GB-Bayern Vorphila

  • Hallo Freunde

    Ich zeige hier einen 2 Sheet Brief von London nach Würzburg in 1839 geschickt. Es war ein in 1830-er, offenbar wenn man die Belege hier im Thread sehe, nicht häufiger Leitweg über Ostende und Preussen.

    Und so war wohl auch nicht der Transitstempel aus Aachen so häufig auf Briefe nach Bayern.

    In Deutschland war der Brief als einfach zu rechnen.


    Viele Grüsse

    Nils

  • Hallo Nils,


    3 Shilling 4 Pence = 2 Gulden bis zur kontinentalen Küste, 20 belgische Cents bis Aachen, mit dem preussischen Porto wurden diese in 8 3/4 Sgr. zusammen gefaßt, die 31 Kreuzern entsprachen. Dazu das bayer. Inlandsporto von 4 Kr. ergaben die in Würzburg kassierten 35 Kr.. Gesamtkosten für den Brief also 2 Gulden 35 Kreuzer, fast der Wochenlohn für einen normalen Briefträger damals ...

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo Ralph

    Ja, die Gebühren sind relativ hoch. Aber die bezahlende waren, zum Glück, keine arme Briefträgern :)

    Viele Grüsse

    Nils

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis grösser als in der Theorie.

  • Großbritannien nach Bayern über Hamburg


    Hallo miteinander,


    hier ein Brief aus einer bekannten Korrespondenz nach Mittenwald, aber mit dem wohl unüblicheren Weg über Hamburg.


    Brief aus London nach Mittenwald


    Die Rückseite mit nicht lesbarem Aufgabestempel und Abschlag der Schiffsbriefpost Hamburg


    Der Brief von George Trimbey datiert im Innenteil von 12. August 1831 und wurde in London geschrieben. Rückseitig findet sich sehr schwach abgeschlagen ein zweizeiliger Aufgabestempel, vorderseitig ein ovaler ´POST PAID SHIP LR LONDON´ 12. August.


    Etwas rechts unterhalb ist die englische Taxe notiert, die der Brief bis zum Hafen auf dem Kontinent dem Absender gekostet hat. Bis 184o wurde das Briefporto in England nach der Anzahl der Blätter eines Briefes berechnet. Ein Ship-Letter (Beförderung mit einem Handelsschiff) kostete zu der Zeit die Hälfte der Summe des Inlandsporto und des Tarifs für den Transport mit einem Packet Boat (ein von der englischen Post beauftragtes Schiff). In dem Fall des Versands ab London entfiel das Inlandsporto (Danke Martin, das hatte ich nicht auf dem Schirm). 1 Shilling und 8 Pence war die Gebühr mit dem Packet Boat, davon die Hälfte ergeben 10 Pence, die vom Absender zu zahlen waren und mit roter Tinte rechts mittig notiert wurde.


    Taxnotation für 10 Pence


    Die nächste notierte Taxe ist die ´6´ mit Rötel, die von der hamburgischen „Englischen Schiffspost“ (später Brief-Post-Comptoir Hamburg, einem Teil der Stadtpost) notiert wurde. entsprechende Verordnung zu der Taxe habe ich noch nicht finden können, eventuell kann jemand helfen.


    Der weitere Beförderungsweg über Thurn & Taxis wird in einem Artikel von Ralph Bernatz „Die Postverhältnisse Bayerns zu Großbritannien in der Kreuzerzeit“ Rundbrief 184 der FgGB benannt. In dem Artikel wird jedoch nicht weiter darauf eingegangen. Geht man also davon aus, dass der Brief von Thurn & Taxis nach Bayern befördert wurde, so bleiben noch offen, wieviel Th&T und Bayern für den Brief bekommen haben.

    Schaut man ans Ende der Reise, also nach Bayern, so wurden mit blauer Tinte 36 Kreuzer im Auslagestempel (kann jemand bestätigen, dass der Stempel aus Nürnberg stammt?) notiert. Darunter hat Bayern 16 Kreuzer für das Inlandsporto geschrieben, der Empfänger zahlte also 52 Kreuzer für den Brief.


    Nicht nachvollziehen kann ich die Notation ´al18´ mit schwarzer Tinte oben links, die wurde übrigens von Bayern gestrichen. Erwartet hätte ich eine Taxnotitz von Thurn & Taxis, aber die 18 kann ich auch keiner Währung sinnvoll zuordnen. Kann jemand sagen, wieviel Taxis für den Brief bekam? Die 36 Kreuzer sind es ja nicht unbedingt, zumindest habe ich hier einen Artikel im Forum so verstanden, dass die 36 Kreuzer aus der Auslage zwar dem Empfänger angerechnet wurden, nicht mit dem Betrag übereinstimmen mußten, den Taxis von Bayern bekam. Oder liege ich da falsch und Bayern notierte in der Auslage IMMER den Betrag, den es auch abgab?


