterhalb des Bruchstriches steht 1/4 Sgr. für das noch zu erhebende Bestellgeld in Greiz.



    Der Brief lief über Gera nach Greiz.


    Beste Grüße Matthias

    Suche immer Belege von Roda / Stadtroda.