aus Großbritannien zur Postvereinszeit

  • Hallo zusammen!


    Wenn ich diesen Thread eröffne, dann handelt es sich - natürlich - um einen Brief ins badische Heidelberg.


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    Er wurde am 16. August 1865 in London aufgeliefert, frankiert mit 6 Pence (2 x MiNr. 16 + MiNr. 24 in früher Verwendung). Portorichtig für einen "Leichtbrief" (1/2-Zoll) für den Leitweg über Frankreich.


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    Der Durchgangsstempel von Calais vom 17. August sowie der badische Bahnpoststempel vom 18. August belegen den Leitweg. Unklar ist mir, wo der Grenzübergangsstempel "Frankreich über Baden" abgeschlagen wurde - vielleicht in Straßburg? Erstaunlich: es fehlt ein Heidelberger Ankunftstempel. Durch eine Notiz des Empfängers wird das Ankunftsdatum klar: "Received Friday 18th August 1865 - contains circular on ... ... (?) £ 50"


    Viele Grüße von balf_de

  • Lieber balf_de,


    dein Brief wurde in Kehl mit dem Ovalstempel bedruckt bzw. von der dortigen Bahnpost in Richtung Norden. Dies traf auch Briefe, die über Baden hinaus liefen, denn Baden erhielt ja das Postvereinsporto und dies musste dokumentiert werden, da er auch über Forbach (Preußen) hätte laufen können.


    50 Pfund - das war ein kleines Vermögen: 1 Pfund = 20 Shilling à 12 Pence = 240 Pence. 1 Penny = 3 Kr. rheinisch, also waren in Baden 50 Pfund 600 Gulden wert.


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

    Einmal editiert, zuletzt von bayern klassisch ()

  • Lieber Bayern Klassisch


    eine kleine Korrektur sei mir gestattet:


    50 Pfund = 350 Thaler = 612 Gulden 30 Kreuzer rheinisch
    1 Pfund = 240 Pence = 7 Thaler = 12 Gulden 15 Kreuzer = 735 Kreuzer rheinisch
    dann paßt auch 1 Pence = 3,0625 Kreuzer


    Auf jeden Fall ist es vielfach ein Jahresverdienst gewesen....


    Mit freundlichem Sammlergruss


    Ulf

  • Lieber Magdeburger,


    danke für das zeigen der "crossrates", wie es heute heißt. Du siehst, dass die preußische Währung gegenüber der süddeutschen deutliche Differenzen aufweist. Meine Rechnung war eine Postalische, daher kann es zu Rundungen kommen. Formell müsste sie aber richtig sein.


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Liebe Freunde,


    ein Brief aus Sheffield via France (K2-Stempel des ambulanten Büros von Calais) und Aachen nach Iserlohn in der preußischen Rheinprovinz aus dem Jahr 1863.
    Die 6 Pence-Marke ist eine spät verwendete Mi.-Nr. 14 von 1856 (es gab bereits die Folgeausgabe von 1862).



    Viele Grüße
    Michael

    Preußen mit Transiten

  • Hallo zusammen!
    Einen zweiten Brief aus London nach Heidelberg kann ich zeigen, der im Mai 1860 verschickt wurde. Diesmal wurde der andere mögliche Leitweg gewählt: er lief nicht über Frankreich sondern über Belgien und Preußen ins Badische


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    Dank @Magdeburgers schönem Brief aus Sheffield kann ich jetzt auch den Transitstempel aus Aachen identifizieren, der bei meinem Brief weniger klar abgeschlagen ist.


    (Das ist übrigens ein schönes Beispiel dafür, dass „Länder-übergreifende“ Threads sehr nützlich sein können!)


    Offensichtlich war das Porto auf diesem Weg teurer als über Frankreich – auch Magdeburgers bar bezahlter Brief kostete 8 Pence. Dass für @Altsax‘ Brief auf dem gleichen Leitweg nur 6 Pence zu frankieren waren, hängt sicher mit dem späteren Termin 1867 zusammen – in der Nach-DÖPV-Zeit ermäßigte sich der „innere“ Portoanteil um 3 Kreuzer. Nachprüfen kann ich bei meinem kleinen Briefchen leider nicht mehr, ob er schwerer als ½-Loth war und deshalb der preußische Leitweg günstiger war – ich habe nur den Briefumschlag. Dass der Absender Gewicht sparen wollte, ist aber offensichtlich: er beschrieb auch die Innenseite des Umschlags.
    [Blockierte Grafik: http://s3.imgimg.de/uploads/GB1313BriefLondonHDRS6a4ac135JPG.jpg]


    Leider kann ich den Text nicht vollständig lesen, obwohl er deutsch geschrieben ist. Aber es ging wohl auch hier um Geld. Diesmal lese ich „10 Guinees“ – das wären sogar 10 Shilling mehr als 10 Pfund ….