    Beste Grüße, Volker

  • Hallo Volker,


    ich glaube, das Al 18 heißen soll: Auslage 18 Schillinge Courant = 36x. So wurde der Brief in Nürnberg Bayern angedient. Damit ist auch klar, wie er lief (blaue Tinte immer Nürnberg, rote Tinte immer Hof).

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Lieber Ralph,


    das mit der blauen Tinte und Nürnberg nehme ich in die Beschreibung gerne auf, danke.


    Bei der Interpretation der ´al18´ gehe ich nicht mit, ich habe heute einiges zum Thema Schilling (ß) und Kreuzer (Kr) zusammengesucht und komme auf folgende Rechnung.


    Wenn es sich um 18 Schilling handelt dann sind:


    16 ß entsprechen 1 Kurantmark (KM)

    1 ß entspricht 1/16 KM

    18 ß entsprechen 18/16 KM


    Weiter gilt:


    68 KM entsprechen 49 Gulden (G) (süddeutscher 24½-Gulden-Fuß)

    1 KM entspricht 49 / 68 G

    1 / 16 KM entsprechen 49 / (68 * 16) G

    18 / 16 MK entsprechen (49 * 18) / (68 * 16) G


    Die 18 /16 KM können wir nun durch die 18 ß von aus Zeile 3 der Rechnung ersetzen und da


    1 G entspricht 60 Kreuzer (Kr)


    gilt, erhalten wir:


    18 ß entsprechen (49 * 18 * 60) / (68 * 16) Kr


    und den Buch ausgerechnet


    18 ß entsprechen 48,64 Kr


    Die 18 Schilling passen also nicht.


    Eine Frage habe ich noch. Wenn Bayern 36 Kreuzer in der Auslage notiert hat, hat dann Taxis auch 36 Kreuzer erhalten, oder bekamen die eventuell weniger?



    Beste Grüße, Volker

  • Lieber Volker,


    gut, dann war meine Interpretation der Schillingen nicht richtig.


    Wenn Nürnberg 36x in den Auslagestempel schrieb, musste man auch der zuliefernden Post 36x vergüten, sonst hätte ja die "Kasse", also die Briefkarte, nicht gestimmt und später hätte es Probleme bei der Revision der Unterlagen gegeben; bei Unklarheiten war übrigens immer der der Angepinkelte, der den Fehler begangen hatte und eine eventuelle Differenz musste der Postler dann aus eigener Tasche zahlen.


    Man nahm ja nur 36x in Auslage, wenn man von einer anderen Postverwaltung mit diesem Betrag, oder dem Äquivalent in fremder Währung, mit der Briefkarte belastet worden war, von daher erachte ich es als sicher, dass 36x richtig waren (im anderen Falle hätte Bayern oder eine zuliefernde Postverwaltung einen Franko- bzw. Portodefect auf die Reise geschickt, um die korrekten Kosten zu erheben bzw. zu erstatten).

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Lieber Ralph,


    danke für die Antwort. Dass in der Auslage das steht, was an die fremde Postverwaltung bezahlt wurde war auch mein Kenntnisstand, bis ich den oben zitierten Beitrag von Dir gelesen habe. Es ist der Beitrag #52 in diesem Thema. Wenn ich es jetzt richtig verstehe, muss man als Bayern also noch beachten, ob man jeden Brief einzeln, oder ob ein Bündel von Briefen zu einem "Gewichtspreis" gekauft hat. Bei letzterem Fall ist dann die in der Auslage notierte Taxe nicht zwingend identisch mit der Abrechnung gegenüber abgebenden Post, also in dem Beispiel zu Beitrag #52 Frankreich.


    Beste Grüße, Volker

  • Lieber Volker,


    der Brief #52 ist nicht vergleichbar mit deinem - die Grundlagen zur Erklärung von Brieftaxen liegen immer in den jeweiligen Postverträgen. Mit Frankreich wurde bis 1858 meistens im Paket abgerechnet und daher intern Paketpreise vereinbart, die sich nicht auf den Briefen zeigen (müssen).


    Bei deutsch-österreichischen Briefen gab es dieses nicht.

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus