Von Hamburg nach Übersee

  • Hallo zusammen,


    so sehr viele Briefe wird es hier wohl nicht zu sehen geben (ich selbst habe keine handvoll). Ein eigener Thread ist aber dennoch sinnvoll, da je nach Leitung der Briefe unterschiedliche Postämter involviert sind.


    Beginnen möchte ich mit einem Franko-Brief, der am 24.8.1861 von Hamburg nach Boston in den USA geschickt wurde. Am 9.11. kam der Brief in New York an, ein Eingangsstempel von Boston ist leider nicht vorhanden.
    Der Absender zahlte für den Brief ?? Schilling = 10 Cent.


    Nähere Angaben zu diesem Brief wären sehr willkommen ;)


    Gruss


    senziger

  • Hallo,


    hier ein weiterer Brief von Hamburg in die USA. Der Portobrief wurde am 1.3.1866 beim Stadtpostamt aufgegeben und kam am 13.3. in New York an.


    Der Absender hat als Leitweg "via Queenstown" (heute Cobh, Irland) angegeben. Offensichtlich lief der Brief über das preussische Aachen. Siegelseitig befindet sich lediglich der Absenderstempel einer Hamburger Firma.


    Hier ist mir einiges unklar:


    kostete der Brief nur 5 Cent?
    was bedeutet die blaue 2?
    warum befindet sich kein Stempel des preussischen Postamtes auf dem Brief?
    wie lief der Brief ab Aachen? Ist das überhaupt noch zu ermitteln?


    In der Hoffnung auf Antworten


    senziger

  • Hallo senziger,


    kostete der Brief nur 5 Cent?


    Nein, Preußen vergütete 5 Cents an die US - Post.


    was bedeutet die blaue 2?


    2 Silbergroschen war der deutsche Portoanteil bis zur Grenze bei Aachen Richtung Belgien. Sie standen der Aufgabepost zu und mussten von dieser in blau notiert werden.


    warum befindet sich kein Stempel des preussischen Postamtes auf dem Brief?


    Die Postverhältnisse sind etwas kompliziert dort, aber ich glaube, dass Taxis bei Briefen der Destination USA als Aufgabepost fungieren konnte; das wissen aber andere sicher besser als ich Südländer. :D


    wie lief der Brief ab Aachen? Ist das überhaupt noch zu ermitteln?


    Ganz normal wie jeder Brief nach dorthin mit der Bahnpost. Ab da über die Bahnpost Belgiens bis Ostende, dann über den Kanal bis - hier gibt es mehrere Möglichkeiten - Liverpool, Southampton und dann über Irland nach New York. In den USA erhielt er den Stempel für einfache Briefe der Prussian Closed Mail mit 30 Cents oben, dem Gesamtporto.


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • P.S. Kleine Ergänzung: Die 30 US Cents, die oben im New Yorker Stempel stehen (rechts: British Packet) gaben den Vertragswert in Silberwährung an. Unten stehen 38 Notes - das waren 38 US Cents in Papiergeld. Nach den für die USA desaströsen Auswirkungen des Sezessionskrieges von 1861-1865 war die Währung der Amerikaner nicht mehr mit Silber zu decken, so dass die Inflation durch Papiergeld der Notenbank Federal Reserve anstieg - während Silber seinen Wert behielt, wurden die Geldscheine immer wertärmer, daher der Aufschlag von 8 Cents auf den im Postvertrag festgezurrten Wert.


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo bayern klassisch,


    vielen Dank, dass waren ja mehr Antworten als ich Fragen gestellt habe :thumbsup:


    Was mich noch interessieren würde, wäre was der erste Brief den Absender gekostet hat.


    Gruss


    senziger

  • Hallo senziger,


    da werde ich morgen mal deinen Brief und den amerikanischen nach Bayern von bayernjäger zu lösen versuchen ...


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo senziger,


    dein Brief wog unter 1 Loth bzw. 1/2 Unze, war also einfach. Am 25.8.1861 wurde er mit der "Hammonia" der Hamburg - Americanischen - Packetfahrt - Actiengesellschaft (HAPAG) über den großen Teich befördert und kam spät am 10.9. an, weshalb er erst am 11.9. den New Yorker Eingangsstempel erhielt.


    Als Postvertrag galt der ab 1.7.1857 abgeschlossene mit den USA für Bremen und Hamburg, der - ich schreibe es jetzt in Kreuzern, die du in Hamburgische Schilling Courant reduzieren darfst - 22 Kr. für den Brief vorsah. 6 Kr. für Hamburg und 16 Kr. = 10 Cents als Weiterfranko, die hier in rot von NY gestempelt wurden, weil man sie vergütet bekam.


