Bestellung von Paketen direkt an die Adresse bis Ende 1867

  • Liebe Sammelfreunde


    hier soll es um die komplette Bestellung von Paketen an eine Adresse gehen.
    Mich interessiert es auch, wie es allgemein gelöst wurde und wo es solche Möglichkeiten gab. Zumindestens war es in Preussen vielerorts garnicht gelöst, selbst in größeren Orten.


    Allerdings habe ich mittlerweile zwei Belege, wo ich davon ausgehe, dass hier eine Zustellung des Paketes tatsächlich existent war.


    der erste stammt vom 12.06.1850 und lief von Pasewalk nach Berlin ca 15,5 Meilen voreinander entfernt Das Paket wog 38 Pfund 6 Loth.


    Nach dem gültigen Tarif ist je Pfund bei Bahnbeförderung 1 1/2, ansonsten 2 Pfennige von 5 zu 5 Meilen zu erheben. Auch werden die Pfundteile nicht berücksichtigt.


    Somit ergibt sich: 38 Pfund * 1,5 Pfennige * 4 (20 / 5 Meilen) = 228 Pfennige = 19 Sgr. Diese wurden vom Absender auch bezahlt, wie vorderseitig vermerkt und mit blau gestrichen bei der Prüfung.


    Hier ist die Siegelseite nun das interessante: Darauf befindet sich der K2 "1 te PACKETBESTELLUNG" von der Berliner Packkammer vom 13.06. Laut Beschreibung wurde dieser 1846/7 benutzt für die "Zustellung ins Haus".


    Desweiteren wurde eine "4" (Sgr) vermerkt, was nur bedeuten könnte, dass dies das Bestellgeld incl. Paketzustellung dem Empfänger in Berlin kostete.


    Mit freundlichem Sammlergruss


    Ulf

  • Lieber Magdeburger,


    bei einem Gewicht von über 38 Pfund wird man dem Empfänger kaum zugemutet haben, es von der Post selbst abzuholen. Da war es gut, wenn es diesen Service gab (in Bayern mit der Schubkarre).


    Liebe Grüsse von bayenr klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Lieber Bayern Klassisch


    ich glaube nicht, dass es eine Frage von Zumutung war, sondern in wie weit es logistisch umgesetze wurde.
    In Magdeburg wird erstmal 1856 in den Amtsblättern dieser Dienst am Kunden erwähnt. (Bild 1 - Zusammensetzung der Einführung + Änderung im Laufe des Jahres) Einleitend steht zwar "eine regelmäßige Packetbestellung", nur davon auszugehen, daß es vorher unregelmäßig wäre... siehe selbst. Im Jahre 1857 ist in dem Adressbuch dazu ebenfalls ein Vermerk.


    Weiterhin aus den Adressbüchern:
    Erstmalig finde ich (soweit vorhanden) für das Jahr 1834 ein Hinweis, welcher sich auf das Passaigiergepäck bezieht. In leicht geänderter Form dann 1852.


    1854 eine weitere Änderung und hier ist die Rede von der "expresse Bestellung" bei Paketen! und wie gehabt des Passagiergepäcks. Dieser Absatz ist auch 1857 zusätzlich vorhanden, also neben der regelmäßigen Bestellung (Bild 2).


    Aus diesen Informationen schließe ich, dass nur bei der "expresse Bestellung" von einer Auslieferung an den Empfänger vor dem 21.08.1856 ausgegangen werden kann. Alles andere mußte vom Empfänger abgeholt werden.


    Prinzipell könnte ich mir vorstellen, dass es Einzelverträge mit dem Postamt gegeben hat, nur gesehen habe ich soetwas noch nicht...


