Bayern und Tirol 1.1.1809-30.11.1810 ein Land?

  • Hallo Hermann,


    ein sehr interessanter Brief.

    Meine Interpretation:

    Der Absender bezahlte 7 Decimes bis Straßburg (Tarif 1808, 2. Gew.-St. bis 8 g). Im Grenzpostamt Kehl wurden 14 Kr. in Rötel für den Transit bis Augsburg belastet. Der Tinte nach wurde in Augsburg ein Frankokreuz angebracht, die badische Forderung gestrichen sowie L.T. gestempelt. Daher musste Italien nach dem PV Bayern-Italien von 1809 150 Cent. je Unze an Bayern für den Transit vergüten.

    Vom Empfänger wurden 54 Centesimi kassiert. In diesem Betrag ist die Refinanzierung der bayerischen Forderung enthalten.

    Ich füge noch einen Brief ebenfalls auf Verviers vom 13.4.1811 an, der außerpostalisch nach Frankfurt kam und dort aufgegeben wurde. Auch für diesen Brief musste der Empfänger 54 Centesimi bezahlen.


    Grüße von liball

  • Hallo Liball!

    Recht vielen Dank für die Beschreibung So kann ich den Brief richtig in meine Sammlung einbauen und auch diesen Vertrag von 1809 mit einem Brief und dem L.T. stempel belegen. wieder eine schöne Ergänzung der Postgeschichte Tirols.Danke und viele Grüße: Planke

  • Liebe Sammlerfreunde,


    bis zum 30.11.1810 galt in Tirol noch das Halbporto - bzw. Halbfrankosystem. Es waren jedoch auch reine Porto - und Frankobriefe zulässig. Portobriefe kann man von 1806 bis 1810 an einer Hand abzählen. Einen Frankobrief habe ich aus dieser Zeit erst einmal gesehen. Hierzu kann ich folgenden Brief zeigen: Brief aus Nürnberg vom 28. September 1810 nach Taufers in Tirol im Pusterthal. Der Absender gab den Brief als Portobrief auf. Porto bis zur bayerisch tiroler Grenze 12 Kreuzer. Diese wurden als "Auslage 12 Kreuzer" vermerkt. In Tirol fielen 12 Kreuzer Porto an (1/2 bis 1 Loth). Zusammen wurden diese angeschrieben und 24 Kreuzer rh. beim Empfänger kassiert. Irrtümlich wurden noch 1 Gulden 12 Kr. angeschrieben, aber wieder gestrichen. Wahrscheinlich wurden Auslage 1 Gulden 12 Kr. gelesen. Der Brief lief mit der Post bis Bruneck. Der Brief wurde dann vom Boten aus Taufers, Herrn Anton Auer nach Taufers befördert (er machte dies seit März 1810). Bis dahin bestellte die Postexpedition Bruneck die Briefe nach Taufers. Ab 8. Mai 1812 war dafür zweimal wöchentlich der Amtsbote vom Landgericht Taufers zuständig (Quelle: Friedrich Pietz - Vorphilahandbuch Bayern - Bruneck).


    Beste Grüße von VorphilaBayern