    Ich bin recht zuversichtlich, dass mir mit dem Text geholfen wird …Viele Grüße von balf_de

  • Offensichtlich war das Porto auf diesem Weg teurer als über Frankreich – auch Magdeburgers bar bezahlter Brief kostete 8 Pence. Dass für @Altsax‘ Brief auf dem gleichen Leitweg nur 6 Pence zu frankieren waren, hängt sicher mit dem späteren Termin 1867 zusammen – in der Nach-DÖPV-Zeit ermäßigte sich der „innere“ Portoanteil um 3 Kreuzer.

    Hallo balf de,


    die Taxermäßigung auf 6 Pence (=5 Sgr.) für über Belgien und Preußen gelaufene Englandbriefe stammt aus dem Jahre 1859. Danach hat sich bis Ende 1867 zwar noch einmal die Verteilung zwischen den Postverwaltungen, nicht aber die Gesamttaxe geändert.


    Beste Grüße


    Altsax

  • Hallo Altsax!

    die Taxermäßigung auf 6 Pence (=5 Sgr.) für über Belgien und Preußen gelaufene Englandbriefe stammt aus dem Jahre 1859


    Danke für die Information. Das bedeutet, dass für beide Leitwege das gleiche Porto anfiel und dass mein Brief schlicht überfrankiert ist.


    Viele Grüße von balf_de

  • Lieber balf_de,


    könntest du den Kuvertinhalt höher auflösen? Dann kann ich es sicher lesen ... Die Gebühren zwischen GB und den AD - Staaten waren nicht immer reziprok und die Veröffentlichungen von neuen Tarifen schon gar nicht. Alles nicht so einfach ...


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Die Gebühren zwischen GB und den AD - Staaten waren nicht immer reziprok und die Veröffentlichungen von neuen Tarifen schon gar nicht.

    Lieber bk,


    lt. sächsischer Postverordnung Nr. 1893 vom 25.7.1859 betrug das Gesamtfranco für den einfachen Brief über Preußen nach England 5 Ngr. (=6 Pence) in beiden Richtungen, für Portobriefe wurden 7 Ngr. (=8 Pence) erhoben.


    Liebe Grüße


    Altsax

  • Lieber Altsax,


    das ist 1 Beispiel, aber es gibt auch andere. Asmodeus hat mal in einem anderen Forum Primärquellen aus GB gezeigt, die mit meinen bayerischen Primärquellen nur wenig gemeinsam hatten, daher meine vorsichtige Formulierung.


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Lieber bayern klassisch!

    könntest du den Kuvertinhalt höher auflösen? Dann kann ich es sicher lesen ...


    Danke - ich wusste, dass ich mich auf Dich verlassen kann!


    So in etwa glaube ich inzwischen zu entziffern, dass der Absender ein Bild malen sollte und sich über die Bezahlung freute ..


    Ich lese etwa folgendes:


    22. früh


    Halt den Gaul an, so schickt man keinen Brief fort; gestern Abend einen Auftrag von Nottebohm’s Bruder, für ihn ein Kind nach Photogr (?) zu malen, das er seinen Eltern zur Silbernen Hochzeit nach Hamburg mitnehmen will


    10 Guineen dafür ! 10 Guineen


    Links schräg: nur ein kleiner ..
    Rechts .. : …bildchen 5 Tage Arbeit



    Danke für Deine Hilfe!


    Liebe Grüße
    balf_de

  • Lieber balf_de,


    danke für den besseren Scan.



    Jetzt ist es komplett.


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Liebe Sammelfreunde


    lt. sächsischer Postverordnung Nr. 1893 vom 25.7.1859 betrug das Gesamtfranco für den einfachen Brief über Preußen nach England 5 Ngr. (=6 Pence) in beiden Richtungen, für Portobriefe wurden 7 Ngr. (=8 Pence) erhoben.


    ...bisher habe ich noch keinen besseren Brief bekommen. Jedenfalls ist er vom 21.12.1863 von London und wie soll es anders sein, nach Magdeburg gelaufen. Diesmal siegelseitig der Transit über Aachen incl. Ausgabestempel vom Vortag des Heiligabend.


    Er ist porto gelaufen und kostete dem Empfänger die 7 Sgr - umgekehrt habe ich noch keinen Portobrief aus dieser Zeit gefunden...


    Mit freundlichem Sammlergruss


    Ulf

  • Liebe Freunde,


    hier die passenden Tax-Stempel mit Silbergroschen-Währung zu dieser Periode.
    Da sie preußischerseits erst eingeführt wurden, als der Anteil an Portobriefe wegen des höheren Portos deutlich abnahm, findet man sie nicht so oft.




    Der Brief nach Köln zeigt rückseitig den K2 AUS ENGLAND PER AACHEN in einer nicht so häufigen Farbe.


    Viele Grüße
    Michael

    Preußen mit Transiten