Innerbayerische Portobriefe

  • Liebe Freunde,


    den Anfang macht ein Minibriefchen aus Nördlingen vom 25.4.1864 nach Nürnberg. Bei einer Entfernung von 80 km noch in der 12 Meilenzone, daher nur 3x Porto und 3x Portozuschlag = 6x wie notiert.
    Ankunft war am selben Tag!


    Der Absender machte dem Empfänger Avancen, mit ihm ins Geschäft zu kommen. Da hat man aber etwas schwäbisch gedacht und ihm erst einmal einen Portobrief zu geschickt ...


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

  • Hallo Bayernfreunde,


    ein 6-Kreuzer-Portobrief aus der Tarifperiode 1.7.1858 - 31.7.1865 ist ja nun eigentlich nichts besonderes - siehe Scan.


    Inhalt hat er auch keinen; das hat man ja oft bei Kirchenbriefen. Aber durch den Würzburger Zweikreisstempel ist ja zweifelsfrei datierbar.


    Gekauft habe ich ihn vor allen Dingen aber wegen des schönen und seltenen Halbkreisstempels von Motten. (Zumindest auf Markenbriefen bewertet Sem ihn ja recht hoch.)
    Und dann habe ich mich über das schöne und gut lesbare Papiersiegel "Ordinariat des Bisthums Würzburg" gefreut.


    Viele Grüße
    bayern-kreuzer

  • Lieber Bayern-Kreuzer,


    ein schöner Brief - von Motten gab es auch rote Stempelabschläge; es wäre zu schön gewesen, einen solchen zu schnappen.


    Die Periode ging aber nur bis zum 31.3.1862 - dann wurde das Zollpfung neu aufgeteilt und es gab ab diesem Zeitpunkt nicht mehr 32 Lothe je Pfung sondern nur noch 30 Lothe.


    Der Brief durfte also zu Beginn nur 15,625g wiegen, danach aber bis 16,66g. Aber das nur am Rande ...


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo zusammen,


    heute möchte ich in diesem erstaunlicherweise noch recht wenig beschriebenen thread meinen bislang wohl hübschesten, zugleich interessantesten Portobrief vorstellen. Im Miniformat 9,8 cm x 7,3 cm aufgegeben am 12.07.1853 in Neustadt a.d.Haardt lief er zunächst über Landstuhl nach Cusel und von dort aus zur Postexpedition Münchweiler am Glan.


    Diese war u.a. zuständig für das lt. Adressierung angegebene Eisenbach der Bürgermeisterei Theisbergstegen im Landkommissariat Cusel. Inhalt des kleinen Portobriefes zu 6 Kr ist eine letzte Mahnung über den Gesamtbetrag von 39,47 Gulden, bestehend aus einem ?-Ziel von 38,20 fl., 1,20 fl. Zinsen, 4 Kr Mahngebühr für die erste Mahnung und 3 Kr für deren Postzustellkosten.


    Der Absender betont am Abschluss des Schreibens: Sorgen Sie dafür dass dieser Betrag am 21. August in Speyer eingetroffen ist weil ich...Eintreffen... Tja und dann kann ich es nicht mehr entziffern, wie auch die beiden Wörter weiter oben vor in Matzenbach. Erbitte insofern Hilfestellung auch bezgl. der rückseitig angebrachten Rötel-Acht.


    + Gruß


    vom Pälzer

  • Da ich auch üben muss versuche ich mich mal an der Entzifferung des Satzes:


    Sorgen Sie dafür dass dieser Betrag am 21. August in Speyer eingetroffen ist weil ich ihnen bei einem späteren Eintreffen für Kosten nicht(?) mehr gut_____ kann.


    Mehr habe ich noch nicht herausbekommen...


    Viele Grüße,


    Nacktnasenwombat

  • Hallo Pfälzer,
    nur ein kleiner Hinweis zur Pfälzer Heimatkunde: nicht Münchweiler an der Alsenz, sondern Münchweiler am Glan, also das heutige Glan-Münchweiler im Landkreis Kusel (MR 473 und 326).
    Schönen Abend
    HOS

  • Hallo Pälzer,


    "... bei einem späteren Eintreffen für Kosten nicht mehr gutstehen kann".


    Schön auch die 3x "für die Postbestellungsgebühr" = Zustellgebühr.


    Portobriefe, noch dazu so schöne, sind innerhalb der Pfalz nicht häufig - sie werden auch gerne mit Briefen der VMZ verwechselt. Der Abschlag des Neustadt - Stempels ist perfekt.


    Danke fürs zeigen und liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Liebe Freunde,


    erstmal@Pälzer ein ganz schöner pfalz Beleg und als portobreif während der markezeit nich häufig :)


    Erbitte insofern Hilfestellung auch bezgl. der rückseitig angebrachten Rötel-Acht.


    Dann@Bayern Klassisch und in die Runde, wofür war nun die "8" siegelseitig in rot? Das dürfte die Annahmepost notiert haben, oder?


    Viele Grüsse
    Bayern Social

    Beste Grüsse von
    Bayern Social




    "Sammler sind glückliche Menschen"

  • Hallo zusammen,


    ich danke zunächst für die bisherigen Klarstellungen. Der auch von BS gestellte Frage nach der Bedeutung der rückseitig - evtl. von der Annahmepost angebrachten - Rötel-Acht schließe ich mich gerne an. Könnte es sein, dass hier die 6 Kr Porto mit 2 Kr Landpostbestellgeld zusammen gefasst worden sind ? Die Strecke von Münchweiler am Glan nach Eisenbach (bei Matzenbach) beträgt ca. 4,3 kam. Abschließend auch nochmals meine Bitte um Aufklärung bzgl. der ersten beiden Wörter am Eingang der Mahnrechnung, ich komme einfach nicht drauf.


    Schönen Gruß !


    vom Pälzer

  • Hallo Pälzer,


    die ersten Worte kann ich auch nicht lesen - vlt. nächstes Mal beim Doc mitbringen, dann erhöht sich die Chance etwas.


    Siegelseitig 8 könnte 6x Porto und 2x Landbote sein - könnte, muss aber nicht. Es war auch möglich, andere zu dingen, die Post abzuholen (Private, Verwandte usw.). Stünde da mit schwarzer Tinte 6 + 2 / 8xr wäre die Sache klar. So wird sie es nicht werden.


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Liebe Sammlerfreunde,


    folgenden Brief möchte ich zeigen:
    Unfrankierter Brief, wahrscheinlich vom Schloßbesitzer Max Anton von Grafenstein
    in Altneuhaus bei Grünwald (beide Orte gibt es nicht mehr, sie lagen im Truppenübungs-
    platz Grafenwöhr und wurden aufgelöst), bei der Postexpedition Grünwald bei Vilseck
    am 21. Juli 1861 aufgegeben. Grünwald und München lagen weit über 20 Meilen ausei-
    nander, trotzdem wurden nur 6 Kr. Porto angeschrieben (3 Kr. bis 12 Meilen und 3 Kr.
    Zuschlag bei unfrankierter Absendung (normal wären 6 Kr. - über 12 Meilen und 3 Kr.
    Zuschlag zu zahlen gewesen. Evtl. wurden die 6 Kr. erst in München angeschrieben,
    denn man ging vom 1 1/2 Meilen entfernten Abgangsort Grünwald bei München aus.
    Grünwald bekam aber erst 1890 eine Postexpedition. Der Brief ging an Baron von
    Lindenfels in München.


    Beste Grüße von VorphilaBayern

  • Lieber VorphilaBayern,


    wäre es möglich, dass der Brief von 1867 datiert? Dann wären die 3x plus 3x Portozuschlag korrekt. Briefe an gewöhnliche Soldaten bis zum Feldwebel waren ja auf 3x Porto festgesetzt worden, so dass es ein solcher Fall doppelt nicht sein konnte.


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Lieber VorphilaBayern,


    es ist eine 7, aber das tut dem Brief keinen Abbruch - er ist sehr attraktiv und mit einer Militäradresse eines Kadettenkorps kenne ich keinen zweiten.


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Liebe Freunde,


    heute zeige ich einen innerpfälzischen Portobrief der Kgl. Filialband Ludwigshafen am Rhein an die Steuer- und Gemeinde Einnehmerei in Zell, welcher unter der Partei Sachen Expeditions-Nr. 1598 der Post zur Abspedierung übergeben wurde.


    Der Brief vom 4.6.1861 nach Zell im Donnersbergkreis war auf Grund des Spezialtarifs für die Pfalz mit 6x zu taxieren, denn innerhalb der Pfalz kosteten alle einfachen Briefe 3x Franko bzw. 6x Porto.


    Der violette Strich neben der 6 war der Quittungsstrich der Kassenbeamten dort bei der späteren Abrechnung der Gebühren und nicht postalischen Unsprungs.


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

  • Liebe Freunde,


    heute zeige ich einen Portobrief aus Stadtprozelten, eine Expedition mit abenteuerlicher Geschichte, wenn man Mühlräder sammelt, was hier aber nicht relevant ist. Vom 17.5.1856 lief er in das nahe Amorbach (3 Meilen entfernt) und kostete, weil über 1 bis 4 Loth wiegend, satte 12x. Die ursprünglich mit schwarzer Tinte notierten 12x wurden abgestrichen und durch eine Rötel 12 ersetzt. Aus den 1850er Jahren kann man dieses Gebaren hin und wieder sehen - wohl, weil jeder selbst gerne schrieb, was sein Bote einzuheben hatte. Briefe dieser Zeit in der 2. Gewichtsstufe unfrankiert sind nicht so häufig, wie man denken könnte, denn frankiert kosteten sie nur 6x und 100% Aufschlag war schon ein Wort.


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

  • Verehrte Freunde,


    ein kleines Mitbringsel aus Zweibrücken. Solche Briefe mag ich: ein reiner (und damit seltener) Privatbrief von 1857 mit Inhalt, Porto von Erding nach München geschickt. Inhalt: ein abschlägig beschiedener Zahlungswunsch.
    Gerne wünschte man dem Briefschreiber, dass es beim Kaufmann für eine Tüte Deutsch zu drei Kreuzern gelangt hätte, denn die Rechtschreibung ist auch nach damaligen Maßstäben grenzwertig. Hier wurde ganz offensichtlich nach Gehör geschrieben.


    "Liebster Freint
    Das mir in eiren Brief gelesen haben das mir
    eich 15 fl schücken sollen so hat uns der
    Herr Landrichter gesagt sie sollen sich gegen
    Landgericht wenden den ohne unwiesen (!) den
    Landgericht derwen mihr keinen Kreizer
    auszallen Schreibt ihr nur ins landgericht
    mir halten eich keinen Kreizer auf.“


    Für Formalitäten wie einen abschließenden Gruß reichte es auch nicht mehr. Möglicherweise war der Briefschreiber bereits restlos erschöpft.
    Dass man dem Bittsteller auch noch die Kosten für einen Portobrief zumutete, erscheint nur konsequent ...


    Viele Grüße aus Erding!