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo bayern klassisch,


    vielen Dank für deine umfassende Antwort :thumbsup:


    Der Absender des Briefes zahlte 9 Sch.


    Nachdem ich jetzt endlich mal Zeit gefunden habe in meinen Büchern zu blättern, habe ich folgendes gefunden:
    Das Franko für Briefe in die USA betrug: 6 Sch. mit Hamburger Dampfer direkt, 9 Sch. über Bremen und 18 Sch. über Aachen. Außerdem gab es wohl noch eine Leitung über Frankreich zu 16 Sch. Das Ganze ist doch recht unübersichtlich.



    Ich kann noch einen Brief aus der Zeit des Norddeutschen Bundes zeigen, der auch 4 Gr. (= 6 Sch.) gekostet hat. Der Brief ist an Erwin Stammann, den Vizekonsul des Norddeutschen Bundes in New York, gerichtet und wurde am 26.8.1870 auf die Reise geschickt. Der Ankunftsstempel ist leider unleserlich.
    Ich denke aber, dass dieser Brief nichts mehr mit den alten Postverträgen zu tun hat.


    Gruss


    senziger

  • Hallo senziger,


    ich habe alle Bücher dazu, in denen die Postbeziehungen beschrieben und aus den damaligen Gazetten die Ankunfts- und Abfahrtszeiten der Schiffe und ihrer Linien aufgelistet sind. In 5 Minuten ist solch eine Recherche aber nicht zu machen ...


    Zum Dampfer musst du googlen.


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo,


    heute kann ich einen Brief von Hamburg nach Geelong, Victoria, Australien, zeigen. Der Brief wurde am 11.10.1856 in Hamburg mit 16 Sch. bar bezahlt und über Liverpool (13.10.) nach Geelong verschifft, wo er am 28.12.1856 ankam (siegelseitig SHIPPLETTER, GEELONG-VICTORIA, FREE, 28 DC 1856).


    Geelong war eine kleine Siedlung, die 1841 454 Einwohner hatte. 1851 lösten reiche Goldfunde in der Nähe von Geelong einen Goldrausch aus, der zu einer raschen Entwicklung der Stadt führte. 1854 hatte Geelong bereits 20.115 Einwohner (Wikipedia).


    Der auf Seidenpapier geschriebene Inhalt des Briefes ist komplett erhalten. Über den Adressaten habe ich bisher nichts finden können.


    Viele Grüße


    senziger

  • Hallo senziger,


    Glückwunsch zu dieser Rosine - für das schwierige Papier und den enormen Laufweg in hervorragender Erhaltung und die "Story" dahinter mit dem Goldrausch ist natürlich topp.


    Wenn du so etwas von Bayern findest, gib mir bitte Bescheid!


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo,

    ich habe hier einen Brief Hamburg - New York.

    Rueckseitig ist der Brief "einfach", aber vorne hat er einen Stempel den ich noch nicht gesehen habe und ihn in diesem Sinne nicht als Poststempel, sondern als Eingangsstempel der HAPAG sehe. Die Bavaria war ja auch einer ihrer Schiffe.

    Bzgl Taxierung sehe ich eine rote 6 (sgr) .. reichte das nach NY?

    RS ein blauer Hamburger Stadtpoststempel 24/11/1866 und Adresstempel der Hamburger Handelsfirma Crasemann & Stavenhagen.

    VS Roter K1 Hamburg Packet Nov 24. Wurde der Brief beim Stadtpostamt aufgegeben, welche ihn an die HAPAG weitergegeben hat? Wurden diese Briefe nicht eher mit der Th&T Post versendet?


    LG Andreas


  • Hallo Andreas,


    der große rote K1 HAMBURG PACKET 3 / NOV 24 PAID ist im Meyer-Margreth: Die Poststempel von Hamburg aufgeführt.

    Er wird in Bezug zu dem 1855 geschlossenen Abkommen mit England gesetzt, mit dem die Verrechnung nicht mehr für jeden Brief einzeln vorgenommen, sondern nach Gewicht berechnet wurde. Es gibt auch einen Stempel ohne PAID-Einsatz. Die "3" bezeichnet einen Dampfer bzw. eine Dampfertour.


    Gruß

    Michael

    Preußen mit Transiten

  • Hallo Andreas,


    der Brief wurde nach dem Postvertrag USA-Hamburg von 1857 taxiert: 4 1/2 Silbergroschen = "6" Schilling von Hamburg nach New York.
    Die "3" im roten Stempel ist der an die USA vergütete Gebührenanteil (3 Cents).


    Viele Grüße
    nordlicht