"VON" und "DE"-Stempel

  • Hallo Filigrana,


    vielen Dank für die Anmerkung.
    Privatbriefe, außer die bekannten Korrespondenzen wurden in der Regel
    nicht aufgehoben. Amtliche Briefe, die nicht in der Papiermühle landeten,
    fanden und finden öfters den Weg zu den Sammlern. Viele Archive wurden
    gerade nach 1945 intensiv "geräumt".


    Beste Grüße von VorphilaBayern

  • Liebe Adriana,


    ergänzend zu den Ausführungen unseres lieben VorphilaBayern möchte ich noch hinzu fügen, dass über 90% der Menschen im 18. Jahrhundert weder oder kaum lesen und schreiben konnten, also mit Briefen nichts hätten anfangen können.


    Aber auch unter den Gebildeten war das Briefeschreiben nur dann Usus, wenn man wohlhabend war, denn Briefe waren teuer, Auslandsbriefe in ihren Gesamtkosten nur den oberen 10.000 zu zahlen möglich.


    Darüber hinaus fand das richtige Leben im Umkreis von 5 oder 10 km statt - wir hatten narrative Gesellschaften, die nichts schrieben, weil es nichts zu schreiben gab und die gerne und viel redeten, wenn es etwas zu bereden gab.

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo Männer,
    hab was zur Thema lesen gefunden..
    auf die erste Stempel Erfassungen Vorphilatelistischen Sammler sind die Sortierungen von Archiven ca. 1930 zum verdanken..
    LG A

    "Im Grunde sind es doch die Verbindungen mit Menschen, die dem Leben seinen Wert geben."
    W. v Humboldt

  • Guten Abend,
    vielleicht eine banale Frage – warum sind die erste Stempel fast immer nur bei Briefen an Rats, Patriziat, Adeligen ..Empfänger vorzufinden?
    LG A

    Hallo Filigrana


    Man kann deine Antwort auch etwas anders geben wenn es um Rothenburg geht.


    Eine kurze aus - nur drei Sätze - habe ich von Wikipedia geholt: Nachdem 1650 die letzten Soldaten die Stadt verlassen hatten, versank sie in eine Art Dornröschenschlaf. Die Entwicklung stand praktisch still, und die Stadt verlor an Bedeutung. Das ist der Grund, warum sich die Stadt bzw. ihre alte Bausubstanz in einem dermaßen gut erhaltenen Zustand befindet.


    Eine längere Antwort gibt es auch und hier ist meine Quelle Jorg Röde "Der Handel in Königreich Bayern um 1810". Das Buch kennst du ja auch Teilweise. Rothenburg war wie Wikipedia nennt einen Stadt wo es nicht viel Los war. Obwohl das Buch die Zeit um 1810 beschreibt und die Monteglas-Statistike 1809/10 und 1811/12 behandelt, deutet das Buch auf die vorbayerische Zeit hin.


    Zwei wichtige Punkte für es fehlenden Briefkorrespondenz von Rothenburg ist:
    - Es gab kein Industrie
    - Es gab kein Speditions- oder Kommisionshändler
    Also gibt es weniger Archiven mit Briefe aus Rothenburg als von Städte mit Industrie, Speditions- und Kommisionshändler.


    Weiter war es in Rothenburg generell wenige Händler oder Krämer, durchschnittliche Handelsvolumen per Händler 523 Gulden und Krämer 312 Gulden. Mit 5754 Einwohner in Polizeikreis Rothenburg (8122 in Landgericht) ist es deutlich zu sehen dass es ein eher geringen Korrespondenz aus Rothenburg war. Es bleibt also wie schon genannt Rats, Patriziat, Adeligen.
    Möglich ist es dass es ein Archiv gab der mehrere Briefe aus Rothenburg hatte und dass es auf den Markt 100-e von Briefe gab - dass hatte dann ein falsches Bild gegeben wie es damals war.


    Viele Grüsse
    Nils

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis grösser als in der Theorie.

  • Hallo und danke schön Nils,
    vor allem für die Einzelheiten – wo ich dankbar annähme und vieles da zu beiträgt das man sich ein Breiteren Sicht aufbauen kann. Deine Endfällungen das ich auf Bücher greifen soll welche nicht nur mit Wort Post anfangen zahlt sich immer aus. :)
    LG A

    "Im Grunde sind es doch die Verbindungen mit Menschen, die dem Leben seinen Wert geben."
    W. v Humboldt

  • Hallo Freunde


    Ich möchte zwei Briefe mit "DE MUNIC" Stempel zeigen, also keine Seltenheiten. Aber trotzdem Sammelwert :)


    Der Erste lief in 1799 von München nach Schlitz bei Fulda. Bis Würzburg hat der Absender 10 Kr Rh bezahlt. Und der Empfänger 1 1/2 Batzen.
    Rückseitig auch ein schöner Siegel.


    Der Zweite Brief lief nach St. Etienne in Frankreich und bis Rheinhausen frankiert. Hier hat der Absender auch 10 Kr Rh bezahlt. Und der Empfänger hat 17 Decimes bezahlt. Hier sehen wir auch den D'Allemagne Stempel aus Strasbourg.


    Viele Grüsse
    Nils

  • Hallo Freunde,

    seit über 3 1/2 Jahren hat sich hier im Tread nichts mehr getan. Unglaublich. Es wird also höchste Zeit für einen neuen Brief.


    Er lief am 10.9.1801 von Feuchtwangen in Mittelfranken ins nahe Ellwangen in Württemberg.


    Der Absender vermerkte handschriftlich oben auf der Vorderseite "von Feuchtwang". Zusätzlich wurde der Einzeiler "D-Feuchtwang" (Feuser/Münzberg 951-1) aufgesetzt.

    Unten links auf der Vorderseite vermerkte der Absender "frei" und "recomendirt".


    Eine Taxziffer ist weder auf der Vorderseite als auch auf der Rückseite vermerkt. Auch eine Chargénummer oder eine anderweitige Kennzeichnung als Chargébrief fehlen.

    Das hing sicherlich mit dem Absender des Briefes zusammen. Es handelte sich um (Samuel) Schroeppel (siehe auch Briefinhalt), der zu dieser Zeit Posthalter in Feuchtwangen und deshalb wohl portobefreit war. Ersichtlich war das auch aus dem schönen roten Lacksiegel mit der Umschrift "Kay. Reichspost. Amt Feuchtwang".


    Viele Grüße

    bayern-kreuzer

  • Lieber Wolfgang,


    ein Traumbrief! Der Posthalter hat sicher keinen Schein gezogen (auf sich), daher war der Terminus recommandirt nur pro forma, denn ohne Schein keine Ersatzforderung.


    Portofrei kann er gewesen sein - da müsste man sein Patent kennen.


    Besser kann ein alter Stempel nicht abgeschlagen worden sein - herrlich!

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus