Bayern - Thurn und Taxis

  • Lieber Dieter,


    lesen kann ich das Fragment nicht sicher - aber ein Bayernbrief nach Taxisland lief nie über Preussen (jedenfalls nicht im offenen Transit).

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Liebe Freunde,


    einen solchen Brief hatte ich zuvor auch noch nicht in Händen: Absender ?? gerichtet "An die großherzoglich hessische Cabinetts - Cassa - Verwaltung in Darmstadt" mit der Beisetzung NULL fr(anco). Leider ohne Inhalt heute, so dass man nicht mehr feststellen kann, wer alles verfasst hatte.


    Die Aufgabepost in München akzeptierte ihn so am 18.2.1851 und ließ ihn untaxiert abgehen (Marken hätten eh keine verwendet werden dürfen, da dieser Teil Hessens erst später in den DÖPV aufgenommen wurde).


    Laut Siegelseite mit dem 2. Bestellgang am 20.2.1851 zugestellt - alles in allem recht unspektakulär das Ganze, aber ungewöhnlich.

  • Guten Abend,


    möchte hier einen Brief der Gewichtsstufe 1 (1/2 Loth) von Bamberg nach Weimar, also ins Postgebiet Thurn & Taxis vom 14. März 1817 zeigen. Der Brief lief als Teilfranko von Bamberg bis zur Grenze des Großherzogtums Sachsen-Weimar-Eisenach bei Coburg, erkennbar an dem handschriftlich angebrachten Kürzel "Cobg" am unteren Briefrand. Für diese Strecke von rund 5-6 Meilen waren laut Tarif von 1810 3 Kr. zu entrichten, die auf der Rückseite vermerkt sind. Für die restliche Strecke Coburg - Weimar über ca. 11 Meilen war das Porto vom Empfänger zu entrichten und wurde von der T&T Postverwaltung auf der Vorderseite notiert. Ich lese 12 Kr., bin mir aber nicht sicher.


    Gruß Klaus

  • Liebe Sammlerfreunde,


    hierzu folgende Dienstbriefhülle (Criminalia) von Lindau (Kgr. Bayern) nach Achberg (Hohenzollerische Exclave bei Lindau) vom 20. September 1822, mit Vermerk "p. Wangen". Wahrscheinlich erfolgte die Bestellung zu dieser Zeit über Wangen (Württemberg). Briefe, die mir vor dieser Zeit vorliegen, erfolgten meistens mittels Hohenzollerischen Amtsboten von - und nach Achberg über Lindau.


    Beste Grüße von VorphilaBayern

  • Liebe Freunde,


    bei dieser Briefhülle habe ich gestern auf dem Erdinger Tauschtag lange hin- und herüberlegt, ob ich sie mitnehmen soll oder nicht. Den Ausschlag gab dann die Tatsache, dass Frankobriefe über drei Postgebiete hinweg aus dieser Zeit nicht so häufig sind.


    Lippe-Detmold, aus bayerischer Sicht nicht die naheliegendste Destination, wurde postalisch von T&T versorgt, hatte aber keine direkte Landverbindung zum restlichen T&T-Gebiet. Der Weg dorthin führte entweder über Preußen oder (wohl eher hypothetisch) Hannover/Braunschweig.

    Dieser Frankobrief aus Cham ("Kamm") weist aber siegelseitig nur zwei Taxierungen auf:

    für Bayern und T&T, außerdem einen Krakel "3-und-was-auch immer".


    Zur Erklärung:

    Die "heiße" Phase der Begeisterung für den Verein zur Errichtung des Hermannsdenkmals war 1838/39, bis 1843 liefen Spenden ein.

    In Preußen genoss der Verein Portofreiheit. In München gab es ab Dezember 1838 einen Unterstützungsverein, der ebenfalls Portofreiheit hatte, aber dieser Verein wurde in diesem Fall zugunsten einer direkten Kontaktaufnahme umgangen. In Bayern durften ab Mitte Dezember 1838 Spendenaufrufe in den Zeitungen erscheinen, deshalb ist September 1839 die wahrscheinlichste Datierung für diesen Brief.

    Der Fingerhutstempel "Kamm" war bis 1842 in Gebrauch, was einen Versand unter dem revidierten Briefpostregulativ von 1843 wohl ausschließt. Zu dieser Zeit hatte sich die Euphorie auch gelegt, und nach der Vollendung des Denkmalunterbaus 1846 lag das Projekt erst einmal auf Eis und erfuhr erst ab 1869 einen neuen Schub.


    Jetzt zu meinen Fragen:

    Ist der Krakel "3-und-was-auch immer" rückseitig das Weiterfranco?

    So sehr ich auch rechne, irgendwie komme ich mit den rückseitigen Taxen nicht zurecht. Von Cham bis zur bayerischen Grenze sind es etwa 300 km, aber die Entfernungsstufen des Regulativs passen irgendwie nie ganz dazu.


    Für Hilfe wäre ich sehr dankbar, denn ich möchte diesen Brief und die Hintergründe dazu gerne in einem Rundbrief-Beitrag vorstellen, zumal die Portofreiheit des Münchner Armins-Vereins sonst kaum bekannt sein dürfte.

  • Lieber Dietmar,


    das Regulativ von 1843 spielte hier keine Rolle, da es nur für Inlandsbriefe galt.


    24x zahlte man für Bayern (immer im Nenner) und 18x = 5 Sgr. als Weiterfranko.

    Wenn die Leitung via FFM erfolgen sollte, wäre zu rechnen Cham - Aschaffenburg, schau mal, ob das passt.


    Hinten wurden 3 Silberpfennige für die Zustellung vor Ort notiert.

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Lieber Ralph,


    danke, das hilft mir schon einmal weiter.

    Bis Aschaffenburg müsste es demnach ein Brief bis 48 Meilen in der zweiten Gewichtsstufe gewesen sein. Der Postler kann dann keinesfalls die kürzeste Entfernung gerechnet haben.

    Viele Grüße aus Erding!


    Achter Kontich wonen er ook mensen!

  • Lieber Dietmar,


    34,2 Meilen habe ich mal ermittelt, also ein Brief über 30 - 36 Meilen Entfernung, also 12x einfach, demnach eine 3. Gewichtsstufe über 1 - 1,5 Münchener Loth bei 24x.

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Lieber Ralph,


    *kopfkratz* Irgendwie kann ich es drehen und wenden, wie ich will, Cham-Aschaffenburg sind minimal 300 km, und selbst der zwischenzeitliche Klimawandel kann aus 34 Meilen keine 40 gemacht haben. Angesichts des fast durchsichtigen Briefpapiers der Hülle, das viele Büge und Tintenfraß zeigt, kann es auch nichts richtig Schweres sein, was da versendet wurde.

    Viele Grüße aus Erding!


    Achter Kontich wonen er ook mensen!

  • Lieber Dietmar,


    aber da steht unzweifelhaft 24 im Nenner und im Nenner stand immer das bayer. Inlandsfranko, da beißt die Maus keinen Faden ab.


    Selbst wenn es falsch herum notiert worden wäre - ich halte da das Verhältnis eine Falschnotation für weit unter einem Promille - wären es 18x für Bayern, so dass es dann 1,5fach gewesen wäre, also über 8,75g bis 17,5g.


    Zu wenig hat Bayern wohl auch nicht kassiert, sonst hätte Taxis gerne nachtaxiert, was auch nicht stattfand, von daher müssen wir akzeptieren, dass der Brief doch einen recht schweren Inhalt hatte, oder ihm dort etwas angehängt worden war, wo einst das Siegel war (und nicht jeder Brief trug den Zusatz "Mit Akt(en)", dem etwas ungebunden worden war).

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

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  • Liebe Sammlerfreunde,


    ich möchte zu den Brief von Dietmar aus Cham nach Detmold hinweisen, daß Detmold zu dieser Zeit auch ein preußisches Postamt hatte. Der Ankunftsstempel von Detmold dürfte ein preußischer sein. Der Grund dazu war, daß Preußen und Detmold - Lippe am 1. Mai 1834 einen Vertrag abschlossen, der u.a. ab 1836 eine preußische Schnellpost von Paderborn (Preußen) nach Hannover (Hannover), über Detmold, Blomberg und Schieder (alle drei Orte Lippe-Detmold) nach Pyrmont (Preußen) ging. Zum 30.9.1845 wurde dieser Vertrag und die Schnellpost wieder aufgehoben, denn durch den Bau der Eisenbahn von Hannover über Minden nach Köln wurde sie nicht mehr benötigt. Auch wurde das preußische Postamt in Detmold am 1.10.1845 aufgehoben, ebenfalls am selben Tag die preußische Postanstalt in Blomberg und die preußische Briefsammlung in Schieder.


    Beste Grüße von VorphilaBayern

  • Lieber Hermann,


    ein hochinteressanter Hinweis – ich hatte mich schon gefragt, woher der preußische Stempel kommt. Auf dieser Homepage ist Detmold zwar nicht aufgeführt, aber entsprechendes Material dürfte rar sein.

    Wenn wir uns eine Karte des T&T-Postgebiets ansehen, dann könnte man sich den Weg über Frankfurt und dann Münster wie im Leitvermerk angegeben eher vorstellen als über Mitteldeutschland und Hannover. Die Frage ist, ob die preußischen Posten dann auch auf diesem Weg die Post an ihr eigenes Postamt in Detmold ausgeliefert haben und nicht an die T&T-Vertragspost in Lippe.

    Ach, ich liebe diese Duodezfürstentümer und ihre besonderen Verhältnisse. (Hermann Löns hat den Begriff »Duodez« übrigens in einer bösen Satire für das verwandte Fürstentum Schaumburg-Lippe geprägt, in dem er zeitweise als Chefredakteur der bedeutendsten Zeitung tätig war.)


    Edit: Die preußischen Posten waren in Lippe-Detmold ein harter Konkurrent für T&T und hatten dort seit Langem Fuß gefasst. Es gab sogar parallel von beiden Dienstleistern bediente Postlinien. Bei Heinrich von Stephan kann man auch einiges dazu nachlesen. Zur Postgeschichte von Lippe-Detmold gibt es auch ein umfangreiches Buch in der Münchener Phila-Bibliothek, das ich hoffentlich bald einsehen darf. Preußen zahlte in Lippe ordentlich drauf und überließ mit Wirkung vom 1. Oktober 1845 T&T vertraglich ganz das Feld.

    Viele Grüße aus Erding!


    Achter Kontich wonen er ook mensen!

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