Brief einer Behörde aus Österreich in Bayern aufgegeben

  • Liebe Sammlerfreunde,


    folgenden Brief möchte ich zeigen:
    Brief von der Kaiserlich Königlichen Hütten - und Hammer Verwaltung Kiefer
    (Österreich) im benachbarten Kiefersfelden (Bayern) aufgegeben. Frankiert
    mit einer 3 Kr. Marke (Eckschaden) vom 14. Mai 1869. Im Hof - und Staats-
    handbuch des Kaisertumes Österreich von 1866 steht folgendes: "K.K. Hütten-
    und Hammerverwaltung in Kiefer; Eisen - Hochofen; Eisen - und Stahlhämmer
    auf Königlich Bayerischen Gebiet".


    Beste Grüße von VorphilaBayern

  • Lieber VorphilaBayern,


    wunderbares Stück und den Eckschaden übersehe ich gerne. Wie viele dieser Briefe mag es heute noch geben?


    Danke fürs zeigen und liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Brief von der Kaiserlich Königlichen Hütten - und Hammer Verwaltung Kiefer
    (Österreich) im benachbarten Kiefersfelden (Bayern) aufgegeben.

    Hallo VorphilaBayern


    Auch ein interessanter Brief :)


    Aber es konnte wohl nicht anders sein, weil Kiefer war ja in Bayern, und nicht in Österreich. Der Brief nach Kufstein zu bringen hatte kein Sinn. So alle Briefe aus Kiefer sind wohl auch alle in Kiefersfelden abgegeben.


    Viele Grüsse
    Nils

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis grösser als in der Theorie.

  • Liebe Freunde,


    der hier gezeigte Brief war Anlass, in Kiefersfelden nachzufragen, ob dort noch heute jemand die tatsächlichen Verhältnisse der kaiserlich königlichen Hüttenverwaltung in Kiefer kennen würde.


    Tatsächlich konnte ich jemanden bei der Stadtverwaltung für meine Anfrage gewinnen, der einen alteingesessenen Kiefersfeldener befragen konnte und die Antwort dieses Kenners möchte ich euch nicht vorenthalten:


    "Die K. K. Hütten- und Hammerverwaltung Kiefer bei Kuftstein in Bayern war ein österreichisches Werk auf bayerischem Boden. Es wurde um 1700 aus dem Zillertal nach Kiefersfelden verlegt, da nur so die im österreichischen Thierseetal reichlich vorhandenen Holzvorkommen problemlos genutzt werden konnten. Das Eisenhammerwerk befand sich im Ortsteil Kiefer, heute der Bereich zwischen dem Werkkanal und dem Kieferbach.


    Das Eisenwerk wurde schließlich 1871 wegen fehlender Rentabilität geschlossen. Als Folge des gewonnenen Krieges 1870/71 gegen Frankreich kamen Elsaß und Deutsch - Lothringen zum Reich und die dortigen Eisenwerke produzierten deutlich günstiger, als das Werk in Kiefersfelden, obwohl der dort produzierte Stahl eine hervorragende Qualität besaß.


    1882 wurden die leer stehenden Fabrikationsanlagen des Eisenhammerwerkes von einem Augsburger Konsortium aufgekauft, das dort im April 1883 die Marmor - Industrie Kiefersfelden gründete."


    Zurück zum Brief - er wurde in Lausanne (CH) am 27.8.1868, also 4 Tage vor dem neuen Postvertrag Bayerns mit der Schweiz vom 1.9.1868, geschrieben und in Folge des Altvertrags richtig mit 50 Rappen (15 Kr.) frankiert. Das Weiterfranko für Deutschland wurde mit 9 Kr. vorderseitig ausgewiesen (kein Nachporto!). Da man diese 9 Kr. aber hätte in Deutschland für ein Nachporto halten können, wurde es von der württembergischen Bahnpost gestrichen (blauer Kreidestift damals wie üblich).Da er mit der Bahnpost Lausanne - Bern(e) schnell befördert wurde, ging es zuerst über den Bodensee, ehe er in Friedrichshafen der württembergischen Bahnpost übergeben wurde. Diese kassierte 9 Kr. als Aufgabepost im Postverein, obwohl es diesen längst nicht mehr gab, aber der Altvertrag sah dies noch so vor - glückliches Württemberg.


    Hatte der Absender noch vermerkt "Kiefer bei Kufstein in Bayern", so war das etwas problematisch, denn Kufstein in Bayern lag schon damals in Österreich, aber die involvierten Postler wussten offenbar, was man in der Romandie gemeint hatte. Am 29.8.1868 kam er schließlich in Kiefersfelden an und wurde der österreichischen Hütten- und Hammerverwaltung zugestellt.