    Mit freundlichem Sammlergruss


    Ulf

  • Liebe Sammelfreunde


    ob in Coswig das Paket mitausgeliefert wurde, ist zwar reine Spekulation.
    Sicher ist, dass die Sendung am 14.03.1846 zwischen 09-10 Uhr bei Postamt in Magdeburg aufgegeben wurde. Einen Zugfahrplan habe ich nicht, jedoch im Jahre 1847 ist vermerkt, dass 11 1/2 Uhr ein Personenzug nach Köthen lief. Die Fahrzeit dürfte bei etwa 1 Stunde gelegen haben und von dort ging es in Richtung Berlin, also über Dessau nach Coswig. So ist es prinzipell möglich, das am späten Nachmittag der Brief incl. Paket zugestellt wurde. Alle Stempel sprechen jedenfalls hierfür. Dazu kommt die siegelseitige "4", was ich als Bestellgeld interpretiere.


    Mit freundlichem Sammlergruss


    Ulf

  • Liebe Sammelfreunde


    gerade bei Ebay entdeckt:


    http://www.ebay.de/itm/Paket-B…in-1863?item=110848571846


    Laut Angabe ist der Brief aus dem Jahre 1863. Die Aufgabe war in Cottbus und nach Berlin sind es etwas über 14 Meilen und damit die 3. Entfernungsstufe. Das Gewicht mit 20 Pfund und 25 Loth für eine Kiste ist auch nicht schlecht.
    Die Taxe errechnet sich mit 1,5 Pfennige * 21 Pfund * 3 Entfernungsstufe = 95 Pfennige = 7 Sgr 11 Pfennige aufgerundet 8 Sgr, was auch vom Absender bezahlt wurde.


    Interessant wird die Siegelseite! Da ist deutlich eine schöne "3" und dies dürfte eine Bestellgeldnotierung sein. Eventuell findet sich hierzu irgendetwas in den Potsdamer (Berliner) Amtsbätter.


    In MD war Ende 1862 jedenfalls das Bestellgeld hierfür gesenkt worden. Bild 2


    Mit freundlichem Sammlergruss


    Ulf


    P.S. Ich will den Beleg nicht! und lösche den Link nach Ablauf!

  • Liebe Sammelfreunde


    folgenden Brief konnte ich bekommen:
    Aufgegeben am Bahnhof in Halle an der Saale am 11.10.1867 in der Zeit zwischen 18 - 19 Uhr und seine Reise ging nach MD. Begleitet hat er ein Paket von 2 Pfund 4 Loth. Die Ankunft war einen Tag später. Der Mindestfahrposttarif von 2 Sgr wurde hier mittels einer Nr. 17 dargestellt.


    Für mich war natürlich der Packet-Bestellungsstempel von besonderem Interesse. ( Neben diesen ist mir nur noch ein Beleg vom 02?.07.1867 bekannt, welcher in einer festen Sammlung ist. Dies bezieht sich auf die Preussenzeit. )


    Der Stempel wurde ausschließlich für die direkten Zustellung des Paket verwendet.


    Mit freundlichem Sammlergruss


    Ulf

  • Ein Brief, der vorder- und rückseitig interessante Stempel aufweist:



    1867 wurd in Elberfeld von dem Textilunternehmen Platzhoff ein Paquet in Wachspapier mit einem Gewicht von 2 Pfd. aufgegeben.
    Es fiel der Mindestfahrposttarif von 6 Sgr. an, der bar bezahlt wurde. Zur Bestätigung wurde ein Frankostempel benutzt.
    Rückseitig sind 2 blaue Stempel zu finden. Einmal der K1 der Berliner Postexpedition 24 (eine selbständige Postexpedition für Paketpost) und der K2 PACKET-BESTELLUNG für die direkte Paketzustellung mit der nebengesetzten Taxe von 4 Sgr.


    Gruß
    Michael

    Mitglied im DASV - Internationale Vereinigung für Postgeschichte

  • Liebe Freunde,


    hier ein frankierter Paketbegleitbrief von ca. 1860 für ein Paket in weißer Leinwand mit 17 Loth Gewicht an

    Fräulein Anna von Schrötter

    Gut und ???

    zu

    Potsdam

    abzugeben bei der Burggräfin

    Magda zu Dohna



    Die 6 Sgr. - U12B + 11a(2) -entsprechen dem Mindesttarif = doppelter Brieftaxe für die Entfernung von >20 Meilen.


    Die Zustelladresse war prominent: Magda von Dohna war die Tochter von Friedrich zu Dohna-Schlobitten, ein preußischer Generalfeldmarschall. Magda selber war u.a. Stiftsdame und Gründerin eines Diakonissen- und eines Krankenhauses.


    Man holte das Päckchen nicht selber ab, sondern ließ es sich zustellen, dokumentiert durch den vorderseitigen PAKETBESTELLUNG-Stempel der Potsdamer Packkammer.


    Gruß

    Michael

    Mitglied im DASV - Internationale Vereinigung für Postgeschichte

    Einmal editiert, zuletzt von Michael ()

  • Liebe Freunde,


    danke für die Ergänzung und den Kommentar.

    Den blauen Wertstempel in Kombination mit 2 blauen Marken fand ich auch recht attraktiv.


    Gruß

    Michael

    Mitglied im DASV - Internationale Vereinigung für Postgeschichte

  • Liebe Sammelfreunde


    mir ist es gelungen einen weiteren Beleg mit dem Stempel "MAGDEBURG. PACKET-BESTELLUNG" zu bekommen. Danke auch an KlangRausch für den Hinweis.


    Aufgegeben wurde er in Gardelegen für ein Paket von 2 Pfund 5 Loth am 11.07.1867. Adressiert wurde er an den "Herrn Referendariaus L. Buchholtz (in) Magdeburg Catharinenstrasse #10 2 Treppen hoch".

    Die Entfernung beträgt keine 10 Meilen, so dass der Mindestfahrposttarif von 2 Sgr. ausreichte und auch so frankiert wurde.

    Am Folgetag kam alles an und so wurde das Paket incl. Brief am Vormittag zugestellt.


    Mit freundlichem Sammlergruss


    Ulf

  • lieber Ulf,

    Glückwunsch zu diesem besonderen Stempel. Für Preußen hat er ja eine ganz ausgefallene Form. Der fehlt mir auch noch in meiner Packkammerstempelsammlung.

    viele Grüße
    Erwin W.
    preussen_fan

  • Lieber Erwin


    der Stempel scheint eher selten zu sein, wurde jedoch bis in die Brustschildzeit verwendet. Meine Hoffnung ist ja, mal einen Beleg zu finden, welcher nicht nach dem Mindestfahrposttarif taxiert wurde. Soweit ich mich erinnere gibt es diesen Stempel etwa seit dem 2. Quartal 1867. Auch kommt er mit dem Zusatz Vm = Vormittag und Nm = Nachmittag vor, was auf 2 Paketbestelltouren an einem Tag schliessen läßt.


    Mit freundlichem Sammlergruss


    Ulf

  • Lieber Ulf,

    mit eher selten solltest du recht haben. Mir ist er bewusst noch nicht begegnet. Bei Bruns ist er in der vorletzten Seltenheitsstufe mit 4 P verzeichnet.

    viele Grüße
    Erwin W.
    preussen_fan

  • Lieber Erwin


    am billigsten ist der auf Belegen des NDP so um die 30 Euro bei einfachen Frankaturen. Bei Preussen eher dreistellig und Brustschild knapp drunter. Er gehört somit zu den teuren Stempel, warum auch immer. Andere Stempel können seltener sein, bringen meist jedoch kaum solche Summen.

    Aus Preussen kenne ich nur noch einen weiteren Beleg, ebenfalls mit einer 17a frankiert.


    Mit freundlichem Sammlergruss


    Ulf

  • Lieber Ulf,


    Glückwunsch zu dem schönen Brief. War ich auch dran interessiert, aber der Preis ist dann doch etwas höher gegangen als erwartet.


    Viele Grüße

    Michael

    Mitglied im DASV - Internationale Vereinigung für Postgeschichte