  • Ralph,
    ich denke das man wegen deine Frage sehr überrascht wahr..
    das ist toll das du die Details erfahren hast!
    Interessant... :)
    LG A

    "Im Grunde sind es doch die Verbindungen mit Menschen, die dem Leben seinen Wert geben."
    W. v Humboldt

  • Hallo Adriana,


    ja, tolle Antwort (obwohl ich gehofft hatte, dass das Werk in Österreich lag. Egal, darf ich also noch 2 Ausstellungsseiten modifizieren, damit sie richtig sind.

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Lieber Ralph,


    Einfach nur interessant! Wieder ein kleiner Baustein zum lebenslangen Lernen! Danke!


    Liebe Grüße von maunzerle :thumbsup:

    "Ein Leben ohne Philatelie (und Katzen) ist möglich, aber sinnlos!" (frei nach Loriot, bei dem es allerdings die Möpse waren - die mit vier Beinen wohlgemerkt)

  • Hallo Ralph,


    da werden meine Ausführungen, die ich dir im Februar diesen Jahres schon habe zukommen lassen, also doch bestätigt.


    Anbei jetzt nochmal für alle, die dir schon bekannten Auszüge aus dem VO-Blatt von 1858 (Bestellbezirk Kiefersfelden) und dem Postlexikon von 1868.
    Außerdem der Text (teilweise aus der Geschichte der Stadt Kiefersfelden übernommen, siehe auch online dort) hinsichtlich der Lage der Örtlichkeit betreffend.



    hier ein kurzer Auszug aus der Geschichte Kiefersfeldens:


    "Die Kohlstatt:
    die Kohlstatt hat ihren Nahmen aus ihrer Funktion. Hier hatte man früher, seit
    1611, in Kohlenmeilern Holzkohle hergestellt, die zum Inn gebracht und per
    Schiff, den Inn aufwärts und weiter über die Ziller nach Fügen im Zillertal
    gebracht wurde.
    Das Holz für die Holzkohle kam
    mittels Trift, erst von den Hängen des Buchberges und später, als diese zu Ende
    gingen, aus dem Tal der Thierseer Ache, wie der Kieferbach ab dem Wachtl in
    Richtung Ursprung genannt wird. Im Jahre 1612 wurden etwa 24.000 Stämme zu
    Holzkohle verarbeitet. Die Duldung dieser Abholzung und Verarbeitung auf
    bayrischen Boden, geschah auf Bitten des Habsburger Kaiserhauses, mit
    Genehmigung des bayrischen Herzogs."



    "1695 erhielt dann die Herrschaft Fieger, aus Fügen im Zillertal, die Genehmigung in Kiefersfelden, in
    unmittelbarer Nähe der Kohlstatt, auf dem Gelände zwischen Landstraße (der
    heutigen B15) und dem Inn eine Eisenhütte zu errichten. 1870 wurde das Gelände
    des Eisenhüttenwerkes veräußert, was zur Stilllegung des Werkes führte. Auf dem
    Gelände und in die 60 baulichen Objekte hielt wenige Jahre später, am
    01.04.1883, das ehemalige Marmorwerk Einzug, das es mittlerweile auch schon
    nicht mehr gibt."



    Was die genaue Örtlichkeit betrifft, hilft der Ortsplan von Kiefersfelden: Marmorwerkstraße und An der Steinsäge
    Diese Straßen liegen im Ortsteil Unterkiefer.
    Dann wäre zumindest die Örtlichkeit der Eisenhütte geklärt. In einem der 60 Gebäude war dann wohl auch
    die Verwaltung untergebracht.



    Gruß
    bayernjäger

  • Liebe Sammlerfreunde,


    hierzu folgender Brief:
    Brief, frankiert mit 15 Pfennig vom 18. Juli 1916, vom Volksbekleidungsamt
    der K.K. Niederösterreichischen Statthalterei und aufgegeben in Kiefersfelden
    (Bayern), nach Brünn (Österreich). Dort war der Brief nicht zustellbar und ging
    daher an die Rückbriefstelle München, die ihn öffnete und den Absender fest-
    stellte (Bezirkskommissar von Radvany in Kiefersfelden. Man verschloß den
    Brief mit zweieinhalb Klebezettel "Rückbriefstelle der K.Oberpostdirektion
    München" und sandte ihn nach Kiefersfelden zurück.
    Ich denke die Kombination mit einer österreichischen Behörde, bzw. deren
    Leiter, mit Sitz in Bayern und einer Rückbriefstelle, dürfte nicht oft vorkommen.


    Beste Grüße von VorphilaBayern

  • Lieber Hermann,


    das ist Pfennigzeit vom feinsten! :P:P


    Ein absoluter Traumbrief - danke fürs Zeigen dieses Schmankerls.

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus